Reisetipps Italien

Auftakt Italien Was für ein Land!

Il bel paese, das schöne Land: Es sind die Italiener selbst, die ihr Land so nennen - ein Land, das die höchsten Alpengipfel und gleichzeitig über 8500 km Mittelmeerküste vorweisen kann und das mehr als 60 Prozent des Unesco-Welterbes an Kunstschätzen beherbergt. Städte wie das filigrane Kunstwerk Venedig oder das mit seinen antiken Ruinen lebendig verwobene Rom gibt es nur hier. Und nirgends isst (und trinkt!) man so gut wie im Land von Pasta und Pizza, vino und gelato. Aktiv und kreativ sind die Italiener, von Mode bis Design und Lifestyle setzen sie oft die aktuellen Trends. Da wird jede Reise ins bel paese zu einer neuen Entdeckung.

Einmal in Italien angekommen, gehört der erste Gang auf die Piazza: Empfangssalon, Mittelpunkt urbanen Lebens, Bühne für die Italiener. Setzen Sie sich dort in das Café mit dem besten Überblick, bestellen Sie einen Cappuccino, einen Campari oder auch einen hausgemixten Fruchtaperitif und schauen ganz einfach den Italienern zu: Dort sieht man ein paar ältere Herren stehen und heftig über Gott und die Welt (und den Fußball) diskutieren. Ist gerade Markttag und Winter, wird man viele Damen im Nerz sehen - bella figura in der Öffentlichkeit zu machen hat Vorrang vor jedem Tierschutzgebot. Gruppen von Jugendlichen ziehen vorbei, lebhaft gestikulierend, alle modisch gestylt und mit dem allgegenwärtigen telefonino in der Faust.

Der Lebensstandard der Italiener ist hoch, und so kann eine Reise nach Italien zu einem kostspieligen Vergnügen werden. Die Preise für Hotels, Restaurants, Museen, Strandleben sind beachtlich. Dafür steigt in den letzten Jahren - neben Nepp und liebloser Abfertigung, die es natürlich auch, wie überall auf der Welt, gibt - die Qualität von Hotels und Restaurants. Gerade im Gastgewerbe tut sich einiges: In Küstenorten und in den mittelalterlichen Städtchen öffnen locande, kleine, individuell geführte und hübsch hergerichtete Gasthäuser, in den großen Städten hat man die Wahl zwischen charmanten Boutiquehotels, schicken Designhotels oder sorgfältig zurechtgemachten B-&-B-Zimmern, oft in schön restaurierten Altstadthäusern. Abends trifft man sich zum Aperitif in den Bars, in den Städten gern in den großen Nobelhotels, im Sommer an der Küste in Badeanstalten, die sich bei Sonnenuntergang in Loungebars verwandeln. Neue, stilvolle Geschäfte mit Kleidung, Schuhen und ausgefallenen Designerstücken öffnen allerorten; oft machen sie sich das spektakuläre Ambiente eines Altstadtpalazzos zunutze. Und allenthalben wird restauriert.

Anlässe zur Verschönerung und Instandsetzung heruntergekommener Viertel und Gebäude gibt es immer. Zum Heiligen Jahr 2000 hat man für die Millionen Pilger halb Rom restauriert und die Infrastruktur modernisiert. Die vormals sehr von Fiat geprägte Stadt Turin versucht man derzeit mit ambitionierten Projekten ins postindustrielle Zeitalter zu überführen. Viele Palazzi und prachtvolle Museen sind in Genua - Europäische Kulturhauptstadt 2004 - neu herausgeputzt worden. Mit der Pflege der historischen Stadtzentren kontrastieren die manchmal nahezu bedrückende Zersiedelung an der Peripherie der Städte und eine oft erstaunlich grobe moderne Architektur. Und obwohl die Italiener den Umweltschutz etwa durch die Einführung von Kläranlagen und die Einrichtung von Naturschutzgebieten immer ernster nehmen, erschrecken an manchen Stränden, in Waldstücken und an Flüssen die Müllhinterlassenschaften - vor allem, aber nicht nur im Süden.

