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Auf dem Pilgerweg nach Rom

Wer den mittelalterlichen Pilgern von den Alpen bis nach Rom nachreist, kommt durch einige der schönsten Städte und Landschaften Italiens. Die Via Francigena, die alte Frankenstraße aus Mitteleuropa durch Italien nach Rom, gilt wie der Jakobsweg als einer der großen historischen Reisewege Europas. Rund 850 km sind es auf Landstraßen vom Großen Sankt-Bernhard-Pass bis nach Rom. Ein mittelalterlicher Pilger zu Fuß schaffte rund 30 km am Tag. Doch auch heutige, motorisierte Reisende sollten mindestens fünf bis sechs Übernachtungen einplanen.

Die Passstraße über den Großen Sankt Bernhard (2473 m) ist normalerweise zwischen Mai und Ende Oktober geöffnet. Schon die Römer hatten hier ihre Straße nach Gallien gebaut. Aus dem 8. Jh. weiß man von einem Hospiz, das heutige (18. Jh.), phantastisch zwischen den majestätischen Bergkuppen gelegen, betreiben Augustinermönche, die nur Wanderer und Pilger beherbergen, keine Autoreisenden. 12 km vor Aosta auf der Staatsstraße SS 27 lädt bei Gignod im Ortsteil La Clusaz eine ehemalige Pilgerherberge und Poststation ein, heute ein angenehmes, kleines Hotel mit guter Küche: Locanda La Clusaz (14 Zi. | Mi-Mittag und Di geschl. | Tel. 016556075 | www.laclusaz.it | €-€€). Pilgerziel in Aosta waren die Kathedrale Santa Maria Assunta und die Klosteranlage Sant'Orso mit großem Markt.

Weiter geht es auf der SS 26 durch das Tal des Flusses Dora Baltea vor eindrucksvollen alpinen Bergkulissen und vorbei an den Burgen der einstigen Feudalherren. Pilgerwegweiser waren die Wegekreuze, wie man sie heute noch in Bard antrifft.

Die nächsten Stationen stellten die beiden alten Bischofssitze Ivrea und Vercelli dar, mit denen die fruchtbare norditalienische Poebene, die Padania, beginnt. Auch in Mortara, dem Zentrum in den Reisfeldern der Lomellina, machten die Pilger bei den beiden mittelalterlichen Kirchen San Lorenzo und Santa Croce Halt, bevor sie nach Pavia weiterzogen.

In Fidenza an der Via Emilia zeigen die anschaulichen Steinreliefs auf dem schönen romanischen Dom die Mühen der Pilger. Von Fidenza oder Parma schlug man sich durch das Tarotal über den Apennin gen Süden in die Toskana: Diese schöne Landschaftstour (SS 62) über die abwechslungsreichen Berge voller Wiesen und Wälder wird von Ortschaften mit sehenswerten romanischen Kirchen begleitet wie Talignano, Fornovo, Bardone, Berceto. Über den Cisapass (1093 m) erreicht man die Toskana in Pontremoli, in dessen Kirche San Pietro eine Labyrinthdarstellung den Pilgerweg ins Heilige Land symbolisiert.

Vorbei an der eindrucksvollen romanischen Kirche von Sorana geht es über Aulla durch das Magratal nach Sarzana und vor der Kulisse der Marmorberge weiter über Carrara, Massa und Pietrasanta hinunter nach Lucca und südlich der Sümpfe von Fucecchio weiter nach Castelfiorentino, Certaldo und San Gimignano, alles Ortschaften mit Kernen, die noch weitgehend ihr mittelalterliches Gesicht bewahrt haben. Restauriert zeigt sich heute in Poggibonsi der Magione, ein mittelalterliches Pilgerhospiz des Johanniterordens. In Abbadia Isola bei Monteriggioni stehen die eindrucksvollen Reste einer großen Zisterzienserabtei.

