Reisetipps Lanzarote

Auftakt Lanzarote Was für eine Insel!

Lanzarote zu erleben ist einzigartig. Nicht nur, dass Meer und Strand einen perfekten Urlaub versprechen. Vor allem die Landschaften sind unvergleichlich. Die Insel besteht zu einem Drittel aus Lava, Aschebergen und Eruptionskratern, die pechschwarz bis rostrot in der Sonne schimmern. In scharfem Kontrast dazu stehen schneeweiße Häuser und die spärliche, grellgrüne Vegetation. Diese atemberaubenden Naturwunder verzaubern ebenso wie die koloniale Architektur der Spanier. Genießen Sie traditionelle Inselküche und aromatische Weine, treiben Sie Sport oder entspannen Sie einfach - für all das ist Lanzarote ideal.

Schon beim Anflug stellt sich ein wenig Sciencefictionstimmung ein: Da taucht aus dem stahlblauen Meer plötzlich dieses Gebilde aus kahlen, beigegrauen Hügelketten auf, aus schwarzen Lavafeldern und Kratern, eine Mondlandschaft voll unwirklicher Farben und Formen, auf die schnell ziehende Wolken ihre Schatten werfen, gesäumt von der Gischt des anbrandenden Ozeans.

Lanzarote ist auf den ersten Blick anders als die anderen Kanaren, die bereits in der Antike wegen ihres Klimas als „glückliche Inseln“ galten. Doch welche Kräfte einst am Werk waren, die die viertgrößte der sieben Islas Canarias in eine unwirtliche Einöde verwandelten, erschließt sich Besuchern erst vom Boden aus.

Schon im Tertiär, vor gut zwanzig Millionen Jahren, drängten beim Auseinanderdriften der Kontinentalplatten Afrikas und Amerikas riesige Mengen Basaltmagma durch die Bruchlinien der Erdkruste nach oben und ließen die beiden ältesten Inseln des Archipels, Fuerteventura und Lanzarote, entstehen. Seitdem sind die Kanaren nie völlig zur Ruhe gekommen. Doch keine andere Insel wurde zu historischer Zeit so heftig heimgesucht wie Lanzarote. Über 20 Prozent des 795 km² großen Eilands wurden bis 1736 verschüttet, Lava und Asche gaben diesem Teil eine neue Gestalt.

Obwohl sich die Insel von Nordost nach Südwest nur etwa 60 km und von West nach Ost gerade mal 20 km weit ausdehnt, gibt es viele Landschaften, die sich deutlich voneinander unterscheiden: Endlose Schlacke- und Aschefelder bedecken vor allem den Westen. Der Süden ist trocken, nur sehr dünn besiedelt und wegen seiner goldenen Traumstrände um El Papagayo bei Urlaubern überaus beliebt. Die Inselmitte wird für ihre kuriosen Weinanbaugebiete um La Geria gerühmt und läuft an der Ostküste in die kalkweißen Touristenhochburgen Puerto del Carmen und Costa Teguise aus, die ihrerseits die Hauptstadt Lanzarotes, Arrecife, einrahmen. Überraschend bunt und üppig breitet sich schließlich der Norden um die Kleinstadt Haría aus, die das Zentrum der Agrarregion bildet. Nicht zu vergessen sind die drei Inseln La Graciosa, Montaña Clara und Alegranza, die sich nach Norden hin wie Farbkleckse aus Lanzarotes Palette gelöst zu haben scheinen.

