Reisetipps Litauen

Highlights Litauen

Region: ŠIauliai

Berg der Kreuze/Kryžių Kalnas

Der Berg der Kreuze, 15 km nördlich von Šiauliai, ist Litauens bekanntestes Nationalheiligtum: Ein Wald aus Tausenden von Kreuzen, großen und kleinen, aus allen nur erdenklichen Materialien. Wenn der Wind über den kleinen Hügel weht, klirrt, klackert, klingelt es leise, zehntausendfach. Ein Besuch beeindruckt tief. Wann die ersten Kreuze aufgestellt wurden, ist unklar. Wohl nach der blutigen Niederschlagung der Aufstände gegen den Zaren 1863. Unter den Sowjets schwoll ihre Zahl an, der Hügel wurde zum Symbol des Widerstandes gegen das verhasste Regime. Moskau ließ über 5000 der Kreuze mit Bulldozern plattwalzen, doch umso mehr stellte man auf. Bis heute kommen täglich neue hinzu. | www.lcn.lt

Region: Telšiai

Orvydas' Garten/Orvydų Sodyba

Das „Absurditätenmuseum“ der Steinmetzfamilie Orvydas entstand als Ort des Widerstandes gegen die sowjetischen Besatzer: ein von winkligen Gassen und Wegen durchzogenes Labyrinth aus Grabsteinen, Findlingen, Marienbildern, Kruzifixen und behauenen Baumstämmen. Mehrfach versuchten Moskaus Statthalter, diese nationale Kultstätte räumen zu lassen. Erst nach einem Besuch Michail Gorbatschows 1980 auf dem Hof hörten die Repressalien auf. | Hinter Salantai in Richtung Plungė abbiegen, bis Gargždelė fahren | Tel. 445/58719 | Di-So 8-18 Uhr

Region: Kurische Nehrung

Hexenberg/Raganų Kalnas

Geister, Gnome, Wunderwesen: Ein sagenhafter Wanderweg erwartet die Kids auf dem Hexenberg in Juodkrantė. Fast hundert Schnitzfiguren aus Volksmärchen säumen den Parcours über eine alte Wanderdüne. Am Anfang steht der „Märchenerzähler“; ist dann das „Hexentor“ durchschritten, gibt's kein Zurück mehr, denn ein Rastplatz findet sich erst am „Thron des Teufels“... Ein Heidenspaß für Kinder, zumal sie auf manchem kauzigen Waldgeist herumturnen dürfen. Wer es ein bisschen gruselig mag, besucht die bizarren Märchenwesen an diesem schon seit Jahrhunderten sagenumwobenen Ort nach Sonnenuntergang in der stillen Abenddämmerung oder - noch gespenstischer - bei Vollmond. Unvergesslich schön ist auf dem Hexenberg das Johannisfest zur Sommersonnenwende. | Rėzos 46 | eine hölzerne Hexe weist den Weg

Region: Vilnius und Umgebung

Gediminas-Turm/Gedimino Bokštas

Der wuchtige Gediminas-Turm auf dem 142 m hohen Burgberg (pilies kalnas) ist das Wahrzeichen von Vilnius. Den Aufstieg lohnt allein schon der Blick, der sich vom Burgberg und noch schöner von der Plattform des achteckigen Backsteinturms auf die Dächer der Altstadt bietet. Drinnen erinnert ein Museum, das Aukštutinės pilies muziejus (Di-So 11-17 Uhr) an die Obere Burg, die hier einst stand - gegründet 1323 von Großfürst Gediminas, der Litauen mächtig und Vilnius zur Hauptstadt machte.

Gotisches Ensemble/Šv. Onos ir Bernadinų Bažnyčia

Vilnius ist eine Barockstadt, doch die schönste ihrer 42 Kirchen flammt im Rot der Backsteingotik: Die anmutige, aus 33 Ziegelarten erschaffene Annakirche ist ein Juwel spätgotischer Baukunst und sucht in Nordosteuropa ihresgleichen. Gegen die filigrane Pracht und verspielte Symmetrie ihres Westgiebels wirkt die große, 1519 erbaute Bernhardiner-Kirche nebenan schlicht und schwer. Zusammen bilden die „ungleichen Schwestern“ das berühmte Gotische Ensemble. | Maironio 8 | Annakirche: Mo-Sa 10-15 u. 17-19, So 8-13 Uhr

Gegenüber vom Gotischen Ensemble steht die Renaissancekirche St. Michael, deren Saal das Litauische Architekturmuseum beherbergt (Architektūros muziejus | Mi-Mo 11-17 Uhr). Wenn Ihnen nach so viel Baukunst der Sinn nach Natur steht, schlendern Sie durch den Sereikiškės-Park, der hinter der Bernhardiner-Kirche an der Vilnia entlangführt. In diesem ältesten Park von Vilnius lagen einst die Klostergärten.

