Reisetipps Kanada

Stichworte Kanada

Bären

Von einem abenteuerlichen Erlebnis mit Bären zu erzählen gehört zu jeder Kanadareise, denn gleich drei Spezies sind hier zu Hause: Eisbären, Grizzlys und Schwarzbären. Die bis zu 600 kg schweren Eisbären kommen allerdings nur in der Packeisregion der Arktis vor, die scheuen Grizzlybären nur in abgelegenen Hochtälern der Rockies, entlang der Westküste und in der arktischen Tundra. Ganz anders die Schwarzbären. Neugierig und hungrig schnüffeln sie schon mal abends über den Campingplatz, verjagen verdutzte Wanderer aus ihrem Blaubeerrevier oder kreuzen über den Highway. Doch Vorsicht: Das beliebte Bärenfoto sollten Sie nur aus gebührendem Abstand machen, alle Lebensmittel geruchsdicht im Auto verstauen - und das nach Steak duftende Geschirr sofort spülen.

Eishockey

Der offizielle Nationalsport Kanadas ist Lacrosse, ein altes indianisches Ballspiel. Beliebter aber ist Eishockey - bei sieben Monaten Winter in vielen Landesteilen kein Wunder. Schon im Kindergarten lernen die Kids in Peewee-Clubs das Schlittschuhfahren und spielen später in Mannschaften jeder Altersgruppe. Wenn Teams aus Kanada bei den Play-offs für den Stanley Cup mitspielen, gerät das ganze Land in den Hockeyrausch. Die berühmtesten Clubs heißen Montreal Canadiennes, Toronto Maple Leafs, Vancouver Canucks, Edmonton Oilers und Calgary Flames.

Flora & Fauna

Der größte Teil Kanadas liegt im Bereich des borealen Nadelwalds, der sich wie ein breites grünes Band über 6000 km von der Pazifikküste bis Neufundland zieht. Hier wachsen Weiß- und Schwarztannen, Kiefern und Fichten.

Diese gewaltigen Wälder, die sich in Nord-Süd-Richtung auf über 1000 km Breite dehnen, sind Lebensraum für Bären, Elche, Hirsche, Luchse, Stachelschweine, Biber und kleinere Nager. Nach Norden hin gehen die Wälder in Taiga und schließlich baumlose Tundra über. Nur noch Karibus (Rentiere), Schneehasen und Moschusochsen können hier von den spärlich wachsenden Flechten und Moosen leben. Doch die großen Süßwasserflächen ernähren im Sommer zahllose Wasservögel.

Im Süden von Ontario und Québec wächst Mischwald, dessen Ahorn- und Eichenarten im Herbst die spektakuläre rote Färbung des Indian Summer liefern. An den Westhängen der Coast Mountains und auf Vancouver Island wuchert üppiger Regenwald mit bis zu 80 m hohen Douglasien, Sitkatannen und riesigen Zedern.

Frankokanada

Die Nachfahren der französischen Siedler machen heute knapp 30 Prozent der Gesamtbevölkerung Kanadas aus. Im 19. Jh. beuteten anglokanadische und US-amerikanische Firmen die reichen Rohstoffe der Provinz aus, die schlecht ausgebildete, überwiegend arme Bevölkerung wurde politisch und sozial unterdrückt.

Erst bei der „stillen Revolution“ der 1960er-Jahre lehnten sich die Québecer gegen die wirtschaftliche Ausbeutung und gegen die geistige Vormachtstellung der katholischen Kirche auf. Der nationalistische Parti Québécois forderte damals gar die völlige Loslösung von Kanada; es kam zu terroristischen Anschlägen von Separatisten. Zweimal hielt man dazu bisher Volksabstimmungen ab: 1980 und 1995. Beide Male sprach sich die Mehrheit der Bevölkerung gegen die Ablösung aus. Seit im Frühjahr 2003 die Separatisten abgewählt wurden, scheint das Thema in den Hintergrund zu treten.

Hudson's Bay Company

Dem Biber und der europäischen Hutmode verdanken wir die Erschließung Kanadas. Aus dem wolligen Unterpelz der Nager wurde nämlich der in Europa stark gefragte Hutfilz hergestellt. 1670 übergab der englische König Charles II. seinem Vetter Prince Rupert und 17 Londoner Investoren die Gründungsurkunde der Hudson's Bay Company, einer Gesellschaft, die zu einem der größten Handelsimperien der Geschichte werden sollte. Ihr Territorium, Rupert's Land, umfasste vom 49. bis zum 65. Breitengrad eine Fläche von fast 4 Mio. km², ihr Handelsgebiet schließlich ein Zwölftel der Erdoberfläche. Aus den Forts der Pelzhändler wurden später Städte, aus ihren Handelswegen Highways. 1869 trat die Hudson's Bay Company ihr Land für 300000 englische Pfund an das neu gegründete Kanada ab. Doch bis heute ist der Name The Bay als der einer großen Kaufhauskette vertreten.

