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Ausflüge & Touren Mauritius

„Montagsroute“: Der Ostteil der Insel

Urlauber besuchen Mauritius wegen der Strände und seiner exklusiven Hotels. Und doch verpasst, wer den Tag nur am Meer verbringt, eine Landschaft von bezauberndem Reiz. Von eigenem Charme sind auch die kleinen Ortschaften inmitten der weiten Zuckerrohrfelder oder am Rand des Dschungels. Eine knapp 80 km lange Autofahrt von Mahébourg hinauf nach Poste de Flacq macht Sie mit dieser Seite der Insel vertraut. Die Tour dauert knapp einen Tag.

Die Tour durch den Osten der Insel sollten Sie an einem Montag unternehmen, dann ist Markt in Mahébourg, dem Ausgangspunkt dieser Route. Das verschlafene Städtchen ist der einzige größere Ort im Südosten der Insel. Kommt man von Westen, auf der A 10, nach Mahébourg, liegt auf der linken Seite der Tamilentempel Shri Vinayaour Seedalamen und auf der rechten Seite ein weiterer kleiner Gebetstempel. Nicht weit entfernt steht eine Kolonialvilla, in der seit 1950 das Marinemuseum untergebracht ist. Angeblich spukt es in diesem prächtigen Bau, im 19. Jh. jedenfalls sollen hier Gespenster zwischen dem halbverfallenen Mobiliar großartige Bälle gefeiert haben. Die Möbel wichen Vitrinen und Ausstellungsstücken, die geisterhafte Atmosphäre hat das Haus aber behalten.

Die Fahrt auf der B 28 führt Richtung Norden. Mal nah am Meer, mal durch die Ausläufer der Berge schlängelt sie sich durch eine kaum bewohnte Region. Nur hin und wieder tauchen Ortschaften auf. Die kleinen Straßen dieser Dörfer sind kaum befestigt, die windschiefen Holzhütten geben mitunter ein Bild der Armut ab; oft aber sind ihre Wände in allen Farben des Regenbogens bemalt. Attraktionen gibt es wenige, sodass der unscheinbare Obelisk, der an die erste Landung der Niederländer erinnern soll, gern als Sehenswürdigkeit bezeichnet wird.

Selbst Vieux Grand Port, der, wie der Name es andeutet, einst wichtigste Hafen der Insel, ist heute ein unscheinbares Nest. Einen Besuch wert allerdings sind der unter Denkmalschutz stehende alte Friedhof und das Museum zur Geschichte der holländischen Besiedlung. Von nun an folgt die Straße der Küstenlinie. Linker Hand erhebt sich die 480 m hohe Montagne du Lion, deren Form - von Süden her - tatsächlich an einen liegenden Löwen erinnert. Hinter Providence weist in der Bucht Anse Jonchée ein Straßenschild den Weg zu den Naturparks Domaine du Chasseur und Ylang Ylang, in denen man jagen, wandern und Tiere beobachten, aber auch sehr gut einkehren kann.

Bevor die Straße sich den Berg hinauf zur Domaine du Chasseur windet, passiert sie ein kleines Verwaltungsgebäude. Hier sollten Sie sich nach dem Zustand der Strecke erkundigen. Vor allem nach starken Regengüssen kann die Anfahrt problematisch werden. Knapp eine Viertelstunde dauert die Fahrt zum Restaurant Le Panoramour (Tgl. 9-17 Uhr | Reservierung empfohlen | Tel. 6345011 | €€€). Dort, in den Ausläufern der Bambou Mountains, fühlt man sich in eine Oase der Ruhe versetzt. Das einzige, was man hört, ist das Zwitschern der Vögel und Kreischen der Affen. In den Wäldern leben auch Javahirsche, die von den Niederländern aus Indonesien eingeführt wurden, außerdem Wildschweine. Viele Besucher kommen zur Wildbeobachtung, andere zur Jagd, da hier eine Trophäe (fast) garantiert ist. Das Restaurant serviert folgerichtig unter anderem frische Wildgerichte.

