Reisetipps Norwegen

Stichworte Norwegen

Bodenschätze

Jedes Jahr investiert Norwegen mehr als 10 Mrd. Euro in die Erschließung neuer Öl- und Gasfelder auf dem Schelf. Die auf Sicht ertragreichsten Vorkommen liegen in der Norwegischen See und vor Nordnorwegen. Eine Industrie mit 30000 unmittelbar Beschäftigten, die mehr als ein Viertel des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet, ist auch davon abhängig, immer neue Felder zu finden. Umweltschutzorganisationen treten dafür ein, nördlich und westlich des Nordkaps nicht jedes Feld zu erschließen. Sie weisen dabei auf die extremen Wetterverhältnisse und die Eingriffe in die verwundbare Ökologie in der Barentssee hin.

Der Bergbau hat in Norwegen lange Tradition, hat aber, mit Ausnahme des Steinkohleabbaus auf Svalbard, an Bedeutung verloren. Heute arbeiten noch etwa 4000 Menschen in norwegischen Gruben.

Familie

Die Gleichstellung von Mann und Frau ist weit vorangeschritten, der rechtliche Unterschied zwischen Ehen und nichtehelichen Lebensgemeinschaften fast ganz aufgehoben. In beinahe allen Familien sind beide Elternteile berufstätig. Norwegen hat die dritthöchste Geburtenrate in Europa, jede Norwegerin bekommt im Schnitt 1,8 Kinder. Die soziale Absicherung der Mütter und Väter ist vorbildlich. Die 44 Wochen Elternschaftsurlaub bei vollem Lohnausgleich (oder 54 Wochen mit 80 Prozent Gehalt) können sich die Eltern nach eigenen Wünschen aufteilen, und ein Elternteil kann mindestens zwei Jahre zu Hause bleiben, ohne den Arbeitsplatz zu verlieren.

Fischerei

Die norwegischen Hoheitsgewässer sind hochproduktive Gebiete, hier leben mehr als 200 Fischarten, Schalen- und Krustentiere. Mit einem Ausfuhrvolumen von rund 3 Mrd. Euro ist Norwegen immer noch weltgrößter Fischexporteur, der Anteil der gezüchteten Fische an der Ausfuhr beträgt 47 Prozent. Die Zahl der Fischer ist seit 1950 um fast 80 Prozent, die Fangmengen sind jedoch kaum gesunken. Wegen der bedrohten Bestände im Nordatlantik haben die EU, Norwegen, Russland, Island, die Färöer-Inseln und Grönland Maßnahmen gegen die verbotene Fischerei in diesen Gewässern beschlossen. Eine kleine, im Ausland umstrittene Nische ist der Walfang. Jedes Jahr zwischen Mai und Juli werden rund 600 Zwergwale abgeschossen, Fleisch und Speck werden jedoch nur im Inland verkauft.

Königshaus

Seit 1991 heißt Norwegens Regent Harald V. Als er 1968 eine Frau bürgerlicher Herkunft heiratete, schockierte dies die konservativen Kräfte im Land. Dass die norwegische Monarchie mit der Zeit gehen kann, bewies auch der 1973 geborene Thronfolger Haakon Magnus. Er heiratete 2001 Mette-Marit Tjessem Høiby, eine alleinerziehende Mutter eines Jungen. Bei den jungen Norwegern fand er dafür große Zustimmung. Wie den älteren Generationen ist auch ihnen wichtig, dass der König zwar etwas Besonderes, aber gleichzeitig „einer wie sie“ ist.

Militär

Die norwegische Verteidigung verfügt über Heer, Luftwaffe und Marine. Die Wehrpflicht für Männer zwischen 18 und 44 Jahren beträgt 12 Monate, Frauen können freiwillig Militärdienst leisten. Norwegen ist der nordöstliche Außenposten der Nato. Die gemeinsame Grenze mit Russland setzt jedoch ein gutes Verhältnis zum großen Nachbarn im Osten voraus. So dürfen ausländische Truppen nur bei Übungen ins Land, und die Stationierung von fremden Waffen auf norwegischem Territorium ist nicht vorgesehen.

Mitternachtssonne

Durch das Fylke Nordland, auf 66° 33' nördlicher Breite, verläuft der Polarkreis. Nördlich davon geht die Sonne in den Tagen vor und nach dem 23. Juni nicht unter. Je weiter man nach Norden kommt, desto länger bleibt sie über dem Horizont. Am Nordkap ist midnattssol theoretisch vom 13. Mai bis zum 29. Juli zu sehen, doch leider ist dort die Sicht selten gut. In Tromsø geht die Sonne vom 20. Mai bis zum 22. Juli nicht unter, auf den Lofoten immerhin noch vom 28. Mai bis zum 14. Juli.

Musik

Norwegen ist die Heimat von Edvard Grieg (1843-1907). Seine Peer-Gynt-Suite gehört zu den meistgespielten klassischen Werken überhaupt. Ein wichtiger Inspirator für ihn war der Geiger Ole Bull (1810 bis 1880), der Mitte des 19. Jhs. mit seinem virtuosen Spiel vor allem das amerikanische Publikum begeisterte. Herausragend unter den gegenwärtigen jungen Interpreten klassischer Musik ist der Pianist Leif Ove Andsnes. Seine Schumann- und Haydn-Aufnahmen sind bereits Musikgeschichte. Weltbekannt sind auch der Cellist Truls Mørk und der Geiger Henning Kaggerud, der auch gern den Kontakt zum Jazz sucht. Jazz aus Norwegen hat einen buchstäblich guten Klang. Jan Garbarek, Sidsel Endresen, Bugge Wesseltoft, Nils Petter Molvær und Ole Amund Gjersvik sind in ganz Europa hoch geschätzte Künstler.

