Reisetipps Piemont

Highlights Piemont

Region: Lago Maggiore

Borromäische Inseln

Es müssen große Gefühle gewesen sein, die Graf Vitaliano Borromeo seiner Frau Isabella d'Adda gegenüber hegte. Denn nur um ihr eine Freude zu machen, verwandelte er die belanglose, 300 m lange Felseninsel gegenüber von Stresa in die Isola Bella. 20 Jahre dauerten die Arbeiten zu einem der prachtvollsten Barockensembles Oberitaliens. Der reich ausgestattete Palast mit großzügigen Freitreppen und eigener Pinakothek, mit Spiegelgalerie und muschelgeschmückten Tuffsteingrotten lohnt allein schon den Besuch, doch die eigentliche Sensation sind die Gärten. In zehn großen Stufen steigen sie pyramidenförmig nach oben auf, durchsetzt mit Laubengängen und Muschelgrotten, steinernen Nymphen und geometrisch zugeschnittenen Beeten. Palast und Garten Mitte März-Mitte Okt. tgl. 9 bis 17.30 Uhr | 11 Euro

Einen Palast und Garten ganz anderer Art finden Sie auf der Isola Madre. Der hübsche, kleine Barockpalast (mit sehenswerter Marionettensammlung) diente 1599, als die Pest im Land wütete, Carlo Emanuele von Savoyen als Hort der Zuflucht. Dahinter liegt ein botanischer Garten mit subtropischer Pflanzenvielfalt, Papageien und weißen Pfauen (Mitte März-Mitte Okt. tgl. 9 bis 17.30 Uhr | 10 Euro).

Durchgehend geöffnet - weil ein ganz normales Dorf - ist die Dritte im Bunde der Inseln, die Isola dei Pescatori, auf der sich Besucher in ein pittoreskes Fischeridyll längst vergangener Zeiten zurückversetzt fühlen. Außerhalb der sommerlichen Stoßzeiten ist das Dorf mit seinen verwinkelten Gassen, den an Land gezogenen Booten und seinen in der Frühlingssonne sich wärmenden Katzen ein überaus malerischer Ort. Übernachten kann man auf der Fischerinsel mit Blick auf die Isola Madre in der romantischen Villa Albergo Verbano (12 Zi. | Via Ugo Ara | Tel. 032330408 | Fax 032333129 | www.hotelverbano.it | €€€). Zu den Inseln gelangt man mit Dampfern von Stresa, Arona und Verbania. Außerdem kann man von Stresa und Verbania aus mit privaten Boottaxis übersetzen. Auskunft: Tel. 032330150 | www.borromeoturismo.it

Cannobio

Wer über die Schweiz anreist, kann sich 5 km hinter der Grenze an der wunderschönen Uferpromenade von Cannobio den ersten Cappuccino gönnen und den Süden genießen. Cannobio (5000 Ew.) schmiegt sich malerisch zwischen den See und die grünen Hügel des Hinterlands. Am Sonntagvormittag schlägt ein Markt seine Stände auf, für den Besucher auch von weit her kommen. Im uralten Ortskern gibt es ein frühgotisches Rathaus aus dem 13. Jh. und die romanische Torre del Comune zu sehen; enge Gassen führen hinunter zum See und treffen auf eine arkadengesäumte Häuserfront mit Geschäften und Cafés.

Übernachten können Sie in einem der sieben charmanten Zimmer des B & B Casa Arizzoli (Via Giovanola 92 | Tel./Fax 032372001 | www.casa-arizzoli.com | €€). Phantastische Fischküche genießen Sie im Del Lago (Mi-Mittag und Di geschl. | Via Nazionale 2 | Tel. 032370595 | €€€) im Ortsteil Carmine Inferiore.

Region: Alba

Märkte und Delikatessen

Samstags ist Markt in Alba, und in der Altstadt drängelt sich so ungefähr alles, was in den Langhe wohnt und arbeitet, um sich mit Eisenwaren und Sardinen, Geflügel und Landmaschinen, lebenden Forellen, Seife und offenem Wein einzudecken. Nicht versäumen!

