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Ausflüge & Touren Namibia

Namibia ganz nah

Von den höchsten Dünen der Welt in die Schluchten bizarrer Bergwelten - Namibias Landschaften sind voller Extreme, und diese in ihrer ganzen Faszination zu erleben, ist ein Privileg, das sich den Reisenden auf einer Vielzahl von Wanderrouten darbietet. Oft sind diese Strecken Teilstücke einer großen, tagelangen Tour, doch sind sie darum nicht weniger attraktiv und für „normale Wanderer“ gut begehbar. Beide Wanderungen sind Erlebnisse, die ein wenig Kondition, aber mehr noch die adäquate Ausrüstung aus Sonnenhut, Sunblocker, festen Wanderschuhen und viel Trinkwasser erfordern, damit die Ausflüge in die Wildnisse Namibias nicht zum unkalkulierbaren Abenteuer werden.

Der Olive Trail im Namib-Naukluft-Gebirge stellt mit seinen 10 km Distanz eine landschaftlich besonders attraktive Etappe im 120 km langen Naukluft Trail dar. Diesen Reiz erlebt man gleich zu Beginn der vier- bis sechsstündigen Wanderung, die am Parkplatz des Naukluft-Campingplatzes beginnt. Das frühmorgendliche, noch sanfte Tageslicht stiehlt sich zwischen den knorrigen Stämmen der wilden Olivenbäume und Würgefeigen hindurch, streift das Grün der Kräuter entlang des Pfads und zeichnet Muster auf die kunstvoll angelegten Nester der Webervögel. Der Pfad windet sich von knapp 1600 auf 2000 m, und gelbe Farbkleckse weisen die Richtung durch die bizarre Felslandschaft. Gut, dass die Wanderung früh am Tag begann, da ein späterer Aufstieg wegen fehlender Schattenplätze zu anstrengend wäre. Auch haben Sie so Zeit, die Umgebung auf sich wirken zu lassen. Euphorbien, Akazien, die Köcherbäume: Silbrig schimmernd lugen ihre Stämme über die Felskanten hinweg, raschelnd streift der Wind durch die rot-orangenen Blütendolden - ansonsten ist die Welt auf dem Gipfel erstaunlich kahl. Diese Überraschung ist jedoch vergessen, wenn Sie vom Hochplateau über die Gipfel des Naukluft-Massivs hinab auf die unendliche Ebene der Namib-Wüste blicken. Nach gut zwei Stunden ist es jetzt Zeit für eine Rast. Obacht aber vor den Übergriffen der Paviane, die schmackhaft zubereitete Snacks dreist für sich beanspruchen!

Der Abstieg vom Plateau führt an Rivieren entlang bis hinab in das Flussbett des Join Main Riviers. Je weiter man in die Tiefe wandert, desto auffallender verdichtet sich die Vegetation. Da bilden Köcherbäume gar einen kleinen Wald, während Sykomoren sich an den Felswänden der Schlucht entlang scheinbar in den Himmel winden. War die vergangene Regenzeit ergiebig, besteht der Fluss aus einer Anzahl Pools - so, als seien sie ausschließlich für müde Wandererfüße mit kühlem Wasser gefüllt.

Auf Luxus dieser Art muss man bei einer Wanderung im Sossusvlei verzichten, doch wer denkt an körperliche Zipperlein, angesichts dieser grandiosen Dünenlandschaft! Man nennt die ebenmäßig geformten, in zahlreichen Farben scheinenden Dünen die höchsten der Erde und erkennt in ihren majestätischen Szenarien abweisende Distanz ebenso wie lockende Faszination.

