Reisetipps Ligurien

Ausflüge & Touren Ligurien

Im Äussersten Zipfel der Ponente

In der westlichsten Ecke Liguriens vereinen sich die beiden Seelen der Ligurer: die eine vom weiten, blauen Meereshorizont geprägt, die andere vom bergigen Hinterland. Die hier vorgeschlagene Route von 140 km eignet sich gut als Tagestour mit Mittagseinkehr. Sie beginnt bei den Badeorten San Remo oder Arma di Taggia und steigt über Taggia durch das schmale Tal Valle Argentina hinauf, vorbei an Olivenhainen, durch Kastanien-, Steineichen- und Lärchenwälder, durch wilde Felslandschaften. Nach Triora, dem Dorf der Hexen und Mühlen, geht es weiter hinauf nach Realdo und Verdeggia, dicht am Länderdreieck zu Frankreich und Piemont, Bergdörfer von stolzer Verschlossenheit und mit ganz eigenem Dialekt. Zurück geht es über Pigna und Dolceacqua nach Ventimiglia bzw. Bordighera, wo Sie wieder die Küste erreichen.

Von San Remo geht es die Küste entlang nach Arma di Taggia und dort landeinwärts auf der SS 548 ins Tal Valle Argentina - zunächst in den Ort Taggia mit sehenswertem mittelalterlichem Zentrum, der gotischen Klosteranlage San Domenico, der grandiosen mittelalterlichen Brücke aus 16 Bogen über den Bergfluss Argentina und der romanischen Kirche Madonna del Canneto. Nun steigt das Tal an, wird eng, lässt Blumenzucht und Oliven hinter sich und erreicht die alten, beschaulichen Dörfer Badalucco und Montalto Ligure (hier in der Kirche San Giorgio Fresken aus dem 14. Jh.). Die Spezialität der Restaurants in Badalucco ist Stockfisch, und wer hier ein paar Tage in einer schönen ländlichen Einkehr mit Pool und gutem Restaurant (Mo/Di geschl. | €€) verweilen möchte, quartiert sich in der Locanda Le Macine del Confluente (6 Zi. | Ortsteil Oxentina | Tel./Fax 0184407018 | www.lemacinedelconfluente.com | €) ein. Ein Abstecher führt ins abgeschiedene, mittelalterliche Carpasio mit einem Museum (April-Okt. Sa/So 9-18 Uhr) zum Widerstand während des Faschismus.

Abwechslungsreich, vorbei an Felswänden und offenen Wiesen, gelangen Sie dann nach Molini di Triora, einem sympathischen Bergort, wo die Bergbäche Argentina und Capriolo zusammenfließen und einst 27 Getreidemühlen in Gang hielten. Zur Einkehr mit Rotwein aus hiesigem Anbau und vor allem den berühmten Bergschnecken lädt das gemütliche Ristorante Santo Spirito | (Mi geschl. | Tel. 018494019 | Fax 0184947900 | www.ristorantesantospirito.com | €) mit zwölf netten Hotelzimmern ein.

Der kleine Ort Triora muss einmal reich und bigott gewesen sein, nach den Ruinen von fünf Festungsanlagen und nach den zehn Kirchen und stattlichen Wohnhäusern zu urteilen. Und berühmt-berüchtigt wegen der Hexenverfolgung, wie das Hexenmuseum Museo Etnografico e della Stregoneria (Mo-Fr 15-18, Sa/So 10.30-12 und 15-18 Uhr | Corso Italia 1) zeigt. Im Schlemmerladen La Strega di Triora (Corso Italia 50 | www.lastregaditriora.it) bekommen Sie erstklassige Bergkäse, eingelegte Pilze und Oliven, aber auch den „Hexenkuss“ und Liebeselixiere.

Hoch am Felsen kleben Dörfer wie Realdo und Verdeggia, hier starten auch Gebirgstouren (Infos zu Trekking- und Klettertouren in der Alta Valle Argentina bei der Touristeninformation in Triora (Corso Italia 7 | Tel. 018494049 | www.comune.triora.im.it).

Wieder zurück über Triora geht es nun in Serpentinen durch Kastanienwälder, über die Alpkuppe Colla di Langan mit der nahen Berghütte Colle Melosa (Abstecher hin und zurück 13 km), beliebte Ausgangspunkte für Bergtouren.