Wem zum Mittagessen der Sinn nach Meeresfrüchten steht, der sollte sich mit einem Getränk an der Bar begnügen und sich bis Bambous Virieux gedulden. Nur wenige Kilometer weiter auf der B 28 Richtung Norden stehen an der Pointe Bambou die Steinhäuser des eigenwilligen Hotels Le Barachois (tgl. 12-18 Uhr | Tel. 6345643 | €€€) im flachen Wasser. Es ist von einer Austernzucht umgeben und bietet eine hervorragende Küche. Erst in dem Städtchen Bel Air, über das sich die Doppeltürme der Kirche Saint Esprit recken, verlassen Sie die B 28 und folgen der B 55 nach Westen in Richtung Camp de Masque.

Unterwegs präsentiert sich eine verschwenderische Natur. Vom Tal bis hinauf in die Höhen der Gebirgszüge Fayence Mountains und Blanche Mountains wachsen Hibiskussträucher, Bananenstauden, Palmen und Tausende wilder Blumen.

Von Unité aus fahren Sie auf der A 7 nach Centre de Flacq. Die Stadt liegt in der großen Ebene, eingebettet zwischen Zuckerrohrplantagen. Während der Zeit der französischen Herrschaft war die Region rund um Flacq eine der dichtest besiedelten und produktivsten Gegenden von Mauritius. Hier stand Anfang des 19. Jhs. die größte Zuckerraffinerie der Insel. Heute ist es um Flacq einsam geworden, nur an Markttagen herrscht reges Treiben.

Von Centre de Flacq aus folgen Sie der B 23 nach Poste de Flacq, wo auf einer Landspitze ein Hindutempel steht. Auf der anderen Seite der Bucht sind die Schemen des Hotels Saint Géran zu erkennen. Um es zu erreichen, folgen Sie der B 62 Richtung Süden, vorbei am neuen Golfplatz des Hotels Belle Mare Plage. An der Gabelung biegen Sie dann links zum Le Saint Géran ab, einem der schönsten Hotels der Insel. Hier lassen Sie den Tag am besten bei einem Cocktail oder mit einem Besuch im Kasino ausklingen.

„Südwestpassage“: Durch alle Klimazonen

Große Teile im Süden der Insel vermitteln noch heute einen Eindruck davon, wie Mauritius vor der Besiedlung ausgesehen hat. Die vorgeschlagene Route ist etwa 60 km lang und nimmt einen Tag in Anspruch.

Die Tour beginnt südlich von Floréal und Curepipe, dort, wo sich die B 3 und die B 70 treffen, und folgt der kleinen Landstraße nach Süden in Richtung Le Pétrin.

Die Landschaft wird hügelig, Kiefernwälder dehnen sich aus. Die Gegend macht fast einen nordisch-herben Eindruck. Nach etwa 10 km erreicht man das Mare aux Vacoas, den größten Süßwassersee der Insel. Er wird sowohl als Trinkwasserreservoir genutzt als auch für den Betrieb eines Wasserkraftwerks. Ein Damm versperrt die Sicht auf den See. Alle paar hundert Meter jedoch gibt es Treppen, über die man die Dammkrone erreichen kann. Sie befinden sich hier fast 600 m über dem Meer, und noch immer führt die Straße bergauf.

Le Pétrin verdient es schwerlich, ein Ort genannt zu werden. Wenige Häuschen stehen hier. Nicht zu übersehen ist deshalb der große Wegweiser zur Shivaratree-Tempelanlage am Grand Bassin, dem heiligen See der Hindus. Schon entlang der schnurgeraden Straße stehen kleine Schreine. Um so überraschender ist der Anblick der großen Windkraftanlage am Pilgerparkplatz. Mauritius nutzt hier die südöstlichen Passatwinde als Energiequelle.

Von anderer Art ist die Energie, die sich die Hindus von einem Besuch des Grand Bassin versprechen. Laut einer Legende legte Shiva bei einer seiner Weltumrundungen eine Pause auf Mauritius ein. Von einer Amphore auf seinem Kopf, die mit heiligem Wasser aus dem indischen Fluss Ganges gefüllt war, verschüttete er ein wenig, und die Tropfen fielen in den Krater von Grand Bassin. So entstand der See.