Obwohl die eigentliche Wanderung erst am 60 km entfernten Vlei beginnt, wird man die Fahrt über die Hauptpiste des Nationalparks entweder an der Elimdüne oder an der Düne 45 unterbrechen, um von ihren Gipfeln die großartigen Ausblicke auf die Senke der Dünen-Namib genießen zu können. Die meisten der höchsten Sandberge sind Sterndünen, so auch die Elim, die sich in ihrer oft dunkelroten Pracht nur 4 km vom Einfahrtstor am Sesriem Camp entfernt erhebt. Kaum hat der Aufstieg über den Grat begonnen, möchte man schon wieder stehenbleiben, um die zahlreichen Vegetationsformen genau betrachten zu können. Gräser und winzige Daisies, die mit ihren vielfarbigen Blüten zu nicken scheinen; Sukkulenten, die sich wie Geflechten über den Sand breiten, und die verworrenen Stängel der Nara, denen Minikürbisse wie grüngelbe, picklige Perlen entwachsen.

Die Spuren schnell geflüchteter Käfer, Vipern und Maulwürfe zieren den Weg nach oben; trocken knirscht der Sand bei jedem Tritt, doch wer verharrt, hört den Wind das Sandmeer vor sich herwehen, um an anderer Stelle den Grat einer Düne zu erhöhen oder eine neue zu formen. Ganz leicht gestaltet sich der Abstieg durch den tiefen Sand, über den man vor lauter Übermut auch ein Stück herunterkugeln kann.

Das Vergnügen könnte sich fortsetzen, da auch andere Dünen sich zur Besteigung anbieten. Wie die berühmte Düne 45, die ihre Bezeichnung der Kilometerentfernung zum Tor verdankt - und nicht zuletzt die Dünen am Vlei. Das Auto hat man auf dem Parkplatz unter den Kameldornbäumen zurückgelassen und ist die letzten 5 km durch das Bett des verlandeten Tsauchab River ins Vlei gewandert. (Sie können gegen Entgelt auch eine Fahrt im Geländewagen vom Parkplatz ins Vlei an der Einfahrt zum Sossusvlei buchen.)

In den letzten Jahren führte der Tsauchab River häufiger Wasser. Die Schlammmassen hinterließen Durchbrüche in den Dünenformationen und gestalteten die Landschaft hier und da um. Auch schufen sie den Nährboden für eine Vegetation, deren Samen sie mitbrachten. So wächst jetzt wilder Tabak im Schatten hoher, blühender Sukkulenten, Wart-ein-Weilchen-Büsche (Ziziphus) und Stechapfel ragen neben den Salsola-Brackbüschen auf, und Blumen, fein wie Papier, säumen die Erhebungen der Narabüsche.

Ihre Wurzeln reichen bis tief hinab in das Grundwasser - dass es solche Vorkommen in dieser harschen Umgebung überhaupt gibt, mag man angesichts der vertrockneten Kameldornbüsche im Deadvlei nicht glauben. 500 Jahre sind sie alt, abgestorben schon seit langem. Blattlos, wie sie sind, stellen sie die idealen Fotomotive in einer Kulisse dunkelbrauner Dünen dar.

Wer leise und gegen den Wind unterwegs ist, hat hier gute Chancen, Oryxantilopen zu sehen. Und wer weiter zum Hiddenvlei wandert, erlebt ähnliche Szenarien von karger Faszination.

Hotels auf Rädern

Mit dem Desert Express können Sie von Windhoek, mit dem Rovos Rail von Südafrika aus bequem und komfortabel nach Swakopmund reisen. Und mit dem Shongololo geht es kreuz und quer durch Namibia.

In der betulich wilhelminischen Architektur des Bahnhofs von Windhoek wirkt der Desert Express (www.desertexpress.com.na | ab 235 Euro ohne Getränke) ein wenig futuristisch. Und auch der Rhythmus an Bord des modernen Komfortzugs mit seinen klimatisierten Abteilen hat keine Ähnlichkeit zum Tempo jener Zeiten, als Ochsenkarren länger als drei Wochen für die Reise zwischen Windhoek und Swakopmund benötigten. Heute dauert die Fahrt auf Schienen 24 Stunden, deren kurzweilige Gestaltung beispielsweise in der eleganten Bar beginnen kann. Allerdings lassen auch andere Abwechslungen in Form von Ausflügen nicht lange auf sich warten, sodass man bereits am Spätnachmittag auf der Oropoko Farm eine Pirschfahrt mit anschließendem sundowner genießt. Hinter den Eisenbahnfans liegt bis dahin eine Fahrt durch halbaride Savannenlandschaften. Rote und goldfarbene Dünen kündeten Bergketten in ockerfarbener Pracht an. In den Strahlen der Sonne vermeinte man die reichen Mineralienvorkommen der Region an Rosenquarzen, Tigeraugen, Lapislazuli, Marmor und auch Gold aufblinken zu sehen.