Es sind die Italiener selbst, die ihr Land am schärfsten kritisieren, vor allem dann, wenn nicht alles so läuft wie erwünscht. Verkehrschaos, fehlender Parkraum in den Städten, schlechter Service, überfüllte Züge: Da können die Italiener an sich und ihrem Land verzweifeln. Oder wenn im August die Fabriken schließen und damit auch gleich viele Restaurants und Geschäfte in den großen Städten: Ganz Italien fährt ans Meer, und drangvolles Chaos und hohe Preise sind programmiert. Natürlich ist eine Notreserve garantiert, für die, die nicht in Urlaub fahren, und für einsame, mutige Touristen. Dabei gibt es nichts Schöneres, als diese heißen, ausgestorbenen Städte einmal ohne Verkehr und Lärm genießen zu können.

Damit beginnen auch schon die Argumente, warum man immer wieder gerne nach Italien fährt: der Schiefe Turm von Pisa, ein schimmernder Olivenhain, Michelangelos David, die Gondelfahrt auf dem Canal Grande ... Die Italiener sind immer noch freundliche, großzügige und offene Menschen, auch wenn ihr Leben beim näheren Hinschauen beileibe nichts „Süßes“ hat und sie - von wegen Dolce Vita! - im statistischen Vergleich tatsächlich sogar mehr als Deutsche, Engländer oder Franzosen arbeiten.

Italien ist vornehmlich ein Bergland, auf dessen Hügeln und in dessen Tälern fast 58 Mio. Menschen Platz finden müssen. Im Norden hat Italien noch wesentlichen Anteil an den Alpen: an den südwärts gerichteten Massiven der Zentral- und Westalpen, deren Ausläufer die großen oberitalienischen Seen freigeben, und an den südlichen Kalkalpen mit den Dolomiten. Die Poebene schließt sich an, ein breites Flachland, das vom Piemont bis hinüber an die Adriaküste um Rimini reicht. Italienreisende durchqueren sie normalerweise eilig, entspricht sie doch platt, schwül und mückengeplagt so gar nicht einer typisch italienischen Landschaft. Dabei birgt sie sehenswerte Städte wie Parma, Mantua, Ferrara, dazu eine von Pappelzeilen und Deichen strukturierte Flusslandschaft längs des Pos, die im naturgeschützten Delta an der Adria mündet - reizvoll mit seinen Brackteichen, Flussarmen, Sanddünen und zahlreichen Vogelarten.

Klimatisch wird der Norden Italiens noch kontinental beeinflusst, das heißt, in Turin und Mailand ist es im Winter oft genauso kalt wie in Berlin oder Wien, höhere Sommertemperaturen kündigen allerdings schon die Nähe zum Süden an. Berühmt sind die milden Winter an der Riviera im Schutz der Seealpen und des ligurischen Apennins: Im Rücken Liguriens treffen die Alpen auf den Apennin, der sich über 1200 km lang durch Mittel- und Süditalien bis an die Südspitze Kalabriens zieht. Im Süden wartet der Apennin sogar mit einem noch tätigen Vulkan auf - dem Vesuv bei Neapel, der, wenngleich ohne Rauch, noch nicht erloschen ist.

Ganz Italien hat eine Fläche von rund 300000 km². Ein Sechstel davon sowie die Hälfte seiner 8500 km langen Küste entfallen auf die Inseln. In diesem Führer wird jedoch nur das Festland beschrieben. Da die großen Inseln meist als eigene Reiseziele angesteuert werden, liegen für sie Marco Polo Einzelbände vor: Sizilien, Sardinien, Capri, Elba und Ischia.

Der geografischen und klimatischen Vielfalt mit ihren Alpengipfeln, Flussebenen, waldreichen Mittelgebirgen, mediterranen Hügellandschaften und Meeresküsten entspricht die Vielschichtigkeit der historischen Vergangenheit Italiens. So hat jede Stadt, jede Provinz, jede Insel ihre eigene Geschichte. Griechen und Etrusker waren nach der Völkerwanderung um 1000 v. Chr. die Ersten, die Kultur und Geschichte Italiens nachhaltig prägten. Die Griechen kamen im 8. Jh. v. Chr. auf der Suche nach Ackerland; bis zum 4. Jh. v. Chr. entstanden auf Sizilien und in Süditalien über 40 griechische Städte.

Die Etrusker, die vornehmlich im Norden Latiums, in der Toskana und der Poebene siedelten, waren ein handwerklich und künstlerisch hoch entwickeltes Volk. Dank ihrer starken Religiosität und eines verblüffend heiteren Totenkults sind zahlreiche Zeugnisse ihrer lebendigen und ausdrucksvollen Kunst erhalten geblieben. Ihre Gräberstädte, die Nekropolen vor allem im Latium, gehören zu den Attraktionen einer Italienreise.