Auf der Rückfahrt durch das Nerviatal hinunter zur Küste ist die nächste Station Pigna mit seinen dunklen, engen, mit Bogen überzogenen Gassen. Vor den Toren Pignas überraschen Schwefeldünste und eine moderne, aufwendige Thermalanlage mit Spa und Beauty (www.termedipigna.it | €€€). Mittelalterlich geprägt sind auch Isolabona und das abseits und herrlich gelegene Apricale. Hier in der Altstadt laden sechs charmante Zimmer in der romantischen Locanda dei Carugi (Via Roma 12/14 | Tel. 0184209010 | Fax 0184209942 | www.locandadeicarugi.it | €€) ein. Es folgen die Winzerstädtchen Dolceacqua und Camporosso, und schließlich haben Sie auch wieder die Küste mit Ventimiglia und Bordighera erreicht.

Die Täler von Chiavari hinauf

Auch der Tagesausflug in die Täler oberhalb von Chiavari (140 km) kann mit einem Stück Küste beginnen: Schließlich gehört zum Bild Liguriens immer beides, das Meer und die Berge. Gefahren lauerten früher überall, im steilen Gestein, in den einsamen Wäldern, in der rauen Brandung. So entstanden mit der Bitte um Schutz zahlreiche Wallfahrtskirchen, meist herrlich gelegen und manche mit herzergreifenden Votivbildern, die von den überstandenen Schrecken und gefährlichen Zeiten der Fischer, Bauern und Hirten erzählen. Auf dem Weg von Moneglia über Sestri Levante und Chiavari bis hinauf in den Bergferienort Santo Stefano d'Aveto liegen solche Stätten, in denen im Sommer Feste mit Prozessionen, Markt- und Schlemmerständen sowie phantastischen Feuerwerken stattfinden.

Zum Auftakt laden bei Moneglia angenehme Strände ein, etwa die berühmte Spiaggia La Secca, zu Fuß von der Küstenstraße am nordwestlichen Ortseingang zu erreichen. Über die besser ausgebaute Via Aurelia geht es zu den Küstenorten Sestri Levante, Lavagna (mit altem Ortskern und berühmt für die nahen Schieferbrüche) und Chiavari. Landeinwärts öffnet sich das Entellatal, und nach 3 km geht es hinauf zur anthrazit und weiß gestreiften Basilica dei Fieschi.

Weiter fahren Sie auf der SS 225, die bald den Weg ins Fontanabuonatal einschlägt, halten sich dann aber Richtung Borgonuovo, um schließlich die Linksabzweigung ins Sturlatal nach Borzonasca zu nehmen. Hier lohnt der Abstecher hinauf zur mittelalterlichen Abtei Abbazia Borzone, in stimmungsvoller Einsamkeit gelegen.

Die Route windet sich dann weiter auf den Forcellasattel, tritt ins Avetotal ein, erreicht das Bauerndorf Cabanne, das sich in einer weiten Mulde ausdehnende Rezzoaglio mit seinen mittelalterlichen Brücken und schließlich den Bergferienort Santo Stefano d'Aveto (www.valdaveto.net). Buchenwälder und die Kuppe des Monte Penna (1735 m) laden zu Wanderungen ein, im Winter bei besten Schneeverhältnissen auch zu Langlauf. Restaurant, Pool und tolle Lage bietet das alpin-gemütliche Grand Hotel Siva (56 Zi. | Via Marconi 5 | Tel./Fax 018588091 | €-€€). In der gepflegten Hosteria alla Luna Piena (Mo geschl. | Via Ponte dei Bravi 7 | Tel. 018588382 | €-€€) gibt es leckere Pilz- und Fleischgerichte sowie Pizza.

Die Rückfahrt zur Küste folgt bis hinter Cabanne, kurz vor dem Forcellasattel, der gleichen Strecke, nimmt dann aber die Rechtsabzweigung nach Favale di Malvaro und erreicht bei Cicagna das Fontanabuonatal. Nach 3 km talwärts folgen Sie der Rechtsabzweigung nach Rapallo, von der nach weiteren 8 km ein Abstecher zu einem der berühmtesten Wallfahrtsorte Liguriens führt, dem Santuario Madonna di Montallegro (6 km hin und zurück). Nach einem letzten reizvollen Abschnitt erreichen Sie dann bei Rapallo wieder die Küste.

Auf dem Kamm über den Cinque Terre

Eine der schönsten Landschaften Liguriens sind die Cinque Terre an der Riviera di Levante: fünf auf Felsklippen sich krallende Dörfer, vorn die Gischt der Meereswellen, im Rücken die in Terrassen aufsteigende Küste aus Stein.

