Reisetipps Malaysia

Stichworte Malaysia

Animismus

Die ursprüngliche Religion ist der Animismus, und für jene Ureinwohner, die ihn noch praktizieren, sind Omen in der Natur, Träume und die Kommunikation mit Verstorbenen von großer Bedeutung. Auch Chinesen pflegen ihre Beziehung zu Schutzgeistern und Ahnen. Schamanen und Hexenmeisterinnen sterben zwar langsam aus, aber der uralte Glaube wurzelt tief. Selbst wenn sich moderne Malaysier zu einer der Weltreligionen bekennen - an der Effizienz von weißer und schwarzer Magie zweifeln nur wenige.

Brunei

Brunei-Darussalam war bereits im 15. Jh. mächtig, ging im Lauf der Geschichte aber fast unter, bis 1929 vor der Küste Erdöl entdeckt wurde. 1984 wurde das kleine Land von Großbritannien unabhängig. Der absolute Herrscher Sultan Hassanal Bolkiah gilt als zweitreichster Mann der Welt und beschert Brunei Wohlfahrt sondergleichen: keine Steuern, freie Kranken- und Rentenversicherung, Spitzenlöhne. Für unliebsame Arbeiten wird ein Heer von Gastarbeitern aus Malaysia, Indonesien und anderen Ländern beschäftigt. So fällt es den 390000 Einwohnern des 5765 km² kleinen Ministaates leicht, ihrem Herrscher den 350 Mio. Dollar teuren Palast, die Flotte italienischer Luxuskarossen und die 200 argentinischen Polopferde zu gönnen.

Bumiputra

Landwirtschaft, Fischerei und Jagd sind traditionellerweise Sache der hier lebenden Volksgruppen (Proto-Malaien) und der vorwiegend aus dem indonesischen Raum stammenden Malaien. Malaien und Proto-Malaien werden als Bumiputra (Söhne der Erde) vom Staat mit Privilegien gefördert (z.B. Steuervergünstigungen, leichterer Zugang zu Regierungspositionen und Universitäten, bessere Bankkonditionen). In Politik und Gesellschaft sind sie heute führend, aber an der Wirtschaftsspitze stehen Chinesen. Sie trieben seit ewigen Zeiten Handel mit den Malaien und wanderten im 19. Jh. zu Hunderttausenden ein. Chinesen stellen heute 30 Prozent der Bevölkerung. Die britischen Kolonialherren holten im 19. Jh. zudem massenweise indische Plantagenarbeiter ins Land. Sie machen heute etwa 8 Prozent der Malaysier aus.

Verwirrung gibt es immer wieder beim unterschiedlichen Gebrauch der Begriffe Malaysier und Malaien: Letztere sind Angehörige der malaiischen Volksgruppe, also der Bumiputra. Alle unterschiedlichen Ethnien zusammen - Malaien, Chinesen, Inder oder die Nachkommen der Proto-Malaien - sind dagegen Malaysier, also Staatsbürger Malaysias.

Drachen und Gasing

Bunte Drachen aus Bambus und Seidenpapier, mit Flügelspannweiten von 2,5 m, hoch in den Lüften - welch ein Kindertraum! Aber es braucht zwei Männer, um einen Wau (Drachen) zu führen. Noch anspruchsvoller ist Gasing, das Kreiselspiel: Der Werfer rollt auf einer tellergroßen Holzscheibe (mit Zinnrand bis zu 6 kg schwer) ein Seil fest und schießt die Scheibe mit voller Kraft und Präzision gen Boden. Ein zweiter Spieler fängt den Kreisel mit einer flachen Holzschaufel auf und setzt ihn auf einen Pflock, wo er weiter dreht und dreht. An der Ostküste der Halbinsel sind die Spiele auf Volksfesten und in den Kulturzentren zu sehen.

