Reisetipps Mark Brandenburg

Auftakt Mark Brandenburg Was für eine Region!

Die einen sind von der Stille und Weite der Landschaft begeistert und möchten nur die Seele baumeln lassen. Andere kommen wegen der herrlichen Schlösser und Parks oder der ungewöhnlichen Events. Nicht wenige aber reisen nach Brandenburg wegen Fun & Action: Über Europas längsten Rundkurs jagen Inlineskater und Radfahrer, in sechs Thermen ist Wellness angesagt und im einmaligen Tropenparadies „Tropical Islands Resorts“ Südseefeeling. Auf zahlreichen Seen und Kanälen kann man segeln, surfen oder gemütlich mit dem Hausboot über das Wasser schippern. Brandenburg ist ein wahres Wassersport-Eldorado.

Sandböden und krüppelige Kiefern - auf den ersten Blick eine karge, unspektakuläre Landschaft: „Streusandbüchse“ spotten manche. Es sind jene, die das Land rund um Berlin noch nie besucht haben. Denn die Mark hat viele Schönheiten, die jedoch eher im Verborgenen liegen: blaue Seen, liebliche Hügelketten, Kanäle mit Schiffen. Dazu kommen prachtvolle Schlösser, klassizistische Herrenhäuser, alte Dorfkirchen, Kraniche, die am Ufer rasten, Fisch- und Seeadler, die über den Bäumen kreisen. Eine Gegend, so Kurt Tucholsky, „wo die Seele baumeln kann und nicht nur Amselbullen glücklich sind“.

Schloss Sanssouci in Potsdam und der Spreewald sind bekannt, doch die Mark ist viel mehr: 12000 km Alleen, so viel wie in keinem anderen Bundesland, führen zu den Sehenswürdigkeiten. Aber auch gut 5000 km Radwege, auf denen die Räder in dem flachen Land wie von allein rollen, sagen die Radler. Beliebte Ziele sind der Kalksteinbruch im Museumspark Rüdersdorf oder der Ziegeleipark Mildenberg, durch den die ehemalige Tonlorenbahn zuckelt. Beeindruckend ist der Blick von der ehemaligen Förderbrücke F60, der „liegende Eiffelturm“ genannt. Als Träume und Märchen aus Backstein werden die Klosterkirchen von Lehnin und Chorin, der wuchtige Dom in Brandenburg, die Marienkirche in Prenzlau und das Rathaus in Frankfurt/Oder bezeichnet. Reich bestückt ist das Land mit einstigen Königs- und Adelssitzen, mehr als 500 Schlösser und Herrenhäuser haben den Zweiten Weltkrieg sowie den Abriss und Verfall zu DDR-Zeiten überstanden. Glanzpunkt sind die mehr als zwanzig Schlösser in und um Potsdam, das größte Park- und Schlossensemble nördlich der Alpen. Schloss Sanssouci war das Refugium von Friedrich II., der das Land geprägt hat wie kein anderer. Auf sein Konto geht das Oderbruch, das es nicht geben würde, hätte der „Alte Fritz“ nicht die Trockenlegung befohlen. Heute denken die meisten bei diesem Stichwort nur an Hochwasserkatastrophen, z.B. an jene von 1997. Doch selbst dieser einsame Landstrich hat Touristisches zu bieten: das klassizistische Schlossensemble Neuhardenberg mit First-Class-Hotel, Schinkelkirche und Kulturangeboten, den Kunstspeicher Friedersdorf, die Gedenkstätte Seelower Höhlen und viele Plätze zum Träumen.

Mit über 3000 Seen und mehr als 32000 km Fließgewässern gehört die Mark zu den gewässerreichsten Regionen Europas. In Deutschland rangiert sie auf Platz 1. Ruhige Paddelreviere mit fast unberührter Natur wechseln mit Gewässern, auf denen Motoryachten, Hausboote, Segler, Schubverbände und Fahrgastschiffe unterwegs sind. Von den Havelgewässern kann man mit dem Schiff auf Entdeckungsreise bis zur Ostsee touren. Mancher habe das schon gewollt, sei aber nie dort angekommen, erzählen Touristiker gern. Schuld daran sind wohl die Gasthöfe am Ufer, deren Leckereien die Amateurkapitäne nur selten widerstehen können. Dem Beelitzer Spargel z.B., den Spreewälder Gurken, den Teltower Rübchen, auch dem Zander, dem Hecht und dem Aal, die man vom Boot aus im klaren Wasser schwimmen sieht und die gedünstet, gebraten oder geräuchert serviert werden.

