Reisetipps Polnische Ostseeküste

Ausflüge & Touren Polnische Ostseeküste

Unterwegs im alten Ordensland

Die Tour folgt östlich von Danzig den mittelalterlichen Spuren der Ordensritter und führt durch eine ebenso malerische wie geschichtsträchtige Landschaft. Das Frische Haff, an dem die Reise entlangführt, war jahrhundertelang Teil Ostpreußens. Burgen, Bernstein, Badeorte - und mittendrin ein finsterer Ort deutsch-polnischer Geschichte: die KZ-Gedenkstätte Stutthof. Für die 140 km lange Tour sollten Sie auf jeden Fall zwei Tage einplanen.

Die Fahrt beginnt in Danzig, zweigt ein paar Kilometer südöstlich der Stadt von der A7/E77 (Richtung Elbląg) ab und verläuft nun zunächst im Mündungsdelta der Weichsel nah an der Danziger Bucht entlang. Im Fischerdorf Świbno setzt eine alte Seilfähre über die Weichsel, ein originelles Erlebnis. Kurz darauf ist Jantar erreicht. Schon der Name deutet auf den Reichtum des Ortes hin: Jantar ist ein altes slawisches Wort für Bernstein. Ende August werden hier alljährlich die Weltmeisterschaften im Bernsteinfischen ausgetragen. Im benachbarten Stegna, der nächsten Station der Tour, ist die barock ausgestattete Fachwerkkirche aus dem 17. Jh. einen Zwischenstopp wert. Ganz nah von hier an der Küste liegt Kąty Rybackie, wegen seiner riesigen Kormoran- und Graureiherkolonie ein Mekka für Ornithologen.

Nach wenigen Kilometern erreichen Sie Sztutowo, einen beliebten Badeort, über dem ein finsterer Schatten lastet: Das ehemalige Konzentrationslager Stutthof befindet sich hier. Von 1939 bis Kriegsende ermordeten die Nazis in Stutthof etwa 80000 Menschen, anfangs Vertreter der polnischen Führungselite, später jüdische Frauen aus ganz Europa. Die apokalyptische Stätte ist heute Museum und Erinnerungsort. In einer der alten Häftlingsbaracken dokumentieren Filme erschütterndes, unvorstellbares Grauen (Muzeum Martyrologii | Mai-Sept. Di-So 8 bis 18, sonst 8-15 Uhr | Kinder unter 13 Jahren haben keinen Zutritt | www.stutthof.pl).

Bei Sztutowo beginnt die Frische Nehrung, die Tour zweigt aber nach Süden ab und führt durch das melancholische, sanfte Wiesenland der Weichselniederung, bei Nowy Dwór Gdański die A7 kreuzend, nach Malbork. Schon von weitem überragt der Turm der Marienburg das flache Land. Genießen Sie den Panoramablick vom gegenüberliegenden Ufer der Nogat aus.

Von Malbork geht es nun in Richtung Elbląg, das nach 35 km erreicht ist und sich als Zwischenstopp empfiehlt. Auch das alte Elbing, als mittelalterliche Hansestadt dem mächtigen Danzig einst fast ebenbürtig, wuchs im Schutz einer Ritterburg, von der freilich nur noch Mauerreste blieben: zu besichtigen im Hof des Regionalmuseums. Machen Sie einen Bummel durch die wieder aufgebaute Altstadt. Reizvoll ist auch ein Schiffsausflug auf das Frische Haff.

Dem Haff nähert sich nun auch die Tour wieder. Die Straße in Richtung Tolkmicko führt durch eine anmutige, bewaldete Moränenlandschaft. Der Naturpark Park Krajobrazowy Wzniesienie Elbląskie ist ein beliebtes Wanderrevier, v.a. rings um das Dorf Suchacz gibt es gute ausgeschilderte Wanderrouten. Achten Sie auf die blau-weißen Tafeln am Wegrand.

Ein Kleinod am Haff ist Tolkmicko, ein Fischerdorf mit 600-jähriger Geschichte: nicht nur des Landschlosses Kadyny wegen, sondern weil hier der Brauch der Holzschnitzerei lebt. Im Sommer werden die Werke an der Straße ausgestellt. Auch die traditionelle Keramik, einst berühmt als „Cadiner Majolika“, ist wieder zu haben. Hinter Tolkmicko kommen Sie an die Hauptstrecke nach Frombork, dem Ziel der Tour.

