Reisetipps Madrid

Stadtspaziergänge Madrid

Das königliche Madrid

Was wäre Madrid ohne seine Könige? Philipp II. machte Madrid 1561 zur spanischen Hauptstadt, seitdem ist die Geschichte der Stadt eng mit der Geschichte der Monarchie verbunden. Folgen Sie königlichen Spuren auf diesem Spaziergang von Ost nach West quer durch die Innenstadt. Er dauert an die zwei Stunden, ein möglicher Besuch im Prado und im Botanischen Garten dabei nicht mit eingerechnet.

Der Spaziergang beginnt im Retiro, dem großen Stadtpark, der einst nur der Königsfamilie und ihren Besuchern zugänglich war. Retiro bedeutet „Rückzug“ - hierhin zogen sich die hohen Herrschaften zurück, wenn sie von ihrem Volk genug hatten. Erst seit Mitte des 19. Jhs. ist es jenem Volk erlaubt, sich in dem schattigen Park vom Großstadtleben zu erholen.

Von der Metrostation an der Nordseite des Parks laufen Sie zum gewaltigen Reiterstandbild Alfons' XII. Der Bourbone, Urgroßvater von König Juan Carlos, bestieg 1874 mit gerade 17 Jahren den Thron (womit die kurze Erste Republik ihr Ende nahm) und starb 1885 mit nicht einmal 28 Jahren. Auf dem Sockel des Monuments ist sein Ehrenname, „El Pacificador“, eingemeißelt: der Friedensstifter. Unter seiner Herrschaft endete der letzte der drei Karlistenkriege - Bürgerkriege, die Spanien während des 19. Jhs. in Atem hielten.

Umrunden Sie den estanque, den sehr überschaubaren künstlichen Teich, und gehen über den Paseo del Paraguay zum parterre, einem rechtwinkligen französischen Park im Park, den Isabella II., die Mutter Alfons' XII., anlegen ließ. Auf dessen Nordseite steht eine mexikanische Zypresse, die hier um 1633 gepflanzt wurde und damit wohl der älteste Baum Madrids ist. Durch die Puerta Felipe IV (benannt nach dem Habsburgerkönig Philipp IV. - 1621 bis 1665 -, der den Befehl zur Anlage des Retiro gab) verlassen Sie den Park.

Vor sich sehen Sie nun das Casón del Buen Retiro, Relikt eines königlichen Sommerpalasts, dem sich der Retiro ursprünglich als privater Garten anschloss. Das Casón - ehemaliger Tanzsaal - ist heute eine Dependance des Prado, zurzeit wird es renoviert. Wenn Sie nördlich durch die Calle Felipe IV am Casón del Buen Retiro vorbeilaufen, sehen Sie gleich rechts das ehemalige Armeemuseum, und dann, nach ein paar Schritten, blicken Sie schon links auf den Prado. Wenn Sie Lust haben, nehmen Sie sich Zeit für einen Besuch: Hier hängen die Herrscher, deren Namen Ihnen in Madrid immer wieder begegnen, in Öl. Velázquez war Hofmaler Philipps IV., der König taucht auch im Hintergrund der berühmten „Meninas“ auf. Goya malte 150 Jahre später den Bourbonen Karl IV. und seine Familie - nicht wirklich schmeichelhaft.

Südlich des Prado liegt der Real Jardín Botánico, auf Befehl Karls III. (des Vaters Karls IV.) angelegt. Karl III. regierte von 1759 bis 1788 und ist den Madridern als „Bürgermeisterkönig“ im Gedächtnis, weil er sich mehr als seine Vorgänger und Nachfolger um die Entwicklung der Hauptstadt kümmerte.

Überqueren Sie den viel befahrenen Paseo del Prado und laufen über die autofreie Calle Huertas ins historische Zentrum Madrids. Sie landen auf der kleinen Plaza del Ángel (dort liegt das für seine Jazzkonzerte berühmte Café Central) und von dort über die Calle Espoz y Mina zur Puerta del Sol. Jetzt sind Sie mitten in der Stadt. Hier reitet Karl III. auf seinem bronzenen Pferd daher - Ross und Reiter stehen leicht unter Strom, um die Tauben fernzuhalten.

