Reisetipps Süditalien

Ausflüge & Touren Süditalien

Etruskerstädte in Latium

Diese Tour, eine Rundreise von gut 300 km, führt durch das alte Etruskerland. Als Rom noch ein Hirtendorf war, gab es in seinem Norden längst die hoch zivilisierten Städte der Etrusker. Dank ihres Totenkultes, der sich in riesigen Totenstädten ausdrückte, den necropoli mit unterschiedlichen Gräberformen, die mit kostbaren Grabbeigaben reich ausgestattet waren, ist bis heute ihre Kunst - obschon viel durch Grabräuberei verloren ging - erhalten geblieben. Die Tour, für die Sie zwei Tage veranschlagen sollten, beginnt und endet in Rom, das ebenfalls etruskischen Ursprungs ist.

Ein paar Erlebnistipps machen diese Tour auch für Abenteuerlustige spannend: So gibt es in den Tolfabergen bei Canale Monterano den Reiterhof Associazione Equestre Caino (Tel. 069964137 | www.aecaino.com), der Reitwanderungen durch diese aufregende Bergwelt anbietet. Oder Sie übernachten in nachgebauten Etruskerhütten im Centro di Archeologia Sperimentale (Tel. 0761415031 | Fax 0761415096 | www.antiquitates.it | €), einem Ferienzentrum mit archäologischen Exkursionen nahe der Ausgrabungsstätte San Giovenale in Civitella Cesi-Blera.

Im Westen Roms führt die Via Aurelia (Strada Statale 1) Richtung Nordwesten zur Küste hin. Die erste Etruskerstadt ist das heute mittelalterliche Cerveteri, unter den Etruskern eine der Städte, die dem wachsenden Einfluss Roms im 4. Jh. v. Chr. heftigen, wenn auch vergeblichen Widerstand entgegensetzten. Ihre hochinteressante Nekropole liegt in heute einsamer Wiesenlandschaft unter Schirmpinien und Zypressen.

Zurück auf der Via Aurelia Richtung Civitavecchia, kommen Sie an den Badeorten Santa Severa und Santa Marinella vorbei, beide mit Burgen des römischen Adelsgeschlechts Odescalchi; in Santa Severa finden sich zudem die Reste des antiken etruskisch-römischen Hafens von Cerveteri.

Anstatt nun nach Civitavecchia weiterzufahren, empfiehlt es sich, von Santa Severa aus die Straße ins Landesinnere einzuschlagen in die Monti di Tolfa: Dieser Abstecher, der nach 44 km wieder zurück nach Civitavecchia führt, bietet eine schöne, teilweise bizarre Hügellandschaft (höchste Erhebung 579 m) voller mediterraner Vegetation und Buchen- und Eichenwälder. Aus dem Hügelgestein hatten schon die Etrusker und Römer Eisen gewonnen. Ein Einkaufstipp in Tolfa: die rustikalen handgefertigten Taschen der butteri, der heute noch existierenden Hirten zu Pferde, bei Pelletteria Artigianale Tonino (Via Roma 133). Die Straße durch die Monti di Tolfa mündet nördlich von Civitavecchia wieder in die Via Aurelia (SS 1).

Nach weiteren 20 km gelangen Sie nach Tarquinia, ebenfalls eine bedeutende Etruskerstadt. Ihre Gräber sind berühmt für die Wandmalereien, die Rückschlüsse auf die heitere Lebensweise der Etrusker erlauben; die reichen Grabfunde zeigt das Museo Etrusco.

Weiter geht es auf der Via Aurelia, nun als mehrspurige Schnellstraße, nach Montalto di Castro, einem mittelalterlichen Weiler mit weitem Sandstrand in Montalto Marina und bekannt ob seines riesigen Elektrizitätswerks. Hier zweigen Sie ab auf die SS 312 nach Norden Richtung Valentano. Nach 5,5 km führt eine Linksabzweigung durch bäuerliches, sanftes Hügelland zu den zwischen Weizenfelder gebetteten Ausgrabungsstätten der antiken Etruskerstadt Vulci. Ihre reichen Kult- und Kunstschätze kann man im Museum in der mittelalterlichen Abtei Abbadia di Vulci bewundern.

