Reisetipps Niederländische Küste

Auftakt Niederländische Küste Was für eine Region!

450 Kilometer Küste, davon 250 Kilometer Strand – das macht den kleinen Niederlanden so schnell kein anderes Land nach. Endlose Sandstrände und einsame Dünen säumen die Küstenlinie von Zeeland bis Den Helder und auf den Watteninseln. Im Landesinneren lockt das 1100 Quadratkilometer große Seglerparadies IJsselmeer, umgeben von historischen Städtchen. Die niederländische Küste bietet viel Abwechslung, ob man nun Kunst und Kultur, Ruhe und Einsamkeit, szenige Strandbars oder Familienspaß sucht. Und wenn das Wetter mal nicht mitspielt, bietet sich immer ein Ausflug in eine der Städte in der Randstad an.

Ein Holzpfad führt über die letzte Düne. Je höher man steigt, desto feiner wird der Sand und desto höher wächst der Strandhafer. Oben angekommen, bietet sich ein großartiger Ausblick: landeinwärts über hügelige Dünenlandschaften mit Sanddorn und Krüppelkiefern, seewärts über einen endlosen Sandstrand und das Meer.

Etwa 1 Mio. Besucher erleben jedes Jahr solch einen ersten Blick. Nicht weniger als 450 km Küste haben die kleinen Niederlande zu bieten, über die Hälfte davon besteht aus breiten Sandstränden hinter Dünen. Eigentlich ist die gesamte Küstenlinie von der belgischen Grenze bis hin zu den Watteninseln ein einziger langer Strand, unterbrochen nur von einigen Häfen und Flussmündungen. Und obwohl die Niederlande das am dichtesten bevölkerte Land Europas sind, kann man an den Nordseestränden noch Einsamkeit und Ruhe finden.

Strand und Dünen sind jedoch nicht nur schön, sondern bilden einen natürlichen Schutz der „niedrigen Lande“ vor dem Meer. Der Kampf gegen das nasse Element hat die Geografie des Landes geprägt: Da die Dünen keinen ausreichenden Schutz boten, baute man Deiche und Stauwehre.

Dennoch brach das Wasser immer wieder in das Land ein und veränderte seine Küstenlinie und Gestalt. Manch eine Naturkatastrophe brachte Landschaften hervor, die heute zu den reizvollsten der Niederlande zählen: Durch Überschwemmungen entstanden nicht nur die Watteninseln, sondern auch das friesische Seengebiet und die zeeländischen Inseln.

Eine große Veränderung erfuhr die niederländische Landkarte 1932: Durch die Fertigstellung des Abschlussdeichs wurde der Meeresarm Zuiderzee von der Nordsee abgetrennt und in einen riesigen Süßwassersee, das IJsselmeer, verwandelt. Nun klatscht auf der einen Seite die See stürmisch gegen den Damm, auf der anderen Seite liegt die spiegelglatte Wasserfläche des IJsselmeers.

„Gott hat die Welt erschaffen, aber die Niederländer machten ihr eigenes Land“ lautet ein altes Sprichwort. Fertig sind sie mit dieser Aufgabe noch lange nicht. So werden momentan einige neue Inseln im IJsselmeer östlich von Amsterdam angelegt, auf denen ein kompletter Stadtteil entsteht. Dringender ist allerdings das Problem der Erosion: Jedes Jahr müssen die Strände mit neuem Sand aufgefüllt werden, um die Abtragung der Dünen einzudämmen.

Wasser ist in den Niederlanden allgegenwärtig; die See und der Wind prägen das Klima ebenso wie die Mentalität der Bewohner. Im Mittelalter wagte sich kaum ein Fürst in die sumpfigen Gebiete im Westen, sodass die freien Bauern weitgehend selbstbestimmt leben konnten. Nach dem Freiheitskampf gegen Spanien im 17. Jh. gründeten die Niederländer eine der ersten Republiken Europas. Das Sagen hatten damals vor allem die reichen Kaufleute der VOC (Vereinigte Ostindische Kompanie), die mit exotischen Waren aus Übersee handelten und damit den Grundstein für das „Goldene Zeitalter“ legten. Innerhalb weniger Jahrzehnte entwickelten sich die Niederlande zur Weltmacht. Die dunkle Seite des Erfolgs waren Sklavenhandel und eine skrupellose Kolonialpolitik.

