Reisetipps Dalmatien

Auftakt Dalmatien Was für eine Küste!

Ein Aschenputtel wird zur Märchenprinzessin: Lange galt die kroatische Küste als Billigreiseziel mit einfachster Infrastruktur und unbequemen Felsstränden. Mit Kroatiens Unabhängigkeit hat sich das radikal geändert: Hochklassige Hotels, schicke Hostels, elegante Restaurants, urige Konobas, supermoderne Strandbäder und ein buntes Nachtleben machten die dalmatinische Küste zur europäischen Top-Destination. Die stille, oft herbe Schönheit der Inseln und Buchten, das glasklare Meer, die romantische Kulisse mittelalterlicher Hafenstädte voller antiker Schätze gingen dabei nicht verloren. Gehen Sie auf Entdeckungsreise!

Wenn du den Finger ins Meer tauchst, bist du mit der ganzen Welt verbunden (Kad staviš prst u more, povezan si s cijelim svijetom). Diese alte dalmatinische Volksweisheit in kroatischer Sprache lebt noch heute im alltäglichen Sprachgebrauch der Küsten- und Inselbewohner auf der Ostseite der Adria. Sie resümiert und symbolisiert das Lebensgefühl der dalmatinischen Bevölkerung, ihre in leidenschaftlicher Liebe zur Heimat verankerte Weltoffenheit. Wo man so denkt und fühlt, ist das kostbare Juwel Gastfreundschaft eine Selbstverständlichkeit im Umgang miteinander. In Dalmatien verdeutlicht das eine überall gebräuchliche, zwanglose Tischsitte, denn es gilt: „Alles, was auf dem Tisch steht, ist für alle da.“

Azur, Smaragd, Tannengrün und Felsengrau, das sind die konstanten Farben im Landschaftsbild der dalmatinischen Küstenregion. Ein Gebiet, in dem sich Wasser und Land in eng verschlungenen, verworrenen Formen begegnen. Die gesamte kroatische Küste erstreckt sich über 1777 km. Ihr sind insgesamt 1184 Inseln vorgelagert. Aber nur 67 sind bewohnt. Ganz im Norden eröffnet die Halbinsel Istrien mit ihren grünen Hügeln, auf denen uralte, von Mauern umzingelte Dörfer thronen, den Einstieg in die mediterrane Welt. An Istrien lehnt sich die Kvarner Bucht mit den Inseln Krk, Cres, Lošinj und Rab. Die Landschaften im Norden beschreibt der MARCO POLO Band „Kroatische Küste - Istrien/Kvarner“.

Dieser Band richtet den Blick allein auf Dalmatien, auf seine geschichts-trächtigen Küstenstädte Zadar, Šibenik, Trogir, Split, Omiš und Dubrovnik sowie auf den Archipel, aus dem als bekannteste Inseln herausragen: Brač, Hvar, Korčula, Dugi otok, Pašman, Ugljan, Vis, Lastovo, Mljet.

Der Name Dalmatien ist der geografische und touristische Begriff für die Ostadriaküste von Starigrad-Paklenica im Norden bis zur Boka Kotorska (Bucht von Kotor, der Grenze zu Montenegro) im Süden. Auf dem Festland erheben sich hinter dem fruchtbaren, schmalen Küstenstreifen die schroffen, steilen Karstgebirgsketten der Dinarischen Alpen auf bis zu 1700 m Höhe. Im Norden schotten sie Dalmatien vom Kerngebiet Kroatiens ab, im mittleren Teil von Bosnien und ganz im Süden von Montenegro. Dalmatien hat also im wahrsten Sinne des Wortes seinen Blick auf das Meer gerichtet: sowohl im Alltagsleben unter roten Ziegeldächern als auch im kulturhistorischen Erbe der einst hier herrschenden Kolonialherren - der Griechen, Römer, Byzantiner und Venezianer.

Zitronengelbe Ginsterbüsche, violetter Salbei und Lavendel, immergrüner Pinienwald und Weinreben würzen das milde Meeresklima mit ihrem aromatischen Duft. Schmetterlinge rasten am steinigen Rand des glasklaren, azurblauen Wassers, dessen seichte Wellen im grellen Sonnenlicht wie Diamanten funkeln. Ein bezauberndes Stück Natur voll sinnlicher Heiterkeit.

