Reisetipps Norditalien

Auftakt Norditalien Was für ein Land!

Bella Italia ist wieder angesagt, und Norditalien hat besonders viel von diesem „schönen Italien“ zu bieten. Urlaub an den von Villen gesäumten Oberitalienischen Seen, an der palmenreichen Küste Liguriens, an den Sandstränden der Adria, in den Trattorien Piemonts und Gasthäusern Südtirols verheißt Genuss und Spaß. Vieles präsentiert sich modern designt, und das Sportangebot in den Alpen und am Meer reagiert auf jeden neuen Trend. Durch Städte wie Turin und Genua weht ein frischer, junger Wind, aber auch die kleineren wie Ferrara, Udine, Urbino, Siena zeigen nicht nur ihre Schätze, sondern modernes, mediterranes Lebensgefühl.

Norditalien ist stramoderno und straricco, supermodern und superreich - in Europa steht es ganz oben auf der Liste der wohlhabenden, hoch entwickelten Regionen. Von wegen Dolcefarniente, süßes Nichtstun: In Norditalien wird hart gearbeitet, die von Industrieanlagen vielerorts zersiedelte Landschaft vor den Toren der großen Städte führt das deutlich vor Augen.

Das heißt aber auch, dass die Lebensqualität sehr hoch ist, was sich in der italienischen Lebensart niederschlägt (und seinen Preis hat): Man kann hier sehr gut essen - ein vergleichbares Niveau, einen vergleichbaren Variantenreichtum an Lebensmitteln und Zutaten wird man nur schwerlich anderswo finden. Man kann hier sehr gut trinken - in Nord- und Mittelitalien liegen einige der weltweit besten Weinanbaugebiete. Man kann sich hier aber auch sehr gut, schick und elegant einkleiden. Die Norditaliener haben es geschafft, trotz allgemeiner Textilkrise hochwertige Produktionszweige im Land zu behalten, wie etwa den der Seiden- und Brokatstoffe um Como, die Kaschmirverarbeitung in Piemont sowie feines Schuhwerk in Venetien und den Marken.

Die schönen Zentren der alten Städte sind gepflegt und restauriert, einladende Cafés säumen die Plätze; hier sitzt man und erholt sich vom Schlendern und Schauen und überlegt sich beim Campari oder Cappuccino, in welche reiche Gemäldesammlung, in welche kunstvolle Kirche aus Mittelalter, Renaissance oder Barock man als Nächstes gehen wird - das Erbe eines sagenhaften Kunstschaffens, wie es kein anderes Land Europas im Laufe der Jahrhunderte zustande gebracht hat.

Aber auch die zeitgenössische Kunst findet zunehmend ihren Raum: In und um Turin, in Mailand, in der Toskana begegnet man in Galerien, Villen und Gärten interessanten Avantgardeinitiativen, ober- und mittelitalienische Städte wie Treviso, Verona, Ferrara, Prato, Siena landen regelmäßig in den Schlagzeilen wegen aufregender Kunstausstellungen.

In der Sommerzeit überziehen zudem hochkarätige Festivals mit Tanz, Theater und Oper, mit Klassik, Jazz und Rock das Land - Schauplätze sind schöne Piazze, antike Theater und Arenen aus der Römerzeit, Villen, Palazzi, mittelalterliche Burgdörfer. Und die beiden berühmtesten Tempel des italienischen Melodramas, die Opernhäuser La Scala in Mailand und La Fenice in Venedig, präsentieren sich nach Restaurierung bzw. Wiederaufbau nun wieder in Hochform. Hinzu kommt die Club- und Diskokultur längs der Adriaküste bei Rimini und Riccione, die allsommerlich Massen von Jugendlichen anzieht.

Aktivurlauber haben die Wahl zwischen für alle neuen Trends bestens gerüsteten Skigebieten im Alpenkranz, Wandergebieten im Apennin und in den Hügeln der Toskana und Umbriens, Radtouren im Veneto und in der flachen Poebene und jeder nur erdenklichen Sportart auf dem Wasser, sei es am Meer oder an den Oberitalienischen Seen.