Weiter geht es in Richtung Westen über die Calle Mayor, über welche die Könige im 17. Jh. vom Alcázar quer durch die Stadt zum Sommerschloss beim Retiro trabten. In der Hausnummer 10 locken die Konfiserien von El Riojano, einer Traditionsbäckerei von 1855, gegründet unter königlicher Protektion. Machen Sie über das Gässchen Felipe III einen Abstecher zur Plaza Mayor, dem touristischen Herzen Madrids. Laufen Sie dann weiter über die Calle Mayor, vorbei an der Plaza de la Villa, bis Sie rechts in die Calle Factor abbiegen: Einige Schritte die Straße hinauf bietet sich Ihnen - vor allem abends - der schönste Blick auf die Kathedrale und den Königspalast. Ein paar Stufen hinab, und Sie stehen auf der Plaza de Oriente, direkt vor dem Königspalast. König Juan Carlos werden Sie hier allerdings nicht treffen - der lebt ein paar Kilometer vor der Stadt im Zarzuela-Palast.

Madrid zwischen Kacheln

Wer die Atmosphäre der Stadt bei einem ersten Spaziergang auf sich wirken lassen will, der wird auf dieser beinahe ziellosen Route unmerklich von Stadtteil zu Stadtteil geführt: von Chamberí über Conde Duque und Malasaña quer durchs Zentrum, nach einem kurzen Abstecher ins Madrid de los Austrias hinein nach Lavapiés und zum Schluss nach Huertas. Den roten Faden bilden dabei nicht etwa die berühmtesten Monumente der Stadt, sondern kleine Läden und Lokale, deren Fassaden oder Innenräume liebevoll gekachelt sind. Nehmen Sie sich mindestens vier Stunden Zeit, vielleicht aber auch einen ganzen Tag.

Das spanische Wort für Kacheln, azulejos („glasierter Ton“), ist arabischen Ursprungs, denn die Araber waren es, die während ihrer fast 800 Jahre währenden Herrschaft über große Teile der Iberischen Halbinsel die Kacheln in Mode brachten. Die Idee, an der Fassade mit gekachelten Motiven Werbung fürs eigene Geschäft zu machen, kam in Madrid allerdings viel später auf, im letzten Drittel des 19. Jhs. Auf diesem Spaziergang werden Sie rund ein Dutzend Beispiele zu sehen bekommen.

Der Weg beginnt an der Metrostation Quevedo, mitten in Chamberí, einem der teuersten Viertel Madrids. Nehmen Sie den Ausgang zur Calle Arapiles, gehen die Straße ein Stück Richtung Westen, dann gleich die erste Straße rechts und sofort wieder nach links in die Calle Fernando el Católico. Rechter Hand stoßen Sie bald auf den Mercado Vallehermoso.

Noch ein paar Schritte weiter biegen Sie links in die Calle Galileo ein. An der Ecke steht ein schöner Backsteinbau von 1910, in dem das populäre Kulturzentrum Galileo untergebracht ist. Das Gebäude, das Sie beim Weg die Calle Galileo hinab fern und doch zum Greifen nah vor sich sehen, ist das Edificio de España. Auf der rechten Straßenseite, in Nr. 21, warten dann die ersten Kacheln auf Sie: Das baskische Restaurant La Zamorana wirbt im typisch naiven Stil mit vier Männern beim Bier an seiner Fassade.

Am Ende der Straße biegen Sie links in die viel befahrene Calle Alberto Aguilera ein. Sie ist ein Teilstück der bulevares, die die Innenstadt nach Norden hin begrenzen. An der nächsten Ecke (Calle Vallehermoso) sehen Sie Madrids schönste Tankstelle, 1927 im rationalistischen Stil erbaut, 1977 abgerissen und 1996 nach Originalplänen wiedererrichtet. Hier verlassen Sie die Alberto Aguilera und gehen die Calle Conde Duque hinab. Die Straße führt zum Kulturzentrum in der alten Kaserne Conde Duque. Es lohnt sich, einen Blick in die Innenhöfe zu werfen.

