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Phantasievolle Bäderarchitektur

Die Seebäder Göhren, Baabe, Sellin und Binz sowie die Stadt Sassnitz schmücken sich mit Häusern, deren Baustil als Bäderarchitektur bezeichnet wird. Die Fahrrad- oder Autotour entlang der Ostküste hat eine Länge von 50 km.

In Göhren erinnert wenig an das einstige Dorf, die Fischer- und Bauernhäuser entsprachen zu Beginn des 20. Jhs. nicht mehr den Wünschen der immer zahlreicher anreisenden Feriengäste. Für sie entstanden kleine Hotels und Pensionen in einem Baustil, der eigentlich keiner ist: Wilhelminische Bäderarchitektur. So wird ein Konglomerat verschiedener Baurichtungen bezeichnet, gotische und klassizistische Elemente sind ebenso anzutreffen wie orientalische und alpenländische Einflüsse. Die Architekten holten sich Anregungen auf der ganzen Welt.

Für immer verloren gegangen ist die Göhrener Seebrücke, die mehreren Eispressungen nicht Stand halten konnte. Die Reste mussten 1953 gesprengt werden. Nach der Einheit Deutschlands entstanden in Göhren wie auch in Binz und Sassnitz neue Seebrücken.

Im Nachbarort von Göhren, dem stillen Baabe, reihen sich die kleinen Hotels und Pensionen entlang der schnurgerade zum Strand führenden Straße. In Sellin bildet die Wilhelmstraße eine Art Freilichtmuseum der Bäderarchitektur. Die alte, 600 m lange Selliner Seebrücke, deren Aufbauten auch dem Stil der Bäderarchitektur zuzurechnen waren, hatten im Winter 1941 Eisschollen zerstört. Die meisten Bauten im Stil der Bäderarchitektur hat Binz vorzuweisen. Hierher reisten einst die Wohlhabenden, mit Zofe, Diener und später dann mit Chauffeur. Das Ostseebad hat sich viel von dieser Noblesse erhalten, an der Strandpromenade und den dahinter verlaufenden Straßen reihen sich die Häuser im Stil der Bäderarchitektur eines ans andere.

Fast alle Hotels und Pensionen waren in den 40 Jahren DDR arg verkommen, wurden doch alle beheizbaren Häuser 365 Tage im Jahr bis auf das letzte Bett belegt, der Verschleiß war enorm. Doch so makaber das klingen mag: Die DDR-Mangelwirtschaft hatte auch ihre guten Seiten. Da es an Material und an Geld zum Erhalt der Bauten fehlte, war logischerweise auch nichts da, um sie zu modernisieren oder gar abzureißen. Es blieb erhalten, was im Westen Deutschlands spätestens in den 1960er-Jahren Bauten aus Glas und Beton weichen musste. Die Seebäder an der Ostküste Rügens haben sich somit ein unverwechselbares Gesicht bewahren können, das die Besucher immer wieder entzückt.

Die Fahrt nach Sassnitz führt durch Prora, Hitlers „Seebad der Zwanzigtausend“, das Europas größte Ferienanlage werden sollte. Auch hier entstand „Bäderarchitektur“, doch eine völlig andere. In schlichter Sachlichkeit, stark an die Bauhausarchitektur erinnernd, wurden von 1936 bis zu Kriegsbeginn fünf jeweils 500 m lange, sechsstöckige Wohntrakte hochgezogen. Manches, was die Nationalsozialisten geplant hatten, blieb Utopie, so die Fest- und Kongresshalle für 20000 Personen. Sassnitz war ab 1860 das führende Bad Rügens. 1912 zählte die Stadt 42 Hotels und Pensionen. Seine Führungsrolle musste Sassnitz aber schon zu Beginn des 20. Jhs. an andere Orte abgeben, die mit herrlichen Stränden aufwarten können.

