Reisetipps Kopenhagen

Stadtspaziergänge Kopenhagen

Shoppen auf Abwegen

Am Rådhuspladsen ist die Strøget wie ein Sog. Als gäbe es nur diese eine Straße, verschwinden Jung und Alt im Gewühl der Frederiksberggade, der ersten Etappe der Strøget. Bei diesem Spaziergang, der etwa zwei Stunden dauert, gehen Sie andere Wege.

Auf dem Rathausplatz orientieren Sie sich am Verlagshaus der Tageszeitung Politiken. Dahinter biegen Sie in die Vestergade ein und gehen Richtung Gammeltorv. Sollten Sie diesen Spaziergang mit Kindern unternehmen, kommen Sie in eine Gefahrenzone: Im Kellergeschäft Krea (Vestergade 4-6) gibt es Spielzeug für Kleine und ganz Kleine. Viel Spaß!

Haben Sie den Gammeltorv erreicht, gehen Sie die Nørregade - vorbei an der Vor Frue Kirke - zum alten Universitätsgebäude. Gehen Sie ruhig hinein. Drinnen scheint die Zeit stehen geblieben zu sein, wären da nicht die modernen Stühle in den Hörsälen. Sie wollen mehr Atmosphäre aus vergangenen Jahrhunderten? Dann überqueren Sie, vorbei an den Büsten alter Denker, den Vor Frue Plads. An der Ecke Fiolstræde ist der Eingang zur Universitätsbibliothek. Im Treppenhaus gibt es zwar eine Portiersloge, doch niemand wird Ihnen einen Blick in den Lesesaal mit den meterhohen Bücherregalen verwehren. Eine Kulisse wie im 19. Jh., wären da nicht die Computerbildschirme ...

Zurück in der Neuzeit. Die Fiolstræde ist die Straße der Antiquariate. Am Ende der Fiolstræde sehen und hören Sie das Verkehrsgewühl rund um die Station Nørreport. Letzte Chance, diesem Lärm zu entgehen, ist rechts die Gasse Rosengården. An der Ecke gibt's Chinesisches (Den kinesiske Butik | Rosengade 13-14), von Kleidung aus Seide bis zum scharfen Küchengewürz. Hunger? Dann haben Sie Glück. Gegenüber bietet Bibi kleine Gerichte an. Ihre üppig belegten Sandwiches und Pitabrote sind einfach köstlich (Bibi's Diner | kein Ruhetag | Rosengården 14 | Tel. 33917617 | €).

Die Gasse Rosengården endet am Kultorvet. Dieser Platz zählt sicher nicht zu den schönsten der Stadt, doch wenn im Sommer Tische und Stühle der Cafés draußen stehen, ist die Stimmung gerettet. Den Kultorvet verlassen Sie auf der Købmagergade, Kopenhagens kleiner Strøget. An der Ecke, an der ein königlicher Hoflieferant hinter Sicherheitsglas seine Juwelen auslegt, biegen Sie in die Kronprinsensgade ein.

Auf der linken Straßenseite wackelt ein Blechschild an der Hauswand, darauf eine goldene Teekanne: Perch's Thehandel ist ebenfalls Hoflieferant. Auf den bis unter die Decke gefüllten Regalen stehen sorgsam aufgereiht große und kleine Teedosen aus blankem Messing nebeneinander. Wenn die Verkäuferinnen die Teeblätter in Tütchen füllen, könnte man meinen, sie verpackten Goldstaub. Tee ist bei Perch eben etwas Kostbares. Und dann dieser Duft im Geschäft - einzigartig. Ihren Kaffee können Sie ja gegenüber im Café Sommersko trinken.

Die Boutiquen in der Kronprinsensgade sind etwas für Frauen mit Mut: extravagant und exklusiv. Lassen Sie sich überraschen - auch von den Preisen. Wenn Sie die Pilestræde überqueren, kommen Sie in die Sværtegade. Wessel's Kro (kein Ruhetag | Sværtegade 7 | Tel. 33126793 | €-€€) wirbt mit smørrebrød und seiner langen Tradition. Wenn Sie es schummrig mögen, kehren Sie am Abend hier ein.

