Reisetipps Kos

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Agía, Ágii, Ágios

Diese drei Wörter begegnen einem auf den Inseln immer wieder. Sie sind Teil von Orts- und Kirchennamen, und sie kommen in den Namen von Fischerbooten und Autofähren vor. Agía heißt Heilige, Ágios Heiliger, Ágii ist die Mehrzahl von beiden. Der Gottesmutter Maria gebührt ein besonderer Ehrenname. Sie ist die Panagía, die Allheilige.

All-inclusive

Über 60 Prozent aller Hotelbetten auf Kos stehen mittlerweile in All-inclusive-Anlagen. Manche Urlauber mag das freuen, viele Griechen fordern das Verbot dieses von ihnen als clubs bezeichneten Systems. Etliche Cafés und Tavernen in den Badeorten mussten schon schließen, andere kümmern am Existenzminimum dahin, weil die Urlauber kein Geld mehr außerhalb ihrer Anlage lassen. Arbeitsplätze schafft All-inclusive nur auf niedrigem Niveau, raubt aber vielen Hellenen die Möglichkeit, als Selbstständige zu leben.

Antike Götter

Die Götter waren den alten Griechen allgegenwärtig. Sie mischten sich in Kriege und ins Alltagsleben ein, hatten Liebschaften mit Irdischen und legten großen Wert darauf, dass die Menschen sie gebührend ehrten. Wichtigste Kultstätten waren ihre Tempel. Die Römer übernahmen später weitgehend die Götter der Griechen und gaben ihnen lateinische Namen. Da diese bei uns oft bekannter sind als die griechischen, stehen in der folgenden Beschreibung die römischen Götternamen in Klammern. Göttervater Zeus (Jupiter) galt als mächtigster Gott. Seine Gemahlin war Hera (Juno), deren Hauptheiligtum auf der Insel Sámos lag. Sie beschützte die Ehe. Brüder des Zeus waren der Meeresgott Poseidon (Neptun) und Hades (Pluto), der Gott der Unterwelt. Ein Sohn des Zeus und der Hera war Hephaistos (Vulcanus), der Gott der Schmiedekunst und Juweliere. Seine Gemahlin Aphrodite (Venus) war die Göttin der Liebe; ihr Geliebter war der Kriegsgott Ares (Mars). Aus einem außerehelichen Verhältnis des Zeus ging Apoll hervor, der Gott der Schönheit, des Lichts und der Heilkunst. Seine Zwillingsschwester war Artemis (Diana), die Göttin der Jagd. Dionysos (Bacchus) schließlich war der Gott der Fruchtbarkeit, des Weins und des Theaters, dem man auch heute noch gern huldigt.

Bürgerkrieg

Griechenland hat im 20. Jh. stärker unter Kriegen gelitten als die meisten anderen europäischen Staaten: von 1904 bis 1908 (Krieg gegen Bulgarien), von 1912 bis 1922 (Erster und Zweiter Balkankrieg, Erster Weltkrieg und Feldzug in Kleinasien gegen die Türkei) und schließlich von 1940 bis 1949 (Zweiter Weltkrieg und Bürgerkrieg). Im Bürgerkrieg standen sich Kommunisten und von den Briten unterstützte Bürgerliche gegenüber, die zuvor im Zweiten Weltkrieg gemeinsam als Partisanen gegen die Deutschen gekämpft hatten. Dieser Konflikt kostete die Griechen mehr Menschenleben als der Zweite Weltkrieg: über 160000.

Byzanz

Statt vom Mittelalter spricht man in Bezug auf Griechenland meist von der byzantinischen Zeit. Sie fällt ziemlich genau mit unserem Mittelalter zusammen, beginnt mit Kaiser Justinian im 6. Jh. und endet mit der Eroberung Konstantinopels durch die Türken im Jahr 1453. Konstantinopel - das heutige Istanbul und antike Byzantion - war die Hauptstadt jenes Reichs, das in seinen besten Zeiten bis zur Straße von Gibraltar und weit nach Vorderasien und Nordafrika hineinreichte.

