Reisetipps Heidelberg

Sehenswertes Heidelberg Neckar, Schloss und Lebensfreude

Wie man sein Herz verliert und die Liebe zu einer Stadt entdeckt

Heidelberg in ein paar Stunden? Das kann man natürlich machen. Aber eigentlich ist die Stadt für schnelles Sightseeing nicht geschaffen. Was begeisterte Dichter, Maler und Philosophen zu allen Zeiten faszinierte, verlangt auch heute nach etwas Zeit und Muße.

Die Heidelberger Altstadt unterteilt sich in die genaueren Bezeichnungen „unne“ und „owwe“, also „unten“ und „oben“. Ihr unterer, d. h. westlicher Teil beginnt am Bismarckplatz und reicht bis zum Universitätsplatz. Dort, also „owwe“, beginnt die historische Altstadt. Allein hier begegnet man an jeder Ecke den steinernen Zeugen der bewegten Geschichte – dazu gehört mit an erster Stelle die 1386 gegründete Universität. Die schillernde Vergangenheit der Stadt können Sie aber auch bei einem Museumsbesuch erleben: So präsentieren beispielsweise das Kurpfälzische Museum, die Friedrich-Ebert-Gedenkstätte und das Universitätsmuseum beeindruckende Exponate.

Die Hauptstraße, die Einkaufsmeile der Stadt, ist ein Magnet für Besucher. Doch auch in den Gassen werden Shoppingfans fündig, und gleichzeitig gibt es in Innenhöfen oder an Hausgiebeln viel Schönes und Interessantes zu entdecken. Nehmen Sie sich Zeit zum Bummeln – und denken Sie daran, bequeme Schuhe anzuziehen, denn die meisten Wege in der Altstadt sind mit Kopfsteinpflaster befestigt.

Auf einem Spaziergang lassen sich auch das Schloss und der Schlossgarten erkunden. Hier versteht man so manchen verzauberten Dichter, der hier einst lustwandelte. Ebenso kann es Ihnen auf der anderen Neckarseite ergehen: auf dem Philosophenweg, der zu den schönsten Höhenpromenaden Europas zählt (s. Stadtspaziergang Nr. 1).

Neben der Altstadt, wo das Herz von Heidelberg schlägt, warten noch andere Stadtteile auf Ihren Besuch: Neuenheim, die feine Adresse über dem Neckar, das alte, beschauliche Handschuhsheim mit seiner Tiefburg aus dem 13. Jh., das neu entdeckte Bergheim und die Weststadt mit ihren prachtvollen Bürgerhäusern.

Alte Brücke

„Die Brücke zeigt sich von hier aus in einer Schönheit wie vielleicht keine Brücke der Welt …“, mutmaßte Johann Wolfgang von Goethe 1797, als er sie zum ersten Mal sah. Und in der Tat hätte sie den Schmuck der drei Standbilder, die allesamt Kopien sind, gar nicht nötig, um ihre ureigene Schönheit zu zeigen. Das Ensemble von Brücke und dazugehörigem Tor, das zu einem kleinen Ankunftsplatz führt, war zu allen Zeiten ein beliebtes Motiv für Maler und Fotografen.

Die Karl-Theodor-Brücke, wie sie offiziell heißt, wurde im Laufe ihrer Geschichte neunmal aufgebaut, zuletzt 1788. Von acht Pfeilern getragen, ist die heutige Version erstmals ganz aus Stein. Der Barockfürst Karl Theodor ließ sie errichten, wofür er ein Standbild auf der Brücke erhielt, das gute Nachbarschaft mit der Pallas-Athene-Statue pflegt. Im richtigen Leben allerdings war die Freundschaft des Kurfürsten mit der Göttin der Künste und der Wissenschaft weniger fruchtbar: Unter seiner Regentschaft (1742–99) büßte die Heidelberger Universität viel an Bedeutung ein. Durch den letzten Brückenbau musste das Standbild des Brückenheiligen Johannes von Nepomuk auf den nördlichen Brückenkopf ausweichen. Das doppeltürmige Brückentor ist seit dem Spätmittelalter in seiner Grundform erhalten. Die Türme dienten ehemals als Kerker sowie als Wohnort des Brückenwächters. Linie 34 Alte Brücke

Bergbahn

Eine Fahrt mit der Heidelberger Bergbahn ist zu jeder Jahreszeit ein Erlebnis, denn die gesamte Strecke bis zu Heidelbergs Hausberg, dem Königstuhl (568 m), gibt schöne Blicke auf die Stadt frei. Der Protest der Heidelberger war groß, als der Plan laut wurde, die historische Bahn aus Sicherheitsgründen durch eine moderne Bahn zu ersetzen. Letztendlich wurde entschieden, die beiden historischen Wagen, die zwischen Molkenkur und Königstuhl verkehren, vollständig zu restaurieren und so ein wahres Kleinod Heidelbergs zu erhalten. Heute treffen hier zwei Superlative aufeinander: Die Bahnen im unteren Bereich gelten als modernste Bergbahn Deutschlands, die obere Strecke wird von der ältesten elektrisch betriebenen Standseilbahn befahren. Die Talstation befindet sich am Kornmarkt. www.bergbahn-heidelberg.de

Deutsches Apothekenmuseum

Seit 1957 hat das Deutsche Apothekenmuseum im Heidelberger Schloss sein Domizil. Die Eingangstür unter der Freitreppe des Ottheinrichsbaus führt die Besucher direkt in die Gewölbe der ehemaligen Schlossküche. Hier sind heute neben der alten Arzneimittelsammlung „Materia medica“ die vielen Apothekengefäße und Geräte aus der Zeit ausgestellt, als Pillen und heilsame Elixiere noch von der kundigen Hand des Apothekers hergestellt wurden. Auch die Kräuterkammer fehlt ebenso wenig wie ein komplettes Laboratorium mit Destillieranlage. Tgl. 10–17.30 Uhr, 24. und 31. Dez. 10–13 Uhr, 25. Dez. geschl., Führungen nach Vereinbarung | Eintritt Schloss und Museum 3 Euro | Schlosshof 1 | Tel. 25880 | www.deutsches-apotheken-museum.de | Bergbahn Station Schloss

