Reisetipps Polen

Stichworte Polen

Bernstein

Von der Hohen Tatra bis zur Ostseeküste wird der hell- bis goldgelbe, klare oder trübe, selten der blaue bursztyn verkauft. Das größte Angebot findet man an der Küste, wo er hauptsächlich gefördert, gesammelt und verarbeitet wird. Der Stein, der eigentlich kein Stein ist, entstand vor 40-50 Mio. Jahren aus dem eingetrockneten Harz der Bernsteinkiefer. Die interessantesten Stücke schließen Spuren von Lebewesen ein, die vor zig Millionen Jahren in diesen Wäldern lebten; es sind die so genannten Inklusen aus Tier- oder Pflanzenteilen. Nur jedes fünfhundertste Bernsteinstück beinhaltet solch einen Einschluss.

Die größten Vorkommen polnischen Bernsteins liegen etwa 10 km südwestlich von Ustka in Możdżanowo. Auch an der Verbindungsstelle zur Halbinsel Hela findet sich in 130 m Tiefe Bernstein. Die Vorräte Polens werden insgesamt auf noch 12000 t geschätzt.

Da Polen in der Antike an der Bernsteinstraße lag, war der Börnsteen, der „brennende Stein“ (so genannt, weil er bereits bei 350 Grad entflammt), dort schon immer ein wertvoller Rohstoff. Kaufleute erkannten schnell, dass man mit ihm viel Geld verdienen konnte, und stellten im Mittelalter seine Gewinnung und den Verkauf in Ost- und Westpreußen unter Hoheitsrecht. Das Sammeln und die Veräußerung von Bernstein auf eigene Rechnung konnte danach vom „Bernsteingericht“ mit dem Tod bestraft werden. Das Gesetz galt, in abgemilderter Form, bis 1945.

Heute ist das Bernsteinsammeln ungefährlich: Man sieht an den Ostseestränden so manche gebückte Gestalt, die hoffnungsvoll nach dem Stein Ausschau hält, dem man heilende und auch magische Kräfte nachsagt.

Familie

Die Familie spielt eine wichtige Rolle im Leben der Polen. Abgesehen von dem persönlichen Halt, den sie bietet, steht oft eine einfache Notwendigkeit dahinter: Noch heute sind viele Polen aus wirtschaftlichen Gründen gezwungen, mit mehreren Generationen unter einem Dach zu leben. Die (Groß-)Familie war - und ist es zu einem großen Teil immer noch - ein gut durchorganisierter Betrieb, in dem jeder auf jeden angewiesen ist.

Dabei nehmen die Großeltern ihren meist in mehreren Jobs arbeitenden Kindern den Haushalt und die Betreuung der Enkel ab. Im Gegenzug bietet die Familie ihnen die Unterstützung und Fürsorge, die der Staat nicht leisten kann. Dieses soziale Netz ist auch für diejenigen Familienmitglieder, die arbeitslos geworden sind, lebensnotwendig, denn weder von der Arbeitslosenhilfe noch von der Rente kann man wirklich überleben.

Mit dem wachsenden Wohlstand und der rasanten Entwicklung des Landes entfallen zunehmend einige der Aufgaben, die die Großfamilie erfüllt hat. Besonders rasch ändern sich die überlieferten Familienstrukturen dort, wo junge Menschen aus der Provinz in der Großstadt Zugang zu Bildung gefunden und den sozialen Aufstieg geschafft haben. Der Preis dafür ist hoch - oft verstehen dann die Eltern ihre Kinder nicht mehr, denen das Internet näher als der Sonntagsgottesdienst geworden ist.

Frauen

Der Inbegriff der traditionellen Aufgabe der Frau in der polnischen Gesellschaft ist die „Matka Polka“ (Mutter Polin). Sie trug in der von Kriegen und Aufständen geprägten polnischen Geschichte die Verantwortung für Hof und Betrieb sowie für die Kindererziehung und damit für den Fortbestand der Familie und der Nation. Noch heute hat sie zu Hause „die Hosen an“, was Männer freimütig zugeben. Ein Großteil der polnischen Frauen lebt noch nach dem konservativen, von der Kirche geförderten Rollenbild, meist mit der Doppelbelastung durch Haushalt und Beruf. Allerdings gibt es inzwischen in vielen jungen Ehen eine gleichberechtigte Arbeitsteilung in der Kindererziehung und im Haushalt.

Der wirtschaftliche Systemwandel traf Frauen besonders hart, denn sie waren die Ersten, die von Entlassungen betroffen waren. Doch viele haben sich mit einer besseren Ausbildung als die der Männer gerüstet, die Flucht nach vorn angetreten und sich selbstständig gemacht. Inzwischen gehört fast jede vierte kleine und mittlere Firma einer Frau. Die polnischen Powerfrauen haben sich auch in großen Firmen durchgekämpft: Jeder dritte Topmanager ist eine Frau - das ist in Europa beispiellos.

Kirche

Die Bedeutung der katholischen Kirche, die entscheidend zum Überleben der polnischen Nation als Kultur- und Sprachgemeinschaft beigetragen hat, ist kaum zu überschätzen. Erst nach der Wende zu einer demokratischen Entwicklung nahm ihre überragende politische Bedeutung ab. Trotzdem hat das Gleichnis „Pole gleich Katholik“ angesichts von über 90 Prozent bekennender römisch-katholischer Polen nichts von seiner Gültigkeit eingebüßt. Und obwohl viele junge und gebildete Polen die Morallehre der Kirche zunehmend als einen unzeitgemäßen Eingriff in ihr Privatleben empfinden, ist sie nach wie vor - besonders auf dem Land - die Institution, die den Moralkodex bestimmt. Sie bietet den Menschen, die zu den Verlierern der Wende zählen oder sich von den dramatischen gesellschaftlichen Umbrüchen überrollt fühlen, ein geistiges Zuhause. Übervolle Kirchen zeugen nicht nur von einer tiefen Gläubigkeit, sondern auch von dem Bedürfnis nach Halt und Orientierung. Eine besondere Rolle spielen dabei die tiefe Verehrung, die dem verstorbenen Papst Johannes Paul II. entgegengebracht wird, und der beinahe volkstümliche Marienglaube.