Fauna und Flora

Dank der stabilen klimatischen Verhältnisse sind Malaysias Regenwälder älter als die des Amazonas; Fauna und Flora haben sich extrem vielseitig entwickelt. Allein die Halbinsel bietet mit 8500 Pflanzenarten eine so große Vielfalt wie der nordamerikanische Kontinent. Neben über tausend Orchideenarten wächst in Malaysia auch die Rafflesia - mit Blüten bis zu 1 m Durchmesser die größte Blume der Welt. In den Regenwäldern der Flachlandzonen leben so große Säugetiere wie Leopard, Wildbulle, Elefant, Nashorn, Orang-Utan, Tiger und Tapir. Ihr Lebensraum ist durch die Rodung der Wälder bedroht.

Zahlreicher als die Säugetiere sind die Vogelarten. Mehr als 600 sind bislang gezählt, unter ihnen Königsfischer, Bienenfresser, Silberreiher und Eisvogel. 150000 Insektenarten sollen in Malaysia beheimatet sein, außerdem finden sich Krokodile, Echsen und viele Schlangenarten (z.B. Kobra, Viper, Python).

Kris

Als Waffe aus Tausendundeiner Nacht, die den Träger unverwundbar, gar unsichtbar machen kann, ist der Kris eine Legende. Rar geworden sind auch die Meister (Empu), die den Dolch, von Zeremonien und Meditationen begleitet, schmieden können. Die Klinge ist gerade, geschwungen oder wie eine Schlange geformt, der Griff ein geschnitztes Kunstwerk aus Holz, Knochen oder Silber. Bis zur Perfektion beherrschten die Waffe die Meister im Selbstverteidigungskampf Silat Melaya.

Namen

Malaien setzen anstelle des Nachnamens den Namen des Vaters hinter den eigenen; somit ist Herr Rewat Mohamed Mr. Rewat. Chinesen stellen ihren Vornamen (sofern er kein westlicher ist) hinter den Familiennamen - Frau Jap Kit Loo wird als Mrs. Jap angesprochen. Inder stellen oft die Initialen des väterlichen Namens vor den eigenen. Fragen Sie Ihr Gegenüber im Zweifelsfall nach der richtigen Anrede. Darüber hinaus gibt es einige sehr dezidierte Regeln: Männer werden von Jüngeren mit uncle (Onkel) angesprochen, Frauen entsprechend als aunty (Tante). Jüngere Menschen, z.B. eine Kellnerin oder einen Kellner im Restaurant, kann man durchaus mit adik (kleiner Bruder oder kleine Schwester) ansprechen. In der Familie hat jeder Bruder einen eigenen Titel: Der Älteste heißt Abang Long, der nächste Abang Ngah und so weiter. Entsprechendes gilt für Schwestern: Kak Long ist die älteste, Kak Ngah die zweite usw. Sich nur mit dem Namen anzusprechen gilt als unhöflich.

Riesenschildkröten

Immer seltener schleppen sich nachts die mächtigen Urtiere an den Strand, buddeln einen Graben und legen 40 bis 150 Eier. Deshalb entnehmen Ranger an den Brutstätten die „Pingpongbälle“ und vergraben sie in Camps, wo die Eier geschützt vor Feinden heranreifen. Sind die Jungen nach 50 bis 60 Tagen aus dem Sand gekrabbelt, geht's in Eimern ans Meer. Nur zwei Prozent überleben die gefährliche Zeit bis zum Erwachsenwerden. Doch vielleicht ist darunter ein Weibchen, das nach 15 bis 20 Jahren an den Geburtsstrand zurückfindet, um Eier zu legen.