Dodekanes

Kos gehört zur Inselgruppe des Dodekanes, einem von über 50 griechischen Regierungsbezirken. Sein griechischer Name ist Dodekaníssia und bedeutet „Zwölf Inseln“. In Wahrheit aber gehören ihm 19 bewohnte Inseln an. Die meisten liegen in der Inselreihe entlang der türkischen Küste von Pátmos über Rhodos bis hin zum Inselzwerg Kastellórizo auf halbem Weg zwischen Rhodos und Zypern. Sitz der Bezirksregierung ist Rhodos.

Fauna & Flora

Größere frei lebende Säugetiere gibt es auf Kos nicht, auch Schlangen begegnet man nur äußerst selten. Zahlreich sind Eidechsen, die bis zu 20 cm lang werden. Sehr viel artenreicher ist die Pflanzenwelt. Einige Nadelwälder blieben am Nordhang des Díkeos-Bergs erhalten, Wacholder bedeckt viele Dünen. Als Alleebaum überwiegt der Eukalyptus, an Quellen, Brunnen und Bachbetten stehen Platanen. Der typische Baum für die sandigen Strände ist die zarte Tamariske, die wegen ihrer Salzverträglichkeit auch Salzbaum genannt wird. An den Straßen und auf Berghängen blüht im Frühjahr und Frühsommer der Ginster, an Straßen und Bächen wächst üppig der Oleander. Beliebte Zierpflanzen an Hauswänden und in Gärten sind Bougainvillea und Hibiskus. Fruchtbäume, die man bei uns nicht kennt, sind der zartrot blühende Granatapfelbaum und der Mispelbaum, der schon im Frühjahr gelbe Früchte trägt, die etwas säuerlich, aber sehr erfrischend schmecken. Besonders blütenreich zeigt sich Kos zwischen Februar und Mai, wenn auf Wiesen und Weiden zahllose Blumen sprießen, die anderswo schon längst durch Pflanzenschutzmittel nahezu ausgerottet wurden: Klatschmohn und Kalla, wilde Tulpen und Anemonen. Ein Merkmal der Phrygana, einer Art niedriger Macchia-Landschaft, sind die vielen duftenden Kräuter wie Thymian, Lavendel und Salbei.

Ikonen

Darstellungen von Heiligen und biblischen Ereignissen auf Tafelbildern nennt man in der orthodoxen Kirche Ikonen. Man findet sie in allen Gotteshäusern, aber auch in vielen Autos, Bussen, Geschäften, Restaurants und Privatwohnungen. Sie sind etwas ganz anderes als die frommen Bilder in unseren Kirchen. Ikonen sind „Tore zum Himmel“. Sie bringen den Heiligen ins Haus, machen ihn präsent. Seine dem Betrachter fast immer frontal zugewandten Augen schaffen den Zugangsweg, über den der Geist des Gläubigen mit dem des Dargestellten in Verbindung tritt. Deswegen genießen die Ikonen eine solch auffällig große Verehrung. Sie werden geküsst, mit Edelmetall, kostbaren Vorhängen und Uhren geschmückt und manchmal auch bei Prozessionen um die Kirche, durch den Ort oder durch die Felder und Olivenhaine getragen. Ikonen sind Konsulate des Himmels auf Erden. Sie werden behandelt, als wären sie der oder die Heilige selbst. Götzendienst ist das nicht. Die Verehrung gilt ja nicht dem gemalten Bild, sondern dem Dargestellten. Die Ikone wird nicht als Abbild des Heiligen, sondern als mit ihm wesenseins angesehen.