Minderheiten

Im Vorkriegspolen waren nur zwei Drittel der Bevölkerung geborene Polen. Heute dagegen ist Polen mit 96 Prozent ein homogener Nationalstaat. Die Rechte nationaler Minderheiten, die heute lediglich 4 Prozent der Bevölkerung Polens ausmachen, sind in bilateralen Nachbarschaftsverträgen und der Verfassung verankert. Sie werden kulturell gefördert und sind von der Fünfprozenthürde bei Parlamentswahlen befreit. Die deutsche Minderheit stellt beispielsweise zwei Abgeordnete.

Ein besonderes Problem sind die staatenlosen Roma. Wegen mangelnder Ausbildung sind fast 90 Prozent von ihnen arbeitslos, ihr sozialer Status ist daher denkbar schlecht. Nach Schätzungen gibt es zurzeit 30 000 Roma in Polen. Außer dieser Minderheit leben in Polen etwa eine halbe Mio. Deutsche, etwa 400 000 Ukrainer, 300 000 Weißrussen, 30 000 Litauer und 25 000 Slowaken. Die jüdische Diaspora zählt etwa 10 000 Menschen.

Tourismus

Polen hat schon längst erkannt, welch großes wirtschaftliches Potenzial im Tourismus steckt. Die stetig ansteigende Zahl ausländischer Touristen (16,3 Mio. im Jahr 2006) spricht für sich. Im polnischen Tourismusministerium verspricht man sich in den kommenden Jahren einen jährlichen Besucherzuwachs von gut 4 Prozent. Die Investitionen in den Tourismus stellen daher eine Investition in einen wachsenden Wirtschaftszweig dar. Dabei legt man besonderen Wert auf eine bessere Anfahrtsinfrastruktur und ein breiteres Kultur-, Sport- und Freizeitangebot.

Schon jetzt bewahren und vermarkten die Polen mit großer Professionalität die Attraktionen ihrer Heimat. Die schönsten und wertvollsten Landstriche werden in 23 Nationalparks von insgesamt 3000 km² geschützt, die historischen Denkmäler wieder aufgebaut.

Die Hotelbranche scheint ihre Hausaufgaben bereits gemacht zu haben. Unterkünfte jeder Art schießen wie Pilze aus dem Boden: moderne Hotels, Hotels in historischen Bürgerhäusern, Schlössern und Palästen, Pensionen, Ferienwohnungen und gut ausgestattete Campingplätze. Insgesamt hat sich die Zahl der Hotels seit 1990 knapp verzehnfacht. Seit der Wende boomt es auch beim Urlaub auf dem Bauernhof: Hier zeigt sich in besonderem Maß, dass der in Polen eingeschlagene Weg des sanften Tourismus richtig ist.

Wirtschaft

Von allen fundamentalen Reformen, die Polen nach 1989 durchgestanden hat, war die Wirtschaftsreform die folgenschwerste und radikalste: Die ehemals privilegierten Gruppen verloren ihre Pfründe, viele Menschen durch Schließungen der unwirtschaftlichen Staatsbetriebe sogar ihre Existenzgrundlage. Einige gut ausgebildete und wirtschaftlich aktive Jüngere oder Menschen mit guten Beziehungen, darunter auch Angehörige der alten kommunistischen Eliten, konnten sich durch Firmengründungen oder Privatisierung erfolgreich neu positionieren.

Der zur Schau gestellte Wohlstand der Neureichen steht im krassen Gegensatz zur Armut der Landstriche mit einer besonders hohen Arbeitslosigkeit. In Polen leben noch 2,3 Mio. Menschen, also 16 Prozent der Beschäftigten, von der Landwirtschaft. Das ist sehr viel mehr als in vergleichbaren westeuropäischen Staaten und ein deutlicher Hinweis auf eine immer noch stark agrarisch strukturierte Gesellschaft. Andererseits gibt es in der Industrie Trends, die in die Zukunft weisen: Polens Exportschlager sind Autos und Autoteile. Mittlerweile arbeiten rund 30 Prozent der Polen in industriellen Berufen. Ein Indiz für die Veränderung der Gesellschaft in Richtung Konsum und Dienstleistung ist auch die Zahl von 54 Prozent der in diesem Sektor Beschäftigten.

Die zu Beginn der Reformen hohe Arbeitslosenquote ist von 19 Prozent in den 1990er-Jahren auf 9 Prozent im Jahr 2007 gesunken. Das demografische Hoch hat der Wirtschaft jedoch einen Überschuss an gut ausgebildeten jungen Menschen beschert, für die es keine Arbeit gab. So haben sich einige Hunderttausend Polen, meist zwischen 18 und 24, in den letzten Jahren auf den Weg ins Ausland gemacht. Inzwischen hat die Emigrationswelle im boomenden Polen einen Fachkräftemangel verursacht. Nicht alle kehren in ihre Heimat zurück. „Bleibt bei uns“ steht auf großen Werbeflächen. Bislang, wie es scheint, vergebens.