Rubber Ridley

Der Brite Henri N. Ridley hatte 1888 Sprösslinge des brasilianischen Gummibaums (lat. Hevea brasiliensis) nach Singapur mitgenommen und deren Anbau dermaßen propagiert, dass der ehemalige Direktor der Londoner Kew Gardens nur noch Rubber Ridley genannt wurde. Es zeigte sich allerdings, dass Ridley das richtige Gespür hatte: Bis in die 1980er-Jahre boomte das Geschäft mit dem weißdicklichen Saft des Gummibaums. Mittlerweile ist die Produktion auf rund ein Viertel des Weltbedarfs gesunken, auch weil Malaysia noch einen anderen, lukrativeren Nutzbaum gefunden hat: die Ölpalme (lat. Elaeis guineeensis). Sie wird in riesigen Monokulturen angebaut. Das aus ihren Früchten gewonnene Öl macht die Hälfte der Weltproduktion aus. Beide Rohstoffe werden in Industrieländern für unzählige Produkte verwendet, und beide tragen in Malaysia weit mehr zur Schrumpfung des Regenwalds bei als das Geschäft mit Tropenholz.

Ureinwohner Borneos

In 40000 Jahren haben sich auf Borneo sehr unterschiedliche Volksgruppen herausgebildet. Im heutigen Sarawak machen die einst als Kopfjäger gefürchteten Iban ein Drittel der Bevölkerung aus. Viele von ihnen leben in Langhäusern und bauen Tapioka, eine Art Kartoffel, an. Die Bidayuh (etwa 8 Prozent der Einwohner Sarawaks) sind in den Gebirgsregionen des westlichen Regenwalds beheimatet, die Melanau (6 Prozent) leben als Küstenbewohner von der Fischerei und dem Anbau der Sagopalme. Die Orang Ulu (5 Prozent) setzen sich aus 21 Untergruppen zusammen - dazu gehören die Kelabit-Reisbauern des Bareo-Hochlands und die von den Früchten des Regenwalds lebenden Penan.

In Sabah stellen die 30 Ureinwohnervölker noch rund 70 Prozent der Einwohner. Die Kadazan (ein Drittel der Einwohner Sabahs) betreiben Reis- und Gemüseanbau. Die 40000 Muruts lebten ursprünglich vom Wanderfeldbau und der Blasrohrjagd. Die Bajaus (14 Prozent der Bevölkerung) waren Seenomaden, bevor sie sich an der Westküste ansiedelten.

Vogelnestsuppe

Abertausende von winzigen Salanganen (Seglervögel) bauen in den Tropfsteinhöhlen Borneos ebenso winzige Nester aus Speichel. Chinesen schätzen diese Bird's nests seit tausend Jahren als Delikatesse in Suppen. Die Sammler klettern an halsbrecherischen Bambusstangen und Rattanleitern die Höhlenwände hoch: das erste Mal, bevor die Salanganen die Eier gelegt haben, sodass Zeit für den zweiten Nestbau bleibt, und das zweite Mal, wenn die Jungen ausgeflogen sind. Gewaschen, getrocknet und exklusiv verpackt kostet die Delikatesse bis zu 500 Dollar pro Kilo.

Yang di-Pertuan Agong

„Erster unter den höchsten Durchlauchten“ ist jeweils für die Amtszeit von fünf Jahren einer der Sultane, die in neun Bundesstaaten das Reich ihrer Vorväter repräsentieren (in Melaka, Penang, Sarawak und Sabah regiert ein Gouverneur). Die Allüren und Eskapaden mancher royals stehen denen der britischen in nichts nach.

Zinn

In Malaysia ist Zinn seit 500 Jahren ein Wirtschaftsfaktor, der die Entwicklung der westlichen Halbinsel seit dem 19. Jh. beeinflusst hat. Von den 87 Chinesen, die 1857 dort Zinn gefunden hatten, wo heute Kuala Lumpurs Jame-Moschee steht, überlebten nur 18 (reich gewordene) Männer Tropenkrankheiten und Kriminalität. Vorwiegend chinesische Einwanderer suchten ihr Glück im Zinngeschäft und brachten es zu Reichtum und Macht. Bis Mitte der 1980er-Jahre lieferte Malaysia etwa zwei Drittel des Weltbedarfs an Zinn.