Reisetipps Kanada Ost

Auftakt Kanada Ost Was für eine Region!

Die Niagarafälle und der farbenprächtige Indian Summer stehen ganz oben auf der Liste der Attraktionen Ost-Kanadas. Zu Recht. Zwei absolute Highlights. Doch daneben gibt es in diesem riesigen Land noch viel mehr zu entdecken: den zweithöchsten Turm der Welt in Toronto, junge Szeneläden in Montréal, feine Hummerlokale am Atlantik. Auch Aktivurlauber finden im Outdoorland Kanada ihr Paradies: auf Kanutouren durch die stille Seenlandschaft des Algonquin Parks, bei Fahrten zu den Leuchttürmen von Nova Scotia, beim Eisberggucken auf Neufundland oder bei einer Strandwanderung zum höchsten Tidenhub der Welt.

Kanada - allein schon in diesem Namen schwingt Fernweh mit. Man vermeint den Duft grüner Nadelwälder in der Nase zu spüren, sieht das feurige Laub des Indian Summer vor dem geistigen Auge und hört die Brandung eines dunklen Ozeans an felsige Küsten donnern oder mächtige Wasserfälle über Granitwände stürzen. Schon zu Zeiten unserer Großeltern und Ururgroßeltern hatte Kanada, dieses unermesslich weite Land, eine magische Zugkraft. Viele wanderten damals aus, um eigenen Boden zu besitzen und eine neue Zukunft fern des engen Europa zu suchen. In unserer Phantasie ist Kanada noch immer dieses urwüchsige Traumland - aber heutzutage müssen Sie ja nicht gleich auswandern. Auch im Urlaub lässt sich das Abenteuer Kanada erleben.

Aus europäischer Sicht sind die Dimensionen dieses Landes schwer zu fassen. Kanada ist mit fast 10 Mio. km² Fläche das zweitgrößte Land der Erde. Vom Atlantik bis zum Pazifik misst es über 5500 km und umspannt sechs Zeitzonen. Die Osthälfte des Landes ist so groß wie ganz Westeuropa vom Nordkap bis Gibraltar. Allein in die Provinz Québec - mit 1,5 Mio. km² die größte Provinz Kanadas - würde Deutschland gut viermal hineinpassen, in die nächstkleinere Provinz Ontario (1,1 Mio. km²) immerhin dreimal. Dabei leben nur rund 33 Mio. Menschen in Kanada - zwei Drittel davon im Osten. Dies bedeutet statistisch eine Bevölkerungsdichte von nur drei Einwohnern je Quadratkilometer - in Mitteleuropa sind es fast hundertmal mehr. Hinzu kommt, dass die meisten Kanadier in einem nur 300km schmalen Streifen an der südlichen Grenze zu den USA wohnen. Im Norden fahren Sie - sofern es überhaupt Straßen gibt - oft stundenlang bis zum nächsten Ort.

Engländer und Franzosen waren die wichtigsten weißen Siedlergruppen, doch auch Deutsche, Italiener, Ukrainer - und in den letzten Jahrzehnten vermehrt Immigranten aus Asien und der Karibik - kamen hinzu. Kanada setzt auf kulturelle Toleranz. Es will kein „Schmelztiegel der Nationen“ wie die USA sein, sondern eine multikulturelle Gesellschaft.

Vielleicht weil Kanada ein noch so junger Staat ist, sind die Bewohner besonders stolz auf ihre Geschichte. Jedes Dorf besitzt herrlich restaurierte historische Häuser und zumindest ein liebevoll mit Erbstücken eingerichtetes Pioniermuseum. Besonders schön aber sind die perfekt gestalteten Museumsdörfer, in denen die oft abenteuerliche Pionierzeit bewahrt wird. Hier gibt es Geschichte zum Anfassen, und junge Kanadier spielen mit viel Enthusiasmus das Leben ihrer Vorfahren nach. In Nova Scotia können Sie in Port Royal und in der Garnisonstadt Louisbourg die ersten Außenposten Frankreichs in der Neuen Welt bestaunen. Am St.-Lawrence-Strom blieben in Québec City und Kingston die Festungen der Kolonialzeit erhalten. In den Wäldern des Nordens machen Pelzhandelsposten und Missionsstationen wie etwa Old Fort William in Thunder Bay oder Sainte-Marie among the Hurons bei Midland das einst harte Leben in der Wildnis erfahrbar.