Wein kauft man in der Enoteca Fracchia (Via Vernazza 9) oder bei I Piaceri del Gusto, das gleichzeitig auch als Buchhandlung fungiert (Via Vittorio Emanuele II 23). Das traditionsreichste Geschäft für Trüffeln ist Tartufi Ponzio in der Via Vittorio Emanuele II 26, aber auch bei Morra (Piazza Pertinace 3) gibt es nur erstklassige Ware. Den besonders aromatischen Torrone di Alba von Relanghe, hergestellt mit der berühmten piemontesischen Haselnuss tonda gentile, gibt es bei Peccati di Gola (Via Cavour 11), wo man auch die unvergleichlich guten Zitrusmarmeladen der Marke Caffè Sicilia findet.

Region: Turin

Märkte

Ob Wäscheklammern oder frischen Käse, ob kistenweise Pfirsiche oder neue Babykleidung - die Italiener kaufen am liebsten auf dem Markt ein. 44 solcher Allroundmärkte finden täglich in Turin statt, doch der klassische Tag für einen ausgedehnten Marktbesuch ist der Samstag. Der Markt im Stadtviertel Crocetta gilt als edel; Obst und Gemüse kosten hier immer ein bisschen mehr als anderswo, doch dafür finden Sie oft Restposten großer Modelabels zu geradezu lächerlichen Preisen. Ein Erlebnis ist der Markt der Porta Palazzo (Piazza della Repubblica) am Samstag - eindrucksvolles Menschengewimmel, Lärm und Geschrei, heisere Händler, Gemüsekisten schleppende Marokkaner und ein schier uferloses Angebot an Waren aller Art. Schön ist der Bauernmarkt auf der Nordostseite des Platzes. Samstags geht der große Markt fast nahtlos über in einen überaus farbigen und lebhaften Flohmarkt, den Balôn (zzt. in der Via San Pietro). In den engen Gassen um die Via Mameli und Via Borgo Dora werden Juve-T-Shirts, altes Geschirr, arabische Spezereien und die eine oder andere Antiquität angeboten - die Preise sind Verhandlungssache.

Museo Egizio

Mit seinen rund 30000 Ausstellungsstücken aus dem alten Ägypten gilt das Museo Egizio als zweitwichtigstes ägyptisches Museum der Welt. Im Erdgeschoss stehen Plastiken verschiedener Herrscher und Götter sowie Sarkophage; im ersten Stock geben u.a. Tücher, Spinngeräte und medizinisches Zubehör einen interessanten Einblick in den ägyptischen Alltag vor über 3000 Jahren. Di-So 8.30-19.30 Uhr | 6,50 Euro | Via Accademia delle Scienze 6

Superga

Vor rund 300 Jahren, im Spanischen Erbfolgekrieg, stürmte von hier oben Prinz Eugen von Savoyen mit seinen Truppen los, den französischen Belagerungsring zu durchbrechen, der der Hauptstadt Turin den Atem abzuschnüren drohte. Mit Erfolg: Die Franzosen ließen ab von Turin und zogen sich völlig aus dem Piemont zurück. Aus Dankbarkeit ließ Herzog Vittorio Amadeo II auf dem 670 m hohen Hügel am östlichen Ortsrand ab 1717 von Juvarra die Basilica di Superga errichten. Der tempelartige Barockbau krönt die collina sichtbar auch aus der Ferne. An klaren Tagen ist ein Besuch der Superga das Schönste, was man sich gönnen kann: Den Blick über die Stadt hinweg auf den Gürtel schneebedeckter Viertausender wird man so schnell nicht vergessen. In der Krypta können die Fürstengräber der Savoyer besichtigt werden. Hinter dem an die Kirche anschließenden Kloster erinnert ein Gedenkstein an den Flugzeugabsturz von 1949, bei dem die komplette Mannschaft des AC Torino ums Leben kam. Tgl. 9.30-18.45 Uhr | Anfahrt per Auto oder mit der Zahnradbahn ab Vorort Sassi

Venaria Reale

Nur Versailles kann noch mithalten mit der Reggia di Venaria Reale, die nach 200-jährigem Verfall mit Kosten im dreistelligen Millionenbereich zu jenem glanzvollen Jagdschloss zurückrestauriert wurde, als das sie die Savoyer im 17. Jh. von Barockarchitekt Amedeo di Castellamonte hatten erbauen lassen. Auf 80000 m² bietet das Schloss eine Fülle prachtvoll freskierter und stuckierter Säle und Galerien, als deren Höhepunkt die lichtdurchflutete Galleria di Diana gilt. Die weitläufigen Gärten wurden mit neuen Inhalten gefüllt: Auch moderne Kunstwerke und Brunnen sind hier jetzt zu finden. Di-Do 9 bis 17.30, Fr 9-21, Sa 9-23, So 9-20 Uhr | 10 Euro, mit Garten 12 Euro | www.lavenaria.it