Heiliggeistkirche

Der gotische Kirchenbau am Marktplatz und das gegenüberliegende Hotel Zum Ritter sind die einzigen großen Bauten der Stadt, die von den Zerstörungen während des Pfälzischen Erbfolgekriegs (1689–93) verschont blieben. In der ersten Hälfte des 15. Jhs. erbaut, erfüllte das Gotteshaus religiöse und weltliche Funktionen: Grablege der Kurfürsten, katholische, dann evangelische Pfarrkirche, Festsaal der Universität und Aufbewahrungsort der einstmals bedeutendsten europäischen Büchersammlung, der Bibliotheca Palatina. Der Bücherschatz war auf den dafür vorgesehenen Emporen aufbewahrt, was die eigentümliche Breite der beiden Seitenschiffe und die relativ enge Form des Kirchenschiffs erklärt. Im Dreißigjährigen Krieg wurde diese Bibliothek Beute der katholischen Liga unter General Tilly und ging 1623 als Geschenk an den Papst. Noch heute streiten sich die Gelehrten darüber, ob dieser Transport nach Rom Rettung oder Raub bedeutete.

Wie heftig die Universität und die Stadt Heidelberg in Spätmittelalter und beginnender Neuzeit in den Bann von Religionsstreitigkeiten gezogen wurden, zeigte bis 1936 eine Trennmauer, die die Heiliggeistkirche in eine katholische und eine evangelische Hälfte teilte. Die sechs barocken Zugänge der Kirche stammen ebenfalls aus der Zeit, denn wer getrennt beten wollte, beanspruchte auch das Recht auf einen eigenen Eingang.

An den im Mittelalter schon vorhandenen Verkaufsnischen im Gemäuer lässt sich heute noch die Pflicht der Bäcker erkennen: Das Mindestmaß einer Brezel ist zum Vergleich in Stein graviert, sodass jeder Käufer nachprüfen konnte, ob das Laugengebäck auch wirklich die vorgeschriebene Größe und der Bäcker nicht etwa am Teig gespart hatte.

Die Kirche wurde Anfang 2006 aufwendig ausgebaut und renoviert. Vom Kirchturm aus hat man einen schönen Blick über die Altstadt. Es finden regelmäßig Konzerte statt. April–Okt. Mo–Sa 11–17, So und Feiertage 12.30–17 Uhr, Nov.–März Fr, Sa 11–15, So und Feiertage 12.30–15 Uhr | Hauptstr. 189 | Linie 35 Alte Brücke, Linie 11, 30 Rathaus/Bergbahn

Ingrimstraße

Die Ingrimstraße durchkreuzt ein Stück der Altstadt. Dieses Viertel zwischen Hauptstraße und Zwingerstraße zeugt mit Namen wie „Oberbadgasse“ und „Mittelbadgasse“ von der mittelalterlichen Badekultur in Heidelberg. Zahlreiche Häuser wurden in der jüngsten Zeit renoviert. Zu den Bewohnern von Floringasse und Ingrimstraße gehört Klaus Staeck, der freche Plakatmaler, mit Staeck's Galerie (Floringasse 10). Auch die Werkstattgalerie (Krämergasse 12/2) verdient in diesem Viertel einen Abstecher. Seit Jahren engagiert sich hier die „Heidelberger Künstlergruppe e.V.“ mit Ausstellungen zeitgenössischer internationaler Kunst. Ein paar kleine Antiquariate und der traditionelle Jazzkeller Cave 54 passen gut ins Bild. Linie 30, 33 Rathaus/Bergbahn

Jesuitenkirche

In der Innenstadt fast abseits und deshalb in angenehmer Stille liegt die Jesuitenkirche, das größte katholische Gotteshaus der Stadt, umgeben von anderen großen Jesuitenbauten wie dem ehemaligen Collegium Carolinum und dem ehemaligen Jesuitengymnasium. Die Baugeschichte der Kirche seit der Grundsteinlegung 1712 ist eine Geschichte der Veränderungen. Als der Turm 1872 vollendet war, erlitt das barocke Kirchenschiff eine pompöse Neugestaltung, die in Restaurierungen 1953 und 1972 zugunsten eines großzügigen und hellen Gesamteindrucks zurückgenommen wurde. Die Barockausstattung gibt es heute nicht mehr. Erst 2003 erfolgte eine neuerliche Renovierung. Der Kirche ist seit 1986 ein kleines Museum für sakrale Kunst und Liturgie angeschlossen (17. bis 19. Jh.). Museum Juni–Okt. Di–Sa 11–17 Uhr, So 13–17 Uhr, Nov.–Mai Sa 11–17 Uhr, So 13–17 Uhr | Eintritt 2 Euro | Richard-Hauser-Platz | Linie 31, 32 Universitätsplatz

Karlstor

Das Karlstor wurde 1775–81 als Huldigung der Stadtväter an Kurfürst Karl Theodor nach dem Vorbild eines römischen Ehrentores errichtet. Zu Bauzeiten war dieser Triumphbogen der Heidelberger Bürgerschaft ein Dorn im Auge, denn sie bezahlten damit die Ehrung eines Kurfürsten, der seine Residenz nach Mannheim – später nach München – verlegte und so die Bedeutung Heidelbergs erheblich schmälerte. Im benachbarten Karlstorbahnhof stehen die Signale seit 1996 immer auf Abfahrt. Es sind allerdings keine Züge, denen dieses Signal gilt. Nach aufwendiger Renovierung des Bahnhofs, an der viele Jugendliche freiwillig und unentgeltlich mitarbeiteten, fahren die Gäste des Kulturzentrums allabendlich auf Musik, Theater und Film ab. Neben dem Tor liegt das Stauwehr mit Schleuse und Wehrsteg über den Neckar. Am Eingang zur Hauptstraße befindet sich auf der Neckarseite das Areal der Herrenmühle, die 1962 nach 600-jähriger Geschichte stillgelegt wurde. Linie 33, 35 Karlstor

Marktplatz

Wer ist der Schönste in der ganzen Stadt – der Marktplatz oder der Universitätsplatz? Deutliche Vorteile hat der Marktplatz: mit dem Rathaus, der Heiliggeistkirche und den prächtigen Fassaden des Ritters (Hauptstr. 178) sowie der barockzeitlichen Alten Hofapotheke (Hauptstr. 190). Bei einem Kaffee neben dem Herkulesbrunnen kann man die geschlossene Harmonie des Raumes genießen. Rathaus und Heiliggeistkirche tauchen den Marktplatz bei spätem Sonnenschein in ein ganz besonders schönes Licht. Ihr roter Sandstein ist das Merkmal der großen Heidelberger Bauten.