Nationalparks

Es gibt auf dem norwegischen Festland 29 Nationalparks mit einer Gesamtfläche von fast 25000 km². Hinzu kommen weit über 80 Landschaftsschutzgebiete, die vor Eingriffen zur Nutzbarmachung geschützt sind. Insgesamt unterliegen gut 40000 km² dem Landschaftsschutzgesetz. Diese Flächen sollen eine vielfältige Fauna und Flora bewahren helfen und gleichzeitig dem Einzelnen das Recht sichern, sich in der Natur frei zu bewegen.

Politik

Nach zwei Volksabstimmungen steht Norwegen immer noch außerhalb der Europäischen Union, und die Norweger scheinen stolz darauf zu sein, dass sie ihre Selbstständigkeit zu bewahren verstehen. Norwegen ist durch und durch sozialdemokratisch. Ein gut ausgebauter Sozialstaat und ein überdurchschnittlich hoher Anteil an öffentlich Bediensteten lassen sich bezahlen, solange das Erbsilber in staatlicher Hand ist und der sogenannte Erdölfonds weiter in schwindelnde Höhen wächst. Der Staat verwaltet die Erdöl- und Erdgasvorkommen, hat die Mineralölgesellschaft Statoil in seinem Besitz und hält den größten Aktienanteil am größten Konzern Norsk Hydro. Im politischen Alltag geht es eher geruhsam zu. Die Parlamentsabgeordneten und die Minister machen ihre Arbeit und bekommen ihre Gehälter, die - wie bei allen anderen im öffentlich Dienst Beschäftigten auch - nach Berufspraxis und Alter gestaffelt und für jedermann einsehbar sind. So bleiben Politiker „Leute wie du und ich“.

Religion

Gesetze, Lieder und Monumente bezeugen, dass das Christentum Mitte des 11. Jhs. in Norwegen Fuß gefasst hatte. Die ersten Bistümer wurden kurz vor 1100 errichtet, das Bistum Nidaros (das spätere Trondheim) war ab 1152 Sitz des Erzbischofs. 1537 wurde die Reformation durch königlichen Erlass aus Kopenhagen verordnet. Seit dem frühen 17. Jh. war Luthers Lehre das einzige Glaubensbekenntnis in Norwegen. Heute sind etwa 86 Prozent der Norweger protestantisch und Mitglieder der Staatskirche. Rund 380000 Norweger gehören anderen Glaubensgemeinschaften an - die größten sind die Pfingstgemeinde und der Islam. Nur knapp 46000 Personen bekennen sich zum katholischen Glauben.

Samen

Vorsichtig geschätzt, gibt es rund 70000 Samen, 40000 bis 45000 davon in Norwegen. Etwa 25000 von ihnen leben im Fylke Finnmark. Um 1980 begann man, die Rechtslage der skandinavischen Urbevölkerung in Norwegen deutlich zu verbessern. 1989 wurde das samische Parlament Sameting als Rat gebendes Organ offiziell eröffnet. Im Kerngebiet des Sameland ist Samisch, das zu den finnisch-ugrischen Sprachen gehört, die Alltagssprache, in einigen Kommunen auch zweite offizielle Sprache. Neben Rentierhaltung und Fischerei sind Landwirtschaft, Handwerk und Dienstleistungen die wichtigsten Erwerbszweige der Samen.

Sprache

Es gibt zwei amtliche norwegische Schriftsprachen, Bokmål (Aussprache: bukmol) und Nynorsk. Die Unterschiede zwischen beiden sind nicht gravierend, die Gegensätze eher sprachpolitischer Natur. Nynorsk ist ein Konstrukt aus mehreren Dialekten, während Bokmål dem Dänischen entlehnt ist. Die meisten Bücher, Zeitschriften und Zeitungen erscheinen auf Bokmål. Die Einwohner einer Kommune entscheiden selbst, welche der beiden Sprachen Unterrichtssprache in der Grundschule sein soll. Die Schüler an weiterführenden Schulen müssen beide Sprachen schriftlich beherrschen.

Stabkirchen

Die gewöhnliche Stabkirche ist ein einfacher, verhältnismäßig kleiner Bau mit schmalerem Chor, dessen Wände aus Pfostenwerk bestehen. Die ältesten der noch erhaltenen 29 Stabkirchen wurden im 12. Jh. errichtet. Der Grund für ihre lange Haltbarkeit ist das solide Fundament: Es besteht aus Pfosten und Planken, die auf Schwellen stehen und deshalb nicht verfaulen können. Zentrales Element der Ausschmückung sind die geschnitzten Ornamente im Eingangsbereich. Diese Dekortradition geht wahrscheinlich auf die Tierornamentik der Wikinger zurück.

Theater

Die Dramen von Henrik Ibsen (1828 bis 1906) werden auf den Bühnen der Welt aufgeführt, Figuren wie Nora, Peer Gynt, John Gabriel Borkman und die Frau vom Meer in allen großen Sprachen dargestellt. In seinem Heimatland war Ibsen zu Lebzeiten umstritten, das Ibsen-Jahr 2006 wurde dann aber mit einer prunkvollen Vorstellung vor den Pyramiden von Gizeh gekrönt. Skien, Ibsens Geburtsstadt, feiert den Dichter jedes Jahr mit einem Kulturfestival. Das gibt es auch alle zwei Jahre am Osloer Nationaltheater. Und es gibt wieder einen norwegischen Dramatiker internationalen Formats: Mitte der 1990er-Jahre tauchten die Schauspiele von Jon Fosse auf den europäischen Bühnen auf. „Der Name“, „Die Nacht singt ihre Lieder“, „Das Kind“, „Sommertage“ oder „Schlaf“ sind Stücke, die auch in Asien und Amerika oft aufgeführt werden.