Reisetipps Kanada

Auftakt Kanada Was für ein Land!

Sympathisch jung ist Kanada und riesengroß. Ein Land wie ein Kontinent, mit reichlich Platz für Träume und für viele Erlebnisse in der oft noch unberührten Natur. Wie wäre es mit Eisberge-Gucken auf Neufundland? Oder mit einem Ausritt vor der Kulisse der Rocky Mountains? Mit einer Nacht im Leuchtturm in Québec oder einer Tour zur Bärenbeobachtung in den Fjorden der Westcoast? Als Sprungbretter ins Hinterland dienen urbane Oasen, deren Vitalität ansteckt. Lebenslustige Metropolen wie Vancouver, Toronto oder Montréal laden ein zum Multikulti-Essen, zum Shoppen in Trendläden und zum Abhängen in coolen Lounges.

Eine bunte Parade tanzt die Straße hinab: Sambagirls in knappen Trikots, fröhliche Rastajünger, Kids mit allen möglichen Krachinstrumenten. Über allem der Rhythmus von Steeldrums. Ist das der Karneval von Trinidad? Nein, dies ist Kanada, genauer gesagt Toronto im Juli zur Zeit des Caribana-Festes, wenn die Einwanderer aus der Karibik ihre Traditionen ausleben. Hier wird deutlich: Kanada ist ein Mosaik der Kulturen. Viel Lebensfreude und ethnisches Flair in den Städten sind das Resultat.

Trotz pulsierender Metropolen wie Toronto und Montréal lockt die meisten Kanada-Urlauber der Ruf des Abenteuers und der Wildnis, denn außerhalb der ohnehin dünn gestreuten Städte ist Kanada ein urgewaltiges, wildes Land von scheinbar unendlichen Dimensionen. Zusammen mit Alaska nimmt Kanada mehr als die Hälfte des nordamerikanischen Kontinents ein und ist mit fast 10 Mio. km² Fläche nach Russland das zweitgrößte Land der Erde. Von der Küste am Atlantik bis zur Küste am Pazifik misst es über 5500 km und umspannt sechs Zeitzonen. Fast dreißigmal würde Deutschland in diese Ausmaße hineinpassen. Allein die Festlandküsten Kanadas an drei Meeren - Atlantik, Pazifik und Polarmeer - summieren sich auf rund 58500 km Länge. Die vorgelagerten Inseln und Archipele sind dabei noch gar nicht eingerechnet.

In diesem riesigen Land wohnen nur rund 33 Mio. Menschen. Dies bedeutet statistisch eine Bevölkerungsdichte von nur drei Einwohnern pro Quadratkilometer - in Mitteleuropa sind es fast hundertmal mehr. Hinzu kommt, dass die Menschen nicht gleichmäßig übers Land verteilt leben: Gut 80 Prozent der Kanadier wohnen in einem nur 300 km schmalen Streifen nördlich der Grenze zu den USA. Die am dichtesten besiedelte Region ist das St.-Lawrence-Tiefland zwischen den Großen Seen und dem Atlantik. Der Norden hingegen ist fast menschenleer.

Kanada ist ein Land der Kontraste: So offenbart sich von Küste zu Küste auch eine ungeheure Vielfalt von ursprünglichen Landschaften und modernen Städtepanoramen. Im Osten steigen die steilen Klippen von Labrador und Neufundland aus dem Atlantik. Die Menschen dort leben in winzigen Fischerdörfern entlang der oft sturmumtosten Klippen. Weitaus milder ist das Klima in den Atlantikprovinzen Nova Scotia und New Brunswick. Kleine, blitzsaubere Hafenstädte liegen an der buchtenreichen, felsigen Küste. Die Bewohner arbeiten im Fischfang und tischen gern leckere Hummer auf. Die dicht bewaldeten Bergzüge im Hinterland gehören zum uralten Appalachengebirge, das die Gletscher der Eiszeiten zum sanften Mittelgebirge abgeschliffen haben. Die kleine, von roten Kartoffeläckern überzogene Inselprovinz Prince Edward Island rühmt sich der schönsten und wärmsten Meeresstrände des Landes.

