Reisetipps Languedoc Roussillon

Stichworte Languedoc Roussillon

Canal du Midi

Von Toulouse bis ins Bassin de Thau an der Küste des Languedoc zieht sich diese alte Wasserstraße. Zusammen mit dem Garonne-Seitenkanal verbindet sie den Atlantik mit dem Mittelmeer. Eine Fahrt auf dem Kanal in einem gemieteten Hausboot zählt zu den schönsten Reiseerlebnissen. Die Gesamtstrecke misst 240 km, dabei sind 64 Schleusen, 55 Aquädukte und 133 Brücken zu passieren. Begonnen wurde das gigantische Werk, für dessen Vollendung 12000 Arbeiter 14 Jahre lang mit Hacke und Schaufel schufteten, 1666 auf Initiative des aus Béziers stammenden Barons de Bonrepos.

Causses

Als causses werden die fast menschenleeren, endlosen Hochflächen aus Kalkfels bezeichnet, die sich nordwestlich an die Cevennen anschließen: Causse Méjean, Causse de Sauveterre, Causse Noir und Causse du Larzac. Es ist eine Welt für sich, von grandioser Einsamkeit, dabei keineswegs so abweisend, wie sie auf den ersten Blick erscheinen mag. In die bis 1000 m hohen causses haben Flüsse im Lauf der Jahrtausende tiefe Schluchten gegraben: Gorges du Tarn, Gorges de la Jonte, Gorges de la Dourbie. Sie sind ebenso beeindruckend wie die zahlreichen Grotten der Region, z.B. Grotte de Dargilan, Aven Armand und Abîme de Bramabiau.

Corrida

Stierkämpfe gibt es im Amphitheater von Nîmes und in Carcassonne - sehr zum Ärger von Tierschutzverbänden. Die Gegner der blutigen Show schlagen schon Wochen vor der in der dritten Augustwoche stattfindenden Corrida in Carcassonne und Umgebung Hunderte von Plakaten an, in denen unter der Überschrift Corrida - la Honte („Corrida - eine Schande“) ein Ende der „perversen Spektakel“ gefordert wird.

Garrigue

Die garrigue entspricht dem maquis oder der macchia in anderen Mittelmeergebieten, wächst aber im Gegensatz zu jenen auf Kalkböden. Es ist die typische Vegetation des Bas-Languedoc, von der Küstenzone bis zu den Cevennen, sowie der Corbières und des pays cathare. Lavendel, Thymian und immergrüne Steineichen bilden die überwiegend buschartige, in der Sonne des Midi stark duftende garrigue.

Katalanisch

Die Grenze mit Spanien ist zwar mit dem Pyrenäenfrieden 1659 zu Gunsten Frankreichs verschoben worden. Im Roussillon, einst Teil von Katalonien, ist die katalanische Tradition aber weiterhin zu spüren. Sie prägt die kulturelle Identität, etwa ein Drittel der Bevölkerung spricht noch Katalan im Alltag. Die katalanische Literatur wird weiter gepflegt. Das Gleiche gilt für Volksbräuche, die hier weit mehr als nur touristische Folklore sind: die sardane etwa, ein streng choreografischer Volkstanz, begleitet von der cobla, dem Orchester, oder die passejada, ein abendlicher Korso der Jugend in den Straßen der Städte des Roussillon.

Katharer

Pays cathare, Katharerland, ist das Languedoc-Roussillon bis heute, obwohl dieser religiösen Sekte nur ein relativ kurzes Leben beschieden war. Ihre Lehre („Katharer“ leitet sich vom Griechischen „die Reinen“ ab) gründete auf den Worten eines Jüngers von Zarathustra, der im Persien des 3. Jhs. lebte: Während die geistige Welt des Lichts und der Schönheit Gottes Reich ist, herrscht Satan in der materiellen Welt. Im 12. Jh. fasste der Katharismus im Languedoc Fuß und wurde zu einem ernsthaften Konkurrenten für die katholische Kirche. Da die Katharer die Welt als Werk des Teufels ansahen, lehnten sie die Sakramente der katholischen Kirche, Jesus als den Erlöser und die Heiligen ab. Sie hatten eigene Bischöfe und Diakone und unterschieden sich in Eingeweihte, sogenannte parfaits oder bonshommes, und normale Anhänger, croyants. Da sie zuerst in der Stadt Albi hervortraten, nannte man die Katharer auch Albigenser. Die katholische Kirche sah ihre Vorherrschaft bedroht, und 1208 rief der Papst zum Kreuzzug gegen die „Ketzer“ auf. Mit beispielloser Grausamkeit wurden sie verfolgt und getötet. Bei der Einnahme von Béziers gab es kein Pardon: „Tötet sie alle, der Herr wird die Seinen erkennen“, rief der Kirchenmann Arnaud Amaury aus. Der Vormarsch der Kreuzzügler unter Führung des grausamen Simon de Montfort wurde mehr und mehr zum Eroberungskrieg. Mit dem Fall der Katharerburgen Montségur 1244 und Quéribus 1255 war jeder Widerstand gebrochen. Es folgte die finstere Zeit der Inquisition, viele Katharer flohen ins Ausland.

