Reisetipps Loire-Tal

Stichworte Loire-Tal

Atomkraft

Wenig romantisch an der lieblichen Loire: die vier Atomkraftwerke, darunter Frankreichs erster Reaktor, der 1963 in Avoine bei Chinon ans Netz ging. Großen Widerstand in der Bevölkerung gab und gibt es nicht. Im Gegenteil, Avoine ist fast stolz auf seinen Reaktor, denn er brachte Arbeitsplätze und Wohlstand. Seit 1986 gibt es hier sogar ein Atommuseum. Der Meiler Belleville nahe Sancerre kann ebenfalls besichtigt werden. Zwei weitere Kraftwerke liegen bei St-Laurent-des-Eaux, nahe Chambord, und Dampierre-en-Burly bei Gien.

Honoré de Balzac

Der Schriftsteller, 1799 in Tours geboren und in Vendôme aufgewachsen, zog sich auf der Flucht vor seinen Pariser Gläubigern - er war als erfolgloser Verleger und Druckereibesitzer Bankrott gegangen - immer wieder in das Renaissanceschloss von Saché zurück. Im spartanisch eingerichteten Zimmer mit Blick auf Park und Tal, das ihm sein Freund Jean de Margonne zur Verfügung gestellt hatte, arbeitete Balzac bis zu 18 Stunden am Tag an Romanen wie „Die Lilie im Tal“, der bei Montbazon spielt und Teil seines Meisterwerks „La Comédie humaine“ ist. Der Romanzyklus, an dem der Schriftsteller von 1829 bis 1850 schrieb, gibt ein anschauliches Bild der damaligen Gesellschaft.

Cadre Noir

Die Reitkunst hat im Loire-Tal eine lange Tradition. Im 16. Jh. gründete der protestantische Gouverneur Duplessis-Mornay in Saumur die Reiterakademie und die neue Universität. 1828 konstituierte sich aus Offizieren der Kavallerieregimenter der „Cadre Noir“ (schwarzer Kader), die Elitemannschaft der französischen Reiterei. Gelehrt wird die Kunst der Hohen Reitschule, wie sie im 16. Jh. praktiziert wurde. 1972 ist im Umkreis des Cadre Noir, der inzwischen auch zivile Mitglieder zählt, mit der Nationalen Reitschule (Ecole Nationale d'Equitation) eine Ausbildungsstätte in Saumur entstanden.

Höhlenwohnungen

Der weiche Tuffstein (tuffeau) ist ein ideales Baumaterial. In der Gegend zwischen Saumur und Tours oder am Loir-Fluss zwischen Vendôme und Durtal haben die Menschen seit der Antike von den unzähligen Steinbrüchen profitiert und sich Wohnungen in den Höhlen (troglodytes) angelegt. Ganze Dörfer wie Rochemenier oder Trôo, Täler wie Les Goupillières und sogar Schlösser wie Brézé sind in den Tuffstein hineingebaut worden. Damals ging es um Schutz vor Invasoren und Kälte, heute sind die Felsenkeller mit konstanten Temperaturen zwischen 12 und 15 Grad ideal für Pilzzucht (champignonnière) und Sekt- oder Weinlagerung. Außerdem sind die Höhlenwohnungen, die nach dem Zweiten Weltkrieg praktisch alle aufgegeben wurden, heute rare und teure Perlen auf dem Immobilienmarkt.

Jeanne d'Arc

Das Bauernmädchen (1411-1431) aus dem lothringischen Dorf Domrémy wurde zur Heldin und Heiligen der Nation. Nachdem ihr „himmlische Stimmen“ den Auftrag erteilt hatten, das Land von den englischen Besatzern zu befreien, ritt die erst 17-Jährige los, um in Chinon den Sohn des geisteskranken Königs Charles VI, den späteren Charles VII, davon zu überzeugen, die Krone zu übernehmen. Sie fand Gehör und übernahm in Blois das französische Heer. Obwohl die Lage hoffnungslos erschien, befreite Jeanne am 8. Mai 1429 Orléans, das ein halbes Jahr lang von englischen Truppen belagert worden war.

Charles VII wurde am 17. Juni 1429 in Reims gekrönt, doch statt gemeinsam mit Jeanne Paris zu befreien, kehrte der neue König an die Loire zurück. Daraufhin suchte die Jungfrau von Orléans den Kampf auf eigene Faust, verlor aber die Schlacht von Compiègne und fiel den Engländern in die Hände. In Rouen wurde ihr wegen Hexerei und Ketzerei der Prozess gemacht, am 30. Mai 1431 starb sie 19-jährig auf dem Scheiterhaufen. Seit dem 19. Jh. gilt sie als Nationalheilige Frankreichs. 1920 wurde sie vom Vatikan heilig gesprochen.

Leonardo da Vinci

In seinem Werk verbanden sich Kunst und Naturwissenschaften auf eine für seine Zeit einmalige Weise. Die letzten drei Jahre seines Lebens verbrachte das italienische Universalgenie (1452-1519) auf dem Landsitz Le Clos-Lucé bei Amboise. König François I hatte Leonardo da Vinci nach Frankreich eingeladen. Er soll die ersten Pläne für Schloss Chambord entworfen haben.