Einen Steinwurf entfernt erinnern das Palais Graimberg (Kornmarkt 5, heute städtische Behörde) und das Palais Sickingen-Boisserée (Hauptstr. 207–209, heute Germanistisches Seminar) an drei wichtige Persönlichkeiten der Stadtgeschichte. Graf Charles de Graimberg hat nicht nur viele und inzwischen sehr teure Schlossansichten gemalt, sondern ab 1810 mit großem persönlichem Einsatz für den Wiederaufbau der damals zerfallenen Schlosspracht gekämpft. Er wird von den Lokalhistorikern als „Retter des Schlosses und eigentlicher Gründer des Kurpfälzischen Museums“ geehrt. Seine private Historiensammlung bildete den Grundstock des heute interessantesten Museums der Stadt. Im Palais Sickingen-Boisserée lebten 1810–19 die Brüder Sulpiz und Melchior Boisserée, die eine berühmte Bildersammlung ihr Eigen nennen konnten. Die Sammlung ging Heidelberg verloren und bildete in München nach dem Ankauf durch König Ludwig I. von Bayern 1827 den Grundstock der Alten Pinakothek. Linie 35 Alte Brücke, Linie 30, 33 Rathaus/Bergbahn

Neue Universität

Der Name Neue Universität als Sammelbegriff für die Bebauung des zentralen Universitätsplatzes trifft nur auf das Vorlesungsgebäude zu, das 1930/31 am Universitätsplatz errichtet wurde. Ansonsten besteht der ganze Komplex rund um den Universitätsplatz aus historischer Bausubstanz. Die Besichtigung lohnt sich besonders im Falle des Barockgebäudes der Alten Universität und des angebauten ehemaligen Studentengefängnisses Karzer, des Hexenturms als Teil der ehemaligen Stadtmauer, des Barockgebäudes Collegium Academicum (Seminarstr. 2) und der Universitätsbibliothek. www.uni-heidelberg.de | www.ub.uni-heidelberg.de | Linie 31, 32 Universitätsplatz

Peterskirche

Ehemals außen an der Stadtmauer gelegen (Grabengasse), ist die bereits 1316 erwähnte Peterskirche noch vor der Heiliggeistkirche die älteste Pfarrkirche der Heidelberger Altstadt. Der mittelalterliche kleine Kirchhof und die um 1490 im Innenraum neugotisch erneuerte Kirche selbst galten bis 1844 als vornehme Begräbnisstätten. Dies zeigen heute noch die erhaltenen Professoren-Grabsteine und das Grabmal von Olympia Fulvia Morata in einer kleinen Kapelle an der Nordseite. Die italienische Wissenschaftlerin galt als eine der hochgebildeten Frauen ihrer Zeit. Sie starb 1555. Plöck 70 | Linie 30, 31, 32, 33 Peterskirche

Reichspräsident-Friedrich Ebert-Gedenkstätte

Mitten in Heidelbergs Altstadt verbrachte Friedrich Ebert die ersten 17 Jahre seines Lebens. Sein Geburtshaus ist heute Teil der nationalen Gedenkstätte, die Leben und Wirken des ersten demokratisch gewählten deutschen Reichspräsidenten dokumentiert. Über eine schmale Stiege gelangt man in die kleine Wohnung, in der einst – ohne elektrisches Licht und fließendes Wasser – die Familie Ebert mit acht Personen lebte und tagsüber noch die Sattlergehilfen des Vaters arbeiteten.

In den insgesamt zehn Ausstellungsräumen im Hinterhaus vermitteln Originalmobilar und zahlreiche Dokumente nicht nur einen eindrucksvollen Rückblick auf das Leben und die politischen Ereignisse um 1900, sondern auch auf die Anfangsjahre der Weimarer Republik, die von Ebert, der sich zeitlebens als Anwalt der kleinen Leute verstand, entscheidend mitgeprägt wurde. Di bis So 10–18 Uhr, Do 10–20 Uhr, Führungen nach Voranmeldung | Eintritt frei | Pfaffengasse 18 | Tel. 91070 | www.ebert-gedenkstaette.de | Linie 35 Alte Brücke

Zum Ritter St. Georg

Mit seiner eleganten steinernen Renaissancefassade, den kannelierten Säulen und kunstvoll gemeißelten Fensterblöcken ist der „Ritter“ das nach dem Schloss meistfotografierte Gebäude in Heidelberg. Der Namensgeber heißt St. Georg und steht – als Nachbildung des 1870 abgestürzten Originals – ganz oben am Giebel. Im Jahr 1592 ließen der Tuchhändler Charles Belier und seine Ehefrau Francina das Haus erbauen, das heute ein Hotel beherbergt. Als das schönste und künstlerisch wertvollste historische Bürgerhaus der Stadt steht der „Ritter“ unter Denkmalschutz. Hauptstr. 178 | Linie 30, 33 Rathaus/Bergbahn

Schloss

Die Gesamtanlage von Schloss und Schlossgarten erlebte eine wechselvolle Geschichte von Aufbau, Zerstörung und teilweiser Rekonstruktion. Man kann an dem unterschiedlich gestalteten Gemäuer ablesen, dass hier verschiedene Baumeister und Bauherren wirkten. Und auch heute wird – meist unbemerkt – gebaut.

Der Aufbau von Wehr und Residenz begann um das Jahr 1400 und endete 1619 mit dem Beginn des Dreißigjährigen Kriegs. Berühmtheit erlangte das Schloss allerdings erst als Ruine. Dazu wurde es 1688/89 im Orléansschen Erbfolgekrieg gemacht. Dem Sonnenkönig Ludwig XIV. gefiel die Pfalz so gut, dass er sie Frankreich kurzerhand einverleiben wollte. Von ihm gehegte Erbansprüche, die sich mit der nach Frankreich verheirateten Liselotte von der Pfalz verbanden, versuchten französische Truppen militärisch durchzusetzen. Sie fielen unter der Führung des berüchtigten Feldherrn Mélac 1689 und 1693 in Heidelberg ein und machten es dabei dem Erdboden gleich. Das Schloss blieb beim Wiederaufbau der Stadt im 17. und 18. Jh. unberücksichtigt. Zwar machten die Kurfürsten zaghafte Versuche der Restaurierung, doch dann gerieten sie mit ihren Bürgern in heftigen Streit, ob die Stadt evangelisch oder katholisch werden sollte. Schließlich zogen sie beleidigt nach Mannheim und residierten fortan dort.

