Reisetipps Niederlande

Stichworte Niederlande

Coffeeshops

Kein anderes Land pflegt einen so liberalen Umgang mit weichen Drogen wie die Niederlande. Seit den Siebzigerjahren werden harte von weichen Drogen getrennt. Der Staat duldet den Besitz einer kleinen Menge sowie den Verkauf und Konsum von Haschisch und Marihuana in speziellen Kneipen, den Coffeeshops: Neben der Getränkekarte gibt es hier eine für die Rauchwaren. Seit Mitte der Neunzigerjahre bläst den Cannabisfreunden ein rauerer Wind ins Gesicht, denn die zahlreichen illegalen Anbauflächen auf Dachböden und in Gewächshäusern, auf die die Polizei bei ihren Razzien immer wieder stieß, waren selbst für die tolerante niederländische Regierung zu viel des Guten. Seit 1995 sind im Eigenanbau nur noch maximal fünf Pflanzen erlaubt.

Deiche

Schon die ersten Siedler bauten Deiche, um ihre Häuser in dem vielfach unter dem Meeresspiegel liegenden Land vor dem Wasser zu schützen. Die meterhohen Wälle bestehen noch heute im Kern aus Sand, der mit einer dicken Tonschicht bedeckt wird. Im Poldermuseum in Lelystad wird anschaulich der Querschnitt eines Deiches gezeigt. Beim großen Hochwasser 1995 mussten 250000 Menschen evakuiert werden, weil entlang der Flüsse Deichbrüche befürchtet wurden. Seither sind die Deiche vielerorts saniert und erhöht worden.

Erasmus von Rotterdam

Der bedeutende Humanist Erasmus Desiderius wurde 1466 oder 1469 in Rotterdam geboren und starb 1536 in Basel. Sein „Lob der Torheit“, ein satirisches Werk über die gesellschaftlichen und kirchlichen Missstände, verhalf ihm zu großem Ruhm. Mit seinen philosophischen Arbeiten übte Erasmus einen großen Einfluss auf die Reformation aus - von der er sich allerdings später distanzierte.

Heringe

Zeitungsinserate mit dem simplen Text Hollandse nieuwe - junge Heringe, die noch nicht gelaicht haben - läuten jedes Jahr im Juni die neue Heringssaison ein. Es ist die Zeit, in der die ganze Nation vor den rot-weiß-blauen haringkarren (fahrbaren Heringsständen) Schlange steht. Der Verzehr dieser Matjesheringe erfolgt nach einem ganz bestimmten Prozedere: In der linken Hand hält man einen kleinen, rechteckigen Pappteller. Darauf liegen der Hering, eine Papierserviette und ein paar Zwiebelstückchen. Dann ergreift man mit Daumen und Zeigefinger der rechten Hand die Schwanzflosse der zartrosa Delikatesse, hebt den Arm in die Höhe und führt den Fisch von oben senkrecht in den weit geöffneten und gen Himmel gerichteten Mund.

Integration

Der von einem radikalen Niederländer marokkanischer Abstammung verübte Mord am Filmemacher Theo van Gogh 2004 hat auf schmerzliche Weise offenbart, wie schlecht es um die Integration der über 800000 Muslime in den Niederlanden bestellt ist. Dass es so weit kommen konnte, hat vor allem zwei Gründe: Immigranten aus Marokko und der Türkei werden von der einheimischen Gesellschaft kaum akzeptiert. Hinzu kommt, dass viele Jugendliche arbeitslos sind, u. a. weil sie von niederländischen Betrieben abgelehnt werden. Seit dem Mord ist die Stimmung im Land gedämpfter und nicht mehr so ausgelassen wie früher, viele Menschen fühlen sich verunsichert. Gleichzeitig wurden aber auch zahlreiche Projekte auf die Beine gestellt mit dem Ziel, den Dialog zwischen den Bevölkerungsgruppen zu fördern.

Königshaus

Die Niederlande sind eine konstitutionelle Erbmonarchie mit parlamentarischem System, wobei Kabinett und Krone gemeinsam die Regierung bilden. Die Königin trägt jedoch keine politische Verantwortung, kann aber Einfluss nehmen, etwa bei der Koalitionsbildung nach Parlamentswahlen. Neben zahlreichen Repräsentationspflichten gehört es zu ihren Aufgaben, am dritten Dienstag im September, dem prinsjesdag, die Thronrede vorzulesen. Dabei handelt es sich um das vom Kabinett verfasste Regierungsprogramm des kommenden Jahres. Königin Beatrix war seit 1966 mit dem Deutschen Claus von Amsberg verheiratet. Er starb 2003 nach langer Krankheit. Der Ehe entsprangen drei Söhne: Thronfolger Prinz Willem-Alexander, Prinz Johan Friso sowie Prinz Constantijn. Kronprinz Willem-Alexander ist mit der Argentinierin Máxima Zorreguieta verheiratet. Das Paar hat drei Töchter. Die Älteste, Catharina-Amalia Beatrix Carmen Victoria, Prinzessin der Niederlande und Prinzessin von Oranien-Nassau, wird nach Willem-Alexander den Thron besteigen.