Im 19. Jh. setzte sich der Journalist und Romancier Theodor Fontane in die Kutsche und fuhr durchs Brandenburger Land. Herausgekommen sind die „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“, das wohl bekannteste Werk der deutschsprachigen Reiseliteratur. Fontane riet: „Wenn du reisen willst, musst du die Geschichte dieses Landes kennen und lieben.“ Also bitte, hier ist sie: Mark bedeutet Grenzland. Das brandenburgische Land war und ist Grenzland zwischen deutschen und slawischen Völkern. Namensgebend war die Feste Brandenburg. Im 17. Jh. gebrauchte man die Bezeichnung „Chur und Mark Brandenburg“. 1815 hörte die Mark Brandenburg als verwaltungspolitische Einheit auf zu existieren, der Name Mark hat sich jedoch erhalten. Das Territorium des 1990 wieder gegründeten Landes Brandenburg - das in seinen Grenzen in diesem Reiseführer vorgestellt wird - ist nur zum Teil identisch mit dem der historischen Mark. Berlin, obwohl in der Landesmitte gelegen, gehört nicht dazu - die Hauptstadt nabelte sich 1881 ab.

Mit der Landschaft, wie die Natur sie den Märkern geschenkt hat, waren einige offenbar nicht zufrieden. Sie wollten es noch schöner haben. Gebastelt haben sie auch am Spreewald, einem faszinierenden Wasserlabyrinth. Hier bestehen die Straßen nicht aus Asphalt oder Pflaster, sondern aus Wasser. Fast 1000 km umfasst das Netz der über 300 geheimnisvollen Fließe, wie die Wasserarme genannt werden. Tausende Touristen klettern jeden Sommer in die typischen kiellosen Holzkähne und lassen sich durch diese einzigartige Landschaft in der Niederlausitz staken. Hier leben die gut 20000 Sorben, die mit ihrer Sprache und ihrem Brauchtum das Leben dieser Region prägen.

Traumhafte Gartenanlagen haben die genialen Gartenkünstler Peter Joseph Lenné und Hermann Fürst von Pückler-Muskau auf märkischen Sandboden gezaubert: Park Branitz bei Cottbus sowie Sanssouci, Neuer Garten und Babelsberg in Potsdam. Doch alles wird wohl übertroffen werden von dem, was Landschaftsgestalter in den letzten Jahren auf ihren Reißbrettern skizziert haben: Gigantische Mondlandschaften, die weit ins Bundesland Sachsen reichen, verwandeln sich derzeit in die Lausitzer Seenkette. Der Braunkohleabbau prägte die Region seit Mitte des 19. Jhs. Das „Schwarze Gold“ war in der DDR der wichtigste Energieträger. Die zurückgebliebenen Krater werden gegenwärtig in Bade-, Segel-, Surf- und Anglerparadiese umgewandelt. Die Internationale Bauausstellung (IBA) Fürst-Pückler-Land lädt dazu ein, diese Veränderungen mitzuerleben. Die neuen Seen werden durch Kanäle verbunden sein, Marinas, Wasserskianlagen und Golfplätze an den Ufern sind im Entstehen. Ein neues Urlaubseldorado wächst hier heran: Südseefeeling im „Tropical-Islands-Resort“, eine 200 km lange Inlineskaterstrecke, Draisinebahnen, Kletterparks und in Potsdam der Filmpark Babelsberg, der mit heißen Stunts die Besucher in Atem hält. Dazu kommen feine Schlosshotels, Sternerestaurants, Wakeboarding und Floßfahrten, Wellness und Spaßbäder, Wasserski sowie Kulturevents wie das schwimmende Theaterspektakel am Ruppiner See oder der Rheinsberger Opernsommer. Wer es volkstümlicher mag, der wählt das Baumblütenfest in Werder, Spargelfeste in der Region Beelitz oder ein Mittelalterfest aus. Kunst und Kultur, Natur und Geschichte, Fun und Action - die Mark Brandenburg ist ein attraktives Ferienland geworden. Es lohnt sich, das Land rund um Berlin zu entdecken!