An der Kreuzung der Kirsten Bernikows Gade angekommen, gibt's auf der anderen Straßenseite Kleinmöbel und Lampen im feinsten Design (Casa shop | Store Regengade 2). Gehen Sie wenige Meter nach rechts und gleich wieder links in die Grønnegade. Das schwedische Papiergeschäft Ordning & Reda (Nr. 18) ist eine Fundgrube für Freunde von buntem Briefpapier, schönen Tagebüchern und allerlei Schnickschnack für den Schreibtisch.

Jetzt geht es zurück zur Ny Østergade. Und diese mündet - na, wo wohl? Am Ende der Strøget.

Im Westenviel Neues

An der Westseite des Rathauses sitzt Dänemarks großer Dichter. Den Zylinder auf dem Kopf, den Spazierstock in der rechten Hand, in der linken ein Buch. Doch wohin schaut Hans Christian? Nicht etwa dorthin, wo seine Karriere begann, in die Altstadt. Nein, sein Blick richtet sich gen Westen. Und das mit einer Miene, als wolle er sagen: „Schaut, da tut sich was!“ Ja, schauen Sie! Dieser Spaziergang führt Sie für drei Stunden nach Vesterbro, dem Stadtteil, der vom Sex- und Arbeiterviertel zum Szeneviertel saniert wird.

Folgen Sie also dem Blick des Märchendichters, und gehen Sie die Vesterbrogade stadtauswärts. Spätestens wenn Sie linker Hand den Bahnhof und die Gleise passiert haben, werden Sie merken, wie die Stimmung sich verändert. Auf der Vesterbrogade flanieren die Menschen nicht, sie erledigen ihre Einkäufe. Niemand wirbt hier mit dem internationalen Flair der Stadt, hier sind die Bewohner international. In Vesterbro leben Menschen aus allen Nationen. Das zeigt sich auch an den Auslagen der Läden und den Speisekarten der Restaurants.

Gönnen Sie sich eine erste Pause in einem Café auf dem Vesterbro Torv. Hier treffen sich Kopenhagener auf einen Cappuccino oder auf ein Bier. Haben Sie genug beobachtet, folgen Sie der Vesterbrogade, bis Sie an eine Kreuzung kommen, an der sich die Straße gabelt und rechts die Frederiksberg Allé abzweigt. Teil der Kreuzung ist der schmale Værnedamsvej, Vesterbros Delikatessenmeile. Kleine Läden verkaufen Käse, Fleisch, Obst, Gemüse und Sushi, es gibt auch eine Brasserie. Auf der linken Straßenseite stoßen Sie auf ein unauffälliges Schaufenster. Aber gehen Sie nicht daran vorbei. Ein smørrebrød bei Salatbørsen (Værnedamsvej 9 | Tel. 33240609 | €) ist ein Muss.

Zurück auf der Vesterbrogade, bleiben Sie noch auf der Hauptstraße. Wenn irgendwo ein Tor offen stehen sollte, betreten Sie ruhig einen Hinterhof der einstigen Wohnkasernen. Waren diese früher düster und trostlos, sind sie heute der Beleg für die Möglichkeiten optimaler Sanierung. Im Hinterhaus der Vesterbrogade 112 erinnert eine Marmorplatte an Lenin, der im August 1910 anlässlich eines internationalen Kongresses hier logierte.

An der nächsten Kreuzung verlassen Sie die Vesterbrogade und biegen links in den Vesterfælledvej ein. Versteckt liegt hier die Siedlung Humleby (Hopfenstadt). Die kleinen Reihenhäuser wurden Ende des 19. Jhs. von Arbeitern der Carlsberg-Brauerei gebaut, heute sind sie vor allem bei Kopfarbeitern gefragt. Die nächste Querstraße ist der Ny Carlsberg Vej. Rechts sehen Sie das Elefantentor, das zum Wahrzeichen der Carlsberg-Brauerei wurde. Wollen Sie zurück ins Zentrum, müssen Sie in die andere Richtung durch den Park Enghaven bis zum Enghaveplads gehen. Hier beginnt Vesterbros zweite Hauptstraße: die Istedgade. Auf dem Gasværksvej sind Sie in Kopenhagens Kiez mit ein paar Sexshops angekommen. Im Vergleich zu Amsterdam oder Hamburg ist der Kiez ziemlich klein.

