Reisetipps Norditalien

Ausflüge & Touren Norditalien

Über den Simplonpass an die Ufer des Ticino bei Mailand

Warum Norditalien nicht einmal von einem Seiteneingang her erkunden? Abseits der großen Strecken können Sie sich bei dieser Tour Zeit lassen für Abstecher in beschauliche Täler und zu ganz besonderen Sehenswürdigkeiten. Die Route führt heran an die Viertausender im Aostatal, durch die Weinlandschaft Piemonts, vorbei an Reisfeldern, zu alten lombardischen Städten und endet mit einer Rad- oder Kanutour durch die naturbelassene Flusslandschaft des Ticino bei Mailand. Für die rund 900 km sollten Sie mindestens fünf bis sechs Tage veranschlagen.

Aus dem Schweizer Rhonetal geht es bei Brig auf der bestens ausgebauten, sommers wie winters geöffneten Schnellstraße Nr. 9 durch die eindrucksvolle Kulisse des Simplonmassivs (Pass 2005 m) nach Domodossola im weiten Tal des Toce. Im Süden der Stadt geleiten Schilder auf den Kalvarienberg, einen für das Piemont typischen Sacro Monte, mit seinem barocken, ungemein lebendigen Figurentheater in 14 Kapellen herrlich auf einer Anhöhe gelegen. Nach 12 km durch das Tocetal gen Süden zweigt rechts das Tal Valle Anzasca ab, das an das majestätische Monte-Rosa-Massiv (4634 m) heranführt. Im Talschluss liegt das pittoreske Dorf Macugnaga, eine alte Walsersiedlung, Basis für Touren auf den Monte Rosa und in der Hochsaison recht überlaufen. Aus dem Tal zurück, führt die Route nun bei Omegna an den Lago d'Orta, den kleinsten und beschaulichsten der Oberitalienischen Seen. Sich rechts vom See haltend, zweigt nach 7 km rechts eine Straße ab, die über Arola nach Varallo durch steiles, mit dichter Vegetation bedecktes Mittelgebirge führt. Oberhalb Varallos liegt der wohl schönste, stimmungsvollste Sacro Monte Piemonts. Am Eingang lädt das charmante Hotel Sacro Monte mit ordentlichem Essen ein (24 Zi. | Restaurant Mo geschl. | Tel. 016354254 | Fax 016351189 | www.sacromontealbergo.it | €). Die Gegend ist berühmt für fein gewebte und geklöppelte Tischwäsche.

Von Varallo gelangt man in den oberen Teil der Talschaft Valsesia, die am Fuße des Monte Rosa mit dem Bergstädtchen Alagna Valsesia endet, mit seinen alten, verwitterten Bergbauernsiedlungen der Walser ebenfalls ein beliebtes Ausflugsziel und Basis für Ski- und Wandertouren. Wieder zurück in Varallo, folgt man dem Fluss Sesia nach Süden, um bei Gattinara nach Biella auf die SS 142 abzuzweigen.

Die SS 338, eine landschaftlich schöne, kurvenreiche Strecke, führt von hier weiter nach Ivrea, einem vom Elektronikkonzern Olivetti geprägten Industriestädtchen (25000 Ew.) mit altem Kern. Beim Werksgelände stößt man auf interessante Architektur von Werkswohnungen (1920-1970).

Für Romantiker eignet sich etwa 5 km nordöstlich bei Chiaverano d'Ivrea das zauberhafte Wellnesshotel Castello San Giuseppe (29 Zi. | Tel. 0125424370 | Fax 0125641278 | www.castellosangiuseppe.it | €€-€€€).

Nächstes Ziel ist das Aostatal mit seiner mächtigen Bergkulisse und zahlreichen stattlichen Burganlagen, von Ivrea aus entweder auf der Autobahn A 5 zu erreichen oder, schöner, auf der SS 62. Einen Besuch lohnt der hübsche Hauptort Aosta. Neben den berühmten Feriengebieten an den Südflanken der höchsten Berge Europas wie Courmayeur am Mont Blanc und Breuil-Cervinia am Matterhorn erhebt sich im Süden Aostas die Berglandschaft des Gran Paradiso, der größte alpine Nationalpark Italiens, in den drei Täler hineinführen.

