Reisetipps Kärnten

Auftakt Kärnten Was für eine Region!

Nicht von ungefähr ist Kärnten das Lieblingsferienland der Österreicher. Die Mischung macht es: zwischen Tradition und Moderne, zwischen südlichem Charme und älplerischer Kratzbürstigkeit, zwischen See und Berg. Schon immer war das Land im Süden Österreichs ein Sonderfall, mit vielen Eigenheiten und vielleicht auch Eigenartigkeiten: Die Natur ist die Sanfteste, das Klima das Mediterranste, die Menschen sind die Lebenslustigsten, die politischen Verhältnisse die Fragwürdigsten. Aber zusammengenommen ist Kärnten ein Paradeurlaubsland mit einem nahezu unüberschaubaren Angebot für alle Altersklassen.

Wunderbare Landschaften und ein Klima wie in Italien: Diese Kombination zeichnet Kärnten aus. Das südlichste Bundesland Österreichs ist von Bergen eingeschlossen. Im Norden sind es die über 3000 m Hohen Tauern mit dem höchsten Berg Österreichs, dem Großglockner (3798 m), weiter Richtung Osten die Gurktaler Alpen und die Nockberge.

Karg wie die Böden ist auch das Dasein der Bergbauern des Mölltales, des Oberen Drautales und des Lesachtales. Auch der vor einigen Jahrzehnten aufkeimende Tourismus brachte dort nur einen bescheidenen Wohlstand. Die Saualpe und die Koralpe - bei Wanderern und Skifahrern beliebt - bilden die Ostgrenze, dazwischen liegt das Lavanttal. Die mächtigen Karawanken im Südosten grenzen Kärnten gegen Slowenien ab, die Karnischen Alpen längs der Grenze zu Italien und die Lienzer Dolomiten schließen den Kreis. Diese Lage lässt ein angenehmes Klima entstehen: Der Alpenkamm schützt Kärnten vor den Kaltfronten des Nordens. Die warmen Fronten aus dem Süden dagegen greifen auch auf Kärnten über. Schon im Frühsommer erwärmen sich die mehr als 200 Badeseen Kärntens auf Temperaturen über 20 Grad.

See ist in Kärnten ein Schlüsselwort. Man ist stolz auf die zahlreichen Seen, die zum Schwimmen, Fischen, Segeln oder einfach nur zum Genießen einladen. „Gehn wir zum See“ ist ein Synonym für Entspannung: ob schwimmend im Sommer oder eislaufend im Winter oder rundherum spazierend übers ganze Jahr. Dass man in Kärnten ein Bohei um die Seen macht, hat aber nicht nur sportliche Gründe. In den 1960er-Jahren drohten Wörther-, Ossiacher und Millstätter See in einer von Abwässern genährten Algenplage zu einer stinkenden Brühe zu werden. Unter erheblichem finanziellem Aufwand wurden Ringkanalisationen gebaut. Seitdem haben die Seen Trinkwasserqualität. Wegen der hervorragenden Wasserqualität der Kärntner Flüsse und Seen gibt es auch viele Fischer im Land. Und es ist durchaus üblich, dass sich Urlauber den Fisch für das Abendessen selbst fangen.

Geografisch ist das knapp 10000 km² große Kärnten in viele kleine und größere Täler gegliedert. Im Landesinneren schaffen Berge, Täler und Seen eine einmalige Urlaubslandschaft, die sowohl Wanderern und Skiläufern als auch allen Wassersportlern unterschiedlichste Betätigungen erlaubt. Man kann sich beschaulich in einem abgeschiedenen Bergdorf mit den Kräutern der Umgebung vertraut machen, in einem der vielen Seen einfach nur schwimmen, auf ihm surfen oder am Fallschirm hängend über ihn hinweggleiten.

Was das Wandern betrifft, so lässt Kärnten keinen Wunsch offen. Entlang lieblicher Flussauen, durch Wälder und über sanfte Hügel oder auf dem Rücken des Hochgebirges: Überall gibt es gut markierte und beschilderte Wanderwege. Vom kleinen Ausflug bis zur mehrtägigen Wandertour ist alles möglich.

