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Ausflüge & Touren Polen

Eine kleine Reise in die Geschichte und Zurück

Diese Zeitreise führt Sie von den Anfängen des polnischen Staates in Gniezno bis zu Europas ältester erhaltener Hallstadt-Siedlung aus vorchristlicher Zeit nach Biskupin. Dann geht es zu den Burgruinen aus dem 14. Jh. am Gopło-See und zu einer moralischen Belehrung auf den romanischen Säulen in Strzelno. Der letzte Reisepunkt mit den Piktogrammen in den Feldern von Wylatowo führt in die Gegenwart zurück. Die landschaftlich reizvolle Strecke ist ca. 180 km lang, sie beginnt und endet in Gniezno. Die Tour kann man gut als Tagesausflug planen, es empfiehlt sich aber, eine Übernachtung einzulegen.

Der Ausflug beginnt in Gniezno (Gnesen), der ersten Hauptstadt Polens und Krönungsort des ersten polnischen Königs. Die freundliche Kleinstadt mit einer einheitlichen Architektur von zweigeschossigen Häusern ist auf dem Weg, sich zu einem kleinen Juwel zu entwickeln. Besonders schön sind die restaurierten Gebäude in der Fußgängerzone, wo sich gemütliche Cafés und Restaurants aneinanderreihen. Empfehlenswert ist das Café des Hotels Pietrak (ul. Bolesława Chrobrego 3 | www.pietrak.pl). Vom Café geht man über den Rynek (Marktplatz) und sieht schon von Weitem die „Mutter der polnischen Kathedralen“. Der gotische Bau aus dem 14./15. Jh wurde über seinem Vorgängerbau errichtet, einer Kirche aus dem 10. Jh., von der nur das Gnesener Tor übrig blieb, eines der wertvollsten Kunstwerke aus der Zeit der Romanik in Polen.

Aus Gniezno fahren Sie weiter auf der Landstraße 5 nach Norden und biegen nach 23 km in Richtung Biskupin ab. Dort besuchen Sie Europas älteste erhaltene Hallstadt-Siedlung aus der Zeit um 740 v. Chr. Eine mächtige Wehranlage aus Pfählen schützte die Siedlung, in der vermutlich bis zu 1200 Menschen lebten. Die Besucher des Freilichtmuseums sind eingeladen, in Werkstätten beim Weben, Töpfern, Münzprägen oder der Herstellung von Schmuck mitzumachen (tgl. 9-17 Uhr | 5 Zł. | Anmeldung eine Woche im Voraus | Tel. 0523025055 | museum@biskupin.pl). Museum tgl. 8-18 Uhr (bzw. bis zur Dunkelheit) | 7 Zł. | 2-Std.-Führung (deutsch) 80 Zł. mit Voranmeldung | Palmtop (deutsch) 15 Zł. | www.biskupin.pl. Eine schöne Abwechslung ist eine 30-minütige Schiffsrundfahrt um die Landzunge, auf der das Museum liegt (Di-So 9-17 Uhr | 5 Zł.).

Von Biskupin aus fahren Sie zurück auf die Landstraße 5 und dann 18 km bis Żnin. Von dort geht es auf der Landstraße 251 40 km nach Ino-wrocław (Hohensalza). Schon von Weitem wird das Wahrzeichen der „Stadt, die auf Salz gebaut wurde“, sichtbar - die fast 80 m hohen Türme der neoromanischen Kirche der Maria Verkündigung (Kościół Zwiastowania Najświętszej Marii Panny | ul. Plebanka 10).

Unweit davon befindet sich die romanische Kirche der Heiligen Jungfrau Maria (Kościół Najświętszej Marii Panny | ul. Biskupa Antoniego Laubitza 9), die kostbarste Sehenswürdigkeit der Stadt. Die an den Außenwänden angebrachten Reliefs symbolisieren die christlichen Werte. Sehenswert im Kircheninneren sind die mit Tierdarstellungen, griechischen Kreuzen und Masken verzierten Wände, die Holzfigur „Die lächelnde Madonna“ aus dem 14. Jh. sowie drei in Granit gehauene Teufelsmasken innen am Portal.