Zum ersten Kennenlernen dieser Bergwelt eignet sich das Tal Valsavarenche, in das man sich ca. 12 km westlich von Aosta bei Introd hinaufwindet zwischen steilen, bewaldeten Berglehnen, in die der Fluss Savara das Tal gegraben hat. In der Mitte des Tals liegt der Hauptort Valsavarenche, im folgenden Eau-Rousse empfiehlt sich zum Speisen und Schlafen das Gasthaus A l'Hostellerie du Paradis (30 Zi. | Tel. 0165905972 | Fax 0165905971 | www.hostellerieduparadis.it | €) in rustikaler, malerischer Umgebung. Den Talschluss bildet der Bergort Pont, Ausgangspunkt für herrliche Touren auf Hütten und Gletscher.

Über dieselbe Strecke geht es wieder aus dem Aostatal heraus und über Ivrea in die Ebene. Bei Chivasso 35 km südlich von Ivrea ist der Fluss Po erreicht. An dieser Stelle kann der Besuch der Stadt Turin in die Route eingebaut werden.

Das nächste Ziel sind die mit Wein bewachsenen Hügel des Monferrato nordwestlich von Asti, nicht weniger reizvoll als der unter Schlemmertouristen berühmtere Süden des Monferrato und die Langhe zwischen Asti und Alba. Hier oben lohnen, neben der schönen Hügellandschaft und den Gelegenheiten zum Weinkauf, einige eindrucksvolle Sehenswürdigkeiten: 20 km südlich von Chivasso führt eine Rechtsabzweigung von der SS 458 zur romanisch-gotischen Abbazia di Vezzolano, einem der herausragenden Baudenkmäler Piemonts.

Wieder zurück auf der SS 458, geht es nach 5 km links auf eine Straße durch die Hügel nach Cocconato mit gotischem Palast und nach Montiglio mit einer Burganlage, deren Kapelle im Park einen einzigartigen Freskenzyklus (14. Jh.) hütet. Weiter führt die SS 590 nach Serralunga di Crea mit einer weiteren dieser urig-theatralischen Wallfahrtsstätten, dem Sacro Monte di Crea.

Den herrlichsten Blick auf die Hügel, die Alpen und die Poebene hat man von Moncalvo aus. Zur Einkehr empfiehlt sich dort die Trattoria Ametista (Mi geschl. | Piazza Antico Castello | Tel. 0141917423 | €€) mit einfallsreicher Küche oder im nahen Cioccaro di Penango die romantische Locanda del Sant'Uffizio (31 Zi. | tgl. | Tel. 0141916292 | Fax 0141916068 | www.thi.it | €€€).

Über die sympathischen Kleinstädte Casale Monferrato und Mortara geht es nun durch die Lomellina, die Ebene des Reisanbaus, und weiter zu den schönen lombardischen Städten Vigevano und Pavia und der berühmten Kartause von Pavia. Von Pavia bis weit hinauf jenseits von Magenta und Oleggio erstreckt sich die unter Naturschutz gestellte Flusslandschaft des Parco Fluviale del Ticino, eines der größten Flussparks in Europa. Aus dem Lago Maggiore kommend, zieht er sich als ein Mäander aus Schleifen, Nebenarmen, Tümpeln durch Kies- und Sandbetten zwischen Eichen- und Pappelwäldern bis zur Mündung in den Po bei Ponte della Becca südlich von Pavia - eine Oase zum Wandern und Radfahren im Südwesten von Mailand.

So mag die Padania, die große Ebene Norditaliens, vor ihrer Industrialisierung und Zersiedelung einmal ausgesehen haben. Über das Parkgebiet rechts und links der Flussufer verteilen sich sieben am Wochenende geöffnete Besucherzentren mit Kartenmaterial und Hinweisen zu Rad- und Kanuverleih. Der Hauptsitz befindet sich bei Magenta im Ortsteil Ponte Vecchio di Magenta (Parco del Ticino | Via Isonzo 1 | Mo-Do 9-12 und 14-17, Fr 9-12 Uhr | Tel. 0297210205). Infos zu allen Aktivitäten unter www.parcoticino.it.

Dank der flachen Landschaft und der gut ausgeschilderten Wege und Sträßchen kann man sich die Rundtour hinauf nach Oleggio und zurück am anderen Ufer sicher zumuten (rund 60 km). Oleggio lohnt wegen seines interessanten Bauern- und Handwerksmuseums (Museo Etnografico | Mo-Fr 9 bis 12, Sa 15-18 Uhr | Piazza Bertotti) und wegen der Einkehr bei „Katze und Fuchs“ in der Osteria Il Gatto e la Volpe (Sa-Abend und So geschl. | Via Nebulina | Tel. 0321998256 | €€).