Aus diesen doppelten Streitigkeiten zog Heidelberg letzten Endes großen Gewinn. Die Ruine des Schlosses, der rote Sandstein seiner zerborstenen und ausgebrannten Türme und Paläste, zog zu Beginn des 19. Jhs. die Romantiker aus aller Welt geradezu magisch an. Die Besucher des 21. Jhs., die internationalen Jetsetter, die für ein paar Stunden oder allenfalls zwei Tage in dieses einmalige, übrig gebliebene Juwel der Romantik einfallen, stehen vor einem Dilemma. Wie sollen sie in der Kürze der Zeit nachvollziehen, was doch nach Zeit und Muße verlangt? Vielleicht helfen da ein wenig die Beleuchtungen und Feuerwerke im Sommer, wenn das Schloss, die ehemalige Residenz der Pfälzer Kurfürsten, in glühendes Rot getaucht wird, als Erinnerung an die Zerstörungen und Brände, die das Gemäuer mehrmals in seiner Geschichte hinnehmen musste.

Schon von der Stadt aus sticht die Fassade des 1601–04 errichteten Friedrichsbaus ins Auge, die einzige gestaltete Außenfassade des Schlosses, das seine Schönheit ansonsten nach innen kehrt. Im Piano nobile ist eine Präsentation von Tafelsilber zu besichtigen (nur im Rahmen einer Schlossführung). Die wertvollen Stücke gehörten zu den mehr als 300 Geschenken zur goldenen Hochzeit des Großherzogs Friedrich und seiner Gemahlin Luise im Jahr 1906.

Eine schmale Brücke führt in den Innenhof. Im Osten des Hofs ließ Kurfürst Otto Heinrich zwischen 1556 und 1559 den nach ihm benannten Ottheinrichsbau errichten. Die formenreiche Innenhoffassade sollte fortan als mustergültiges Beispiel deutscher Renaissancebaukunst bestaunt werden. Im Nordanschluss steht der 1546 fertiggestellte Gläserne Saalbau, benannt nach dem Fest- und Spiegelsaal im ersten Geschoss. Gotische und Renaissance-Elemente teilen sich hier den Zuspruch der Betrachter.

Neben dem Friedrichsbau liegt in einem kleinen Keller das sagenumwobene, 250 Jahre alte Große Fass. Man sieht gleich, dass dieser Raum nicht für den 221726 l fassenden Bottich gebaut wurde, sondern für kleinere Vorgänger. Aber Karl Theodor, 1742–99 Kurfürst, schien die Enge nicht zu stören: Er ließ die heutige Version des Fasses zimmern. Das älteste und schmuckloseste Gebäude der heutigen Schlossanlage ist der Ruprechtsbau (15. Jh.) im Westen des Hofes. Ein Bibliotheksbau verbindet ihn mit dem ehemaligen Frauenzimmerbau, wo heute der Königssaal Empfängen und Aufführungen dient.

Von Friedrich V. als „Hortus Palatinus“ angelegt, war dem „Garten der Pfalz“ durch den Dreißigjährigen Krieg seine geplante Entfaltung nicht vergönnt. Seit 2007 setzt sich eine Stiftung für eine viel diskutierte Neugestaltung bzw. Wiederherstellung des ehemaligen Renaissancegartens ein. Fast noch schöner als am Tag zeigen sich Schloss und Garten bei einem Abendspaziergang. Für alle, die gut zu Fuß sind, gibt es bei der Tourist-Information am Bahnhof ein kostenloses Faltblatt, das die Fußwege zum Schloss erklärt. Schlosshof tgl. 8–18 Uhr (im Winter oft kürzer), Schlossgarten Tag und Nacht zugänglich, Schlossführungen tgl. 11, 12, 14 und 16 Uhr, Sa, So auch 13 und 15 Uhr | Eintritt inklusive Fasskeller und Apothekenmuseum 3 Euro, Eintritt zusätzlich 4 Euro | Tel. 538421 | www.schloss-heidelberg.de | Bergbahn Station Schloss

Studentenkarzer

Wenn Heidelberger Studenten bis Anfang des 20. Jhs. vorgaben, im Sanssouci, Palais Royal oder gar im Grand Hotel zu übernachten, dann handelte es sich unzweifelhaft um eine Zelle im Studentenkarzer, einem Studentengefängnis. Wurden die Herren Studenten bei blutigen Raufereien, Einbrüchen in Gärten und Weinbergen oder bei verbotenen Mensuren erwischt, bestrafte man sie noch bis 1914 mit bis zu einer Woche Karzer. April–Sept. Di–So 10–18 Uhr, Okt. Di–So 10–16 Uhr, Nov. bis März Di–Sa 10–16 Uhr (in den Weihnachtsferien geschl.) | Kombiticket Studentenkarzer, Alte Aula und Universitätsmuseum 3 Euro | Augustinergasse 2 | Linie 31, 32 Universitätsplatz

Universitätsbibliothek

Erker, Giebel, Bekrönungen und Türme charakterisieren die Fassade des Bibliotheksgebäudes. Der eigenwillige Bau wurde 1905 von Josef Durm entworfen. Die Universitätsbibliothek Heidelberg zählt zu den berühmten Bibliotheken der Welt und mit über 2,5 Mio. Bänden zu den großen in Deutschland. Sie bewahrt die deutschen Handschriften der Bibliotheca Palatina auf und besitzt Kopien der gesamten Handschriftenbestände dieser alten, heute im Vatikan befindlichen Bibliothek.

