Reisetipps Norditalien

Stichworte Norditalien

Borghi

Borghi d'Italia, so nennt sich das Netz, das ausgewählte intakte Burgdörfer, uralte Städtchen mit historischem Flair und beschaulicher Lebendigkeit zusammenfasst und gemeinsam vermarktet - genau die Weiler und Flecken, die Italienreisende aus Mittel- und Nordeuropa so lieben. Sie heißen etwa Apricale (bei Imperia), Vigoleno (bei Piacenza), Dozza (bei Bologna), Barga (bei Lucca) etc. - die vollständige Liste finden Sie auf www.borghitalia.it.

Caffè

Italiens Nationalgetränk ist der espresso, der kleine, konzentrierte Kaffee, den die Italiener caffè nennen. Stark geröstet, hoch konzentriert, als caffè normale gerade mal zwei Finger breit in der kleinen Tasse, wirkt er wie ein Tropfen Lebenselixier. Sage und schreibe 30 Mio. Tässchen gehen tagtäglich über die Tresen der zahllosen Bars. Man trinkt ihn auch ristretto = noch konzentrierter mit weniger Wasser, lungo = lang, etwas verdünnter, macchiato = mit ein paar Tropfen Milchschaum „befleckt“, corretto = mit einem Schuss Grappa oder Brandy „korrigiert“. Den cappuccino trinken die Italiener allerdings nur zum Frühstück. Und der Milchkaffee caffellatte und das Modegetränk latte macchiato haben kurioserweise mehr Erfolg in Deutschland. Im Sommer trinkt man den caffè auch gekühlt als caffè freddo oder als granita, zu Eis kristallisiert.

Italian Style

Wer denkt da nicht gleich an Kreationen der italienischen Modeschöpfer, die ihre weltberühmte Mode zwar in Rom auf der Bühne der Spanischen Treppe vorführen, sie aber in Mailand kreieren und aus den feinen Stoffen aus Como und Biella herstellen lassen. Unter Italian Style versteht man auch eine regelrechte Epoche der Gestaltung, des Designs von Möbeln, Geschirr, Lampen, Autos, Schreibmaschinen, Radios usw., die in den Fünfzigerjahren in Mailand ihren Anfang nahm. Sie erregte weltweit Aufsehen und wurde zum Synonym für ästhetischen, lustbetonten Lebensstil. Der Bogen spannt sich vom legendären Vespa-Roller, von Olivetti-Schreibmaschinen und Sitzmöbeln wie dem berühmten Sitzsack „sacco“ bis zur Gründung von Designstudios wie „Alchimia“ und „Memphis“ des revolutionären Ettore Sottsass mit seinen bunten, schrägen Skulpturmöbeln für Büros und zum Edelstahldesign von Alessi, dem Meister des Designs für schicke Küchengeräte.

Moderne Kunst

In einem Land, in dem seit Jahrhunderten die Großartigkeit der alten Meister die Kunstszene beherrscht, bleibt für zeitgenössische Kunst nicht viel Raum. Das ändert sich: In der letzten Zeit sind interessante Sammlungen, Künstlergärten, neue, auch architektonisch spannende Museen entstanden. Aktive Orte für zeitgenössische Kunst sind vor allem Mailand mit renommierten Galerien, aber auch Turin, etwa mit dem Castello di Rivoli, oder Venedig mit seiner Kunstbiennale. Fern von Markt und Szene zeigt die Villa Manin bei Udine interessante Kunstinstallationen. Und ein Mekka für Kunsttouristen ist das vom Tessiner Stararchitekten Mario Botta gestaltete Museo di Arte Moderna e Contemporanea di Trento e Rovereto beim Gardasee. Skulpturengärten, in denen man sich wie verzaubert verlieren kann, bietet die Toskana, etwa die Privatsammlung berühmter Bildhauer im Park Fattoria Celle in Santomaso bei Pistoia, der Traumgarten der Niki de Saint-Phalle bei Capalbio in der Maremma oder der Garten des Schweizer Bildhauers Daniel Spoerri bei Seggiano in der Südtoskana.

Musica Italiana

Überaus lebendig und vielfältig ist die Musikszene. Wacker halten sich die Altrocker wie Vasco Rossi und Zucchero, der „italienische Joe Cocker“, die nach wie vor ganze Stadien füllen. Das gilt auch für Ligabue und Piero Pelu, die der nachfolgenden Generation angehören. Auf Eros Ramazzotti und den intellektuellen Paolo Conte braucht man nicht hinzuweisen, die kennen die Deutschen fast besser als die Italiener. Erfolgreiche jüngere Gruppen sind Nek, Vibrazioni und Subsonica mit ihrem melodiösen Rock. Die Charts werden derzeit angeführt vom Duo Zero Assoluto, das regelmäßig beim Schlagerfestival in San Remo auf der Strecke bleibt, beim Publikum aber gut ankommt, sowie vom jungen, gefühlvollen Barden Tiziano Ferro. Unter den Frauen stehen im Rampenlicht die international erfolgreiche Laura Pausini sowie Elisa und Carmen Consoli, beide mit recht eigenwilligen Stimmen und Liedern. Italiens Spezialität sind die cantautori, einstmals politisch wie Francesco de Gregori oder lyrisch wie die Balladen des kultig verehrten, 1999 gestorbenen Fabrizio de André aus Genua. Heute überzeugen der melancholisch-intime Sergio Cammeriere, ein echter Tipp, der muntere Daniele Silvestri sowie der sanft rappende Popsänger Simone Cristicchi.

