Reisetipps Montenegro

Ausflüge & Touren Montenegro

Von der Küste in den Karst

Die landschaftliche Vielfalt Montenegros ist überall beeindruckend, doch in kaum einer anderen Ecke tritt sie so geballt auf wie in der Bucht von Kotor: Steil ragen die Hänge hier direkt vom Ufer weg in die Höhe, die Konturen der alten venezianischen Städtchen am klaren Wasser verschwimmen, je höher das Auto die Straße erklimmt. Und kaum gerät die Adria aus dem Blick, verändert sich schon wieder die Landschaft: Karstige Berge prägen nun das Bild. Hierher, in diese nur schwer zugängliche Region, zogen sich die montenegrinischen Herrscher im 15. Jh. vor den türkischen Eroberern zurück und gründeten die Hauptstadt Cetinje. Die Tagestour von Kotor bis Budva ist einschließlich eines Abstechers zum Njegoš-Mausoleum etwa 120 km lang.

Haben Sie Kotor am südlichen Ortsausgang verlassen, erreichen Sie nach etwa 4 km eine Kreuzung, an der es links und bergauf weiter Richtung Cetinje geht. Hier beginnt zugleich die sogenannte Leiter von Cattaro, jene Straße, die bis Ende des 19. Jhs. den einzigen Zugang ins Landesinnere bildete. Längst asphaltiert, schlängelt sich die Auffahrt kurvenreich nach oben und bietet atemberaubende Ausblicke auf die Bucht von Kotor. In die 32 Serpentinen versteckte der Straßenbauingeneur ein M, weil er, so die Legende, unsterblich in die Königin Milena verliebt war.

Den tollsten Blick auf die Becken der Bucht haben Sie kurz vor dem Dörfchen Krstac. Aber auch schon während des Aufstiegs finden sich immer wieder kleine Parkbuchten, wo Sie halten und den Ausblick genießen können. Von Krstac bis nach Njeguši sind es jetzt noch gut 2 km - der Geburtsort des Dichterfürsten Njegoš liegt direkt zu Füßen des Lovćen-Nationalparks. Neben einem Besuch seines Geburtshauses bietet sich der Ort zum Kauf von geräuchertem Schinken und Käse oder selbst gebranntem Schnaps an. Die Straße Richtung Cetinje steigt nach Njeguši weiter an und verläuft nun entlang von Feldern unterhalb der beiden höchsten Lovćen-Gipfel Štirovnik und Jezerski VRH. Bei klarem Himmel reicht der Blick bis zum Goija-Gebirge im Nordwesten Montenegros. Nach einer knappen halben Stunden haben Sie Cetinje erreicht. Die Kulturhauptstadt des Landes lässt sich leicht erschließen. Schon ein Spaziergang entlang der Flaniermeile Njegoševa, von der früheren französischen Botschaft hinunter zum Blauen Palast, wird Ihnen den besonderen Flair des Orts näherbringen. Besuchen Sie die von österreichischen Heeresstrategen im Ersten Weltkrieg fertig gestellte Reliefkarte Montenegros, und machen Sie sich selbst ein Bild davon, wie aufwendig es gewesen sein muss, das unzugängliche Gebiet zu beherrschen.

Ein Abstecher führt von Cetinje in den Lovćen-Nationalpark. Die knapp 20 km lange Strecke ist vom nordwestlichen Ortsausgang gut ausgeschildert. Nach jahrzehntelanger Bauzeit eröffnete auf dem zweithöchsten Gipfel, dem Jezerski VRH, 1974 das vom kroatischen Bildhauer Ivan Meštrović entworfene Njegoš-Mausoleum. Unweit des überdimensionierten Baus gibt es eine Aussichtsplattform, von wo der Blick an klaren Tagen bis zu den albanischen Bergen reicht.

Hinunter vom Lovćen, führt die Strecke über Cetinje weiter westlich durch das karstige Hochland Richtung Küste. Ganz unterwartet, wenn man denkt, es kann nicht mehr höher gehen, taucht am Fuß des Bergs die Riviera auf wie auf einem Präsentierteller: weiße Buchten, in Felsen eingebetet, Budva, Petrovac, und dazwischen Sv. Stefan, die malerische Hotelinsel. Bis zum Abschlusspunkt der Tagestour, der traumhaften Altstadt von Budva, sind es nun noch ungefähr 20 Minuten. Aber natürlich ist es Ihnen überlassen, die Tour bis Tivat zu verlängern. Und auch die Rückkehr an den Ausgangspunkt Kotor kostet Sie von Budva aus nur rund eine halbe Autostunde mehr.

Die Schluchten der Tara

Weitab von den Touristenzentren an der Küste, bietet der Norden Montenegros Einblick in unberührte Landschaften. Höhepunkt der abgeschiedenen Bergwelt: Eine Fahrt auf dem oder entlang des Tara-Flusses, der sich hinter Kolašin im Nordwesten Montenegros immer mehr verengt und schließlich in reißenden Stromschnellen Richtung bosnischer Grenze fließt. Der Halbtagesausflug von Žabljak im Herzen des Durmitor-Gebirges führt an Mojkovac vorbei zum Nationalpark Biogradska Gora, wo zahlreiche Wanderrouten zum Ausflug in einen der letzten Urwälder Europas einladen. Von Žabljak bis zum Eingang des Parks sind es knapp 90 km.

Im Rücken den Bobotov Kuk (2522 m) führt die Straße von Žabljak Richtung Tara schon bald zügig bergab. Nadelbäume säumen die Strecke, ehe sich nach 23 km der längste Fluss des Landes zeigt. Imbissstände und ein Restaurant stehen am Rand der 150 m hohen Bogenbrücke, die sich hier über die Tara spannt.

Kleine Haltebuchten am Straßenrand erlauben es auf den nächsten 30 km immer wieder anzuhalten und dem Lauf des Flusses zwischen Felsen und Farnen zuzuschauen. Erst kurz vor Bistrica krümmt sich die Straße von der Tara weg und klimmt den Berg hinauf - ein Panoramahalt ist hier eingerichtet und gibt den Blick frei auf den nun in ganzer Breite durchs Tal fließenden Strom.

Bis Mojkovac folgt die Straße dann wieder dem Fluss. Am großen Partisanendenkmal vor der Stadt biegt die Straße nach Süden Richtung Kolašin ab. Das heute schmucklose Mojkovac ist ein historischer Ort, an dem unzählige Schlachten stattfanden, weil dies früher der einzige Zugang für Eroberer war, die, aus Serbien oder dem Kosovo kommend, nach Montenegro eindringen wollten.

Bis zur Zufahrt zum Nationalpark Biogradska Gora sind es noch 2 km, Schilder weisen den Weg zum Parkplatz am Biogradskosee. In einer Holzhütte können Sie eine Wanderkarte kaufen. Touren zu den Gletscherseen des Parks sind möglich, auch Übernachtungsmöglichkeiten am See gibt es: Zwölf Bungalows (€) stellt die Parkverwaltung zur Verfügung.