Kamáki

Allein reisende Damen müssen auf Kos nicht lange allein bleiben. Dafür sorgen die Kamákia (was wörtlich übersetzt so viel wie „Harpunen“ heißt). Stets schick gekleidet und mit einem Goldkettchen auf der halb entblößten Brust, vermögen sie in vielen Sprachen der Welt ein Gespräch zu beginnen. Viele von ihnen sind im Hauptberuf Kellner oder Souvenirhändler. Zu ihrer Ehrenrettung sei gesagt, dass sie es nicht nur auf eine möglichst hohe „Trefferzahl“ abgesehen haben: Aus so manchem Kamáki ist der Ehemann einer ausländischen Frau geworden.

Kioske

Kioske, auf Griechisch in der Einzahl períptero genannt, stehen auf jedem Platz und in Städten und Dörfern an vielen größeren Kreuzungen. Meist sind sie jeden Tag der Woche von frühmorgens bis spät in die Nacht geöffnet und bieten alles feil, was der Mensch eventuell dringend brauchen könnte: Zeitungen und Illustrierte, Zigaretten und Rasierapparate, Zahnbürsten und Kämme, einzelne Aspirintabletten, Kondome und vieles mehr.

Militär

Wegen der Nähe zur Türkei sind auf Kos zahlreiche Soldaten stationiert, die jedoch die Urlaubsfreude nicht beeinträchtigen. In Griechenland gilt die allgemeine Wehrpflicht. Eine Wehrdienstverweigerung ist seit 1997 möglich; der Ersatzdienst dauert allerdings doppelt so lange wie der Wehrdienst und darf nicht in Großstädten abgeleistet werden.

Parteien

Zwei Parteien prägen die politische Landschaft Griechenlands. Seit März 2004 ist die konservative Néa Dimokratía an der Regierung, die von Kóstas Karamanlís geführt wird. Größte Oppositionspartei ist die sozialdemokratische PASOK unter Jórgos Papandréou. Sie stellte von 1980 bis 1989 und von 1993 bis 2004 die Regierung.

Religion

Außer einer kleinen moslemischen Minderheit auf den Inseln Kos und Rhodos und im festländischen West-Thrakien sowie kleinen jüdischen Gemeinden in den Großstädten bekennen sich fast alle Griechen zum griechisch-orthodoxen Christentum.

Überall auf den Inseln begegnet man den orthodoxen Priestern, die als Popen zu bezeichnen etwas abfällig ist. Auf Griechisch heißen sie pappádes (Einzahl: pappás). Sie tragen lange, dunkle Gewänder und eine schwarze Kopfbedeckung. So lange die Natur mitspielt, sind Priester immer langhaarig und vollbärtig: Was Gott wachsen lässt, soll der Priester nicht ohne Not entfernen. Orthodoxe Priester dürfen vor der Priesterweihe heiraten und haben oft große Familien. Sie werden vom Staat bezahlt; eine Kirchensteuer gibt es hier nicht. Alle Priester bessern ihr Einkommen durch Gebühren für Hochzeiten, Taufen usw. auf; viele sind nebenbei auch als Bauern tätig.

Orthodoxe Gottesdienste dauern häufig zwei und mehr Stunden. Nur wenige Kirchenbesucher harren diese lange Zeit über aus. Es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen; man plaudert auch während des Gottesdienstes gelegentlich leise miteinander. Predigten sind unüblich. Formeller Hauptinhalt des Gottesdienstes ist der Wechselgesang, der vom Priester und einigen Laien vorgetragen wird.

Die orthodoxen Christen erkennen den Papst nicht als Oberhaupt der Christenheit an, sondern halten diesen Anspruch für eine Eingebung des Teufels. Sie fühlen sich den Aposteln und ersten Christen eng verbunden, weil sie ihre Glaubensgrundsätze aus dem Frühchristentum heraus entwickelt und seit dem 9. Jh. nicht mehr verändert haben. Sie beklagen auch das Werk der evangelischen Reformatoren. Die vom Papst verkündeten Dogmen sehen sie keinesfalls als von Gott gegeben an.