Die herrliche Aussicht, die großartige Landschaft und eine ganze Reihe von markierten Wegen laden zum Wandern ein. Vor allem zwei Strecken sind zu nennen: der Küstenweg Nr. 2 (mit der berühmten Via dell'Amore zwischen Manarola und Riomaggiore), der die fünf Dörfer miteinander verbindet (insgesamt ca. fünf Stunden), und der Höhenweg an der Küste Italiens, der Weg Nr. 1, der hoch oben auf dem Küstenkamm verläuft, über mehrere Berggipfel mit atemraubender Aussicht führt, bei Levanto aufsteigt und bei Portovenere wieder hinunterführt. Mit seinen zwölf Stunden (ca. 40 km) Wanderdauer ist er an einem Stück kaum zu schaffen. Daher empfiehlt es sich, ihn in zwei oder drei Etappen aufzuteilen. Eine sehr reizvolle Unterbrechung bildet der einstündige Abstieg hinunter nach Vernazza, der Aufstieg am nächsten Morgen dauert 90 Minuten. Der Weg bietet keine großen Schwierigkeiten, und dank des milden Klimas kann man ihn, außer in der Hitze des Hochsommers, das ganze Jahr über begehen. Am schönsten ist er wohl zur Weinlese im Herbst, oder vielleicht reizt Sie diese Art Naturerleben auch im Winter.

Der Wanderweg ist rot markiert. Man braucht festes Schuhwerk, Wasser und Wegzehrung. Die Wanderkarten des italienischen Alpenvereins (CAI) oder die Kompass-Wanderkarte Nr. 644, Blatt Cinque Terre, findet man in den Buchhandlungen an der Küste.

Beginnen Sie die Wanderung im Zentrum von Levanto und gehen zunächst unter der alten Eisenbahnlinie hindurch am Meer entlang, am Kastell vorbei und immer weiter ansteigend über dem Meer bis zu einer Weggabelung (1,30 Std.): Rechts erscheint nun die Landspitze Punta Mesco mit einem phantastischen Weitblick auf die Cinque-Terre-Küste, weiter an der Küste entlang Monterosso; Weg Nr. 1 hingegen führt den Kamm hinauf. Es geht über mehrere Bergkuppen (etwa über den Montenegro mit 464 m Höhe), bis der Weg schließlich die obere Küstenstraße nach Monterosso bzw. nach Legnaro und Levanto erreicht (2 Std.).

Weg Nr. 1 folgt nun dem ansteigenden Asphaltsträßchen, das am besuchenswerten Wallfahrtsort Madonna di Soviore mit Übernachtungsmöglichkeit vorbeiführt, bis Sie nach 3,5 km (1 Std.) wieder die Straße verlassen. Nach 45 Min. Wanderweg erreichen Sie erneut ein Asphaltsträßchen oberhalb der Häuser von Drignana. Nach einem kurzen Straßenstück beginnt dann der Anstieg auf die Bergkuppen Montepertuso (815 m) und Monte Castello (752 m) (von Drignana 1,45 Std.).

Hier oben auf dem Kamm beginnt das spektakulärste Teilstück der Wanderung: Herrliche Ausblicke bieten die Bergkuppen und der Kammweg (1,45 Std.).

Es folgt ein Waldstück, das sich an Wasserläufen und Quellen entlangzieht. Erneut führt der Weg über den Kamm auf und ab über Kuppen und Sattel bis zur Sella La Croce (673 m, 1,30 Std.).

Der Hauptweg geht nun in eine Staubstraße über, bis er kurz vor der Straßengabelung Bramapane wieder als Weg abzweigt, vorbei an einer Festungsanlage und über eine Serpentinenkurve der Straße hinweg wieder auf eine Staubstraße durch den Wald. Es geht bergab, immer näher der Küste zu, durchs Dorf Campiglia (1,30 Std.).

Sich auf dem linken Weg haltend, parallel zum Sträßchen, gelangen Sie im Anschluss an eine scharfe Kurve auf das Steilstück der Felsen von Muzzerone. Es ist eine ungefährliche, wenn auch die anspruchsvollste Wegstrecke, und schon nach 30 Min. ist erneut die Straße erreicht, deren Serpentinen Sie hinunterfolgen bis nach Portovenere (1,15 Std.). Von dort gelangt man mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurück in die Cinque Terre. Da vom Höhenweg Nr. 1 immer wieder Wege hinab zu den Dörfern abgehen, die zur lohnenden Einkehr einladen, lässt sich diese Wanderung auch sehr gut in drei Tagesetappen aufteilen.