Reisetipps Heidelberg

Auftakt Heidelberg Was für eine Stadt!

Heidelberg ist eine sehr alte und gleichzeitig ganz junge Stadt: Ihre schillernde Vergangenheit glänzt bis in die Gegenwart, die kopfsteingepflasterten Gassen und Plätze bezaubern noch heute. Das weltberühmte Panorama mit dem Schloss und der Alten Brücke über den Neckar hat durch die Jahrhunderte nichts von seiner Schönheit verloren. Das Flair im Hier und Jetzt wird vor allem durch die Universität und ihre Studenten geprägt. So zeigt sich Heidelberg traditionsreich und international, städtisch und dörflich zugleich, lebendig und bunt – und entführt mit dieser Vielfalt in die Leichtigkeit des Seins.

„Alt Heidelberg, du feine …“, schwärmte Victor von Scheffel 1854 in seinem Studentenlied. Kaum einer Stadt schmeichelten große Literaten mehr. Für die Dichter der Romantik war Heidelberg ein magischer Ort, und der so entstandene Mythos ging um die Welt. Joseph Freiherr von Eichendorff sah die Stadt als etwas Vollkommenes, „als gäb es nichts Gemeines auf der Welt“, für Jean Paul war sie „göttlich in Umgebung und schön im Innern“.

Tatsächlich wird die Schönheit Heidelbergs stark durch die Natur bestimmt, in die sie eingebettet ist. Das Panorama der Berge, die idyllische Lage am Austritt des Neckars aus dem Odenwald und die malerischen Häuser und Gassen bewirken den harmonischen Einklang, der die Besucher sofort für Heidelberg einnimmt.

Heidelberg mit seinen 150000 Einwohnern ist eine alte und gleichzeitig ganz junge Stadt. Die Quelle seiner Jugendlichkeit sind die 26000 Studierenden an der Universität, der ältesten Deutschlands, die nach Prag und Wien die dritte Universität auf dem Boden des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation war. Das studentische Milieu prägt natürlich auch die bunte und ereignisreiche Szene. In den Gassen der Altstadt gibt es zahlreiche Kneipen, Bistros, Pizzerien, Bierhäuser, Weinstuben und Bars, Jazzclubs und Diskotheken. Besonders an Sommerabenden ist die Altstadt im oberen Teil um die Heiliggeistkirche eine einzige Vergnügungsstätte, Nachtschwärmer können hier bis zwei oder drei Uhr morgens tanzen.

Für Frühaufsteher bieten die Stadt und ihre Umgebung eine Fülle von Sehenswürdigkeiten, allen voran die klassischen Ziele wie das Schloss und die Alte Brücke, das Haus Zum Ritter St. Georg oder den Philosophenweg. Was andernorts der Stadtpark, das ist für Heidelbergs Bewohner und Besucher die Neckarwiese. In den Sommermonaten dient das nördliche Flussufer zum Sonnen, Spielen, Lesen, Diskutieren – oder einfach nur zum Faulenzen. Wer mehr Action sucht und gut zu Fuß ist, kann sich auf einen Bummel 1,6 km quer durch die City begeben, denn genauso lang ist die Hauptstraße, eine der längsten Fußgängerzonen Europas. An Samstagen ist hier oft kein Durchkommen, und man tut gut daran, ab und zu auf die Nebenstraßen mit ihren kleinen Läden und Kneipen auszuweichen. Der Marktplatz, der nicht nur an Markttagen belebt ist, und die Untere Straße liegen ganz dicht beisammen, wie übrigens die gesamte Stadt in sich geschlossen und überschaubar ist. Es gibt keine großen Entfernungen, was es ratsam macht, die Stadt zu Fuß zu entdecken – zumal der gesamte Altstadtbereich für den Autoverkehr gesperrt ist. Wer ein bisschen rausfahren möchte, kann sich mit dem Schiff den Neckar flussaufwärts begeben und die Stadt und ihre Umgebung aus einer ganz anderen Perspektive besehen.

Heidelberg hat eine bewegte Geschichte. Es wurde mehrmals zerstört, doch aus jeder Epoche konnte etwas gerettet werden, sodass das Stadtbild heute durch viele Bauwerke von hohem historischem Rang geprägt ist. Die Kunstdenkmäler, denen man allerorts begegnet, geben Zeugnis von einem großen kulturellen Erbe. Heidelberg ist seit Jahrhunderten Heimat für Kultur und Wissenschaft. Von hier gingen vielfältige geistesgeschichtliche und künstlerische Strömungen aus. 1196 wurde das Fischerdorf „heidelberch“ erstmals urkundlich erwähnt, doch Ansehen und Geltung erlangte der Ort erst ab 1356 mit der Ernennung zur kurfürstlichen Residenzstadt und mit der Gründung der Universität 1386 durch Kurfürst Ruprecht I. Die erste Vorlesung fand übrigens am 18. Oktober 1386 vor 500 Studenten statt, als Magister Marsilius von Inghen über die Probleme der Logik sprach.