Interessant ist auch das Gradierwerk im üppigen Kurpark: Salzlake fließt vom oberen Rand der Konstruktion über Schlehdornzweige herab und erzeugt beim Verdampfen eine gesundheitsfördernde Aerosol-Wirkung. Die Anlage ist 9 m hoch und 300 m lang. Übernachten Sie in einem historischen Gebäude im Zentrum, im Hotel Bast (40 Zi. | ul. Królowej Jadwigi 35 | Tel. 0523572024 | Fax 0523572888 | www.hotelbast.pl | €€). Gute polnische und litauische Küche gibt es im Kresowianka (Szosa Bydgoska 24 | Tel. 0523552525 | €€).

Sie verlassen Inowrocław auf der Landstraße 15 und biegen hinter der Stadtgrenze links auf die 412 nach Kruszwica ab (12 km). Neben der Stiftskirche, die malerisch auf einer Anhöhe am Ufer des Gopło-Sees liegt, sind vor allem die Ruinen der Burg aus dem 14. Jh. sehenswert. Um einen ihrer Türme rankt sich eine volkstümliche Legende: Der grausame König Popiel hatte sich aus Angst vor seinen geknechteten Untertanen in dem Turm verbarrikadiert. Doch auch dort ereilte ihn das Schicksal - Mäuse fraßen ihn bei lebendigen Leibe auf. Daher der Name Mäuseturm (Mysia Wieża).

Von Kruszwica fahren Sie auf der Landstraße 62 nach Strzelno (14 km). Die Rotunde der Kirche des hl. Prokopius (Kościół św. Prokopa), die im 12./13. Jh. auf kreisrundem Grundriss errichtet wurde, ist das größte romanische Bauwerk dieser Art in Polen. In der Klosterkirche befinden sich vier romanische Säulen, die erst 1946 entdeckt wurden. Sie sind mit weiblichen Figuren geschmückt, die Laster und Tugend symbolisieren.

Auf dem Rückweg fahren Sie auf der Landstraße 15 ca. 14 km hinter Strzelno durch den Ort Wylatowo. Regelmäßig entstehen hier auf den Feldern über Nacht riesige, komplizierte Piktogramme, deren Herkunft bislang ungeklärt ist. Bis Gniezno sind es dann noch ca. 30 km. Übernachten können Sie in Czerniejewo, 14 km südlich von Gniezno, in einem schönen klassizistischen Palast mit Kutschen und Stallungen auf dem Gelände einer landwirtschaftlichen GmbH (Pałac | 31 Zi. | ul. Gen. Lipskiego 5 | Tel. 0614273030 | www.czerniejewo-palac.pl | €€).

Fahrt entlang der oberen Weichsel

Von Warschau nach Südpolen den malerischen und wilden Weichselstrom entlang, durch verträumte Städtchen mit den Spuren vergangener Blütezeit. Man kann die Reise von Warschau in den Süden bequem und schnell über die Autobahn antreten. Doch nehmen Sie sich lieber ein wenig Zeit. Genießen Sie die schöne Landschaft an der oft noch ursprünglichen Weichsel, und machen Sie Rast in malerischen Orten. Die Strecke von Warschau nach Sandomierz ist etwa 450 km lang.

Die Wisła (Weichsel) ist der größte polnische Fluss mit knapp 1100 km Länge. Sie nimmt ihren Anfang in den Karpaten und mündet bei Danzig in die Ostsee. Wer heute das breite Flussbett sieht, für den ist es schwer vorstellbar, dass die Weichsel vor 200 Jahren noch ein schmaler, reißender Fluss war. Erst nach Waldrodungen konnte sie sich so ausbreiten und versanden. Heute gehört der Fluss zu den wenigen Strömen in Europa, die nicht reguliert sind.

Von Warschau fahren Sie auf der Landstraße 79 etwa 40 km in Richtung Piaseczno nach Góra Kalwaria (Kalvarienberg). Die kleine Stadt (24000 Ew.) liegt auf der alten Handelsstraße nach Czersk und war seit dem 17. Jh. ein Wallfahrtsort mit einem Kreuzweg nach dem Vorbild des Kalvarienbergs in Jerusalem. Von der Anlage hat nur noch die barocke Pilatuskapelle (Kaplica Piłata | ul. Dominikańska) mit einem Gemäldezyklus der Passion Christi aus dem Jahr 1700 überdauert. Besuchen Sie den hl. Antonius im ehemaligen Klostergarten der Pfarrkirche (Kościól Pobernardyński). An die Holzfigur des Heiligen knüpfen sich zahlreiche lokale Legenden. Wer an seine Wundertätigkeit glaubt, kann ihn um Hilfe in Herzensangelegenheiten bitten. Machen Sie einen schönen Spaziergang den Fluss entlang nach Czersk (3 km). Das Dorf war im Mittelalter bis zum Aufstieg Warschaus eine wichtige Handelsstadt, bekannt für ihre Tuchmanufakturen. Von dieser bedeutenden Vergangenheit zeugen die Ruinen der Burg (Zamek), von denen aus man einen schönen Ausblick auf die Warschauer Tiefebene hat. Machen Sie eine Kaffeepause in der Villa Czersk (ul. Warszawska 23 | Tel. 0227362188 | www.villaczersk.pl) mit einem Panoramablick auf die Schlossruinen der Masowischen Herzöge.