Der Raub der Bibliotheca Palatina, im Mittelalter Europas bedeutendste Büchersammlung, war ein einschneidendes Ereignis: 1622/23 wurden aus allen möglichen Bibliotheken Heidelbergs 3600 Handschriften und fast 13000 gedruckte Bücher requiriert und nach Rom geschafft. Nach dem Sturz Napoleons erhielt Heidelberg einen Teil der Bibliotheca Palatina mit 847 deutschen, 26 griechischen und 17 lateinischen Handschriften zurück. Mit der Manessischen Liederhandschrift, die 1888 wieder in den Besitz der Universität gelangte, verfügt die Bibliothek über das wertvollste Zeugnis der hochmittelalterlichen Buchkunst in Deutschland. Im Skriptorium wird die Herstellung von Pergament, Tinten und Farben im Mittelalter dokumentiert. Tgl. 9–22 Uhr | Eintritt frei | Plöck 107–109 | www.uni-heidelberg.de | Linie 31, 32 Universitätsplatz

Universitätsmuseum

Seit 1996 ist Heidelberg um dieses eigenwillig gestaltete Museum reicher. Das Universitätsmuseum befindet sich in den drei Erdgeschossräumen des zweiflügeligen Gebäudes der Alten Universität. In chronologischer Abfolge werden hier 600 Jahre Universitätsgeschichte nachvollziehbar. Der erste Raum (A) behandelt die Zeit der Pfälzer Kurfürsten (1386–1786). Im zweiten Raum (B) wird die Zeit des aufstrebenden Großherzogtums Baden unter Großherzog Karl Friedrich lebendig. Der dritte Raum (C) gibt Einblicke in die Universitätsentwicklung im 20. Jh. April–Sept. Di–So 10–18 Uhr, Okt. Di–So 10–16 Uhr, Nov.–März Di–Sa 10–16 Uhr | Kombiticket Universitätsmuseum, Alte Aula und Studentenkarzer 3 Euro | Alte Universität | Grabengasse 1 | www.uni-heidelberg.de | Linie 12, 41, 42 Universitätsplatz

Universitätsplatz

Auf den Terrassenstühlen, wo früher ein großes Tor den Eingang in die Stadt markierte, herrscht zur Sommerzeit Hochbetrieb. Dabei eignet sich der Universitätsplatz viel besser als ein Steh- oder Gehplatz, denn ringsherum will viel betrachtet werden. Am Barockgebäude der Alten Universität (1712–35 errichtet) sind das einbezogene Universitätsmuseum und das östlich angebaute Pedellenhaus mit dem Studentenkarzer die interessantesten Sehenswürdigkeiten. An der Südseite des Platzes verdankt ein schmuckloser Kasten seine Errichtung einer amerikanischen Spende, die zum Bau der Neuen Universität in den Jahren 1930/31 von überseeischen Heidelberg-Freunden gekommen war.

Malerisch präsentiert sich der kleine Innenhof, der die Neue Universität mit dem Hexenturm (Teil der alten Stadtmauer) verbindet. Am Ausgang steht an der Seminarstr. 2 das Collegium Academicum, das für viele Heidelberger wie auch Heidelberg-Besucher schönste Barockgebäude der Stadt. Die dreiflügelige Anlage entstand 1750 als Jesuitenkonvikt. Im 19. Jh. diente es nacheinander als Irrenanstalt, Klinik und Kaserne. Und nach dem Zweiten Weltkrieg sollte es als selbst verwaltetes Studentenwohnheim zur „demokratischen Umerziehung der deutschen Jugend“ beitragen. Das bunte Leben im „C. A.“ mit Theaterbühne, Musikkeller und linkspolitischen Diskussionszirkeln missfiel der Universitätsleitung seinerzeit schon lange, weshalb das Gebäude schließlich 1978 für die Universitätsverwaltung frei gemacht wurde.

An der Ecke zur Grabengasse steht schließlich die Universitätsbibliothek als prunkvoller roter Sandsteinbau. Linie 31, 32 Universitätsplatz

Untere Straße

Hier ist der Kosmopolit und „ewige Student“ genauso zu Hause wie der Heidelberger Krämer, den Urlaubsreisen gar nicht interessieren. Die kleine Straße hält viele Überraschungen bereit. Gleich am Eingang von der Heiliggeistkirche aus gibt es nach Renovierung und Erweiterung wieder das altbekannte und beliebte Café Knösel. Es folgt der Goldene Reichsapfel (Nr. 35) als ältestes Lokal der Straße. Im Hinterhof hat sich das ehemalige Bierlager des Lokals in ein beliebtes Bistro verwandelt und heißt schlicht 's Lager. Um die Ecke, in der Pfaffengasse 18, erinnert dann das Friedrich-Ebert-Geburtshaus als eine der empfehlenswerten Museumsadressen in Heidelberg an den ersten deutschen Reichspräsidenten. Im Weinloch (Nr. 19) trifft sich abends alles, ob frustig oder lustig, bei einer Schorle. Und in den kleinen Boutiquen wird witzige Mode verkauft. Linie 35 Alte Brücke oder 31, 32 Universitätsplatz

Deutsches Verpackungsmuseum

Dass es bei Geschenken nicht zuletzt auf die Verpackung ankommt, zeigt dieses Museum in der Hauptstraße. Bei seiner Eröffnung wurde es ganz in Folie eingewickelt. Zur Ausstellung findet man durch einen schmalen Gang. Mi–Fr 13–18 Uhr, Sa, So und feiertags 11–18 Uhr | Eintritt 3,50 Euro | Hauptstr. 22 | www.verpackungsmuseum.de | Linie 5, 21–23, 26, 29–35, 39 Bismarckplatz

Hauptstraße

Heidelberg kann sich rühmen, eine der längsten Fußgängerzonen Europas zu besitzen. Sie ist 1,6 km lang und erstreckt sich vom Bismarckplatz bis zum Rathaus, heißt schlicht Hauptstraße und ist es auch. Historisch muss die Hauptstraße dieses Prädikat allerdings mit der Unteren Straße teilen. Bis zur ersten Stadterweiterung im Jahr 1392 bildete sie nämlich als „Obere Straße“ zusammen mit der „Unteren Straße“ die doppelte Ost-West-Achse der Stadt.