In den letzten Jahren ist eine weitere Attraktion dazugekommen: Das Kärntner Radwegenetz wurde großzügig ausgebaut. So führt beispielsweise ein Radweg an der Drau entlang quer durch Kärnten. Rund um den Wörthersee können Sie auf Radwegen - teilweise neben der Straße - von Ort zu Ort radeln. Im Gailtal gibt es einen 150 km langen Fahrradweg.

Die intakte Natur ist das wichtigste Kapital des Fremdenverkehrs. Bereits in den 1980er-Jahren begann man mit der Einrichtung von Schutzzonen für Landschaft und Tierwelt, den Nationalparks. In Kärnten sind es der Nationalpark Hohe Tauern und die Nockberge. Sie dürfen erwandert werden, eine touristische Erschließung mit Hotels, Skiliften und Ähnlichem ist dagegen nicht gestattet.

Neben dem Tourismus haben sich in den letzten Jahren in Kärnten vor allem die Mikroelektronik und ihre Zulieferbetriebe stark entwickelt. Das Zentrum ist Villach, wo im Infineon-Werk, Kärntens größtem privatem Arbeitgeber, vor allem Elektronik für Autos entwickelt wird; jeder dritte Airbag weltweit funktioniert mit einem Mikrochip aus Kärnten. Im „Lake-Side-Softwarepark“ in Klagenfurt haben sich weitere Elektronik- und Computerfirmen angesiedelt.

Um Kärnten und die Kärntner zu verstehen, muss man über ihre Geschichte Bescheid wissen. Bereits um das Jahr 700 wurde das Gebiet zwischen den Karawanken und dem Alpenhauptkamm von einem Geografen aus Ravenna mit dem Namen „Carantani“ benannt. Somit war Kärnten schon Bestandteil der Geschichte, als von Österreich oder einem Deutschen Reich noch keine Rede war. Stolz sind die Kärntner aber auch auf die Vielfalt ihres Landes. Kärnten bildete zwei Jahrtausende lang ein Schmelztiegel der Kulturen und Völker.

Früher waren vor allem zwei Wirtschaftszweige für das Land bestimmend: Landwirtschaft und Bergbau. Die neun Prozent der 560000 Kärntner, die heute noch in der Landwirtschaft tätig sind, versorgen das ganze Land mit ihren Produkten. Dabei erwirtschaften sie gerade halb so viel wie der Tourismus, nämlich gut drei Prozent des Bruttoinlandprodukts. Ihre Funktion für die Pflege der Berglandschaft ist mittlerweile fast noch wichtiger als die landwirtschaftliche Produktion.

Noch stärker als die Landwirtschaft hat der Bergbau seine ursprüngliche Bedeutung verloren. Viele Ortsnamen zeugen noch von der Bergbauvergangenheit des Landes: Knappenberg, Hüttenberg, Bleiburg, Bad Eisenkappel.

Durch den Niedergang des Edelmetallbergbaus im 16. und 17. Jh. wurde das Land arm. Eine Auswirkung zeigt sich in den Kirchen: Während in anderen Gegenden viele Kirchen mit großem Aufwand barockisiert wurden, hielt sich in Kärnten die romanische und gotische Bausubstanz. Deshalb findet man in vielen Kärntner Kirchen auch noch gotische Flügelaltäre.

In jüngerer Vergangenheit ist Kärnten weltweit in das Blickfeld politischer Beobachter gerückt: Von 1999 an war der im Oktober 2008 tödlich verunglückte Rechtspopulist Jörg Haider Landeshauptmann (Ministerpräsident) von Kärnten. Sein Aufstieg hat europaweit für viele Diskussionen gesorgt - zuletzt, als Haider bei der Nationalratswahl im September 2008 mit seiner Parteineugründung BZÖ (Bündnis Zukunft Österreich) fast 11 Prozent der Stimmen holte.

Die Gastfreundschaft der Kärntnerinnen und Kärntner hat sich durch die politische Entwicklung jedoch nicht verändert - davon kann sich jeder Gast selbst ein Bild machen.