Reisetipps Riesengebirge

Ausflüge & Touren Riesengebirge

Wo Könige und Grafen sich amüsierten

Diese etwa 80 km lange Tagestour im polnischen Gebirgsteil führt zu einigen Schlössern und Burgen, die allesamt eine reiche Geschichte haben.

Vom Ferienort Karpacz (Krummhübel) führt die Tour an Kowary (Schmiedeberg) vorbei zuerst nach nach Bukowiec (Buchwald). Das Schlösschen hier bekam sein spätbarockes Aussehen 1790-1800, nachdem es der preußische Minister Graf Reden erworben hatte. Heute wird es als Verwaltungssitz genutzt, im ehemaligen Vorwerk dagegen soll bald ein preiswertes Hotel eröffnen.

Das nächste Ziel ist Karpniki (Fischbach), wo sich ein Wasserschloss hinter Laubbäumen versteckt. Das neogotische Bauwerk erlebte rauschende Feste, nicht selten kam hoher Besuch. Die bayrische Königsfamilie fuhr in Fischbach vor und auch Russlands Zar Nikolaus I. Begrüßt wurden die Gäste vom Schlossherrn, Prinz Wilhelm von Preußen, einem Bruder König Friedrich Wilhelms III. Letzter Schlossbesitzer war der Großherzog von Hessen-Darmstadt, der 1945 in den Westen flüchtete. Leider geht die Sanierung des wieder in Privatbesitz befindlichen Bauwerks nur schleppend voran. Geschichtlich bedeutend ist auch das Schloss in Wojanów (Schildau), das Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. 1839 seiner Tochter schenkte und das seit 2007 als Hotel zahlungskräftige Gäste empfängt. Den Park hat der berühmte Peter Joseph Lenné gestaltet.

Weiter fahren Sie in Richtung Jelenia Góra nach ŀomnica (Lomnitz), wo das Barockschloss nach aufwendiger Sanierung sein altes Aussehen zurückerhalten hat. Zurück auf der Hauptstraße, fahren Sie nun das Nachbardorf Mysłakowice (Zillerthal-Erdmannsdorf) an, in das sich Graf Neidhardt von Gneisenau, der berühmte Feldmarschall der Befreiungskriege 1813-15, gern zur Erholung zurückzog. Nach Gneisenaus Tod stand das Anwesen 1831 zum Verkauf. Friedrich Wilhelm III. erwarb es und beauftragte seinen Stararchitekten Karl Friedrich Schinkel, das schlichte Gutshaus zu einem klassizistischen Schloss umzubauen. Was Schinkel schuf, bekam der König aber nie zu Gesicht: Als die Baugerüste fielen, lag er in Berlin im Sterben. Sein Nachfolger Friedrich Wilhelm IV. machte das Schloss zur einer seiner Sommerresidenzen. Das Gebäude dient heute als Schule. Im Erdgeschoss hat der Verein zur Pflege schlesischer Kunst und Kultur eine kleine Ausstellung zur deutschen und polnischen Geschichte des Ortes eingerichtet.

Durch eine wiesenreiche Landschaft geht es nun nach Miłków (Arnsdorf), wo ein Schloss steht, das dem alteingesessenen Grafengeschlecht Matuschka gehörte. Das klassizistische Bauwerk wurde in kommunistischer Zeit als Ferienheim genutzt, heute ist es ein Mittelklassehotel.

Wanderung auf dem Gebirgskamm

Traditionell führt die Wanderung von West nach Ost, weil sich in dieser Richtung die Schönheiten der Natur nach und nach steigern. Die meisten Berge und Bauden entlang der Grenzwanderung tragen zwei Namen. Wenn das der Fall ist, wird bei der folgenden Beschreibung der polnische Name zuerst genannt; außerdem ist zusätzlich der frühere deutsche Name in Klammern angegeben.

„Offiziell“ beginnt die Kammwanderung in 1320 m Höhe bei dem stark verwitterten Felsengebilde Tvarożnik (Quargsteine), etwa 1 km südöstlich des Berges Szrenica (Reifträger), dort, wo der Wanderweg vom tschechischen Harrachov (Harrachsdorf) auf den Riesengebirgskamm trifft. Vom polnischen Szklarska Poręba (Schreiberhau) führt ein Lift auf den Reifträger. Für die gesamte, fast 30 km lange Strecke sollten Sie etwa 12 Stunden veranschlagen. Der mit roten Querbalken markierte, 1881-86 angelegte Weg verläuft fast immer in Höhen zwischen 1300 und 1500 m.

Zu den schönsten Bildern gehört der Blick zu den romantischen Śnieżne Kotły/Sněžné Jámy (Schneegruben), an deren oberer Kante der Weg entlangführt. Wer nicht schwindelfrei ist, sollte nicht runterschauen, denn die Felsen stürzen fast 200 m tief ab. Der Wanderweg führt am Hang weiter zur 1424 m hohen Śmielec/Velký Šišák (Große Sturmhaube) und zum bizarren Felsengebilde Czeskie Kamienie/Mužské kameny (Mannsteine).

Vorbei an der 1435 m hohen Mały Szyszak/Mały Šišák (Kleine Sturmhaube) geht es auf polnischer Seite zur Felsengruppe Słonecznik/Poledni kámen (Mittagsteine) und zum Wielki Staw (Großer Teich). Ein Stück weiter stürzen die Felsen erneut tief ab, und der reizvollere Mały Staw (Kleiner Teich) ist zu sehen, in dem sich Forellen und Bergmolche tummeln. Ein blau gekennzeichneter Weg führt zum Seeufer mit der Schronisko Samotnia (Kleine Teichbaude), die ein niedliches Glockentürmchen ziert.

Der Aufstieg auf die Śnieżka/Sněžka (Schneekoppe) erfolgt am schnellsten über den recht steilen Zickzackweg, für den man ca. 30 Minuten benötigt. Der Weg ist durch Steineinfassungen und eine Kette gesichert. Wer sich für den Aufstieg nicht plagen möchte, sollte den bequemeren und etwas längeren Jubiläumsweg wählen (etwa 45 Minuten).

Wer die Kammwanderung nach etwa 20 km auf der Schneekoppe beenden möchte, gelangt auf tschechischer Seite bisher noch bequem mit dem Lift nach Pec pod Sněžkou (Petzer). Auf polnischer Seite müssen Sie zunächst noch etwa 45 Minuten bis zur Malá Kopa (Kleine Koppe) wandern, von der Sie ein Lift in ungefähr 20 Minuten zurück ins Tal nach Karpacz (Krummhübel) bringt.

Von der Schneekoppe sind es bis zum Ende des Kammwanderwegs noch rund 9 km, etwa 2,5 Stunden sollten Sie an Zeit einplanen. Das erste Ziel auf dieser Etappe ist die 1410 m hohe Czarna Kopa/Svorová hora (Schwarze Koppe). Wenige Minuten später ist die 1936 errichtete Jelenka bouda (Emmaquellenbaude) erreicht. Das kühle Wasser der Emin pramen (Emmaquelle), die hier sprudelt, erfrischt an Sommertagen. Der Weg führt nun auf tschechischem Gebiet zum Endziel der Kammwanderung: Pomezní boudy (Grenzbauden), einem Ortsteil von Horní malá Ùpa.

Vorm Losmarschieren sollten Sie in der Touristinformation oder Ihrem Hotel nach den Busverbindungen vom Ziel Ihrer Wanderung fragen.