Die Shoppingmeile wartet auf mit Kaufhäusern und Brezelständen, Barockbauten und Renaissancefassaden, Boutiquen und schönen Cafés. Die Alte Universität und der Universitätsplatz teilen diesen Straßenzug für Einheimische in die „untere Hauptstraße“ (vom Bismarckplatz bis zum Universitätsplatz) und die „obere Hauptstraße“ (vom Universitätsplatz bis zum Karlstor). Im oberen Teil der Hauptstraße befinden sich unter anderem der Marktplatz (s. Stadtviertelbeschreibung „Östliche Altstadt“) mit der Heiliggeistkirche und dem Haus Zum Ritter St. Georg sowie der daneben gelegene Karlsplatz. Zu den Glanzlichtern im unteren Teil gehören das Kurpfälzische Museum und der Heidelberger Kunstverein (beide Nr. 97), das Café Schafheutle (Nr. 94) und das Theater der Stadt Heidelberg (Ecke Hauptstraße/Theaterstraße). Linie 5, 21–23, 26, 29–35, 39 Bismarckplatz oder 31, 32 Universitätsplatz

Heidelberger Kunstverein

Mit seinen Ausstellungen und Installationen sorgt der Kunstverein für einen modernen Kontrast zum Bild des romantischen Heidelberg. Nach wie vor zählt der lebendige und aktive Verein mit seinen 2400 Mitgliedern zu den größten in Deutschland. Gegründet wurde er 1869, um die bildende Kunst zu pflegen und insbesondere das Verständnis für die Kunst der Gegenwart zu wecken und zu fördern. Im Erweiterungsbau des Kurpfälzischen Museums. Di–Fr 12 bis 19, Sa, So 11–19 Uhr | Eintritt 3 Euro | Hauptstr. 97 | im Garten des Kurpfälzischen Museums | www.hdkv.de | Linie 31, 32, 35 Marstallstraße

Kurpfälzisches Museum

Ein leidenschaftlicher Sammler historischer Objekte aus der Kurpfalz war Charles de Graimberg, Sohn eines französischen Landedelmannes und von Beruf Kupferstecher. Er war es, der sich zu Beginn des 19. Jhs. für den Wiederaufbau des Schlosses einsetzte. Seine Münzen, Bilder und Altäre sowie Skulpturen (über 3500) bilden die Grundlage für den Fundus des Kurpfälzischen Museums.

Das Palais Morass, heute Sitz des Kurpfälzischen Museums, zählt zu den herausragenden Barockbauten der Stadt. Die Dokumente zur Geschichte und Kultur der Kurpfalz vermitteln ein anschauliches Bild vom bürgerlichen und höfischen Leben in der Kurpfalz im 16. bis 19. Jh. Historische Wohnräume, Porträts pfälzischer Kurfürsten, die bedeutende Münzkollektion sowie die berühmte Sammlung des Frankenthaler Porzellans bilden die Schwerpunkte.

Die Gemälde- und Skulpturensammlung enthält als ein Hauptwerk des späten Mittelalters den Windsheimer Zwölfbotenaltar von Tilman Riemenschneider. Eine weitere Besonderheit sind die Werke der Heidelberger Romantiker, sehenswert vor allem die Bilder von Carl Philipp Fohr, Ernst Fries und Carl Rottmann. Überdies ist eine Ansicht des Heidelberger Schlosses ausgestellt, die dem Umkreis von William Turner zugeschrieben wird. In der Kostümpassage ist die Kleidung von Heidelberger Familien aus dem 18. und 19. Jh. ausgestellt. Nicht versäumen sollte man außerdem den Besuch des Kupferstichkabinetts (Voranmeldung!) und der Abteilung zur Stadtgeschichte.

Die archäologische Abteilung des Museums beherbergt neben vor- und frühgeschichtlichen Funden aus dem Rhein-Neckar-Raum auch eine Kopie des berühmten Unterkiefers des „Homo heidelbergensis“ sowie zahlreiche Exponate aus der Kelten- und der Römerzeit.

Di–So 10–18 Uhr, Führungen nach Voranmeldung | Eintritt 3 Euro, So und Feiertage 1,80 Euro | Hauptstr. 97 | Tel. 5834000 | www.museum-heidelberg.de | Linie 31, 32, 35 Marstallstraße

Marstall

Eines der wenigen erhaltenen Zeugnisse des Spätmittelalters. Kurfürst Ludwig V. diente der mächtige Quadratbau mit seinen Wehrtürmen als Versorgungslager. Auch heute ist dieses Gebäude von seiner ursprünglichen Bedeutung nur wenig entfernt: Nach umfangreichen Umbaumaßnahmen, die ihr einen kathedralenähnlichen, lichtdurchfluteten Charakter verliehen, versorgt die Mensa täglich Studenten wie Gäste und präsentiert sich darüber hinaus als Eventkneipe. Am gegenüberliegenden Ausgang des Marstallhofes liegen die Heuscheuer und der Alte Synagogenplatz. Auf dem Platz, wo heute ein großer Findling an die Freveltaten der Nationalsozialisten erinnert, stand von 1878 bis zu ihrer Zerstörung 1938 eine jüdische Synagoge. In der Heuscheuer, wo seit 1965 Vorlesungen gehalten werden, mussten die Bürger der Stadt seit Mitte des 18. Jhs. ihren Zehnt abgeben. Für das sichtbare Bruchsteingemäuer verwendeten die Erbauer Trümmer aus dem 1693 zerstörten Heidelberg und dem Schloss. Marstall Neckarstaden 2–6 | Heuscheuer Große Mantelgasse 2 | Zugang über Marstallstraße | Linie 31, 32, 35 Marstallstraße

Plöck

Die Plöck hat sich in den 1980er- Jahren von einer eher benachteiligten Stiefschwester der parallel verlaufenden vorderen Hauptstraße zu einer hübschen Bummelstraße entwickelt. Die Enge verleiht ihr Atmosphäre und unterstützt den Charme, der von witzigen Läden wie dem Heidelberger Zuckerladen (Nr. 52) ausgeht. In der Plöck ist außerdem die Studentenkneipe Essighaus (Nr. 97) neben der Unibibliothek zu einer Art Ersatzmensa geworden. Linie 5, 21–23, 26, 29–35, 39 Bismarckplatz oder 31, 32 Universitätsplatz

Providenzkirche

In der im Neorenaissancestil ausgestalteten einschiffigen Saalkirche inmitten der Stadt (Bauzeit 1659–61 und 1717–38) steht Heidelbergs älteste Orgel. Sie stammt aus der Werkstatt des Orgelbaumeisters Mathias Burkard. Übers Jahr finden hier verschiedene kirchenmusikalische Veranstaltungen statt, zu denen auch Orgelkonzerte und Motetten gehören. www.providenzkirche-heidelberg.de | Hauptstr. 90 a | Linie 31, 32 Universitätsplatz