Über die Zickerschen Berge

Von Groß Zicker durch einen Teil des Biosphärenreservats nach Gager und zurück. Das Land Zicker, wie die von der Hagenschen Wiek, der Kaming und den Zickersee eingerahmte Halbinsel genannt wird, gehört zu Mönchgut, der südöstlichsten Ecke Rügens. Zu ihrem Namen kam sie, weil sie sich einst im Besitz des Klosters Eldena bei Greifswald befand. Die Halbinsel ist eine der letzten naturnahen Weidelandschaften Norddeutschlands. Die Wanderung ist etwa 14 km lang.

Die Erwartungen sollten nicht zu hoch geschraubt werden: Die Berge sind Hügel mit kleinen Wäldern und Trockenrasen. Für Autos gibt es am Ende der Dorfstraße von Groß Zicker einen Parkplatz. Der Weg führt zunächst geradeaus; nach dem Kransen genannten Kiefernwäldchen kann man rechts hinauf zum Zickerberg wandern. Was übertrieben Berg heißt, ist eine Erhöhung von genau 66 m. Bänke laden zu einer Rast ein, in Ruhe lässt sich der großartige Blick hinunter in die Lindal genannte Senke und von dort auf die Hagensche Wiek genießen.

Der Abstieg vom Zickerberg erfolgt durch den Griepelgrund zum bewaldeten Hochufer des Nonnenlochs. Vor Jahrhunderten soll es hier toll zugegangen sein, wenn man der Legende glauben darf: Die Nonnen des Bergener Klosters verlustierten sich an dieser Stelle heimlich mit den Mönchen von Eldena. Am Nonnenloch gibt es einen Abstieg zum Strand, die beiden dort liegenden Findlinge haben ein Gewicht von 41 und 27 t. Wieder auf dem Hochufer, kann man weiter zum Svantegard wandern, wie die kleine Nordwestnase des Landes Zicker heißt. Auf alten Seekarten ist südwestlich vor der Küste die Insel Stubber eingezeichnet, die sich heute bei Niedrigwasser als eine mit Steinblöcken belegte Sandbank zeigt. 1893, so verzeichnen die Annalen, wurden auf ihr 37 Seehunde erlegt. Die Insel gibt es nicht mehr, weil die in Gager einst ansässigen Steinzanger mit ihren Schuten kamen und die Steine für den Molen-, Villen- und Hotelbau holten. 1906 schließlich wurde ein Verbot für das „Steinfischen“ erlassen, doch für die Insel Stubber war es zu spät - sie existierte schon nicht mehr.

Die Wanderung führt weiter zur Strandwiese am Lindal und von dort zum Dorf Gager mit zahlreichen aus dem 18./19. Jh. stammenden, rohrgedeckten Fischerbauernhäusern. Zum Trocknen aufgehängte Netze und am Ufer vertäute Boote verraten: Auch heute wird noch gefischt. Am Hafen in der Ortsmitte entstand Rügens einzige Lachsmanufaktur mit dem Restaurant Alte Bootswerft | Tel. 038308/66470 | www.portgager.de | kein Ruhetag | €€-€€€. Von Mai bis Oktober fährt die MS „Hanseat“ vom Hafen Gager nach Usedom (Fahrzeit 90 Min.), für Fahrradtouristen die schnellste Verbindung zur Nachbarinsel (Tel. 038308/8389 | www.boddenreederei-ruegen.de).

Weiter geht es durch einen kleinen Wald zum 66,4 m hohen Bakenberg. Der höchste Punkt von Mönchgut bietet einen großartigen Rundblick. Der Bakenberg war - wie das gesamte Land Zicker - im Mittelalter dicht bewaldet. Rücksichtslos wurde das Holz in den vergangenen Jahrhunderten geschlagen, wurden Ackerbau und Weidewirtschaft betrieben, bis schließlich der heute für dieses Gebiet charakteristische Trockenrasen entstand.

Der weitere Weg führt vorbei am Friedhof und zurück zum Ausgangspunkt, dem Dorf Groß Zicker.