Zurück auf der SS 312 fahren Sie zunächst ein Stück Richtung Montalto di Castro und nehmen nach wenigen Kilometern links die Straße nach Tuscania. Die Fahrt führt durch einsame Hügellandschaft, die sich seit der Antike wohl nicht allzu sehr verändert hat. Nach rund 25 km ist die alte Etruskerstadt, heute mittelalterlich geprägt, erreicht. Zur Besichtigung empfehlen sich neben Fundstücken aus etruskischer Zeit auch zwei wunderbare mittelalterliche Kirchen.

Das nächste Ziel ist Viterbo: Obschon ganz von mittelalterlicher Kirchengeschichte geprägt, geht auch diese Siedlung auf die Etrusker zurück: Surrena hieß sie einst. Doch aus dieser Zeit sind nur die Steinquader der Dombrücke übrig geblieben; Ausgrabungsfunde zeigt das Museo Archeologico. In Viterbo finden Sie genügend Hotels und Restaurants, um den Abend und die Nacht zu verbringen.

Am nächsten Tag erwarten Sie in Norchia bei Vetralla erneut eindrucksvolle Etruskerreste. Von Viterbo nehmen Sie die SS 2 (die alte Römerstraße Via Cassia) gen Süden und erreichen nach 13 km Vetralla. Hier biegen Sie auf die SS 1 bis Richtung Tarquinia, schlagen aber nach 8,5 km rechts die Abzweigung nach Norchia ein. Nach weiteren 5,5 km sind die stimmungsvollen Reste der alten Etruskerstadt erreicht: wie Behausungen in Tuffstein gehauene Grabstätten, darüber verwunschen bewachsene, mittelalterliche Ruinen.

Über die SS 1 bis geht es nun wieder zurück nach Vetralla und auf die Via Cassia (SS 2) Richtung Rom, zunächst über Sutri mit mittelalterlichem Kern, in Tuffstein gehauenen Etruskergräbern und einem römischen Theater. Die Via Cassia wird jetzt zur Schnellstraße. Nach 27 km verlassen Sie diese neue Via Cassia und bleiben auf der alten Landstraße (SS 2): Hier lohnt ein kleiner Abstecher hinauf nach Isola Farnese, einem malerischen Weiler auf einer Felskuppe mit Kastell und Einkehrgelegenheiten, eine kleine, glückliche Insel in der schon beginnenden Siedlungsdichte vor Rom. Am Fuße des Hügels verstreut liegen die Reste von Veio, der letzten alten Etruskerstadt vor Rom. Sehenswert ist vor allem das Grab Tomba delle Anatre mit den ältesten etruskischen Malereien. Von Isola Farnese sind es auf Schirmpinienalleen und an den ersten Vorstadtsiedlungen entlang noch 18 km ins Zentrum von Rom.

Auf den Spuren des Staufers Friedrich II. in Apulien

Diese Tour von Foggia über Melfi, Trani, Altamura und durchs Trulli-Gebiet bis ins Hinterland von Brindisi (gut 550 km) führt durch Apulien und verbindet einige der Kastelle und Kathedralen, die auf den Staufer Friedrich II. zurückgehen, zunächst deutscher König und dann 1220 in Rom gekrönter Kaiser. Seine Bauten, die oft Vorgängerbauten der Normannen umwandeln, zeigen einen Stil, der sich an den klaren Formen der antiken Palastarchitektur orientiert, arabische Elemente integriert und schon die ersten Zisterziensereinflüsse spüren lässt: ein universaler, „multikultureller“ Stil, der Friedrichs Programm einer politischen und kulturellen Neugestaltung Süditaliens widerspiegelt. Verbindet man ein paar seiner schönsten Kastelle zu einer Route, lernt man zugleich auch die reizvolle Landschaft kennen - den weitläufigen Tavoliere, die Bergwelt um Melfi und ein Stück der abwechslungsreichen Küste Apuliens - sowie schöne Ortschaften, die abseits der Hauptrouten liegen. Zwei Übernachtungen sollten Sie einplanen.

Die Route beginnt in der Provinzhauptstadt Foggia. Vom Palast Friedrichs ist nur das Portal übrig geblieben, heute ist es in den Palazzo Arpi integriert. Dafür kann man sich zum Auftakt der Reise stärken in der Trattoria Zia Marinella (Via Saverio Altamura 23-31 | Tel. 330654510 | So geschl. | €€) in einer Altstadtgasse.