Fast die Hälfte der Landschaft steht mittlerweile unter Naturschutz, und 1993 wurde Lanzarote gar als erste Insel der Erde vollständig von der Unesco zum Biosphärenreservat erklärt. Das milde Klima ist dem Nordostpassat zu verdanken. Die warmen Winde tragen Wolken in 600 bis 1700 m Höhe, die sich an den Hängen der hohen kanarischen Berge stauen und abregnen können. Pech für Lanzarote: Gerade mal 671 m misst der höchste Berg, der Peñas del Chache im nördlichen Gebirge Risco de Famara. Wolken und Wind mildern aber immerhin die Hitze. Der Kanarenstrom, ein kühlerer Rückstrom des Golfstromsystems, wirkt zudem ausgleichend auf die jahreszeitlichen Temperaturschwankungen. So bewegt sich denn auch der Durchschnitt der Tageshöchsttemperaturen zwischen milden 20 Grad im Dezember und warmen 29 Grad im August. Das Meer verspricht mit 17 bis 22 Grad ganzjährigen Badespaß.

Über die Urbevölkerung der Insel weiß man nicht viel. Die hier Majos genannten Altkanarier kamen nach bisheriger Forschung etwa ab dem 3. Jh. v. Chr. aus Nordafrika und entstammten den dort noch immer ansässigen, hellhäutigen Berbervölkern. Neuere Quellen halten aber auch für möglich, dass die Urkanarier aus dem Mittelmeerraum um Sizilien einwanderten.

Schon als der Genueser Seefahrer Lancelotto Malocello 1312 seinen Fuß auf die Insel setzte, lebten die knapp tausend Majos vom Fischfang, den sie vom Ufer aus betrieben. Sie bauten zudem Getreide an, das in primitiven Mühlen zu gofio verarbeitet wurde, dem Grundnahrungsmittel der Altkanarier. 1402 begann der für Spanien segelnde Normanne Jean de Béthencourt auf Lanzarote die Eroberung des Kanarischen Archipels. In kurzer Zeit wurden die Majos unterworfen, getötet oder versklavt.

Auch wenn die Landwirtschaft mit ihrer lanzarotischen Erfindung des Trockenbaus - die Technik des en-arenado nutzt die Wasserspeicherfähigkeit von Vulkangestein - noch heute eine wichtige Rolle spielt, gibt es doch keinen Zeifel, dass sich die mittlerweile 114000 Lanzaroteños von den Erträgen der heimischen Scholle und vom Fischfang allein nicht mehr ernähren können. Anfang der 60er-Jahre eröffnete sich mit dem allmählich einsetzenden Tourismus eine neue Perspektive, die Lanzarote den einzigen Weg in eine gesicherte Zukunft wies. Gut drei Viertel der Menschen leben heute von den jährlich 1,5 Mio. Gästen, die auf Lanzarote ihren Urlaub verbringen.

An der Südostküste wuchsen Ferienzentren, Meerwasserentsalzungsanlagen haben die leer geschöpften Brunnen ersetzt und sorgen für Trinkwasser, das mit hohem Energieaufwand gewonnen und weitertransportiert wird. Windkraftanlagen recken sich in den Himmel, Asphaltbänder schneiden durch die Lavafelder.

Dennoch gelang es den Lanzaroteños, ähnliche Bausünden wie die Touristenghettos auf Gran Canaria und Teneriffa weitgehend zu vermeiden. Zu verdanken ist dies besonders einem Mann: César Manrique. Der große Maler, Bildhauer und Architekt sorgte auch dafür, dass die meisten Dörfer heute wieder in klassischen Farben strahlen: weiß die Fassaden, grün die Fenster und Türen.

365 Tage im Jahr Strand, Spaß und Rummel können nicht darüber hinwegtäuschen, dass Lanzarote mehr als alle anderen Kanaren eigentlich ein Ort der Enthaltsamkeit, Muße und Stille ist. Dies drückt sich auch in den Gesichtern der Landbevölkerung aus: dem Bauern, der mit dem Eselspflug stoisch den Staub umgräbt; der Bäuerin, die endlose Feigenkaktusreihen aberntet; den alten Männern, die auf der Dorfplaza sitzen und den Tag vorüberziehen lassen. Das Lanzarote von einst lebt in Nischen fort, und nur dem, der es mit offenen Augen und Ohren sucht, dabei auch einmal innehält, offenbart die Insel ihren ganzen Zauber.