Piazza

Bühne des Lebens und Treibens der Italiener ist die Piazza, der große Platz im Zentrum der Städte und selbst der kleineren Ortschaften. Auch heute hat die Piazza nicht an Bedeutung verloren, trotz der riesigen neuen Einkaufszentren vor den Toren der Städte. Nunmehr ist die Piazza das idyllische, weil meist autofreie Herz der Städte geworden: Man kommt zum Bummeln, die Kinder lernen auf der weiten Piazza Fahrrad fahren, man steht zusammen und schwatzt, die Jungen in ihrer Ecke, die Alten in der Sonne. Zugleich ist die Piazza nach wie vor eine Bühne der politischen Diskussionen, des Protestes und des Feierns. Und die Besucher strecken in den einladenden Straßencafés ihre pflastermüden Beine aus.

Politik

2006 löste der Kandidat des Linksbündnisses Unione, der nüchterne, 67-jährige Wirtschaftsprofessor Romano Prodi, mit äußerst knapper Mehrheit den Strahlemann Silvio Berlusconi des Rechtsbündnisses Casa delle Libertà als Ministerpräsidenten ab. Die Hälfte der Italiener und vor allem das Ausland atmete auf. Ein Regierungschef, der über die Hälfte der Medien Italiens besitzt - Fernsehsender, Zeitungen -, dazu in Bestechungsskandale verwickelt war und in seinem Bündnis die ausländerfeindliche Lega Nord, die nationalpopulistische Alleanza Nazionale sowie entfesselte Marktliberale vereint: Das war mit europäischen Vorstellungen von Demokratie nur schwer in Einklang zu bringen. Doch auch Prodi hat einige unter einen Hut zu bringen: Kommunisten, Gewerkschafter, ein ehrgeiziges urbanes Bürgertum und die sozial orientierten Katholiken, und so jagt eine Regierungskrise die andere. Tatsächlich fehlt es der Linken mit ihren altgedienten Berufspolitikern an neuen Ideen und charismatischen Figuren, und wenn Prodi sagt, er wolle aus Italien ein normales Land machen, dann finden die Italiener das theoretisch sehr lobenswert, aber in der Praxis? Eine Antwort darauf gibt Ihnen der wunderbar humorvolle Blick des italienischen Zeichentrickfilmers Bruno Bozzetto in seinem Sechsminutenstrip „Europe and Italy“ (www.bozzetto.com).

Renaissance

Es heißt, der Schlüssel zum Verständnis der Renaissance, dieser bedeutendsten Kulturepoche nach dem Mittelalter (Ende 14.-16. Jh.), sei die Entdeckung und Anwendung der Perspektive gewesen. Sie nahm den Blick des Betrachters, also des Menschen, zum Maßstab für die Sicht auf die Schöpfung. Mit Donatellos Bronze-David (ca. 1430, im Bargellomuseum in Florenz) betrat zum ersten Mal nach 1000 Jahren wieder ein menschlicher Akt die Kunstbühne. Neue Energien wurden freigesetzt in allen Bereichen der Kunst und bei so unterschiedlichen Künstlern wie Masaccio, Piero della Francesca, Paolo Uccello, dann Michelangelo, Raffael, Leonardo da Vinci, in Venedig Tizian und Giovanni Bellini und vielen mehr. Die Wissenschaftler suchten nicht mehr nur in der Bibel, sondern auch in der Natur nach Erklärungen (Galileo Galilei), und auch die Architektur erneuerte sich mit klaren, klassischen Proportionen (Brunelleschi, Alberti, Bramante). Der Mensch, Zentrum und Maßstab des Universums: So vermisst ihn Leonardo in seiner berühmten Zeichnung, die, als Holzmodell nachgebaut, vor seinem Geburtshaus in Vinci steht.

Slow Food

Der italienischen Slow-Food-Bewegung ist es mit zu verdanken, dass die Italiener die Vielfalt ihrer kulinarischen Traditionen tapfer gegen den Massengeschmack verteidigen, mit besonderen Lokalen, Spezialitätenmärkten, Gastronomiemessen, Geschmackskursen. Und in Colorno bei Parma sowie in Pollenza bei Cuneo gibt es sogar eine Geschmacksuniversität: www.unisg.it.

Sprachen

Schule und Fernsehen haben dafür gesorgt, dass sich die Italiener heute untereinander verständigen können. Das war nicht immer so. Neben den zahlreichen Dialekten haben sogar einige eigenständige Sprachinseln überlebt: In Friaul und in den Dolomiten wird noch Ladinisch gesprochen, das Latein der antiken Räter; Deutsch spricht man in Südtirol, Französisch im Aostatal und in Piemont, so auch vereinzelt Frankoprovenzalisch; und Slowenisch hört man im Karst bei Triest.

Zypressen

Neben dem Ölbaum ist es vor allem der Anblick der hohen, schlanken Zypressen, der Italienbesuchern das Gefühl vermittelt, endlich angekommen zu sein. Als weithin sichtbare Markierung stellen sie sich schützend um ein Bauernhaus oder kennzeichnen als einzelner Baum die Grenze einer Besitzung, Orientierungspunkte in der Landschaft und für den Blick auf diese. Schon die Etrusker schätzten die Langlebigkeit der Zypresse - über 1000 Jahre kann sie alt werden.