Vielleicht werden in Vesterbro eines Tages sogar alle roten Lichter ausgehen. Sein neues Gesicht zeigt der Stadtteil auf dem Halmtorvet, einen Steinwurf von der Istedgade entfernt. Wo einst das Vieh auf den Schlachter wartete, befindet sich heute Kopenhagens Kulturzentrum - die Øksnehallen. Rund um den Halmtorvet haben viele feine Restaurants und gestylte Bars eröffnet. Bevor Sie ins Zentrum zurückkehren, sollten Sie sich im Café Carlton (kein Ruhetag | Halmtorvet 14 | Tel. 33299090 | €-€€) unter die Menschen mischen.

Erinnern Sie noch den Blick von Hans Christian Andersen? Womöglich hat es der Märchenerzähler geahnt: Das alte Kopenhagen wird im Westen Konkurrenz bekommen.

Ans andere Ufer zur Neuen Oper

Holmen war für die Kopenhagener lange Zeit militärisches Sperrgebiet. Erst Ende des 20. Jhs. entschied sich das Verteidigungsministerium, Kasernen und Werften nördlich von Christianshavn zu räumen. Und es dauerte nicht lange, da war das frei gewordene Areal wieder besetzt: von Architekten, Kunststudenten und Immobilienspekulanten. Der zweistündige Spaziergang auf der anderen Sundseite ist ein Streifzug durch ein Neubaugebiet der besonderen Art und führt Sie vorbei an Kopenhagens jüngster Attraktion: der neuen Oper.

Bummeln Sie vom Kongens Nytorv auf der belebten Seite Nyhavns bis zum Hotel 71 Nyhavn. Hier ist der Anleger der Havnebusser 901 nach Süden und 902 nach Norden. Von dem Anleger aus haben Sie eine schöne Aussicht auf das gegenüber liegende Ufer: Im Süden sehen Sie die Knippelsbro, den Turm der Vor Frelsers Kirke und davor die grauen Gebäude des Außenministeriums.

Und im Norden glänzt die neue Opera mit ihrem gläsernen Bug und dem alles überspannenden Tragflächendach. 1400 Zuschauer finden in dem imposanten Gebäude Platz. Die Hafenbusse 901 und 902 bringen Sie rüber nach Holmen Nord. Passiert das Boot die Oper, sollten Sie einmal Richtung Westen schauen. Das Opernhaus liegt auf einer Linie mit der Marmorkirken und dem Schloss Amalienborg. Dies ist beileibe kein Zufall. Mit dem Standort auf der alten Werft sollte eine Verbindungsachse geschaffen werden zwischen den Polen Kirche, König und Kunst.

Sollten Ihnen auf den Fußwegen zwischen den alten Marinebauten junge Leute mit großen Mappen entgegenkommen, so handelt es sich bestimmt um Architekturstudenten der Kunstakademie. Sie haben hier eine Menge Anschauungsmaterial für ihr Studium. Denn die Hauptstraße auf Holmen, die Danneskjold-Samsøes Allé Richtung Christianshavn, trennt zwei Architekturepochen voneinander. An der Wasserseite befinden sich die sorgsam restaurierten historischen Marinebauten, gegenüber ragen moderne gläserne Apartmenthäuser in die Höhe.

Überqueren Sie die Brücke Værftsbroen, nähern Sie sich dem Stadtteil Christianshavn. Hinter dem phantasievoll bemalten Bretterzaun liegt das lange umstrittene Projekt Christiania. Mögen Sie es lieber romantisch, dann lassen Sie den Freistaat links liegen und schlendern am Kanal entlang ins Zentrum von Christianshavn. Die erste Brücke, die Sie erreichen, ist die St. Annæ Gade. Sie stehen jetzt am Fuß der Vor Frelsers Kirke. Überqueren Sie die Brücke, kommen Sie in die Wildersgade.

Bevor Sie mit dem Bus über die Knippelsbro zum Kongens Nytorv zurückfahren, schauen Sie kurz in die Eifel Bar (Wildersgade 58). Auch wenn die Fassade nicht sehr einladend wirkt, sollten Sie sich trotzdem hineinwagen. Hier treffen sich die Leute aus der Nachbarschaft: Künstler, Studenten, Regierungsbeamte und pensionierte Seefahrer.

Und für den Fall, dass es Ihnen in der Eifel Bar zu düster ist und die Herren am Tresen ein paar øl zu viel getrunken haben, bleibt Ihnen nebenan noch eine geruhsame Alternative: das Café Wilder.