Neben Radfahren und Wandern zählt Kanufahren zu den beliebtesten Sportarten am bzw. auf dem Fluss. Ein wichtiger Tipp für den Besuch des Ticinoparks im Sommer: Anti-Mücken-Mittel nicht vergessen!

In die Sanften Hügel des Montefeltro

Als Ergänzung zu Strandferien an der Adria ist diese zweitägige Rundreise (ca. 300 km, Ausgangspunkt Rimini) in die Hügel der einstigen Markgrafen von Montefeltro gedacht. Die Landschaft präsentiert sich mal bäuerlich-beschaulich mit gelben Korn- und Sonnenblumenfeldern, Olivenhainen und Eichenwäldern, mal für den Apennin typisch ruppig-rau. Auf den Kuppen verstreut erheben sich Burgen und alte Städtchen.

Die Tour beginnt mit dem weiten Marecchiatal im Hinterland Riminis, das hinaufführt zum Burgdorf Verucchio, dann weiter auf die hoch auf der Bergkuppe gelegene älteste Republik Europas, San Marino, und schließlich zur Festung San Leo (583 m), uneinnehmbar auf steilem Fels gelegen mit phantastischem Ausblick. Ein Speise- und Übernachtungstipp ist das von jungen Deutschen nett geführte Landhotel Pian del Bosco (10 Zi. | Tel. 0541927600 | Fax 0541927180 | www.piandelbosco.com | €) mit Pool und Tennis 15 km westlich von San Leo in Perticara bei Novafeltria.

Nächstes Ziel im Marecchiatal ist Pennabilli, bekannt durch eine Antiquitätenmesse im Juli und durch die Gärten mit alten Obstbäumen, in denen die verspielt-philosophischen Skulpturen von Tonino Guerra stehen, dem Poeten, Ideenspender und Drehbuchautor für die großen italienischen Filmregisseure Federico Fellini und Michelangelo Antonioni.

Von Pennabilli windet sich die Straße durch dichte Wälder, ein Wanderparadies, hinauf nach Carpegna, wo ein besonders guter Schinken produziert wird. Die Gegend ist ein Refugium für Künstler und Intellektuelle: So verbringt Umberto Eco den Sommer in Monte Cerignone, und der Bildhauer Arnoldo Pomodoro initiierte ein Sommersymposium für junge Metallkünstler auf den Plätzen und in den Gemäuern des uralten Dörfchens Pietrarubbia.

Die Tour führt weiter zum abseits gelegenen, stimmungsvollen Kloster Convento di Montefiorentino (13. Jh.) mit feiner Renaissancekirche. Es folgen zwei einladende Städtchen, zunächst Urbania mit farbenfrohen Keramikläden im mittelalterlichen Zentrum. Im Palazzo Ducale, in dem der letzte Herzog von Montefeltro 1631 starb, zeigt heute ein Museum (Di-Fr 10-12 und 15-18, Sa/So 14-19 Uhr) u.a. Globen und Weltkarten des großen Kartografen Gerhardus Mercator (16. Jh.). Attraktionen in der Nähe sind das Naturschauspiel der Schlucht Gola del Furlo und die Trüffeln von Acqualagna im renommierten Restaurant Antico Furlo (Mo-Abend und Di geschl. | Gola del Furlo | Tel. 0721700096 | www.anticofurlo.it | €€€), das auch sieben Zimmer (€) mit altmodischem Flair zum Übernachten bereithält. Schließlich erreichen Sie das traumhafte Urbino, die einstige Residenzstadt der Montefeltro.

Von Urbino geht es zurück ans Meer, zu den lebhaften Küstenstädten Fano und Pesaro: zunächst gen Süden über Acqualagna auf der antiken Via Flaminia durch den von den Römern gegrabenen Straßentunnel durch die Furloschlucht nach Fossombrone, das eine mächtige Burganlage krönt. Ein Tipp in Fano: Eine Fischergenossenschaft tischt im Sommer köstliche Gerichte aus frischen Sardinen, Sardellen oder Makrelen auf im nüchternen Self-Service Al Pesce Azzurro (Mo geschl. | Viale Adriatico 48 | Tel. 0721823644 | www.pesceazzurro.com | €). Die Küste entlang geht es von Pesaro über Gabicce Mare zurück nach Rimini.