Reisetipps Litauen

Insider Tipps Litauen MARCO POLO Autor Thoralf Plath im Interview

Thoralf Plath (46) berichtet als Korrespondent für deutsche Medien aus Russland und dem Baltikum. In Litauen ist er daher viel unterwegs.

Wie und wo leben Sie genau?

Ich lebe im Ostseebad Selenogradsk an der Kurischen Nehrung. Dort habe ich vor ein paar Jahren ein Haus in einer alten deutschen Strandsiedlung gekauft und ausgebaut. Selenogradsk hieß vor dem Krieg Cranz und war das mondänste Seebad Ostpreußens. Heute liegt der Ort in der russischen Exklave Kaliningrad, dem einstigen Königsberg.

Wie geht es Ihnen dort?

Na ja, zwei Minuten sind es bis zum Strand, die Kurische Nehrung liegt vor der Haustür - einem gebürtigen Rüganer und bekennenden Ostseefan kann es da schon mal nicht schlecht gehen. Aber im Ernst: Als Wohnort ist Selenogradsk optimal. Nah an Kaliningrad, und über die Nehrung bin ich in einer Stunde in Litauen. Die Welt ist ja ziemlich klein im Baltikum.

Kommen Sie viel in Litauen herum?

Ja, sehr viel. Das bringt mein Beruf so mit sich. Nicht nur in Vilnius, auch in Klaipėda und der Region um Kaunas bin ich oft und entdecke dort immer wieder etwas Neues. Auch privat bin ich sehr gern in Litauen unterwegs, dann fahre ich am liebsten in die Natur, oft habe ich das Fahrrad oder das Kanu dabei. Wer Naturlandschaften liebt und auch mal Lust hat, eigene Wege zu gehen, wird in Litauen noch viele Paradiese finden. Zum Beispiel im Memel-Delta, oder im Žemaitija-Nationalpark mit seinen klaren Seen, der ist so einer meiner litauischen Geheimtipps.

Was reizt Sie an Litauen?

Zum einen die Natur. Litauen hat wunderschöne stille, unverdorbene Naturlandschaften, ein bisschen Norden, viel Osten. Das Gegenstück dazu ist die sehr facettenreiche Kultur in diesem Land. Außerdem mag ich an Litauen einfach seine Menschen. Litauer sind von ihrer Mentalität her nicht nur sehr gastfreundlich, sondern auch ziemlich gefühlsbetont und offen; man trifft viele freundliche und interessante Leute dort, auch darum macht es mir immer wieder Spaß, nach Litauen zu fahren.

Und was gefällt Ihnen nicht so?

Wenn aus Nationalstolz Nationalismus wird. Auch manche litauische Politiker spielen ganz gern auf dieser Klaviatur, wenn es zum Beispiel um das Verhältnis zu Russland geht. Natürlich haben die Litauer unter der sowjetischen Herrschaft sehr gelitten, doch das Verhältnis zwischen Litauern und Russen im Alltag ist viel besser, als es das politische Getöse mitunter vermuten lässt.