Zwar sind die Niederlande heutzutage eine Monarchie, aber der im Goldenen Zeitalter entstandene Kaufmannsgeist, die Demokratieliebe und der Pragmatismus prägen noch immer die Geisteshaltung der Niederländer. In den protestantischen Gegenden nördlich von Rhein und Maas hat auch der Calvinismus seine Spuren hinterlassen. Das Resultat ist eine eigentümliche Paarung von Spießbürgerlichkeit und Freigeistigkeit, von Sittenstrenge und Duldsamkeit: Der gute Protestant lässt die Vorhänge offen, denn er hat nichts zu verbergen; was Angehörige anderer Bevölkerungsgruppen jedoch hinter ihren Vorhängen tun, ist deren Sache. Toleranz ist in den dicht besiedelten Niederlanden, die schon im 17. Jh. auf Grund der wirtschaftlichen Blüte viele Einwanderer aus weniger liberalen Ländern anzogen, eine notwendige Tugend.

Den meisten Besuchern fallen jedoch vor allem das Sprachtalent, der lockere Umgangston und die Kinderfreundlichkeit der Niederländer auf. In Kombination mit den schönen Stränden, guten Wassersportmöglichkeiten und historischen Städten machen diese Trümpfe die niederländische Küste zu einem beliebten Feriengebiet.

Wer sonnige, feinsandige Strände und familiäre Atmosphäre sucht, der wird sich in der südlichsten Provinz Zeeland wohl fühlen. Dies ist auch die Feinschmeckergegend: Muscheln und Fisch, aber auch schwarze Johannisbeeren gehören zu den lokalen Spezialitäten. Am holländischen Abschnitt der Küste, zwischen Katwijk und Bergen, geht es etwas jugendlicher und lebhafter zu. An Sommerwochenenden füllen sich die Strände von Zandvoort und Bloemendaal mit jungen Großstädtern – in der Nebensaison kann man aber auch hier noch stundenlange, einsame Strand- und Dünenspaziergänge machen. Zudem locken die Städte im Hinterland: Orte wie Alkmaar oder Haarlem bieten hübsche historische Ortskerne mit vielen Sehenswürdigkeiten.

Von hier aus ist es nicht weit zum IJsselmeer mit seinen altehrwürdigen VOC-Städtchen und nostalgischen Plattbodenbooten. Noch heute wird man beim Anblick der Segelschiffe, der weiten Wasserflächen und des niedrigen Horizonts an ein Landschaftsgemälde aus dem 17. Jh. erinnert. Etwas herber gibt sich dagegen die verhältnismäßig dünn besiedelte nördlichste Provinz, Friesland, in der man Friesisch spricht und im Winter, falls es einmal richtig friert, unter Eislauffieber leidet. Vor der friesischen Küste liegen die Westfriesischen Inseln, fünf kleine Welten für sich – allen gemein sind die schönen Strände und die ausgedehnten Naturschutzgebiete.

Der Hauch vergangener Zeiten durchweht noch einige küstennahe Großstädte wie Leiden oder Dordrecht. Ein Kontrastprogramm bietet die Hafenstadt Rotterdam. Keine andere niederländische Stadt ist so zukunftsorientiert: Moderne Hochhäuser, der zweitgrößte Seehafen der Welt und eine spannende Kulturszene sorgen für Großstadtflair.

Ob man nun zum Segeln, Radfahren oder Tauchen, wegen der reichen Kultur oder zum Familienurlaub kommt – die Niederländische Küste kennzeichnet viel Abwechslung. Die Einheimischen strömen im Sommer ebenso eifrig an die Strände und zum IJsselmeer wie ausländische Gäste. Denn einem kann sich keiner entziehen: der Schönheit der endlos langen Strände, des wogenden Dünengrases und der vorbeiziehenden Wolken.