Kurz, wer sich auf eine Reise nach Norditalien begibt, kann sich auf eine komplexe, lebendige Welt gefasst machen. Das fängt schon an mit der vielfältigen Landschaft und der wechselvollen Geschichte der einzelnen Regionen: Da ist im Nordwesten die Talschaft Valle d'Aosta, Italiens kleinste Region inmitten der höchsten und mächtigsten Bergmassive Europas, durch die Nähe zu Frankreich stark frankophil geprägt.

Ein klassisches Grenzland ist auch das deutschsprachige Südtirol (ital. Alto Adige) auf der Südseite des Brenners; seit dem Ersten Weltkrieg gehört es zu Italien. Dank Wohlstand durch einen florierenden Bergtourismus und ein Autonomiestatut ist die Region nunmehr gut integriert. Südtirol teilt sich mit der südlich angrenzenden Provinz Trentino und mit dem Veneto die Dolomiten - mit ihren splittrig zugespitzten Zacken und steilen Blöcken aus hellem Kalkgestein eine faszinierende Bergwelt.

Im Nordosten folgt das Friaul mit den Karnischen Alpen und dem kalkig-porösen Karst, Pufferzone zum Osten Europas und im Mittelalter eine Hochburg der Langobarden - ihre Zeugnisse zählen ebenso zu den großen Sehenswürdigkeiten wie die herrlichen Basiliken des frühen Christentums in Grado, in Aquileia, in Ravenna.

Die grandiose Wasserstadt Venedig beherrschte einst die Weltmeere und das venetische Hinterland. Ihre Lagune liegt über dem Delta des großen Flusses Po, der ganz Norditalien von West nach Ost durchfließt: An seine Ebene grenzt das Bergland des Piemont mit der strengen Stadt Turin, die Lombardei mit dem kosmopolitischen Mailand. Zu seiner Ebene hin öffnen sich auch die Oberitalienischen Seen, im Norden noch fjord-artig in die Felsen geschmiegt, nach Süden hin offen zum milden Mittelmeerklima, sodass etwa am Gardasee Zypressen, Oliven- und Zitronenbäume gedeihen. Das flache Schwemmland der Poebene liefert mit seinen ausgedehnten Siedlungsflächen für zahllose Industriebetriebe und mit seinem fruchtbaren Ackerboden den Reichtum der Lombardei und der Emilia-Romagna.

Südlich der Poebene erhebt sich der Apennin, der Mittelgebirgszug, der Italien bis hinunter in die Stiefelspitze durchzieht. Zur zentralen Hügellandschaft des Apennins, die die Toskana, Umbrien und die Marken eint, gehören in allen drei Regionen schöne mittelalterliche Klosteranlagen und einmalige Städte: Städte etruskischen oder römischen Ursprungs, Städte mit Blütezeiten im Mittelalter, alte Seerepubliken und die Städte der Renaissance, dieser großen italienischen Kulturanstrengung des 15. und 16. Jhs., die sich von Florenz aus in ganz Europa verbreitete und neue Maßstäbe setzte.

Und das Meer, der Strand? Da ist im Westen zunächst die tyrrhenische Küste - die Blumenriviera und die Felsriviera, dann die langen, familienfreundlich flachen Sandstrände der Toskana im Schatten der Schirmpinien, immer wieder gesprenkelt mit Flecken mondänen Badelebens. Auf der anderen Seite des Stiefels lockt die breite, feinsandige Adriaküste - sie beginnt oben im Nordosten bei Triest an der Grenze zu Slowenien und zieht sich bis hinunter in die Marken: eine nicht abreißende Kette von Strandbädern, eine gigantische Industrie des Badeurlaubs mit stets den allerneuesten Sport- und Vergnügungsangeboten.

Im Trend liegt auch der Naturschutz, nach langen Jahren wilden Raubbaus. Das wird in vielen Küstenorten mit der Blauen Fahne belohnt, der europäischen Auszeichnung für sauberes Wasser und schonenden Umgang mit der Natur. Und aus vielen der historischen Stadtkerne werden nun die Autos verbannt. Inmitten ihrer Überfülle an alten Schätzen führen die Norditaliener ein hochmodernes Leben, das sich mit all seinen Facetten immer wieder neu zu entdecken lohnt.