Ein wichtiges Ziel auf der Route nach Rom war natürlich Siena mit seinen Reliquien, Gotteshäusern und Herbergen. Der nun folgende Streckenabschnitt durch das Arbia- und das Orciatal gehört zu den schönsten Landschaften Italiens, ein weites, stilles Hügelland. Stationen sind die mittelalterlichen Orte Isola d'Arbia, Buonconvento (nicht weit von hier die gewaltige Klosteranlage Abbazia di Monte Oliveto Maggiore) und San Quirico d'Orcia mit einem wunderschönen mittelalterlichen Dom. Von hier sollten Sie einen Abstecher nach Sant'Antimo machen, der romanischen Klosteranlage in herrlicher Landschaft, ein Muss auf den Spuren mittelalterlicher Spiritualität. Beim Monte Amiata bot die Abtei in Abbadia San Salvatore Pilgern Unterkunft und Beistand.

Bei Acquapendente (sehenswerte Krypta im Dom), ebenfalls an der alten Route, beginnt das Latium. Eine beschauliche Bauernlandschaft aus Wiesen, Wäldern, Maisfeldern, Weinbergen und Olivenhainen geleitet an den Bolsenasee, dessen sauberes Wasser zum Bad einlädt.

Über Montefiascone geht es weiter in die alte Bischofs- und Papststadt Viterbo und von da in die etruskische Tuffsteinstadt Sutri mit ihren Grottenheiligtümern. Schuster sollen hier im Mittelalter ein gutes Geschäft gemacht haben: Nach Rom fehlte nur noch eine Tagesetappe, und schließlich wollte man die heilige Stadt mit ihren sieben Pilgerkirchen in ordentlichem Zustand erreichen.

Um den „grossen Fels“ Italiens

Das Zentrum Italiens prägt nicht eine beschauliche Hügellandschaft wie in der Toskana, sondern die raue Großartigkeit der Bergwelt des Apennins, dieses Gebirgszuges, der sich wie ein Rückgrat durch den gesamten Stiefel zieht. Im Landesinneren der Abruzzen erreicht er seine höchste Erhebung, den Gran Sasso d'Italia genannten mächtigen Gebirgsstock, den „großen Fels“. Diese Route, deren Start- bzw. Zielpunkt die beiden abruzzischen Städte Teramo und Chieti sind, führt durch den Nationalpark der Abruzzen, über die schöne Bergstadt L'Aquila und durch die Berge der Maiella, mal auf steil gewundenen Straßen, mal über weite Hochebenen. Sie macht bekannt mit einer einzigartigen Landschaft voll herber, grandioser Naturschönheit und seltener Tiere sowie mit Spuren antiken Lebens. Für die Tour von rund 350 km sollten Sie wenigstens zwei Tage veranschlagen.

Von Teramo nehmen Sie die Staatsstraße SS 80 Richtung L'Aquila. Es geht zunächst über Hügel nach Montorio al Vomano (hier im alten, hoch gelegenen Kern eine sehenswerte Pfarrkirche an der Piazza). Im Hintergrund erhebt sich das Gran-Sasso-Massiv mit seinen beiden höchsten Gipfeln Corno Grande (2912 m) und Corno Piccolo (2655 m).

Das Vomanotal wird nun enger, wilder und gewundener. Nach einem Tunnel und einem kleinen Stausee empfiehlt sich ein Abstecher durch die bewaldete Schlucht des Vomano, die Gola del Vomano, hinauf nach Pietracamela auf 1167 m Höhe, Ausgangsbasis für Touren im Nationalpark, und zu den Wiesenhängen der Piana di Tivo, im Winter ein gutes Skigebiet.

Nehmen Sie auf der Rückfahrt zur SS 80 unterhalb Pietracamelas die Nebenstrecke über Intermesoli und Fano Adriano mit altem Häuserbestand. Die SS 80 steigt weiter durch das Vomanotal an, zwischen den beiden Stauseen, dem kleinen, malerischen Lago di Provvidenza und dem höher gelegenen gewaltigen Becken des Lago di Campotosto, bis sie schließlich den Passo di Capannelle erreicht (1299 m). Talwärts Richtung L'Aquila wechselt die Landschaft zwischen Wäldern und von Erosion gezeichneten Kalkfelsen. Bevor L'Aquila erreicht ist, lohnen zwei Sehenswürdigkeiten, zum einen die noch gut sichtbaren Reste des römischen Amphitheaters der antiken Stadt Amiternum (gleich links von der Gabelung der Staatsstraße nach Rieti), zum anderen in San Vittorino, wieder auf der SS 80 nach L'Aquila, der trotz der Eingriffe im 16. Jh. eindrucksvolle romanische Kirchenkomplex San Michele mit Krypta und Katakomben. Die Landschaft hat sich inzwischen zur Conca di L'Aquila, zur „Mulde von L'Aquila“ geöffnet, Industrieanlagen kündigen die Hauptstadt der Abruzzen an, die einen ausgiebigen Besuch verdient.