Universität

Die „Alma Mater Vilnensis“, 1579 aus einem Jesuitenkolleg hervorgegangen und älteste Hochschule des Baltikums, ist eine Welt für sich. Der palastartige Gebäudekomplex mitten in der Altstadt verbindet Barock, Renaissance und Klassizismus und umschließt zwölf Innenhöfe. Besonders schön ist der Große Hof mit seinen offenen Arkadengängen, gerahmt von der spätbarocken Johanneskirche. Die einstige Universitätskirche mit ihrem frei stehenden Renaissance-Glockenturm, dem höchsten der Altstadt (68 m), birgt das Wissenschaftsmuseum (Mo-Sa 10-17 Uhr).

Sehenswert sind auch die beiden prächtigen Lesesäle der Universitätsbibliothek, deren Bestand aus 5 Mio. Bänden, 180000 Handschriften aus dem 13.-15. Jh., Inkunabeln und über tausend historischen Atlanten zu den wertvollsten Osteuropas gehört. Um die Bibliothek zu besichtigen, melden Sie sich im Littera-Buchladen gleich vorn im Bibliothekshof. Dort gibt es auch ein kostenloses Faltblatt über die Uni. | Universiteto 3 | Mo-Sa 7.30-17 Uhr | Tel. 5/2687298 | www.vu.lt

Trakai

Nationales Wahrzeichen. Die Inselburg Trakai im Galvė-See, 30 km westlich von Vilnius, ist die alte Haupstadt Litauens. Von hier aus regierten die Großfürsten Vytautas, Kestutis und Gediminas im 13. Jh. ihr Reich. Trakai hat jeder Litauen-Reiseanbieter im Programm, darum gibt es hier oft Gedränge - doch die einzige gotische Wasserburg Europas zu besichtigen, sollten Sie nicht versäumen. Besonders imposant sind der Wohnturm (Donjon) und der sterngewölbte Thronsaal in der fünfstöckigen Hauptburg (Palas). Ein Geschichtsmuseum nimmt die meisten Räume ein. | Di-So 10-18 Uhr

In der Stadt Trakai (7000 Ew.), auf einer Landzunge zwischen Galvė-, Lukos- und Totoriškis-See gelegen, leben etwa 280 Karäer (Karaim: „die Biblischen“). Es sind Nachfahren der strenggläubigen altjüdischen Sekte, die Großfürst Vytautas im 14. Jh. von der Krim als Palastwachen und Handwerker an seinen Hof holte. Die Karäer behielten bis heute ihre Bräuche und ihre alte, dem Türkischen verwandte Sprache bei. Ihre gelben Holzhäuser und die Kenessa (Tempel) stehen entlang der Karaimų gatvė. Wenn Sie mehr über die Kultur dieser Volksgruppe wissen möchten, besuchen Sie das Ethnografische Museum (Karaimų 22 | Mi-So 10-18 Uhr). Probieren sollten Sie das Nationalgericht kibinai (fleischgefüllte Pasteten) im Ethno-Restaurant Kybynlar (tgl. | Karaimų 29 | Tel. 528/55179 | kybynlar@takas.lt | €€), das auch 8 Gästezimmer anbietet.

Quartiere vermittelt die Touristeninformation (Vytauto 69 | Tel./Fax 38/51934 | www.trakai.lt). In Trakai liegt auch der wohl beste Campingplatz Litauens: Kempingas slėnyj | direkt am Galvė-See | Tel./Fax 38/51387 | www.camptrakai.lt.

