Reisetipps Litauen

Ausflüge & Touren Litauen

Von Kaunas durch das Nemunastal ins alte Memelland

Die Tour führt von Kaunas am nördlichen Ufer des Nemunas entlang. Der letzte Abschnitt der Reise gehört dem Memelland, das viele Hundert Jahre zu Ostpreußen gehörte. Sie sollten für diese etwa 180 km lange Tour zwei Tage einplanen, etwas verkürzt (etwa bis Jurbakas) schafft man sie aber auch bequem als Tagesausflug.

Haben Sie Kaunas in westlicher Richtung auf der „Burgenstraße“ A 141 verlassen, erreichen Sie nach 9 km Raudondvaris, benannt nach dem „Roten Schloss“, das hier seit 1549 auf einem früheren Burghügel thront und mit seinem Rundturm und den Schießscharten mächtig wehrhaft wirkt - alles Fassade! Raudondvaris wurde als Lustschlösschen erbaut.

Die nächste Station auf der Burgenstraße ist die sagenumwobene Kleinstadt Seredžius an der Mündung des Flüsschens Dubysa in den Nemunas, auf derem mächtigen Schüttberg einst die hölzerne Wehrburg Piesvė stand. Ein Stück weiter prägen gleich drei Burghügel den Ort Veliuona, wo sich im 13. Jh. Litauer und Ordensritter von ihren Festungen Junigeda und Bayerburg aus heftig bekriegten. In einer dieser Kämpfe soll hier Großfürst Gediminas, der „König von Trakai“, gefallen sein.

10 km weiter überragt wieder eine rote Burg mit Rundturm und Zinnen die Landschaft: Schloss Raudonė. Auch dieses Renaissanceschlösschen diente dem reinen Vergnügen: Ein reicher ostpreußischer Holzhändler namens Krispin Kirschenstein ließ es Ende des 16. Jhs. auf die Reste einer alten Litauerburg bauen. Später wurde es im neugotischen Stil „aufgehübscht“. Raudonė liegt mitten im Panemuniai-Regionalpark, der 1992 zum Schutz der historischen Nemunas-Kulturlandschaft angelegt wurde. Infos, Karten und Wandertipps über das 110 km² große Areal im Regionalpark-Zentrum in Šilinės (Tel. 447/41723 | an der Straße nach Jurbarkas).

In Jurbarkas (15000 Ew.), einem unscheinbaren Städtchen 85 km westlich von Kaunas, münden die Flüsse Imsrė und Mituva in den Nemunas. Hier können Sie übernachten, zum Beispiel im Hotel Jurbarkas am Nemunas (20 Zi. | Dariaus ir Girėno 98 | Tel. 447/51345 | Fax 54779 | €€). Kurz hinter Jubarkas passieren Sie in der Nähe des Dorfs Šmalininkai (Schmalleninken) die historische Grenze zwischen Litauen und Deutschland, die fast 500 Jahre lang (1422-1919) eine der stabilsten Europas war. Nach 1919 begann hier das sogenannte Memelland. Vom Deich am alten Zollanleger in Šmalininkai hat man einen schönen Blick über den Strom. Weiter in Richtung Westen führt die Straße nun als Allee durch eine melancholische Wiesenlandschaft, die Erinnerungen weckt an das alte Ostpreußen. „Preußisch-Litauen“ hieß diese Landschaft einst auch, Ausdruck einer engen kulturellen Symbiose litauischer und deutscher Elemente. Von Lumpėnai aus lohnt ein Abstecher zum berühmten heidnischen Kultberg Rambynas.

Nun naht das Ende dieser Tour: Šilutė, die „Hauptstadt des Memeldeltas“. Seit 1511 kennt man den Ort, er ging hervor aus einer Kneipe - dem „Heidekrug“ (šilas = Heide). Später wurde daraus ein munterer Marktflecken für die Bauern dieser malerischen Moor- und Heidelandschaft. Von Šilute können Sie einen Ausflug in den Nemunas-Delta-Regionalpark anschließen oder auf der A 141 weiterfahren nach Klaipėda.

Von Vilnius aus durch Hochlitauen

Diese Tagestour, Länge etwa 120 km, führt von der Hauptstadt über Molėtai und Anykščiai durch ein malerisches, typisch hochlitauisches Mosaik aus Hügeln, Wäldern und zahllosen Seen in den Norden des Landes.

Sie verlassen Vilnius auf der A 14 in Richtung Molėtai. Nach etwa 25 km geht's erst mal „ab durch die Mitte“: Den Besuch des geografischen Zentrums Europas (Europos centras) auf dem alten Burghügel Bernotai kann man sich sogar an Ort und Stelle zertifizieren lassen.

Weiter geht's in Richtung Norden. Etwa bei Kilometer 40 zweigt rechts eine schmale Straße ab in das Dörfchen Dubingai, das idyllisch eingebettet liegt in die sanfte aukštaitische Landschaft rings um den verzweigten Asveja-See, mit seinen 22 km einer der längsten des Landes.

Nach 65 km haben Sie Molėtai erreicht. In der von Dutzenden glasklaren Seen und dem größten Naturpark Litauens umgebenen Provinzstadt lohnt sich ein Stopp (www.infomoletai.lt). Unbedingt besuchen sollten Sie das einzigartige Ethnokosmologische Museum (Mi-So 10-18 Uhr) etwas außerhalb an der Straße nach Utena (ausgeschildert). Das Museum widmet sich der Faszination, die das Universum auf die Menschen ausübt - von wissenschaftlicher Forschung bis hin zur Esoterik. Sehenswert ist auch das Astronomische Observatorium nebenan (www.astro.lt).

Sie verlassen Molėtai in nordwestlicher Richtung über Alanta mit seiner schönen Barockkirche und erreichen nach etwa 40 km das Dichterstädtchen Anykščiai an der Šventoji, dem landschaftlich wohl schönsten Fluss des Landes. Der grüne Kurort ist so etwas wie das „Weimar Litauens“ - hier lebten und wirkten viele Schriftsteller des 19. und 20. Jhs. Im Zentrum der Kleinstadt (14000 Ew.) steht die neugotische Matthäus-Kirche mit ihrem 79 m hohen Doppelturm, dem höchsten Kirchturm Litauens. Wenn Sie in Anykščiai eine Rast einlegen wollen, wandern Sie den berühmten Heiligen Hain (Anykščių šilelis) entlang. Sehr schön ist auch der Rubikių-See mit seinen 16 Inseln.

Zurück auf der Tour kommen Sie auf der Straße 121 über Troškūnai mit seinem Bernhardinerkloster (1696 gegründet) und Raguvelė, wo das klassizistische Schloss Komariai sehenswert ist, nach Panevėžys (130000 Ew.). Die Stadt hat nach schweren Zerstörungen in den Weltkriegen nicht mehr viel zu bieten, ist aber ein guter Startpunkt für Ausflüge. Von hier können Sie in viele Richtungen Touren anknüpfen: weiter in die Biržai-Region mit ihrer im Baltikum einzigartigen Kalksteinhöhlen-Landschaft oder in die Hügel der „Litauischen Schweiz“ rings um Rokiškės.