Rundfahrt durch das Land der Kaschuben

Westlich von Danzig und Gdynia beginnt das Land der Kaschuben, eines slawischen Bauern- und Fischervölkchens, das sich durch die Jahrhunderte trotz aller Bedrängnis erst von deutscher, dann von polnischer Seite mit seinen ureigenen Traditionen, seiner Kultur und Sprache behauptete. Die ca. 170 km lange Tour führt von Danzig aus als Rundfahrt durch die schönsten Gebiete dieser wundervollen Landschaft. Zu empfehlen ist ein Zwischenstopp im Słowiński-Nationalpark. Planen Sie für die Tour mindestens zwei Tage ein.

Schon wenn Sie Danzig auf der ansteigenden Straße 219 nach Osten in Richtung Żukowo/Kartuzy verlassen, wird klar, wohin die Reise geht: in die Kaschubische Schweiz, Szwajcaria Kaszubska geheißen. Erstes Ziel auf der kurvigen Berg-und-Tal-Fahrt durch das bewaldete, wie unberührt scheinende Hügelland ist nach etwa 30 km Kartuzy, die heimliche Hauptstadt der Kaschubischen Schweiz, gegründet im 14. Jh. von den strenggläubigen Mönchen des Kartäuserordens. Nehmen Sie sich Zeit, das Ethnografische Museum zu besichtigen. Hier erfahren Sie viel über die Traditionen der Kaschuben, ihr Kunsthandwerk, die berühmten Stickereien, sehen aber auch Kurioses wie Vogelscheuchen und Teufelsgeigen | (Mai-Sept. Di-Sa 9-16, So 9-14, sonst Di-So 9-14 Uhr). Einen Besuch wert ist auch die gotische Klosterkirche: Ihre Wände sind mit Ledertapeten verziert.

Auf der Weiterfahrt lohnt sich ein kurzer Umweg nach Südwesten über Ręboszewo nach Chmielno (Ludwigsdorf), 10 km westlich im schönsten Teil der Seenplatte gelegen. Chmielno ist nicht nur als Hochburg des Wasserwanderns bekannt (hier kann man zu Kanutouren auf zehn miteinander verbundenen Seen starten), sondern auch als Zentrum der kaschubischen Keramik.

Nach der Rückkehr auf die Straße 219 geht die Tour weiter durch das Herz der Kaschubischen Schweiz, zwischen den Hügelketten schimmern immer wieder eiszeitliche Rinnenseen. In Sierakowice biegen Sie auf die 214 in Richtung Norden ab und erreichen nach 40 km Lębork, das alte Lauenburg. An die mittelalterliche Burgstadt erinnern heute noch Reste der zinnenbesetzten Wehrmauer und Teile der um 1360 erbauten Ordensburg. Sehenswert ist die spätgotische Hallenkirche St. Jakob (Kościół św. Jakuba) am Marktplatz.

Von Lębork sind es noch einmal knapp 35 km bis an die Küste in das Fischerstädtchen ŀeba, berühmt durch seine Wanderdünen und den Słowiński-Nationalpark. Hier empfiehlt sich ein längerer Zwischenstopp, der Nationalpark bietet gut markierte Wanderrouten entlang der Küstenseen und auf die Dünen. Wer sich für die Geschichte der Slowinzen interessiert, sollte einen Ausflug zum Freilichtmuseum Slowinzisches Dorf in Kluki am westlichen Ufer des ŀebsko-Sees unternehmen. Das Museum bewahrt interessante Zeugnisse aus dem Leben des Fischervolkes, das hier bis 1945 lebte | (Mai-Sept. tgl. 10-18 Uhr).

Von ŀeba aus geht's nun auf die letzte Etappe der Kaschubenfahrt - nach Osten auf die Küste der Halbinsel Hel zu, einen der Höhepunkte der Polnischen Ostseeküste. In Żarnowiec sollten Sie einen Zwischenstopp an einem Kloster aus dem 12. Jh. einlegen, in dem heute Benediktinerinnen leben. Man darf das Kloster besuchen, muss während der Besichtigung aber - den Klosterregeln entsprechend - schweigen. Von Żarnowiec ist es nicht weit an die Küste: Nach 5 km kommen Sie nach Dębki, bekannt als malerisches Fischerdorf und durch Polens berühmtesten FKK-Strand. Auf der Hauptstrecke erreichen Sie 10 km weiter Krokowa. Das in seinen Ursprüngen mittelalterliche, im 17. Jh. barock überformte Schloss der Grafen von Krockow beherbergt seit 1993 eine europäische Begegnungsstätte: das Kaschubische Kulturzentrum Krokowa. Hier sind im Sommer oft interessante Ausstellungen zu sehen. Im Schlossrestaurant Zamek lässt es sich fürstlich speisen, serviert werden hier natürlich kaschubische und polnische Spezialitäten (ul. Zamkowa 1 | Tel. 0587742111 | www.centrum.home.pl | €€-€€€). Dann endlich: Meer in Sicht. Jastrzębia Góra lockt mit seiner Steilküste und dem herrlichen Strand nicht nur zum Kliffwandern und Baden, sondern auch zum Bleiben. Von Władys-ławowo führt die Tour über Puck und Reda dann wieder zurück in die Dreistadt.