Indianer & Inuit (Eskimos)

Die Vorfahren der Indianer kamen während der Eiszeit über die Beringstraße nach Nordamerika. Sie breiteten sich im Lauf der Jahrtausende über den Kontinent aus und entwickelten sich zu eigenständigen Kulturgruppen: Halbnomadische Jägerstämme lebten im Norden, die Irokesen und Huronen der Waldlandkultur waren dagegen fest im Osten ansässig und bauten Mais, Bohnen und Tabak an. Die Stämme der Plains-Kultur in den Prärien des Westens folgten den großen Büffelherden, während das reiche Nahrungsangebot an der Westküste den Kwakiutl und Haida genügend Muße ließ, zu kunstfertigen Holzschnitzern zu werden.

Die Pelzhändler waren auf die Mitarbeit der Indianer angewiesen und griffen nur begrenzt in deren Lebensweise ein. Allerdings dezimierten eingeschleppte Krankheiten die Stämme. Erst mit der Besiedlung des Westens im 19. Jh. wurden sie in Reservate abgedrängt. Heute leben - nach Verbesserung der Gesundheitsversorgung - rund 610000 Indianer und 50000 Inuit in Kanada. In der Verfassung von 1982 wurden ihre Rechte als die ursprünglichen Besitzer des Landes anerkannt.

Seither fordern viele Stämme im Norden und Westen Landrückgabe und Selbstverwaltung. Am erfolgreichsten waren die Inuit: Sie erhielten 1999 im hohen Norden Kanadas ein eigenes Territorium.

Moderne Architektur

Kanada ist eher für seine spektakuläre Natur bekannt, doch haben auch Architekten der Postmoderne Highlights im Land geschaffen. Der Montréaler Moshe Safdie setzte schon 1967 mit dem in innovativer Zellstruktur angelegten Wohnprojekt Habitat erste Akzente. Des Weiteren bekannt sind der Westküstenarchitekt Arthur Erikson und der deutschstämmige Ed Zeidler. Sogar ein Architekt indianischer Herkunft zählt zur ersten Riege: Douglas Cardinal. Er schuf das spektakuläre Museum of Civilization in Ottawa.

National Parks

„... zum Wohle, Vorteil und Vergnügen der Bevölkerung Kanadas“ wurde 1885 der Vorläufer des heutigen Banff National Park gegründet. Er war der erste in einer langen Reihe von Parks, in denen die schönsten und ursprünglichsten Regionen Kanadas geschützt werden. Gerade unter ökologischen Gesichtspunkten gilt das dem Umweltministerium unterstellte Parksystem als weltweit bahnbrechend. 42 Nationalparks gibt es heute, mit einer Gesamtfläche von über 220000 km² - zweimal die Größe Österreichs! Zehn weitere Parks sind bereits geplant. Für Infos: www.parkscanada.ca

Rohstoffe & Industrie

Kanada ist ungeheuer reich an Rohstoffen: Im harten Gestein des Kanadischen Schilds lagern große Eisen-, Zink-, Nickel- und Goldvorkommen, am Fuß der Rocky Mountains findet man Öl, Erdgas und Ölschiefer. Die großen Flüsse liefern schier unbegrenzte Energie, und in den Prärien werden alljährlich über 20 Mio. Tonnen Weizen eingefahren. Dennoch versucht das Land seit dem Zweiten Weltkrieg, von seiner traditionellen Rolle als Rohstofflieferant für die Weltwirtschaft wegzukommen.

Die industrielle Produktion, deren Zentrum in Südontario liegt, macht heute drei Viertel des Bruttoinlandsprodukts aus. Noch immer hängt aber jeder zehnte Arbeitsplatz in Kanada von der Holzindustrie ab. Jedes Jahr werden rund 10000 km² Wald geschlagen. Der größte Teil endet als Zeitungspapier auf Frühstückstischen in aller Welt.

Staatssystem

Kanada ist eine bundesstaatlich geordnete parlamentarische Monarchie im British Commonwealth. Offizielles Staatsoberhaupt ist daher die englische Monarchin Queen Elizabeth II., die aber lediglich zeremonielle Aufgaben zu erfüllen hat. Die zehn Provinzen besitzen weitreichende Selbstverwaltung, zum Beispiel im Schulwesen, in der Kulturpolitik, im Gesundheitswesen und in der Nutzung der Bodenschätze.

Dagegen werden die drei nur sehr dünn besiedelten Nord-Territorien noch weitgehend von der Bundeshauptstadt Ottawa aus regiert und finanziert.

Totempfahl

Totempfähle liegen im Trend. Kunstvoll geschnitzt und oft mit Fratzen und mythischen Tierfiguren versehen, stehen sie heute vor vielen Regierungsgebäuden und Museen Kanadas. Kitschige Nachbildungen aus Plastik zieren die Souvenirläden. Ursprünglich gab es diese hoch entwickelte Schnitzkunst jedoch nur im Kulturkreis der Nordwestküsten-Indianer am Pazifik. Die totem poles waren Prestigesymbole, mit denen eine Sippe oder ein Häuptling Macht und Reichtum zeigte. Nachdem das „heidnische Schnitzwerk“ lange von Regierung und Missionaren verboten war, ist seit der Renaissance der indianischen Kultur in den 1960er-Jahren wieder ein Aufleben der Kunst zu beobachten. Die schönsten Pfähle können Sie in den Museen von Vancouver, Ottawa und Victoria sehen.