Region: Kaunas

Čiurlionis-Kunstmuseum/Čiurlionio dailės muziejus

Eins der größten Museen des Landes. Es zeigt 360 Gemälde und Zeichnungen des Nationalkünstlers Mikolajus Konstantinas Čiurlionis und lässt im Musiksaal eindrucksvoll nacherleben, wie das Universalgenie seine symbolistische Malerei in Klänge umsetzte. | Putvinskio 55 | Di-So 12-18 Uhr

Rumšiškės

Litauen im Kleinen. Im Ethnografischen Freilichtmuseum (Liaudies buities muziejus), 10 km südöstlich von Kaunas am Ufer des Stausees, sind alle Regionen mit ihren typischen Häusern vertreten. Keine Modelle, sondern aus dem ganzen Land zusammengetragen und originalgetreu wieder aufgebaut: Windmühlen, Dorfschulen, Bauernhöfe und Tagelöhnerkaten, Bienenstöcke, Backöfen. Jede Region hat ihr eigenes Dörfchen. Nehmen Sie sich für Rumšiškės einen Tag Zeit: Allein ein Rundweg durch das parkartige Gelände ist 7 km lang. Unterwegs findet sich - im Žemaitija-Dorf - ein Wirtshaus aus dem 19. Jh. mit niederlitauischer Küche. Am Wochenende oft Folklorefeste oder Kunsthandwerksmärkte. | Ostern-Okt. Di-So 10-18 Uhr. Im TIC (Nėris 4-6 | Fax 346/47392 | turinfo@takas.lt) gibt es ein sehr gutes Faltblatt.

Region: Klaipėda

Altstadt/Senamiestis

Wie ein Gitternetz breitet sich die denkmalgeschützte Altstadt mit ihren Gassen, Fachwerkhäusern und Speichern am Südufer der Danė aus, geprägt von 700 Jahren deutscher Geschichte. Zwischen kleinen Geschäften, Cafés und Galerien plätschert das Leben beschaulich dahin.

Die Altstadt entstand als Handwerkerviertel. Das bekunden noch immer die Straßennamen: Da gibt es eine Bäcker- (Kepėjų), eine Fischer- (Žvejų), eine Schmiede- (Kalvių), eine Schlosser- (Šaltkalvių) und eine Schuhmacherstraße (Kurpių). In der Kepėjų steht ein interessantes Denkmal: Die „Stadtansichten“ symbolisieren in Form eines stilisierten Hauses gleichsam die Altstadt und die Nöte, Sorgen und Freuden ihrer Bewohner. An der Ecke Tiltų/Kepėjų steht die 1677 gegründete Grüne Apotheke, Klaipėdas ältestes Gebäude, mit einer kleinen Ausstellung alter Apothekergerätschaften.

Nemunas-Delta-Regionalpark

Memelland-Romantik pur. Üppige Niedermoorwiesen und Fischerdörfer prägen das weite Delta des Nemunas, des Memelstroms, der sich kurz vor Erreichen des Kurischen Haffs in sechs Nebenarme teilt. Sehenswert sind das Inselstädtchen Rusnė (Ruß) mit seiner Backsteinkirche und das malerische Haffdorf Mingė (Minja) - etwas übertrieben auch „litauisches Venedig“ genannt, weil der Fluss hier so etwas wie die Dorfstraße ist und die etwa 150 Ew. mehr Boot als Auto fahren.

Unbedingt einplanen sollten Sie einen Abstecher nach Ventė (Windenburg) mit seinem Leuchtturm von 1852 am wettergegerbten Kap. Das Windenburger Eck, Ventės ragas, ist seit 1929 Sitz einer Vogelwarte, in der pro Jahr etwa 60000 Vögel beringt werden. Die Ornithologen zeigen ihre Arbeit und die überdimensionalen Vogelfangreusen gern, es gibt auch ein kleines Museum, das über die artenreiche Avifauna des Memeldeltas informiert (Mo-Fr 10-17 Uhr | Spende erbeten).

Das Hotel Šturmų švyturys in Šturmai, 2 km nördlich von Ventė, bietet komfortable Unterkunft (11 Zi. | Tel. 687/97756 | www.sturmusvyturys.lt | €€). Das schmucke Holzhaus in traditionellem Kurenstil steht direkt am Haff, mit einem eigenen kleinen Hafen und Blick auf die Dünenketten der Kurischen Nehrung.