Romantisch wirkt das historische borgo cittadino, das kleine Dorf, in dem die Handwerker und sonstige Dienstleister der Royals lebten und in dem sich inzwischen nette, kleine Restaurants angesiedelt haben. Im 35 ha großen, von Mauern umgebenen Park La Mandria äsen Hirsche und Rehe unbesorgt auf den Wiesen, denn schießen darf hier keiner mehr.

Region: Westliche Alpentäler

Val di Susa

Der tiefe Einschnitt zwischen zwei Bergrücken, der bei Avigliana den Eingang in die Val di Susa markiert, ist bei klarem Wetter von Turin aus deutlich zu erkennen. Das Susatal ist seit jeher als Durchgangstal nach Frankreich bedeutungsvoll; seit 1871 gelangt man bequem durch den Fréjustunnel hinüber. Avigliana am Taleingang ist ein hübsches Städtchen mit gut erhaltenem mittelalterlichem Zentrum (sehenswert Via Umberto und Piazza Conte Rosso mit ihren gotischen Bürgerhäusern sowie die romanisch-gotische Kirche San Pietro).

Von hier aus führt eine Straße zwischen zwei kleinen (leider ziemlich verschmutzten) Seen auf den Gipfel des 962 m hohen Monte Pirchiriano und zu einem der größten sakralen Bauwunder Norditaliens, der Sacra di San Michele. Eine 1000-jährige Abtei, die rund 700 m über dem Talgrund auf einem Felsgrat steil in den Himmel ragt. „Mont St-Michel von Italien“ wird die Abtei gern genannt. Wie ein Wehr gegen alle aus dem Tal, aus dem Westen kommenden Gefahren wirkt sie auf den Besucher. Im 12. Jh. entstand hier ein Benediktinerkloster (mit ausgesprochen kampfeslustigen Mönchen) mit zugehöriger Kirche, die in einer architektonischen Meisterleistung den gesamten Berggipfel umschließt (Di bis So 9-12 und 15-18 Uhr | 4 Euro | www.sacradisanmichele.com).

Weiter auf dem Weg gen Westen kommt man in Exilles an einer alten, im 17. Jh. stark ausgebauten Festung vorbei, die bis 1943 „in Betrieb“ war. Am meisten touristischer Rummel herrscht in Sauze d'Oulx (1509 m) und in Bardonecchia (1312 m). Während Bardonecchia mit seinen zahlreichen neuen Apartmenthäusern beinahe städtisch wirkt, hat sich Sauze seinen dörflichen alten Ortskern bewahrt. Beliebt ist es bei Wanderern und Skifahrern - die Pisten gehören zum großen Skigebiet Via Lattea. Das schönste Hotel in Sauze ist das Grand Hotel Besson (44 Zi. | Via del Rio 15 | Tel. 0122859785 | Fax 0122859515 | www.grandhotelbesson.it | €€€), eine sehr schick und modern umgebaute Exferienkolonie. Das Spa mit Meerwasserpool und Iglu sucht seinesgleichen.

Region: Orta San Giulio

Soriso

Besucher, die in die 770-Seelen-Gemeinde oberhalb des 5 km südlich gelegenen Gozzano hinauffahren, haben nur eines im Sinn: eine Mahlzeit im Al Sorriso, einem der besten Restaurants ganz Italiens. Hier kocht Luisa Valazza phantasievoll verfeinerte regionale Gerichte. Ein üppiges Menü schlägt mit etwa 120 Euro zu Buche - das ist mehr als in der Pizzeria, aber nicht zu viel für das, was dem Gaumen hier an Sensationen geboten wird. Drei Michelinsterne! 8 Zi. | Mo/Di geschl. | Via Roma 18/20 | Tel. 0322983228 | www.alsorriso.com | €€€

Region: Biella

Oropa

Tausende Pilger wallfahren jedes Jahr zum beliebtesten Marienheiligtum Italiens - obwohl der von Oropa beanspruchte Ruhm, älteste Marienwallfahrt Europas zu sein, längst widerlegt ist. Die hier, 13 km nordwestlich von Biella, angebetete Schwarze Madonna, eine mit Gold und Edelsteinen prachtvoll geschmückte Holzfigur, soll der Legende nach vom Evangelisten Lukas geschnitzt und 369 in die Berglandschaft oberhalb Biellas gebracht worden sein. Dokumentiert ist die Wallfahrt jedoch erst seit dem 13. Jh.