Literatur

Die Niederländer haben viele wichtige Autoren hervorgebracht, obschon das Sprachgebiet mit 20 Mio. Holländischsprachigen in den Niederlanden und im flämischen Teil Belgiens eher bescheiden ist. Baruch Spinoza verschaffte sich im 17. Jh. mit seinen philosophischen Abhandlungen weltweite Anerkennung. Viel Beachtung fand im 19. Jh. Multatuli mit seinem Roman „Max Havelaar“, einer Anklage gegen die Kolonialherrschaft in Niederländisch-Indien, dem heutigen Indonesien. Nach dem Zweiten Weltkrieg beherrschten vor allem Werke von Willem Frederik Hermans, Harry Mulisch und Gerard Reve die literarische Szene. Im deutschsprachigen Raum sind heute vor allem Cees Nooteboom, Geert Mak und Connie Palmen ein Begriff.

Malerei

Rembrandt van Rijn, Frans Hals und Jan Vermeer van Delft waren schon im „goldenen“ 17. Jh. weltberühmt. Im Amsterdamer Reichsmuseum, dem größten des Landes, findet man eine außergewöhnlich reichhaltige Sammlung mit allen alten Meistern. Im 19. Jh. folgte Vincent van Gogh - einen Großteil seiner Werke finden Sie im gleichnamigen Museum, ebenfalls in Amsterdam. Die herausragenden Maler des 20. Jhs. sind Piet Mondrian, Karel Appel und Corneille als Vertreter der Cobra-Gruppe (Kopenhagen, Brüssel, Amsterdam).

Poldermodell

Anfang der Achtzigerjahre setzten sich Regierung, Arbeitgeber und Gewerkschaften zusammen, um gemeinsam eine Lösung für das Problem der zunehmenden Arbeitslosigkeit zu finden. Mit den ausgehandelten Punkten - kürzere und flexiblere Arbeitszeiten, gemäßigte Lohnforderungen - schufen sie die Basis für eine wirtschaftliche Entwicklung, die zu einer der niedrigsten Arbeitslosenquoten der EU führte und im Ausland als Poldermodell bekannt geworden ist. Inzwischen sind diese Boomjahre vorbei. Doch die Treffen am runden Tisch, die sogenannte overlegcultuur (Gesprächskultur), werden weiter gepflegt. Auch andernorts hat das Modell Schule gemacht.

Sterbehilfe

Die Niederlande sind eines der wenigen Länder weltweit, die aktive Sterbehilfe gesetzlich geregelt haben. Ein Arzt darf unter ganz strikten Bedingungen euthanasie leisten. Voraussetzung ist u. a., dass der Patient unerträglich und aussichtslos leidet und dem Arzt gegenüber mehrmals den Todeswunsch äußert. Ferner muss der Arzt einen Kollegen hinzuziehen und den Fall einer Kontrollbehörde melden. Aktive Sterbehilfe wird von mehr als 90 Prozent der Bevölkerung gutgeheißen.

Tulpen

Die „Tulpen aus Amsterdam“ stammen ursprünglich aus Zentralasien. Ende des 16. Jhs. pflanzte Carolus Clusius die erste Zwiebel dieses Liliengewächses im botanischen Garten in Leiden. Im 17. Jh. galt die edle Blume als Statussymbol: Damals kosteten drei Tulpenzwiebeln so viel wie ein Amsterdamer Grachtenhaus. Jeder Kauf musste denn auch vom Notar beglaubigt werden! Heute bestreiten die Niederlande 86 Prozent des weltweiten Tulpenhandels. Die gut 2000 Gartenbetriebe produzieren jährlich mehr als 4 Mia. Tulpenzwiebeln. Hauptanbaugebiet ist die bollenstreek, der „Tulpengürtel“ zwischen Leiden und Den Haag.

Windmühlen

Früher waren es Zehntausende, heute gibt es in den Niederlanden noch etwa 1000 der typischen alten Windmühlen mit den vier Flügeln. Die meisten stehen unter Denkmalschutz und werden nur an speziellen Tagen - etwa dem nationalen Mühlentag am zweiten Maisamstag - betrieben. Bei Kinderdijk südöstlich von Rotterdam steht das größte Mühlenensemble der Welt. Eine größere Ansammlung authentischer Mühlen finden Sie auch im Freilichtmuseum Zaanse Schans nördlich von Amsterdam. Jahrhundertelang haben die Schöpfräder der Mühlen das sumpfige Gebiet der Niederlande entwässert. Vielerorts, etwa in Zeeland oder auf dem Flevopolder zwischen Urk und Lelystad, werden Sie auf ganze Windmühlenparks zur Gewinnung von Windenergie treffen - zeitgenössische Turbinen mit Rotor, die die historischen Mühlen abgelöst haben.