Reisetipps Irland

Stichworte Irland

Bevölkerung

Spätestens seit der großen Hungersnot 1845 war das Armenhaus Europas ein klassisches Emigrationsland. Seit Beginn des 21. Jhs. jedoch kehren wegen des Wirtschaftsbooms immer mehr Iren in die Heimat zurück. Irland ist eine junge Gesellschaft, das Durchschnittsalter der 4,1 Mio. Einwohner liegt bei 35 Jahren. Zwar nimmt die Zahl der Kinder pro Familie wie in ganz Europa ab, jedoch sind immer noch 21 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahre alt, weitere 50 Prozent sind jünger als 28 Jahre und nur 11 Prozent sind älter als 65 Jahre. Die Republik Irland gehört zu den am dünnsten besiedelten Ländern Europas. Ein Drittel der Einwohner lebt im Großraum Dublin, so dass große Gebiete wie menschenleer wirken. 60 Prozent aller Iren leben in den Städten.

Fauna und Flora

(Hoch-)Moore, Dünen und Feuchtland konnten in Irland überdauern. Eine botanische Schönheit ist der Burren in der Grafschaft Clare: Auf karbonhaltigem Kalkstein wachsen sowohl arktische und alpine als auch mediterrane Pflanzen wie seltene Orchideen. Subtropische Bäume und Pflanzen gedeihen bei Killarney und Glengariff (Kerry). Die irischen Wälder wurden im 17. Jh. zum großen Teil gerodet, so dass heute nur noch wenige Waldflächen erhalten sind.

Knapp 400 Vogelarten sind in Irland beheimatet. Die spektakulären Kliffen entlang der West- und Südwestküste sowie Hunderte von Inseln sind die Heimat riesiger Vogelkolonien. In den zahlreichen irischen Gewässern leben vor allem Lachs und Forelle. Ca. 250 Meeresfischarten schwimmen in den Seegebieten.

Gälisch

Als Gaeltacht-Gebiete werden die Regionen im Westen Irlands bezeichnet, in denen die irische Sprache Gälisch noch heute gesprochen wird und in denen die traditionellen Sitten und Gebräuche erhalten geblieben sind. Vermutlich kam die Sprache, ein Zweig der keltischen Sprachfamilie, im 1. Jh. v. Chr. nach Irland. Im 19. Jh. wurde sie von den Briten durch Englisch ersetzt. In den 1890er-Jahren versuchte man, Gälisch wiederzubeleben. Offiziell ist Irland heute zweisprachig. Es beherrschen aber nur noch fünf bis zehn Prozent der Iren die Sprache ihrer Ahnen. Ca. eine Million Bilingualer, die Gälisch wie eine Fremdsprache an der Schule gelernt haben, verstehen sie trotzdem mehr oder weniger gut.

Gärten

Das milde irische Klima, hervorgerufen durch den warmen Golfstrom, und häufige kurze Regenschauer haben eine einzigartige Vegetation geschaffen, die in Europa ihresgleichen sucht. Insbesondere in den verschwenderisch angelegten irischen Gärten gedeiht eine ungeheure Vielfalt an Bäumen, Büschen und Blumen. Häufig umgeben parkartig angelegte Gärten, teilweise mit Golfplatz, ein historisches Gebäude, etwa ein Schloss, eine Burg oder einen Gutshof. Vor über einem Jahrhundert geschaffene kunstvolle Anlagen mit majestätischen Rosenarrangements, exotischen Palmen, Rhododendren, Lilien, Farnen und Kamelien, mit kargen Steingärten und Wasserspielen wurden harmonisch in die sie umgebende Landschaft mit ihren Bergen, Seen und Hügeln integriert.

Hungersnot

The great famine, die größte Katastrophe in der irischen Geschichte, ereignete sich 1845-1849. Schuld an der Misere war eine schreckliche Armut, hervorgerufen durch englische Misswirtschaft: Der Landbesitz der Iren war zumeist in den Händen englischer Großgrundbesitzer, Getreide und Vieh mussten massenhaft nach England verschifft werden. Die irischen Bauern waren so arm, dass ihr einziges Nahrungsmittel die Kartoffel war, nur selten ergänzt durch Milch und Fisch. Zwischen 1816 und 1842 hatte es schon über ein Dutzend kleinere und größere Kartoffelkrankheiten gegeben. Im Herbst 1845 wurde die Kartoffel erneut von einer Pilzkrankheit befallen. In diesem und in den darauf folgenden Jahren wurden die Ernten, die die Lebensgrundlage der Menschen bildeten, komplett vernichtet. Während dieser Zeit starben eine Million der damals 8,5 Mio. Iren, ebenso viele mussten auswandern.

Katholische Kirche

88 Prozent der Iren sind katholisch, und dies lässt sich im Alltag nicht übersehen: Am Sonntagmorgen sind die Straßen um die Kirchen mit parkenden Autos zugestellt. In Erziehung und Bildung (Schulen, Universität), im Gesundheitswesen (Kliniken) und im Sozialwesen (soziale Dienste) übernimmt die Kirche vielfältige Aufgaben des Staates. Der Schwangerschaftsabbruch bleibt auf Betreiben des Klerus nach einem Volksentscheid verfassungswidrig, jedoch sind Scheidung und Verhütungsmittel heute erlaubt.

Landwirtschaft

In Irland gibt es 8,4 Mio. Schafe, die unübersehbar das Landschaftsbild prägen, doch ihr wirtschaftlicher Ertrag ist eher gering. Die Landwirtschaft, einst Irlands wichtigster Erwerbszweig, beschäftigt heute nur noch 7 Prozent der Werktätigen (28 Prozent arbeiten in der Industrie und 65 Prozent im Dienstleistungsbereich) und trägt mit nur 5 Prozent (Industrie 46, Dienstleistungen 49 Prozent) zum Bruttoinlandsprodukt bei.