Wenn im Februar/März das Maha Shivaratree gefeiert wird, das größte Hindufest außerhalb Indiens, versammeln sich hier Hunderttausende von weiß gekleideten Gläubigen. Tanzend, betend und singend steigen sie in den See und streuen Blumenopfer aus. Den Rest des Jahres ist es ruhig. Halbzahme Affen springen herum und zeigen wenig Respekt vor Opfergaben. Bei gutem Wetter lohnt sich der Aufstieg über eine Treppe zum 700 m hohen Gipfel des Piton Grand Bassin.

Sie fahren zurück nach Le Pétrin auf die Hauptstraße und biegen links ab Richtung Süden. Über die bewaldete Hochebene Plaine Champagne erreichen Sie das Naturschutzgebiet Macchabée Bel Ombre, gewissermaßen das Dach von Mauritius. Die Landschaft ist karg, rau, bisweilen abweisend, alles andere als tropisch, doch allmählich ändert sich das Bild entlang der 20 km langen Strecke nach Chamarel. Die holprige Straße nimmt zahllose Kurven, und immer wieder biegen kleine Pfade ab in die verborgenen Winkel des Hochlands. Schilder mit der Aufschrift „View Point“ weisen auf Aussichtspunkte hin, darunter den über die Alexander Falls. Dann geht es durch Wälder dichten Gestrüpps hin zu steilen Klippen und spektakulären Schluchten: Bilder einer urwüchsigen Dschungellandschaft.

Der wohl schönste Aussichtspunkt ist Black River Gorges, etwa 8 km von Le Pétrin entfernt. 200 m vom Parkplatz entfernt öffnet sich der Blick auf einen gewaltigen Wasserfall. Die Schlucht, die der Fluss hier in den Berg gefressen hat, setzt sich fort bis zum Ozean. Bei guter Sicht ist die Tamarin-Ebene zu erkennen wie auch der Black River Peak, mit 828 m der höchste Berg der Insel. Ein dürftig beschilderter Wanderpfad zum Gipfel beginnt wenige hundert Meter weiter südlich an der Straße; die Wanderung dauert etwa drei Stunden. Auf der Weiterfahrt empfiehlt sich eine Pause im Ausflugslokal Varangue sur Morne (tgl. 11.30-15.30 Uhr | Tel. 4835710 | €€-€€€) mit seiner Veranda über Bananen- und Ananasplantagen.

Die Straßen werden schlechter, die Kurven enger, die Schlaglöcher tiefer. In Chamarel biegen Sie ab nach Süden und folgen in Cachette den Hinweisschildern nach Terres des Sept Couleurs. Fortan geht die Fahrt durch Zuckerrohrfelder. Erste Attraktion auf diesem Privatweg ist linker Hand der 90 m hohe Wasserfall Cascade Chamarel. Das Ziel aber ist das seltsame geologische Phänomen der „farbigen Erde“. Sanft gewellt liegt hier inmitten der üppigen tropischen Vegetation eine Reihe nackter Hügel. Auf den ersten Blick scheinen sie rostrot zu sein, tatsächlich aber schimmert ihr oxidiertes Lavagestein in sieben Farbtönen.

Zurück auf der Hauptstraße führt die Route bergab in Richtung Süden nach Baie du Cap. Da die Straße endlich ausgebaut und frisch geteert wurde, kann auch der Fahrer die herrliche Aussicht genießen. Eine nicht minder schöne Variante führt zurück nach Chamarel und dann an die Westküste nach Case Noyale. Auf beiden Routen verlässt man rasch die Hochebene und nähert sich auf schmalen, kurvigen Straßen der Küste. Die Aussicht ist oft grandios: Bis zum Horizont schimmert das Meer, die Temperatur steigt mit jedem Meter und damit auch die Erwartung auf ein kühles Getränk und/oder ein Bad im Ozean.