Fahren Sie nun weiter auf der Landstraße 79 nach Kozienice und dann bis zur Brücke auf der 48 nach Dęblin auf das Westufer der Weichsel. Am Fluss entlang geht es dann 20 km weiter nach Puławy. Puławy (53000 Ew.) ist heute eine mittlere Industriestadt, bekannt vor allem für ihre Stickstoff- und Kunstdüngerproduktion. Ihre Bedeutung erlangte die Stadt um 1800, als Izabella Czartoryska, die Gattin des Aufklärers Fürst Czartoryski, sie zu einem politisch-kulturellen Zentrum erhob, in dem sie die besten Künstler, Schriftsteller und Wissenschaftler versammelte. Einen besonderen Charme hat der von ihr in Auftrag gegebene romantische Sybillentempel (Światynia Sybylii | Di-So 10-16 Uhr | ul. Czartoryskich), erbaut nach dem Vorbild des Tempels der antiken Göttin der Weisheit, Vesta, in Tivoli bei Rom. Die Rotunde mit korinthischen Säulen war das erste Museum, das in Polen gegründet wurde und bildete mit Exponaten zur polnischen Geschichte die Keimzelle für das Czartoryski-Museum in Krakau. Es steht neben anderen stilvollen Gebäuden, die von Izabella Czartoryska errichtet wurden, in einem schönen Landschaftspark (Park Krajobrazowy) hinter dem Czartoryski-Palais. www.ipulawy.pl

Im Pub K2 treffen sich in geschmackvollem, modernem Ambiente die Reichen und Schönen der Gegend auf einen gepflegten Drink (ul. Centralna 2a | Tel. 0818889800 | www.k2.pulawy.pl).

Etwa 15 km südlich von Puławy liegt über dem rechten Ufer der Weichsel terrassenförmig das Städtchen Kazimierz Dolny. Das harmonische Stadtbild und die malerische Umgebung mit Kreidefelsen und Erosionsschluchten inspirierte viele Maler und Bildhauer. Bekannte polnische Schriftsteller ließen sich hier nieder. Heute zieht es vor allem die Warschauer Boheme in das verträumte Städtchen.

Es lohnt sich, zu den Ruinen des Schlosses zu gehen, wo man vom Wachturm aus dem 13. Jh. aus einen schönen Blick auf die Weichsel hat. Schön ist auch der etwa dreiviertelstündige Spaziergang flussaufwärts in das alte Dorf Mięćmierz, ein natürliches Freilichtmuseum, in dem viele alte Bauernhäuser aus der Umgebung wieder aufgebaut wurden. Dort haben Sie vom Aussichtspunkt Albrechtówka einen überwältigenden Blick auf den Weichseldurchbruch und die Ebene von Radom. Übernachten können Sie in Kazimierz Dolny unweit des Marktes mit Weichselblick in der Willa Agnieszka (12 Zi. | ul. Krakowska 41a | Tel. 0818820411 | €).

Von Kazimierz Dolny führt der Weg nun etwa 80 km nach Sandomierz, das sich durch einen ähnlich harmonischen Gleichklang von Kunst, Architektur und Natur wie Kazimierz auszeichnet. Wunderschön ist der Marktplatz mit seinem gotischen Rathaus und den reich verzierten Kaufmannshäusern. Vom Oleśnicki-Palais startet eine Tour durch die Labyrinthe der ehemaligen Warenlager (Mai-Sept. tgl. 10-17 Uhr, Okt.-April tgl. 10-15.30 Uhr | 7 Zł.). Übernachten können Sie stilvoll am Markt, wo Sie auch gut bekocht werden und im Sommer auf der Terrasse sitzen können: Hotel Pod Ciżemką (9 Zi. | Rynek 27 | Tel. 0158320550 | €€).