Langue d'Oc

Die Sprache, die der Region ihren Namen gegeben hat, entstand aus dem Umgangslatein und dem gallischen Sprachfundus. Der Langue d'Oc steht die Langue d'Oïl gegenüber, unterschieden durch die harte oder weiche Aussprache des „oui“. Die Grenze zwischen den Sprachbereichen verlief nördlich des Massif Central. Im Mittelalter, mit den Troubadours, erlebte die Langue d'Oc, das Okzitanische, eine Blüte. Es hat in mehreren großen Dialekten überlebt. Ähnlich wie das katalanische Erbe ist auch das Okzitanische noch heute lebendig - rund 10 Mio. Menschen des Südens verstehen bzw. sprechen die alte Sprache.

Malerei

Das Roussillon hat in der Malerei der Moderne eine bedeutende Rolle gespielt. In Collioure wurde mit Henri Matisse und André Derain 1905 der Fauvismus, die Malerei der fauves, der „Wilden“, geboren; in Céret weilten von 1911 bis 1913 Pablo Picasso und Georges Braque und machten das Städtchen zu einem Mekka des Kubismus, in das im Lauf der Jahre viele große Künstler pilgerten.

Pavillon Bleu

Die Erschließung der Küsten für den Tourismus brachte eine erhebliche Umweltbelastung mit sich. Um sie im Rahmen zu halten, wurde 1985 die Aktion Pavillon Bleu d'Europe („Blaue Flagge“) ins Leben gerufen. Badeorte, die das begehrte Label erhalten wollen, müssen dafür sorgen, dass die Strände und das Wasser sauber sind, die Küste nicht wild zugebaut und der Müll vorschriftsmäßig entsorgt wird. Im Languedoc-Roussillon haben dieses Siegel 18 Kommunen - die Region ist damit Spitzenreiter in Frankreich.

Romanische Kunst

Abgesehen von den oberen Cevennen, stößt man überall im Languedoc-Roussillon auf romanische Kirchen, Kapellen und Abteien, die oft mit wertvollen Kunstwerken - figurenreichen Kapitellen, Tympana, Kreuzgängen, Fresken oder Schmiedearbeiten - geschmückt sind. Die Romanik kam erst verhältnismäßig spät, zu Beginn des 11. Jhs., von der Lombardei ins Languedoc. Im Roussillon entwickelte sich ein sehr einheitlicher, origineller Stil, dessen reich verziertes, florales Rankenwerk mit menschlichen Figuren und phantastischen Tieren auf orientalische Wurzeln weist.

Tramontane und Éoliennes

Wie im Rhônetal der Mistral, bläst von den Pyrenäen der kalte Tramontane über das Roussillon - in der Region um Perpignan durchschnittlich an 192 Tagen im Jahr. Er sorgt für frische Luft, kühlt aber oft auch das Mittelmeer ab. Dank des Tramontane hat sich das Languedoc-Roussillon zu einer Hochburg für Windenergie entwickelt. Die in mehreren Windparks gruppierten éoliennes (Windmühlen) produzieren fast die Hälfte der Windenergie in Frankreich.

Via Domitia

Die Via Domitia, erbaut um 118 v. Chr. vom Prokonsul der Provinz Gallia Narbonensis, Gnaius Domitius Ahenobarbus, war eine der Hauptschlagadern des römischen Reichs. Als Militärstraße konzipiert, wurde sie schnell auch ein wichtiger Handelsweg zwischen Rhône und Pyrenäen. Befestigte Militärlager, Häfen und Städte wurden entlang der Straße erbaut. Die heutige Autobahn nach Spanien folgt auf mehreren Abschnitten fast exakt dem Verlauf der Via Domitia. Das Comité Régional de Tourisme gibt eine detaillierte Wegbeschreibung heraus.

Vide-Grenier

Unter diesem Motto, das „Dachboden leeren“ bedeutet, laden vor allem im Sommer zahlreiche Dörfer zu Flohmärkten ein. Die Bewohner verkaufen alte Möbel, Kleider, ausgemusterte Haushaltsgeräte und Trödel aller Art. Meist ist auch für geselliges Zusammensein gesorgt: Die Flohmärkte werden oft von örtlichen Sportvereinen organisiert, die mit dem Verkauf von Paella, Cassoulet oder Grillwürstchen ihre Kasse aufbessern.

Wein

Mit fast einem Drittel der Gesamtrebfläche ist das Languedoc Frankreichs größte Weinregion. Der Ruf, hauptsächlich billige Massenware zu produzieren, gehört für das Languedoc-Roussillon der Vergangenheit an. Seit den 1980er-Jahren wurde mehreren Weinbaugebieten im Languedoc der AOC-Status (Appellation d'Origine Contrôlée) zuerkannt, u.a. Coteaux du Languedoc, Corbières, Minervois, St-Chinian, Cabardès und zuletzt Malepère um Carcassonne. Im Roussillon liegen die appellations Côtes du Roussillon und Côtes du Roussillon-Villages. Die Region Languedoc-Roussillon erzeugt mit jährlich rund 300000 hl 40 Prozent des französischen Weins und 98 Prozent der vins doux naturels: Muscatweine, der Wermut Noilly Prat sowie Banyuls, Maury und Rivesaltes - portweinähnliche, zumeist rote Likörweine.