Bei der Rückkehr von der Safari in den Zug ist trotz der nun herrschenden Dunkelheit ein Ende des Tags noch nicht absehbar - die leckeren Gerüche aus dem Speisewagen des Desert Express erklären, warum. Es hat etwas vom Flair ungeahnter Lebensqualität, dieses Genießen typisch-namibischer Köstlichkeiten, während der Zug sich seinen Weg durch das Wüstenland bahnt. Eine Auswahl guter Weine und Spirituosen lässt die Imaginationen noch bis spät in die Nacht schweifen, bis sie sich am nächsten Morgen auf dem Scheitelpunkt einer Düne wiederfinden. Mit Aussichten auf die endlose Landschaft der ältesten Wüste der Welt, der Namib, und Swakopmund, das sich am Ufer des Atlantischen Ozeans in seiner pittoresken Wirklichkeit aus dem Morgennebel erhebt.

Swakopmund ist auch das Ziel des Rovos Rail (www.rovos.com | ab 2500 Euro, Getränke inklusive), allerdings ist der Luxuszug dann schon seit fünf Tagen unterwegs. Die Tour war in Pretoria gestartet, das im neu-südafrikanischen Sprachgebrauch zu „Tshwane“ umbenannt ist. So vehement sich also das wirkliche Leben verändert, so zeitlos sind die Momente an Bord dieses einzigartigen Nostalgiezugs. Schon beim Einsteigen scheint man sich in eine Zeitmaschine zu begeben, die in die goldenen Roaring Twenties (ver)führt: Sind die Rovos Rails doch akribisch renovierte Originale der ersten Züge, die überhaupt im südlichen Afrika verkehrten. Entsprechend den Ansprüchen im Überfluss Reisender zu Beginn des 20. Jhs. sind die Compartements, der Speise- und der Barwagen Luxusoasen mit ausladenden, richtigen Betten, mit Bädern, großen Tischen und bequemen Sesseln.

Die täglichen Ausflüge in das Umland der Route entführen nicht wirklich aus dieser Art des Lifestyles, denn obschon man sich, wie alle Schienenreisenden, entlang des gleichen Verlaufs der Strecke bewegt, erleben die Gäste des Rovos Rail die andere, exklusive Ausprägungen des jeweiligen Ziels.

Wie das zu verstehen ist, wird über den Erlebnissen im Enfant terrible namibischer Choo-Choos deutlich. Insider wissen nun bereits, dass es sich nur um den Shongololo (Kiswaheli: Tausendfüßler) handeln kann - und damit um Zugreisen, die auch durch ganz Namibia führen (ab 2100 Euro). Im Shongo geht es unkonventionell und fröhlich zu. Tagsüber ist man zu Exkursionen unterwegs, beim Zurückkommen wartet stets ein mehrgängiges Dinner mit typisch afrikanischen Gerichten auf die Shongos, und nicht selten enden die Abende im Bar-Waggon - wenn man nicht ohnehin auf jene Gäste wartet, denen die Option gerade recht kam, das jeweilige Kultur- und Nachtleben in einer nahe gelegenen Stadt zu erkunden. Dies ist in Namibia nicht häufig der Fall, doch startet der Shongololo in Kapstadt und führt von dort im Zickzack bis hoch in den Norden Namibias.

Wer nun glaubt, dass es sich bei den Shongololo-Fans um eine ausschließlich junge Klientel handelt, wird sich angesichts der Fotos auf der Website www.shongololo.com vom Gegenteil überzeugen können.

Weitere Informationen und Buchungen: Albatros Urlaub | Westendstraße 71 | 60325 Frankfurt/Main | Tel. 069/97609477 | Fax 289972 | www.albatros-urlaub.com