Nun gehen Sie nach links in die kleine Calle Cristo, die sich an Sommerabenden in eine einzige Freiluftbar verwandelt. Weiter geradeaus folgen Sie der Calle de la Palma, die sich immer mehr zur angesagten Kneipenmeile entwickelt, kreuzen die Hauptverkehrsader San Bernardo, die Sie ein kurzes Stück rechts hinuntergehen, um gleich links in die Calle San Vicente Ferrer einzubiegen.

Sie sind jetzt in Malasaña, dem Ausgehviertel der Jugendlichen. Schöne Kacheln sehen Sie an der Bodega Casa do Compañeiro (Hausnr. 44), noch schönere an der Antigua Huevería (dem „alten Eiergeschäft“, heute Rockbar) und die schönsten an der Farmacia Juanse (beide Hausnr. 28), einer Apotheke, die immer noch Werbung für hausgemachte Medizin der Wende vom 19. zum 20. Jh. macht.

Fast am Ende der San Vicente Ferrer geht es rechts in die Corredera Alta de San Pablo, hinab zur Plaza San Ildefonso, dort links in die Calle Colón. In der Nr. 13 wartet La Ardosa mit Bier und Tapas zwischen Kacheln auf Sie. Am Ende der Colón biegen Sie rechts in die Calle Fuencarral, Madrids Modestraße. Am Ende der Straße überqueren Sie die Gran Vía und laufen die Calle Montera hinab - zum Straßenbild gehören zum Leidwesen der Anwohner Dutzende von Prostituierten. Schließlich stoßen Sie auf die Puerta del Sol, das Herz Madrids.

Über die Calle Mayor und die Calle Postas geht es zur Plaza Mayor. In der Südwestecke des Platzes steigen Sie die versteckt liegende Escalerilla de Piedra (Steintreppchen) hinab und laufen über die Calle Cuchilleros zur Puerta Cerrada. Weiter geradeaus geht es in die Cava Baja, eine der Straßen mit der höchsten Dichte an Tapabars und Restaurants der ganzen Stadt. Eins davon ist La Chata (Nr. 24) mit bemalten Kacheln an der Fassade.

Laufen Sie wieder ein kleines Stück zurück und biegen rechts in die etwas düstere Calle San Bruno ein, die Sie direkt zur ehemaligen Kathedrale San Isidro führt. Dann geht es weiter nach rechts in die Calle Toledo, wo Sie sich gleich wieder links halten, hinein in die Calle Estudios. So gelangen Sie schließlich auf die Plaza Cascorro, den zentralen Platz des sonntäglichen Flohmarkts Rastro. Von dort laufen Sie die Calle Embajadores bergab. Links (Nr. 9) steht das liebevoll restaurierte Teatro Pavón von 1925. Weiter unten (Nr. 31) können Sie einem Barbier bei der Arbeit zuschauen, wenn auch nur noch auf Kacheln gemalt.

Dann biegen Sie links ab in die Calle Sombrerete. Die Straße führt bis zur Plaza Lavapiés, dem Herzen des gleichnamigen Viertels. Laufen Sie die Calle Ave María hinauf und biegen rechts ein in die Calle Olmo, die Sie zum Cine Doré mit Jugendstilfassade bringt. Zwischen Kino und Markthalle hindurch gehen Sie durch die kleine Pasaje Doré zur viel befahrenen Calle Atocha. Wenn Sie die überquert haben, sind Sie in Huertas. Geradeaus geht es weiter in der Calle Amor de Dios, an deren Ende Sie links in die Calle Huertas einbiegen.

Huertas ist ein beliebtes Ausgehviertel, und einige der Kneipen locken mit gekachelten Außenwänden: der Irish Pub El Parnasillo in der Calle Príncipe 33, die Diskothek Villa-Rosa in der Nordwestecke der Plaza Santa Ana und schließlich das berühmte Viva Madrid in der Calle Manuel Fernández González an der Nordostecke der Plaza Santa Ana.

Hier könnte der Spaziergang enden - aber vorher sollten Sie noch bis zur Ecke Calle Echegaray weitergehen und einen Blick ins legendäre Los Gabrieles werfen (wenn es nicht noch wegen Renovierung geschlossen sein sollte): Dessen Innenwände sind beinahe komplett mit bemalten Kacheln geschmückt. Auf manchen tanzen Skelette. Das ist Madrid!