Alles ist größer, weiter, wilder in Kanada. Während die von Postkarten und Bildbänden bekannten Rocky Mountains weit im Westen Kanadas liegen, sind es im Osten vor allem die dramatischen Küstenlandschaften und die großen Seenplatten, die beeindrucken. Draußen am Atlantik ragen die steilen Klippen von Labrador und Neufundland aus dem Meer. Die Menschen dort leben in winzigen Fischerdörfern entlang der sturmumtosten Küste. Weitaus milder ist das Klima in den Atlantikprovinzen Nova Scotia, Prince Edward Island und New Brunswick. Blitzsaubere Hafenstädtchen liegen an der buchtenreichen Felsenküste. Viele Bewohner leben noch heute vom Fischfang und tischen Ihnen köstliche lobster auf. Die dicht bewaldeten Bergzüge im Hinterland gehören zum uralten Appalachengebirge, das die Gletscher der Eiszeiten zum sanften Mittelgebirge abschliffen. Und das von roten Kartoffeläckern überzogene Prince Edward Island rühmt sich der schönsten und wärmsten Meeresstrände des Landes.

Nach Westen hin schließt sich das fruchtbare St.-Lawrence-Tiefland an, früher das große Einfallstor nach Kanada, die Route der Entdecker und Pelzhändler. Dort, in den Provinzen Québec und Ontario, liegen die wichtigsten Metropolen, schlägt das wirtschaftliche Herz der Industrienation. Québec City, Montréal, Toronto - wie Perlen reihen sich die Großstädte Kanadas am St. Lawrence und am Lake Ontario aneinander, glänzen mit postmoderner Architektur und buntem Völkergemisch. Nicht zu vergessen die elegante Bundeshauptstadt Ottawa mit ihren Museen und manikürten Parks. Und natürlich die schäumenden Niagarafälle, Ostkanadas weltberühmte Attraktion.

Nördlich der Städte und sattgrünen Farmen des Tieflands beginnt das stille Reich der vielen Granitkuppen und Wälder des Kanadischen Schilds. Wie ein riesiges Hufeisen legt sich das von den Gletschern rund gehobelte, uralte Gestein um die Hudson Bay - eine Region der Seen, ungebändigten Flüsse und tiefen Wälder, die bis an den Rand der Arktis reicht. So ist der Norden Ontarios und Québecs ein beliebtes Ziel für Angler, Kanufahrer und Wildnisfans.

Angesichts der immensen Ausdehnung Ostkanadas ist das Klima verblüffend gleichmäßig. Bis auf die Küstenregionen, in denen es feuchter und gemäßigter ist, herrscht im gesamten Osten Kontinentalklima. Das bedeutet heiße Sommer und bitterkalte, schneereiche Winter. Hoch im Norden dauert der Sommer kaum drei Monate, während im Süden Ontarios auf der Niagara-Halbinsel (etwa auf dem gleichen Breitengrad wie Florenz) Wein und Pfirsiche gedeihen.

Der heutige Besucher hat es leicht: Kanadas Osten bietet eine vorzügliche touristische Infrastruktur mit gut ausgebauten Straßen, sauberen Hotels und Motels. Museen und bunte Märkte, vorzügliche Restaurants, Jazzclubs und witzige Bistros machen den Aufenthalt in den Städten kurzweilig. Im Hinterland gibt es einsame Lodges und Angelcamps, die den Zugang zur Wildnis erleichtern.

Auch Abenteuer kann man viele erleben. Sei es auf einer Kanufahrt im Algonquin Park, einer Wandertour am Cabot Trail in Nova Scotia oder einer Kajakfahrt auf den Flüssen Québecs. Sie müssen jedoch nicht an die Grenzen Ihrer eigenen Belastbarkeit gehen: Ein Musical in Toronto, ein Plausch im Bistro in Montréal, ein Shoppingbummel in einer der eleganten Malls gehören zur Kanadareise ebenfalls dazu. Auch eine Tour in die Laurentides oder durch die Seenplatte Ontarios kann das Gefühl von Freiheit und Weite vermitteln. Wenn dann die Flammen des Lagerfeuers züngeln, im Abendrot ein Elch im Riedgras des flachen Sees äst oder ein Biber vorüberpaddelt, dann wird der Urlaub zum Traumurlaub.