Die Weiterfahrt führt auf der SS 5 bis durch die Talebene des Aterno, des wichtigsten Flusses der Abruzzen, und gelangt auf die weiten Hochebenen der Ortschaften Rocca di Cambio (1433 m) und Rocca di Mezzo (1329 m), dabei stets am Horizont von der Kammkette des Gran Sasso und von herrlichen Ausblicken begleitet. Der Tourismus, vor allem der Wintersport, hat sich etwa auf den Hängen von Campo Felice mit zahlreichen Liftanlagen entwickelt. Weiter geht es leicht abwärts nach Ovindoli mit einem alten Ortskern. Der Ort ist Ausgangsbasis für Touren auf die Gipfel der mächtigen Bergmassive Monte Sirente (2349 m) und Monte Velino (2487 m), Skipisten erschließen die Hänge des Monte di Magnola (2220 m).

Zwischen dunklen Tannenwäldern geht es nun durch die Enge von San Potito talwärts zur weiten Ebene Piana del Fucino auf 600 m. Die Ebene Piana del Fucino war noch bis ins 19. Jh. ein See (einst der drittgrößte Italiens) und ein Hochmoor, die Urbarmachung hat sie in Ackerland umgewandelt.

In Celano erhebt sich das mächtige Castello Piccolomini (mit sehenswertem Kirchenkunstmuseum), südöstlich davon liegt die wildromantische Schlucht Gola di Celano. Von Celano nehmen Sie wieder die SS 83 Richtung Süden, die die Ebene des ehemaligen Fucinosees flankiert. Ihr zur Linken erheben sich raue Karstformationen, deren Grotten einst bewohnt waren.

Bei Gioia dei Marsi steigt die Straße wieder an, sie windet sich durch die Berge des Nationalparks hinauf auf den Passo del Diavolo (1400 m), die Wasserscheide zwischen Tyrrhenischem Meer und Adria. Durch Wälder und Wiesen dem Lauf des Sangro folgend, gelangen Sie nach Pescasseroli, dem touristischen Zentrum des Nationalparks.

Die SS 83 führt über Opi (malerisches Dorf) nach Villetta Barrea. Hier lohnt der Abstecher (hin und zurück gut 50 km) nach Scanno, eine der wildesten, urtümlichsten Strecken in einen besonders schön erhaltenen Bergort der Abruzzen.

Zurück auf der SS 83 können Sie in Civitella Alfedena dem interessanten Wolfsmuseum, dem Museo del Lupo (Di-So 10-13 und 15-19 Uhr), einen Besuch abstatten. Am hübschen Stausee von Barrea entlang geht es über Alfedena nach Castel di Sangro mit mittelalterlichem Kern. Etwas zersiedelte Ferienorte sind Roccaraso und Rivisondoli (hier das Superrestaurant Reale | Mo/Di geschl. | Viale Regina Elena 49 | Tel. 086469382 | www.ristorantereale.it | €€€). Besonders hübsch ist dann wieder das Barockstädtchen Pescocostanzo (1395 m) mit seiner Basilika und seinem Kunsthandwerk. Da lohnt eine Übernachtung: Albergo Archi del Sole (10 Zi. | Porta di Berardo 9 | Tel./Fax 0864640007 | www.archidelsole.it | €-€€).

Weiter auf der SS 84 gelangen Sie durch die Maiellagruppe nach Fara San Martino, berühmt für seine Lage vor ruppigen Kalkwänden und die gute Pasta, die hier hergestellt wird. Ein letzter aufregend gewundener Bergstreckenabschnitt der SS 263 führt ins nette Guardiagrele, schließlich geht es auf der SS 81 nach Chieti.