Moore

Ein Geruch von Torf liegt über den irischen Dörfern, aufsteigend aus den Mooren und Feuern. Wer in Irland ein Grundstück erwirbt, erhält manchmal noch die alten turbery rights, das Recht, auf dem dörflichen bog das braune Gold Irlands zu stechen. Noch zu Anfang des 19. Jhs. waren 15 Prozent der Inselfläche mit Torfmooren, bogs genannt, bedeckt. Neben dem industriellen Abbau durch die 1946 gegründete Bord na Mona, die Torfkraftwerke betreibt, wird traditionell von Hand gestochen. Viele Gebiete stehen mittlerweile unter Naturschutz, auch jene des 7 m tiefen und 10000 Jahre alten Clara Bog in der Grafschaft Offaly.

Musik

Die Iren sind nicht nur große Geschichtenerzähler, sondern auch virtuose Musikanten. Am weitesten verbreitet sind Akkordeon, Blechflöte, Geige (fiddle), Bodhran-Trommel (aus Ziegenfell), Violine, Querflöte und uilleann pipe, die irische Variante des Dudelsacks. Seit den 1960er-Jahren gibt es eine Bewegung, die die traditionelle Musik wieder aufleben lassen will, eingeleitet vom Komponisten Sean O'Riarda. Seitdem treffen die Musiker verstärkt zu Sessions, in Irland auch seisiun genannt, zusammen, bei denen ausgelassen gesungen, getanzt und musiziert wird. Bei Traditionalisten umstritten sind dagegen populäre und weltweit erfolgreiche Irish-Dance-Musicals wie „River Dance“oder „Lord of the Dance„.

Politik

Der irische Staat, der sich 1949 konstituierte, ist eine parlamentarische Republik. Das Parlament besteht aus zwei Kammern, dem Abgeordnetenhaus (Dail Eireann, 166 Mitglieder) sowie dem Senat (Seanad Eireann, 60 Mitglieder). Im Zentrum der Außenpolitik stehen die Wiedervereinigung mit dem zum United Kingdom gehörenden Nordirland, die Politik in der Europäischen Union und die Unterstützung von Ländern der Dritten Welt. Irland ist kein Nato-Mitglied.

St. Patrick

Die wichtigste Figur des irischen Katholizismus ist der heilige Patrick, Irlands Schutzpatron. Der häufigste Name ist daher in Irland Patrick (Paddy). Der um 385 in Wales Geborene wurde um das Jahr 400 von Piraten auf die Grüne Insel verschleppt. Patrick floh nach Frankreich, erlangte dort die Priesterwürde und kehrte 432 als Missionar nach Irland zurück. Dort gründete er Kirchen, Klöster und Schulen und ernannte Priester, wurde schließlich Bischof. Anhand eines dreiblättrigen Kleeblatts versinnbildlichte er den Iren die Dreifaltigkeit. Zum Wallfahrtsort wurde der Berg Croagh Patrick, auf dessen Gipfel der Heilige 441 angeblich 40 Tage fastete und alle Schlangen ins Meer trieb. Am 17. März 461 starb Patrick in Nordirland.

Travellers

Es gibt in Irland etwa 25000 so genannte Nichtsesshafte oder auch tinkers. Man sieht ihre Wohnwagen und Camps gewöhnlich an den Straßenrändern. Ihre Herkunft ist ungeklärt. So weiß man nicht, ob die travellers nach der großen Hungersnot auf die Straße gingen. Sie sprechen Englisch, trotzdem hat ihre Muttersprache, Cant, überlebt. Viele Travellers sind sehr abergläubisch: Die Farbe Rot zum Beispiel dient der Abschreckung gegen den bösen Blick. Dies erklärt auch, warum ihre kleinen Kinder rote Schleifchen im Haar tragen. Auch Schwarz und Weiß haben ihre Funktion: An Campierplätzen zurückgelassene rote und weiße Tücher verweisen auf einen guten Platz, schwarze Tücher hingegen bedeuten Ärger, beispielsweise mit den Sesshaften.

Wetter

Das irische Wetter ist natürlich schön - zwischen den Regenschauern, between the showers, wie die Iren augenzwinkernd verraten. Aber Spaß beiseite, in Irland gibt es in der Tat lots of weather, etwa zu übersetzen mit „jede Menge Wetter“. Der wärmende Golfstrom sorgt für ein ganzjährig mildes Klima. Weiße Winter sind außerordentlich selten, und im Sommer steigt das Thermometer kaum über 20 Grad. Beständige Südwestwinde sorgen für eine dauernde Brise. Ein häufiger Begleiter ist der Regen, meist als kurzer Schauer oder Irish mist, das heißt Sprühregen.

Wirtschaft

1973, beim Eintritt Irlands in die EG, lag das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Person bei 60 Prozent des EU-Durchschnitts; Irland war damals das ärmste Land der Neunergemeinschaft. Nach 35 Mrd. Euro Zuschüssen und starker wirtschaftlicher Entwicklung liegt das BIP p. P. heute bei 125 Prozent des EU-Durchschnitts, das Pro-Kopf-Einkommen gehört zu den höchsten der EU. Und die Wirtschaft wächst weiter. Die Zahl der Arbeitslosen lag zuletzt (2007) bei 4,2 Prozent - das entspricht der drittniedrigsten Quote in Europa.