Stadthalle

Wie bei manch anderem Gebäude in Heidelberg ist auch die Geschichte der Stadthalle am Neckar eng mit der Universität verbunden. Zur Feier des 500. Geburtstages der Universität wünschte man sich 1886 eine Festhalle, die mit Renaissance-Anklängen und rotem Sandstein zu Schloss und Universitätsbibliothek passen sollte. 1979/80 im Inneren nach historischen Vorlagen aufwendig renoviert, erfüllt sie heute auch den Zweck eines Kongress- und Veranstaltungszentrums. Um den großen Saal gruppieren sich auf drei Etagen ein Ballsaal, ein Kammermusiksaal, ein Restaurant und Nebenräume. Von den Terrazzoböden bis zu den Lüstern und Stuckkapitellen wurde aus der Halle wieder ein Schmuckkästchen. Das ganze Jahr über gibt es hier interessante kulturelle Veranstaltungen und Events. www.heidelberg-marketing.de | Neckarstaden 24 | Linie 31, 32, 35 Kongresshaus

Bergfriedhof

Der 1844 angelegte Bergfriedhof ist ein großräumiger, schattiger Waldpark. Hier sind die Grabstätten so berühmter Persönlichkeiten wie Reichspräsident Friedrich Ebert, Wilhelm Furtwängler, Max Weber, Robert Bunsen und Carl Bosch zu finden. An vielen Gräbern stehen weinende Marmorengel, und Sphinxe bewachen den Grufteingang des Mausoleums Bartholomae. In antiker Tempelarchitektur erinnert das zweitälteste deutsche Krematorium (1891) daran, dass die Feuerbestattung in Europa erst im 19. Jh. wieder durchgesetzt wurde. Im Gegensatz zur Antike wurde sie im Mittelalter lediglich als Strafe oder als Schutz vor Seuchen praktiziert. Rohrbacher Str. 105–127 | Linie 23, 24, 29 Bergfriedhof

Museum Sammlung Prinzhorn

Diese einmalige Sammlung von künstlerischen Arbeiten psychisch kranker Menschen erhielt einen würdigen Rahmen im ehemaligen Hörsaalgebäude der Neurologischen Klinik. In den Jahren 1919–21 trug der Psychiater und Kunsthistoriker Hans Prinzhorn rund 5000 Werke von etwa 450 Patienten zusammen. Jeweils 200 Arbeiten, u.a. Zeichnungen, Aquarelle, Ölgemälde, Collagen und Skulpturen, werden nun in wechselnden Ausstellungen in diesem „Museum der eigenen und anderen Art“ gezeigt. Di und Do–So 11–17 Uhr, Mi 11–20 Uhr, Sonderführungen nach Vereinbarung | Eintritt 3 Euro | Voßstr. 2 | Tel. 564492 | www.prinzhorn.uni-hd.de | Linie 22, 32, 35 Thibautstraße

Synagoge

Der moderne Kuppelbau des 1994 eingeweihten Gotteshauses in der Weststadt gab der jüdischen Gemeinde Heidelbergs wieder ein würdiges Zuhause. Der historische Synagogenbau in der Altstadt war im November 1938 von den Nazis niedergebrannt worden. Senkrecht hervortretende Steinbänder tragen die ersten zehn Buchstaben des hebräischen Alphabets und symbolisieren die Zehn Gebote. Der in blaues Licht getauchte Innenraum der Synagoge dient auch kulturellen Veranstaltungen. Häusserstr. 10–12 | www.alemannia-judaica.de | Linie 29, 39 Kaiserstraße

Graham-Park

Nach einem Stadtteilbummel durch Handschuhsheim lässt es sich in diesem kleinen Park gut auf den Abend warten, um dann in Traditionslokalen wie Gilberts Goldener Adler oder Alt Hendese bei Bier und Vesper ein Stück Studentenherrlichkeit zu erahnen. Der Park liegt gegenüber der Tiefburg und trägt ein kleines Schlösschen aus dem 17. Jh. auf seinem Grund. Zu seinen Besitzern gehörte auch der Großvater des berühmten Heidelberger Landschaftsmalers Carl Rottmann (1797–1850). Dossenheimer Landstr. 13 | Linie 5, 21, 23, 24 Handschuhsheim OEG-Bahnhof

St.-Vitus-Kirche

Die älteste Kirche auf heutigem Heidelberger Stadtgebiet zeigt im Turm noch Teile der schon im Jahr 774 erwähnten St.-Nazarius-Kapelle. Bei Erweiterungen des Kirchenraums wurde die Achse von Ost-West auf Nord-Süd gedreht. Hierbei gelang es, den alten Kirchturm organisch einzufügen und den archaisch schlichten Charakter des Gebäudes zu erhalten. Pfarrgasse 5 | Linie 3 Kapellenweg

Tiefburg

Die Tiefburg und ihr Graben gehören zu den Anlagen, die dem dörflich gebliebenen Stadtteil Handschuhsheim eine besondere Ausstrahlung verleihen. Die Ruinen der Wasserburg aus dem 13./14. Jh. sind restauriert und zum Teil ergänzt, ohne dass der mittelalterliche Charme im Zentrum von Handschuhsheim verloren ging. Besonders schön wirkt das Ensemble samstagvormittags als Kulisse für den Wochenmarkt. An der Tiefburg | www.tiefburg.de | Linie 5, 21, 23, 24 Handschuhsheim OEG-Bahnhof

Benediktinerabtei Stift Neuburg

Das 1130 als Benediktinerkloster gegründete Stift Neuburg liegt wie ein Einsiedlerhof am Berg. Vom Kloster wurde es zum „Stift für die Gesellschaft von tugendhaften Frauenzimmern“, dann Armenhaus, um 1804 als Privatbesitz an den Musikliebhaber Ludwig Hout veräußert zu werden. Carl Maria von Weber, ein steter Gast, soll hier zu seiner Oper „Der Freischütz“ inspiriert worden sein. Ein Verwandter Goethes richtete als Besitzer ab 1825 das erste Goethemuseum ein. Die wertvollen Exponate sind inzwischen in alle Winde zerstreut.