Auf der Staatsstraße SS 17 gelangen Sie nach 18 km nach Lucera im Westen, eine der ältesten Städte Apuliens, in dessen mittelalterlichen Festungsanlagen Friedrich einst seine Sarazenentruppen aus Sizilien untergebracht hatte, die seinen Schatz und die Münze bewachten.

Der Weg nach Melfi führt über Troia mit schöner apulisch-romanischer Kathedrale. Weiter Richtung Süden (SS 160, Schnellstraße SS 655) gelangt man nach Melfi mit stattlichem Kastell (Museum) noch aus der Normannenzeit und schon in der Nachbarregion Basilikata in der Berglandschaft des Monte Vulture gelegen.

Nächstes Ziel ist Lagopesole. Sie sollten nicht die ausgebaute SS 655 nehmen, sondern die sich durch die Berglandschaft windenden Landstraßen SS 401, 167 und 93, vorbei an den Seen Laghi di Monticchio, an Rionero in Vulture und Atella. In herrlicher Panoramalage erstreckt sich in Lagopesole das Jagdkastell Friedrichs. Über Barile und das langobardisch-normannische Venosa geht es weiter nach Palazzo San Gervasio mit Resten einer Jagdburg Friedrichs.

Wer Zeit und Lust hat, sollte einen Abstecher in die gottverlassene Berggegend voller Grotten im Süden Venosas wagen, in die Dörfer albanischen Ursprungs wie Ginestra, Ripacandida (mit der Grottenkirche San Donato), in die sehenswerten Ortskerne von Forenza und Acerenza.

Nächste Etappe ist das sehenswerte Canosa di Puglia. Auf halber Strecke liegt Minervino Murge, auch der „Balkon über dem Tavoliere“ genannt. Hier lädt die Trattoria mit dem viel sagenden Namen La Tradizione Cucina Casalinga (Via Imbriani 11-13 | Tel. 0883691690 | Do geschl. | €) zur Einkehr. Ende September belebt eine eindrucksvolle Prozession zu Ehren des Erzengels Michael die Straßen von Minervino.

Nach Canosa erreichen Sie Andria, wo Friedrichs Sohn Konrad geboren wurde und im Dom zwei seiner Ehefrauen begraben liegen. 18 km südlich erhebt sich über die weite Landschaft aus Rebzeilen und Olivenhainen das eindrucksvollste Kastell des Staufers, das mystisch-esoterische Castel del Monte.

Zurück über Andria führt die Route nun an die Küste nach Barletta. Abgesehen von den schönen Kirchen apulischer Romanik, die die Küstenorte Barletta, Trani, Molfetta und natürlich Bari zu bieten haben, finden sich hier auch die Zeugnisse staufischer Küstenbefestigung: In Barletta baute Friedrich eine arabische Festung aus, in Trani reichen die klaren Formen des Kastells bis ins Meer hinein. Karl von Anjou nahm hier später ein paar Veränderungen vor, während die staufische Version der Festung Baris, der Ausbau einer byzantinisch-normannischen Vorgängeranlage, weitgehend unverändert erhalten ist.

Von Bari geht es über die SS 96 wieder ins Landesinnere nach Altamura auf der sogenannten Murgia Alta, einer Karstschicht. Friedrich baute die uralte Stadt nach ihrer Zerstörung durch die Sarazenen 1230 wieder auf. In dieser Zeit begann auch der Bau der Kathedrale. Hier im Karst von Altamura wurde zudem 1993 das über 200000 Jahre alte Skelett eines Mannes gefunden, zu sehen im Museum.

Ein weiteres Stauferkastell findet sich 32 km östlich in Gioia del Colle. Von dort führt ein Schlenker über die atemraubenden Tropfsteinhöhlen von Putignano und Castellana schließlich wieder südwärts ins Trulli-Gebiet um Alberobello.

Über Ceglie Messapica und Francavilla Fontana erreichen Sie schließlich Oria mit einer eindrucksvollen Stauferanlage. Wer seine Tour so legt, dass er Anfang August in Oria eintrifft, kann einem spektakulären historischen Reiterspiel beiwohnen, zu dem auch ein Stauferumzug in prachtvollen historischen Kostümen gehört: Friedrich mit seinem Geleit aus Damen, Hofleuten, Sarazenen und Falknern - ein passender Abschluss.