Im Lauf des 4. und 3. Jhs. v. Chr. unterwarf Rom ganz Italien und schickte sich in den nächsten Jahrhunderten an, ein gewaltiges Imperium im Mittelmeerraum, in Kleinasien und Europa aufzubauen. Imposante Bauten zeugen noch heute von dem Repräsentationswillen dieser einstigen Weltmacht. Zu ihnen zählen das Kolosseum, das 80 n. Chr. mit 100 Tage andauernden Kampfspielen eingeweiht wurde, die gigantische Hadriansvilla bei Tivoli, die Caracallathermen in Rom, in denen 1600 Badende Platz fanden, und die Arena in Verona mit ihren 22000 Plätzen.

Der Untergang des Römischen Imperiums dauerte Jahrhunderte. Schon bedroht von den Alemannen, den Franken, den West- und Ostgoten, den Hunnen und Germanen, teilte es sich noch in ein west- und ein oströmisches Reich, Letzteres mit der byzantinischen Hauptstadt Konstantinopel. Im 5. Jh. wurde Ravenna zur Residenz der weströmischen Kaiser und ist deshalb heute eine der besuchenswertesten Städte Italiens. Neue Völker drangen nach Italien und lösten den römischen Zentralismus auf, indem sie kleine Herzogtümer gründeten.

Im Süden hatten Araber Sizilien und Teile des südlichen Festlands besetzt. 200 Jahre, von 800 bis 1000 n. Chr., beherrschten sie die Insel, bis die Normannen sie bezwangen und integrierten. Diese wurden Anfang des 13. Jhs. von den Staufern abgelöst. Aus normannischer und staufischer Zeit stammen vor allem in Apulien eindrucksvolle Kathedralen und Festungen.

Vom 10. bis ins 13. Jh. prägten die deutschen Kaiser und ihre Rivalitäten mit den Päpsten das Italien der mittelalterlichen Städte. Durch Kreuzzüge und Orienthandel blühten die Hafenstädte auf, Universitäten entstanden. Und heute noch zeugen stattliche Amtspaläste in den Städten vom Selbstbewusstsein der Kommunen, die im 13. Jh. zu eigenständigen Stadtstaaten wurden. Im 15. Jh. entwickelte sich, von Florenz ausgehend, die italienische Renaissance, deren Kunst und Kultur für ganz Europa zum Maßstab wurde. Die katholische Gegenreformation brachte die Entstehung des Barocks mit sich, das vor allem in Rom und in Neapel zu bewundern ist. In den folgenden Jahrhunderten kämpften die europäischen Großmächte um die Vormachtstellung auf dem Stiefel. Dies endete 1861 mit der Bildung des italienischen Nationalstaats.

Dieser reichen, wechselvollen Geschichte sind die Unmengen an Kunstschätzen und Kulturgütern auf italienischem Boden zu verdanken - welch gigantische Aufgabe, sie zu erhalten! Dabei hilft übrigens die Spielleidenschaft der Italiener: Ein erheblicher Prozentsatz der staatlichen Lotteriegewinne fließt in den Denkmalschutz. Längst haben sich in den Museen besucherfreundliche, längere Öffnungszeiten durchgesetzt. Die großen staatlichen Museen stehen zudem für EU-Bürger unter 18 und über 65 Jahren gratis offen, junge Leute zwischen 18 und 25 zahlen hier nur den halben Preis. Und viele Städte haben cards eingeführt, Sammeltickets, die vergünstigten Eintritt in Sehenswürdigkeiten und Museen gewähren und zum Teil auch die kostenlose Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel erlauben.

Doch Italien ist beileibe nicht nur hohe Kunst: Während sich einerseits die Gastronomie verflacht hat, kehren in letzter Zeit vermehrt junge, engagierte Köche mit viel Liebe zu regionalen Spezialitäten zurück. Umweltvereinigungen bemühen sich verstärkt um den Schutz der Natur, die Tourismusämter halten Kartenmaterial zu den Naturschutzgebieten, zu Wanderwegen und Radtouren bereit. Schön gelegene Bauernhöfe bieten Ferienunterkünfte an, oft mit Pferden, Pool und Fahrrädern sowie Produkten vom eigenen Hof. Agriturismo nennt sich dieses ländlich-geruhsame Kontrastprogramm zur geballten Fülle der Sehenswürdigkeiten - und es erfreut sich wachsender Beliebtheit unter den Urlaubern.