Nach Westen hin schließt sich das fruchtbare St.-Lawrence-Tiefland an, das von den Ufern des Stroms bis an die Großen Seen reicht. Im Tiefland liegen die wichtigsten Metropolen, und dort schlägt das wirtschaftliche Herz der Industrienation. Québec City, Montréal, Toronto - wie Perlen reihen sich die Städte am St. Lawrence und am Lake Ontario, glänzen mit postmoderner Architektur und buntem Völkergemisch. Nicht zu vergessen die elegante Bundeshauptstadt Ottawa mit ihren spektakulären Museen und gepflegten Parks.

Nördlich der Städte und der sattgrünen Farmen des Tieflands beginnt das stille Reich der Granitkuppen und Wälder des Kanadischen Schilds. Wie ein riesiges Hufeisen legt sich das von den Gletschern rund gehobelte, uralte Gestein um die Hudson Bay. Der Kanadische Schild macht fast die Hälfte der Landfläche Kanadas aus. Eine Region der ungebändigten Flüsse, Seen und tiefen Wälder, die bis weit nach Norden reicht und schließlich in die baumlose Tundra der Arktis übergeht. So ist der Norden Ontarios, Québecs und der Prärieprovinzen ein Dorado für Angler und Kanufahrer.

Ganz anders dagegen der Südteil der Prärien in Manitoba und Saskatchewan: endlose goldene Felder bis zum Horizont. Der „Brotkorb Kanadas“ endet erst weit im Westen, am Fuß der gletschergekrönten Rocky Mountains. Dieses noch sehr junge Gebirge gehört zu den Nordamerikanischen Kordilleren, deren Bergzüge auch die fjordreiche Westküste des Landes prägen. Geologisch und geschichtlich ist dies der jüngste Teil Kanadas. Kaum 150 Jahre ist es her, dass die ersten Städte entstanden. Hier sind zudem die ursprünglichen Bewohner des Kontinents, die Indianer, noch am stärksten vertreten. In ihren alten Stammesgebieten leben sie in kleinen Dörfern und vertreten heute mit zunehmend größerem Selbstbewusstsein ihre Rechte.

Kanada ist offiziell ein zweisprachiges Land. Auf jeder Verpackung im Supermarkt steht die Produktbeschreibung auf Englisch wie auf Französisch. Knapp ein Drittel der einheimischen Bevölkerung spricht als Muttersprache Französisch - überwiegend jedoch die Bewohner der Provinz Québec, in der Mehrheit Nachfahren der französischen Siedler des 17. und 18. Jhs. In allen anderen Regionen Kanadas wird fast ausschließlich Englisch gesprochen.

Reisenden und Urlaubern bietet Kanada eine vorzügliche touristische Infrastruktur mit gut ausgebauten Straßen, sauberen Hotels und Motels in allen Regionen und zahlreichen Fremdenverkehrsbüros, deren Mitarbeiter gern mit vielen Tipps weiterhelfen. Vielseitige Museen, vorzügliche Restaurants und bunte Märkte machen den Aufenthalt in den Städten kurzweilig. Im Hinterland gibt es einsam gelegene lodges, guest ranches und Angelcamps, die den Einstieg in die Wildnis erleichtern. Eine besondere Attraktion sind die National Parks, in denen die spektakulärsten Landschaften und wichtige Ökosysteme unter Schutz gestellt sind. Die schönsten sind sicherlich die Parks der Rocky Mountains, Banff und Jasper, doch auch jeder einzelne der anderen ist einen Aufenthalt wert.

Gelegenheiten, ein Abenteuer zu erleben, gibt es viele. Sei es bei einem Ausritt im Ranch Country von Alberta oder einer Fotosafari in den Northwest Territories, bei einer Kanutour im Algonquin Provincial Park oder einer Wanderung im Hochland der Gaspé-Halbinsel. Und auch eine gemütliche Tour mit dem Wohnmobil kann das Gefühl von Freiheit und Weite vermitteln. Wenn dann die Flammen des Lagerfeuers züngeln, im Abendrot ein Elch im Riedgras des flachen Sees äst oder über dem dunklen Wald ein Weißkopfseeadler kreist, wird der Urlaub zum Traumurlaub.