Entlang der Pommerschen Küste

Endlose Naturstrände, Kiefernwälder und Backsteinkirchen - eine Fahrt entlang der pommerschen Küste führt durch eine Landschaft sanfter Schönheit. Das Land ist wie die Menschen, die hier leben: zurückhaltend, ein bisschen in sich gekehrt. Die insgesamt etwa 90 km lange Tour beginnt in Międzyzdroje (Misdroy) und führt auf Nebenstrecken küstennah nach Kołobrzeg (Kolberg). Sie ist an einem Tag bequem zu schaffen.

In Międzyzdroje, dem exklusiven Seebad auf der Insel Wollin, beginnt die Fahrt auf der idyllisch durch geschützten Kiefernwald verlaufenden Küstennebenstraße 102. Die steigt zunächst mit der schroffen Steilküste an und eröffnet an mehreren Stellen bezaubernde Aussichten auf die Ostsee. Kurz hinter Międzyzdroje liegt an der Straße ein Parkplatz, an dem der Wanderweg zum Wisentreservat beginnt. Erste Station der Tour ist Dziwnów, ein schön auf einer schmalen Landzunge gelegenes ehemaliges Fischerdorf. Eine Zugbrücke verbindet beide Ortsteile und Wollin mit dem Festland. Dziwnów hat sich in den letzten Jahren zu einem der beliebtesten pommerschen Seebäder gemausert, fest in der Hand des Tourismus und der Ausflugsschifffahrt (Auskunft: ul. Szosowa 5 | Tel./Fax 0913813562 | www.dziwnow.pl).

Die Straße führt nun immer nah an der Küstenlinie entlang, alle paar Kilometer laden Campingplätze zum Bleiben ein. Eine solche Perle noch halbwegs stiller Badeorte ist Pobierowo, etwa 10 km hinter Dziwnów. Kurz darauf steht ein sagenumwobener Mauerrest am Steilufer: die Kirchenruine von Trzęsacz, hart am Kliff thronend. Einst stand sie 2 km vom Ufer entfernt. Das Dorf Hoff, zu dem die gotische Kirche (1277) gehörte, hat das Meer längst verschlungen. In wenigen Jahren wird auch die Ruine verschwunden sein. Unweit von Trzęsacz lohnt sich ein Stopp in Niechorze - raue Steilküste verleiht dem Fischerdorf ein nordisches Flair. Von der Galerie des 1866 erbauten Leuchtturms aus blickt man bei klarem Wetter bis hinüber auf die dänische Insel Bornholm. Niechorze ist durch eine Schmalspurbahn mit Trzebiatów verbunden, der nächsten Station der Küstentour. Das Wahrzeichen der einstigen Hansestadt ist nicht zu übersehen: Schlank überragt der 90 m hohe Turm der Marienkirche die Häuser. In der Kirche predigte Johannes Bugenhagen, Freund Martin Luthers und einer der bedeutendsten Träger der Reformation in Pommern. Trzebiatów lohnt mit seinem barocken Rathaus, schmucken Bürgerhäusern und Teilen der mittelalterlichen Stadtmauer einen Spaziergang. Verlaufen kann man sich dabei kaum: Die rote Linie eines Stadtwanderweges auf dem Gehweg führt zu allen Sehenswürdigkeiten. Von Trzebiatów bietet sich ein Abstecher in das 9 km nördlich gelegene Mrzeżyno an. Bauhauskünstler Lyonel Feininger ließ sich hier während mehrerer Sommerurlaube von der herrlichen Küstennatur inspirieren. Das ehemalige Deep ist ein guter Ausgangspunkt für Wanderungen in das Küstenreservat des Kamper Sees (Resko-Przymorskie). Zurück auf der Hauptstraße, sind es von Trzebiatów noch ca. 40 km bis Kołobrzeg (Kolberg, dem Ziel der Reise.