Region: Nida

Parniddener Düne/Parnidžio kopa

Fast 200 steile Stufen sind es hinauf zur Parniddener Düne, doch den Aufstieg belohnt ein grandioses Panorama von der Aussichtsplattform mit ihrer „verunglückten“ Sonnenuhr (ein schwerer Orkan stürzte 1999 den gerade aufgestellten steinernen Obelisken um) über die „litauische Sahara“. Weit fliegt der Blick nach Süden über das mächtigste Wanderdünenfeld Europas, die Hohe Düne (Didžioji kopa). Haff, Ostsee, Küstenwald und meilenweit Sand, pastellfarben schattiert und vom Wind in immer neue bizarre Formen geschliffen - ein Bild elementarer Kraft. Man ahnt, wie unaufhaltsam diese bleichen Ungeheuer einst über die Dörfer herfielen und 14 von ihnen verschluckten. Auch Nida, vormals Nidden, 1385 erstmals als Noyden erwähnt und damit eine der ältesten Siedlungen der Nehrung, versandete drei Mal.

Die Wanderdünen sind eigentlich ein Werk ökologischen Raubbaus. Der Treibsand setzte sich erst in Bewegung, als Siedler und Kriegsleute im Mittelalter den Nehrungswald abholzten - bald türmte der Wind riesige Dünenketten auf, die Wald, Felder und Dörfer unter sich begruben. Erst im 19. Jh. gelang es ostpreußischen Förstern, dem Flugsand durch Bepflanzung mit Bergkiefern seinen Schrecken zu nehmen. Seither hat man die Nehrung so stark aufgeforstet, dass die berühmten Dünen nun ihrerseits bedroht sind - die Riesen verhungern! Die Hohe Düne hat in den letzten 25 Jahren fast 10 m an Höhe verloren. | www.nerija.lt

Nach dem Abstieg nehmen Sie am Ende der Treppe den Pfad nach rechts und wandern am Haffufer entlang zum steilen Sturzhang der Hohen Düne. Überwältigend! Beachten Sie aber die Verbotsschilder, die auf das Grobštas-Naturreservat hinweisen. Die Parniddener Düne erreichen Sie über den Wanderweg in Verlängerung der Naglių oder mit dem Auto von der Taikos aus (ausgeschildert).

Thomas-Mann-Haus/Tomo Mano namelis

Zwar sind die Kiefern inzwischen in den „Italienblick“ hineingewachsen, den Thomas Mann von seinem Arbeitszimmer aus auf Haff und Dünen genoss. Doch immer noch sind Sie dem Charme Nidas hier so nahe wie schon der Literaturnobelpreisträger, der nach einem eher zufälligen Nehrungsbesuch „von der unbeschreiblichen Eigenart und Schönheit dieser Natur so ergriffen“ war, dass er 1929 in bester Niddener Lage ein Sommerhaus bauen ließ - auf dem sogenannten Schwiegermutterberg. Das reetgedeckte Holzhaus beherbergt heute eine kulturelle Forschungs- und Begegnungsstätte mit Museum. Skruzdynės 17 | Di-So 10-18 Uhr | www.mann.lt

Region: Druskininkai

Dzūkija-Nationalpark

Tiefe Kiefern- und Fichtenwälder prägen den 1991 gegründeten größten Nationalpark Litauens (560 km²), eine stille Wildnis nahe der Grenze zu Weißrussland. Eingebettet in den Park liegen 46 Seen, etwa 30 Flüsse, denkmalgeschützte Gehöfte und Dörfer, in denen Pferdegespanne ebenso alltäglich sind wie Kräuterkunde und Imkerei. Alljährlich in der ersten Augustwoche kann man in Zervynos, Puvočiai, Lynežeris und anderen Ethno-Dörfern während der „Tage des Handwerks“ Korbflechtern, Töpfern und Leinwebern zuschauen.

Zentrale Orte des Nationalparks sind Marcinkonys (Sitz der Parkverwaltung und Infozentrum Tel. 310/44466 | www.dzukijosparkas.lt) und Merkinė, 28 km nordöstlich von Druskininkai, ebenfalls mit Info- und Besucherzentrum (Vilniaus 3 | Fax 310/57245).