Die frühbarocke Basilika, die das Gnadenbild und zahlreiche sehenswerte Votivgaben enthält, wurde 1600-1606 erbaut. Sie ist das Herz der Anlage, die im 17. und 18. Jh. zu einem gigantischen Barockkomplex ausgebaut wurde und seither schlossähnliche Züge aufweist. Auf künstlich aufgeschütteten Terrassen entstanden von prachtvollen Barockbauten umrahmte Höfe. Durch diese steigt man auf zur Krönung von Oropa, zur Kuppelkirche Regina Montium, die erst 1960 fertiggestellt wurde und fast abweisend wirkt. Linker Hand des Komplexes wurde auch ein bescheidener Sacro Monte angelegt: zwölf Kapellen, in denen Skulpturengruppen vom Leben Marias erzählen.

Wer hier länger verweilen will: Die Wallfahrtskirche Oropa bietet eine Infrastruktur wie ein - pardon - Ferienclub: 700 Pilgerzimmer, unterschiedliche Restaurants und Cafés, dazu Einkaufsmöglichkeiten und Freizeitangebote.

Region: Saluzzo

Manta

Das Castello di Manta (Di-So 10-18 Uhr | 5 Euro | www.fondoambiente.it) 5 km südlich gehörte zu den Festungen, mit denen die Saluzzeser Markgrafen ihr Territorium zu sichern suchten. Eine Vorstellung vom höfischen Leben im 15. Jh. erhält, wer sich im gotischen Festsaal des Schlosses in die Fresken vertieft: Der Zyklus enthält Szenen aus dem Ritterepos „Le Chevalier Errant“, geschrieben vom Universaltalent Markgraf Tommaso III. An der anderen Saalwand sind Szenen der beliebten Jungbrunnenallegorie zu bewundern: Wacklige Greise in Unterwäsche schieben sich mit letzter Kraft über den Brunnenrand, um als neugeborene Jungspunde umgehend wieder das amüsante Ritterleben aufzunehmen ... Die um 1440 entstandenen Fresken zählen zu den bedeutendsten der internationalen Gotik.

Auf halber Höhe zwischen Poebene und alpiner Bergwelt speist es sich köstlich und aussichtsreich in der Osteria San Bernardo (Di/Mi geschl. | Via San Bernardo | Tel. 017585822 | €-€€) im nahen Verzuolo, wo mit agnolotti, geschmortem Ochsen und unvergesslichen gefüllten Pfirsichen solide piemontesische Küche auf den Tisch kommt.

Region: Asti

Abbazia di Vezzolano

Vom Dörfchen Albugnano 40 km nordwestlich von Asti hat man einen schönen Rundblick vom Apennin bis zu den Westalpen - eingeschlossen die einsam gelegene Abbazia di Santa Maria di Vezzolano, die man von hier aus in wenigen Minuten erreicht. Was da so bescheiden und eher niedrig zwischen Wald und Weinbergen liegt, gilt als wichtigstes romanisches Bauwerk des Piemont. Das ehemalige Augustinerkloster wurde - so geht die Legende - 773 von Karl dem Großen gegründet; die Kirche errichtete man im 11./12. Jh. Besonders schön sind die Fassade mit ihren über drei Etagen aufsteigenden Wandsäulen (beachten Sie die in den Stein gehauenen, freizügigen Szenen unterhalb der Bogen), der Hauptaltar mit vier Terrakottafiguren (Spätgotik) und ein Kreuzgang mit Fresken aus dem Leben Marias.

Preiswert und gut essen können Sie im agriturismo-Betrieb La Muscandia im nahen Pino d'Asti (Mo bis Mi geschl. | Via Maestra 55 | Tel. 0119925492 | www.cadelprete.it | €). Vier wunderschöne Zimmer mit Frühstück in einer mit viel Geschmack renovierten und eingerichteten alten Scheune vermietet die Cascina Leroasine (Ortsteil San Giorgio 63 | Tel./Fax 0119874620 | www.cascina-leroasine.org | €) im nahen Moncucco Torinese.