Plantagenet-Geschlecht

Das Wahrzeichen der Grafen von Anjou ist der Ginster (planta genista), den sich Geoffroi V (1113-1151) an den Helm steckte und damit seiner Familie den Beinamen Plantagenet gab. Die Grundlage für das angevinische (englisch-aquitanische) Reich, das von der Normandie bis zum Baskenland reichte, hatte der streitbare Landgraf Foulque Nerra (972-1040) geschaffen. Er festigte sein Reich mit mächtigen Burgen und Abteien wie Solesmes (1010) oder Ronceray in Angers (1028). Den Höhepunkt der Macht erreichten die Plantagenets mit Henri II, der 1152 Eléonore von Aquitanien heiratete, nachdem deren Ehe mit Louis VII, dem König von Frankreich, unter dem Vorwand der Blutsverwandtschaft aufgelöst worden war. Henri II erbte 1154 das Königreich England und regierte von den Pyrenäen bis Schottland, kapitulierte aber 1189 bei Azay-le-Rideau vor seinem eigenen Sohn Richard Löwenherz, der sich mit dem Sohn Louis' VII, Philippe Auguste, verbündet hatte. Henri II, der 1189 in Chinon starb, hat die Architektur mit dem angevinischen oder Plantagenet-Gewölbe stark beeinflusst: Musterbeispiele für die Kreuzrippenkonstruktion mit hohen Schlusssteinen sind die Abtei von Fontevraud und die Kathedrale St-Maurice in Angers.

Religionskriege

Im Loire-Tal fiel die Reformation im 16. Jh. auf fruchtbaren Boden. Unter François I wurden die Ideen von Martin Luther und Calvin, der 1528-1533 in Orléans lebte und lehrte, von der Oberschicht übernommen. Die Hugenotten, die französischen Protestanten, bauten von Gien bis Angers ihre Kirchen, die noch heute, wie in Sancerre oder Orléans, temple genannt werden.

1562-1598 tobten zwischen den Katholiken und den Protestanten in Frankreich acht Kriege. Die Hugenotten wurden von Deutschland, England und der Schweiz unterstützt, die Katholiken von Spanien. Am Ende jedes Krieges wurden den Hugenotten zwar religiöse und politische Duldung bescheinigt, diese Verträge aber immer wieder ignoriert oder sogar außer Kraft gesetzt. In der Nacht zum 24. August 1572 wurden mit Zustimmung des Königs in der berüchtigten Bartholomäusnacht 2000 Hugenotten ermordet.

Das Meucheln ging weiter, als Henri III 1588 den Katholikenanführer Herzog de Guise auf Schloss Blois ermorden ließ, selbst aber im Folgejahr in Tours Opfer eines Anschlags wurde. Erst als der protestantische Thronfolger, Henri de Navarre, zum Katholizismus übergetreten und 1594 als Henri IV zum König gekrönt worden war, wurde mit dem Edikt von Nantes 1598 der blutige Bürgerkrieg beendet.

Agnès Sorel

Sie war jung, schön und intelligent: die Hofdame Agnès Sorel, Mitte des 15. Jhs. die erste offizielle Mätresse in der französischen Geschichte. Der 20 Jahre ältere Charles VII, der seine Krone der Jungfrau von Orléans verdankte, soll seiner Geliebten völlig hörig gewesen sein. La favorite, also die Herzdame des Königs, liebte den Prunk, sorgte aber auch für kluge Ratgeber am Hof. Sie residierte zunächst in Chinon, bevor sie nach Loches übersiedelte. Dort starb Agnès Sorel 1450 mit nur 28 Jahren nach offiziellen Angaben an einer Magenverstimmung - hinter vorgehaltener Hand wurde aber von Gift gesprochen, hatte die Geliebte doch zu viel Macht über die Entscheidungen des Monarchen.

St-Martin

Der wichtigste Bischof Galliens hat nicht nur den Katholizismus, sondern auch die Weinreben ins Loire-Tal gebracht. Martin, nach der zeitgenössischen Biografie des Sulpicius Severus um 316 in Sabaria im heutigen Ungarn geboren, war Soldat, als er seinen Mantel mit einem Bettler in Amiens teilte. Martin ließ sich taufen und wurde als wundertätiger Volksmissionar so bekannt, dass ihn das Volk von Tours 371 zum Bischof wählte. Der Heilige starb 397 in Candes. Nach dem Vorbild des Jakobswegs baut ein in Tours ansässiges europäisches Kulturzentrum (www.saintmartindetours.eu) seit 2005 verschiedene Pilgerpfade z.B. in Frankreich, Ungarn, Slowenien, Kroatien und Deutschland auf den Spuren des Heiligen aus. Erste Teilstrecken zwischen Tours und Chinon sind seit 2008 mit Kilometersteinen ausgewiesen.

Umweltschutz

1996 wurde der regionale Naturpark Loire-Anjou-Touraine gegründet. Im Gebiet zwischen Villandry im Westen, Richelieu im Süden, Angers im Westen und dem Tal des Authion im Norden soll die Natur besser vor den Auswüchsen der Zivilisation bewahrt werden. So sind jetzt schon Biber, Fischotter und sogar der Feuersalamander, Wappentier von François I, wieder an der Loire heimisch geworden. 2000 wurde von Sully bis Chalonnes ein 2 km breites und 260 km langes Gebiet mit rund 160 Gemeinden von der Unesco zum Welterbe der Menschheit erklärt.

Vogelwelt

Als einer der letzten naturbelassenen Ströme Europas zieht die Loire mit ihren Sandbänken, Inseln, Sumpfgebieten und Wäldern viele seltene Vogelarten an. Im Wald von Orléans residieren mit Fisch-, Schlangen- und Zwergadler gleich drei Greifvögel der Königsklasse. In den Naturschutzgebieten sind außer vielen Reiherarten Rohrweihen, schwarze Störche, Uferschnepfen, Flussseeschwalben, Eisvögel und Krickenten zu beobachten.