1926 schließlich ging das Kloster wieder an den Benediktinerorden zurück, der es 800 Jahre vorher gegründet hatte. Die Klosteranlage, die 2003 mit der Eintragung ins Denkmalbuch in ihrer Gesamtheit unter besonderen Schutz gestellt wurde, steht zum Besuch oder für Exerzitien offen. Tel. 8950 | www.abtei-neuburg.de | Stiftsweg 2 | Linie 34 St.-Paulus-Heim

Bismarcksäule

Gegenüber dem Philosophengärtchen zweigt der Bismarcksäulenweg vom Philosophenweg ab und führt zu dem um 1900 errichteten, 224 m über dem Meeresspiegel liegenden Aussichtsturm. Linie 5, 23, 31 Brückenstraße

Ehrenfriedhof

Bei einer Wanderung zum Bierhelderhof streift man auch den 1934 angelegten und 1953 erweiterten Ehrenfriedhof auf dem Höhenrücken des Ameisenbuckels. Die Grab- und Gedenkstätte für Gefallene aus beiden Weltkriegen bietet als Hochplateau auch eine weite Sicht in die Rheinebene. Promenadenweg | Linie 21 Ehrenfriedhof

Felsenmeer

Das Naturschutzgebiet „Felsenmeer“ liegt am Nordabhang des Königstuhls, oberhalb des Stadtteils Schlierbach. Den 50000 m² großen Steingarten hat die Eiszeit angelegt. Einen bequemen Fußweg, der durch das Felsenmeer hindurchführt, erreicht man von oben über den Königstuhl oder von unten über den Wolfsbrunnen und den Steinhüttenweg. Bergbahn Station Königstuhloder Linie 33, 35 Rombachweg

Heiligenbergturm

Der 1885 im Stil der Burgenromantik errichtete Turm hat eine Wendeltreppe mit 60 Stufen. Von der Turmspitze aus eröffnet sich ein schöner Blick über die Stadt, auf den gegenüberliegenden Königstuhl und auf das Schloss.

Königstuhl

Der Hausberg Heidelbergs, der Königstuhl, ist knapp 568 m hoch. Auf seinem Gipfel befinden sich u. a. das Max-Planck-Institut für Astronomie sowie mehrere Radio-, Fernseh- und Richtfunksendeanlagen wie der Heidelberger Fernsehturm des Südwestrundfunks. Unterhalb liegt die Heidelberger Altstadt, die nach Norden vom Neckar begrenzt wird. Die 7 km von der Altstadt kann man bequem mit der Bergbahn zurücklegen. Von der Schlossstation geht es auch über eine steile Treppe, die „Himmelsleiter“, hinauf. www.heidelberg-marketing.de | Bergbahn oder Linie 39 Station Königstuhl

Molkenkur

Seit 1890 bringt die Bergbahn ihre Passagiere zur Molkenkur. Auf dieser Anhöhe finden sich noch das Zitat eines Gemäuers und ein Gedenkstein, was auch als „Reste der Oberen Burg“ verzeichnet ist. 1537 war die Obere Burg vom Blitzschlag zerstört worden. Auf ihrem Gelände eröffnete ein findiger Porzellanmaler 1853 die Molkenkuranstalt, ein Schweizerhaus, das heute als Hotelrestaurant betrieben wird. Wer den Abstieg zu Fuß nimmt, sieht mit der einzigen Villa am Molkenkurweg 1 den Ort, an dem Kaiserin Elisabeth von Österreich („Sisi“) im Jahr 1887 Ferien machte. www.heidelberg-marketing.de | Bergbahn Station Molkenkur | Linie 757 (BRN)

Neuenheim

Das ehemalige Fischerdorf Neuenheim, die älteste Siedlung in Heidelberg, ist heute die feine Adresse der Stadt und eine bevorzugte Wohngegend. Wer hierher kommt, staunt darüber, wie nah die einzelnen Geschäfte, Bistros und Restaurants beieinander liegen. In der Brückenstraße, direkt von der Innenstadt kommend, reiht sich eine empfehlenswerte Adresse an die andere. Und biegen Sie ab in eine Seitenstraße, z.B. in die Ladenburger Straße, so begleitet Sie auch hier sofort das unvergleichliche Wohlfühlambiente. Hier befindet sich der Marktplatz mit der kleinen Kapelle, die zusammen ein schönes Ensemble bilden. Neuenheim ist immer einen Besuch wert, und sei es nur für einen Bummel über den bunten Wochenmarkt, einen Cappuccino am Mittag oder ein Gläschen Wein am Abend. Linie 5, 23, 31 Brückenstraße

Schloss-Wolfsbrunnen-Weg

Der Weg ist eine kleine Straße und führt vom Schloss zum Wolfsbrunnen, der Quelle des Schlierbachs. Bei diesem knapp einstündigen Waldspaziergang geben Schneisen und Biegungen immer wieder den Blick auf den Neckar frei. Auf dem Gelände Schloss-Wolfsbrunnen-Weg 1 stand bis 1993 das ehemalige Schlosshotel, die bevorzugte Herberge von Gustaf Gründgens, Cosima und Richard Wagner und anderen prominenten Besuchern. Das Haus Nr. 33 war der Wohnort des Nobelpreisträgers und BASF-Chefs Carl Bosch (1874 bis 1940). Etwa 200 m weiter befindet sich im ehemaligen Garagenhaus der Villa Bosch das Carl-Bosch-Museum (Fr–Mi 10–17 Uhr | Eintritt 3,50 Euro | Schloss-Wolfsbrunnen-Weg 46 | www.museum.villa-bosch.de). Auf 300 m² Fläche werden die wichtigen Stationen im Leben und Wirken Boschs sichtbar. Außerdem gibt es einen Skulpturengarten und, für eine Pause, das Hochdruck-Café. Zurück geht es von Schlierbach bequem per Bus. Linie 33, 35 Hausackerweg

Thingstätte

Die Thingstätte auf dem Heiligenberg wurde 1934/35 unter nationalsozialistischer Herrschaft in der Form eines griechischen Amphitheaters als Feierstätte gebaut. Das große Oval aus Steintreppen bietet Platz für rund 8000 Menschen. Hier finden viele Sommerkonzerte statt. Wer die grasbewachsenen Stufen der Zuschauerränge hochsteigt, stößt am Ende gleich auf das Mauerwerk und die zum Teil sanierte Ruine der Michaelsbasilika aus dem 9. Jh. Mit dem Auto erreicht man die Thingstätte über Handschuhsheim, den Waldweg und den Chaisenweg. Neben dem Heiligenbergturm befindet sich ein größerer Parkplatz. www.heidelberg-marketing.de