Dennoch ist diese Küste keineswegs ein Stück vom Paradies. Seit Jahrhunderten hat die Region Eroberer und Siedler wie ein Magnet angezogen. Zuerst die Illyrer, dann Griechen und Römer, später die Germanenstämme der Goten und Franken sowie Slawen und Awaren. Im Mittelalter wird Venedig zum maßgeblichen Herrscher, der Dalmatien immer wieder gegen die Einfälle der Türken verteidigt. Nur die Stadtrepublik Ragusa, das heutige Dubrovnik, bewahrt sich durch Verhandlungsgeschick eine gewisse Unabhängigkeit. Bis zum Zweiten Weltkrieg gehört Dalmatien zum Königreich Jugoslawien, nach 1945 zur Volksrepublik Jugoslawien. Deren Zerfall zwischen 1991 und 1995 hat auch in Dalmatien Spuren hinterlassen. Dubrovnik, Zadar und Šibenik haben am heftigsten unter den Angriffen der Armee Rest-Jugoslawiens gelitten. Seit der Unterzeichnung des Dayton-Friedensabkommens 1995 herrscht wieder Frieden im Land. Die Spuren des Krieges sind meist nur noch an der etwas kräftigeren roten Farbe neuer Dachziegel und Schornsteine abzulesen.

So bewegt die Geschichte der Küstenregion durch die Jahrtausende auch gewesen sein mag - bestimmt von Aufbau und Zerstörung, von Blüte und Niedergang -, ein weltveränderndes Schlachtfeld oder gar weltpolitisch agierendes Machtzentrum war sie nie. Die verschiedenen Kolonialmächte unterhielten hier ihre Handels- und Militärstützpunkte. Das bewirkte den Ausbau der dalmatinischen Städte, in denen sich heute die wertvollen kulturellen Hinterlassenschaften der Kolonialherren zuhauf finden. Vor allem Romanik, Gotik und Renaissance haben die Küstenstädte mit ihren steinernen Blüten geschmückt, und vier dalmatinische Städte zählen dank ihrer einmaligen Kunstschätze zum Weltkulturerbe der Unesco. Vornehmlich diente Dalmatien all seinen Herren jedoch als Sommerresidenz und als Garten, versorgte sie mit Früchten und Gemüse, mit Olivenöl, Fischen und Wein. Nicht einmal im Diokletianpalast in Split wurde große Politik gemacht. Den nämlich ließ sich der römische Kaiser Diokletian im 4. Jh. als prächtigen Altersruhesitz bauen.

Gartenbau, Fischfang und Erholung, in diesen Funktionen ist sich die Küste Dalmatiens bis heute treu geblieben. Kroatiens Politik wird in der Regierungshauptstadt Zagreb gemacht. Und die liegt von Zadar 180 km weit entfernt im Binnenland, von Dubrovnik gar 580 km. Seit 1955, unter Tito, hat der neuzeitliche Tourismus im damals noch jugoslawisch-kroatischen Dalmatien Einzug gehalten. Bis 1990 boomte das für Devisen bringende Urlauber preiswerte Ferienziel am blauen Meer. Die Souveränitätserklärung 1991 und deren internationale Anerkennung 1992 haben Kroatien den Weg zu Demokratie und Marktwirtschaft gebahnt. Aber das einst so florierende touristische Erbe lag am Boden, zerstört und veraltet.

Immense staatliche und private Investitionen sind seitdem in die Erneuerung der touristischen Infrastruktur geflossen. Heute kann Dalmatien seinen Gästen ein vielfältig strukturiertes Angebot bieten: vom 5-Sterne-Hotel bis zum Urlaub in der Fischerhütte, vom Wellnesscenter bis zur Segel- oder Mountainbiketour. Neue Autobahnen bringen die Urlauber schnell zum Ziel. In den Städten restauriert man die alten Rathäuser und Plätze, Kirchen und Paläste; Arbeiten, die an der kulturhistorisch so wertvollen Bausubstanz längst überfällig waren. Und in den Restaurants treten feine dalmatinische Gerichte, gewürzt mit aromatischen Kräutern, an Stelle der früher so beliebten simplen Fleischspeisen vom Grill. Ganz Dalmatien mausert sich zu einem attraktiven Schmuckkästchen mit einer Trumpfkarte, die vieles vereint: sauberes Wasser und bildschöne, intakte Natur, begleitet von einer herzlichen Gastfreundschaft.