Für mehrere Jahrhunderte war Heidelberg für die mit der Kurwürde belehnten Pfalzgrafen von Bedeutung. Bis zum Ausbruch des Dreißigjährigen Kriegs glänzte das Schloss am Fuß des Königstuhls als Residenz für einen der prunkvollsten Höfe Deutschlands. Dann begann ein dunkles Kapitel: General Tilly eroberte 1622 Heidelberg und das Schloss. Er nahm eine berühmte Kriegsbeute mit, die „Pfälzer Bibliothek“ oder Bibliotheca Palatina, die Papst Gregor XV. ein Jahr später als Geschenk erhielt. Und es kam noch schlimmer: 1688/89 und 1693 wurden Stadt und Schloss im Pfälzer Erbfolgekrieg von den Franzosen fast dem Erdboden gleichgemacht. Nachdem das Schloss geplündert, in Brand gesteckt und schließlich gesprengt worden war, wurde es nie mehr ganz aufgebaut. Doch gerade dieser Umstand verhalf ihm zu seiner heutigen Berühmtheit als großartigstes Beispiel der Renaissancebaukunst im Land. In der Zeit der Romantik erlebte das Schloss seine zweite Blüte, Besucher wurden nicht selten zu Dauergästen.

Im 18. Jh. wurde Heidelberg im Barockstil wieder aufgebaut, jedoch auf altem gotischem Grundriss. Die Steingasse ist mit ihrer Architektur ein schönes Beispiel dafür. 1720 verlegte Kurfürst Karl Philipp die Residenz der Kurpfalz ins benachbarte Mannheim. Es war Großherzog Karl Friedrich von Baden, der 1803 die Heidelberger Universität neu gründete und ihr den bis heute gültigen Namen „Ruprecht-Karls-Universität“ verlieh. Zahlreiche Nobelpreisträger sind seitdem aus ihr hervorgegangen. Eine Begleiterscheinung der Lehrstätte und des freien Geistes war die Aufbruchstimmung, die mit der Märzrevolution 1848 begann und Heidelberg zur Hochburg der Liberalen machte. Die wilden 1968er-Jahre trieben ebenfalls die ungeduldigen Studenten auf die Straße. Und die Universität prägt Wirtschaft und Industrie mit. So ist es nicht verwunderlich, dass die größte Druckmaschinenfabrik der Welt, Lamy-Füllfederhalter und der Springer-Verlag (der mit dem Zeitungsriesen nichts zu tun hat) ebenfalls in die Welt des Schreibens und Lesens gehören.

Mit der Lehre war zu allen Zeiten auch die Forschung verbunden. Heidelberg ist Sitz der Akademie der Wissenschaften und eines der wichtigsten Zentren von Forschung und Entwicklung in Deutschland. Große Bedeutung kommt der Grundlagenforschung auf dem Umwelt- und Energiesektor zu. Weitere Forschungsschwerpunkte sind (Molekular-)Biologie, Biochemie, Medizin, Gentechnik, Gerontologie, Geowissenschaften, Prozessleitertechnik, Maschinenbau, Elektrotechnik und Informatik. Besonders erwähnenswert sind das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ), die Max-Planck-Gesellschaft mit vier Instituten, das Europäische Laboratorium für Molekularbiologie (EMBL) und das Europäische Institut für Forschung und strategische Studien auf dem Telekommunikationssektor (Eurescom). Heidelberg verfügt außerdem über einen Technologiepark mit einem aktiven Netzwerk von Wissenschaft und Wirtschaft in der Biotechnologie.

Das moderne Heidelberg ist weltoffen – es hat nicht nur eine große Vergangenheit im Gepäck, sondern gleichzeitig die Zukunft im Blick. Das Engagement der Stadt für Natur und Umwelt wurde durch mehrere Preise gewürdigt. So gewann Heidelberg im Wettbewerb „Bundeshauptstadt im Naturschutz 2007“ der Deutschen Umwelthilfe e. V. gegen 114 Mitbewerber.

Dem atmosphärischen Zauber Heidelbergs kann sich niemand entziehen, der das Dreigestirn von Landschaft, Fluss und Stadtbild erlebt. Heidelberg hat viele Gesichter, von denen jedes einzelne auf seine Weise reizvoll ist und es verdient, entdeckt zu werden. Es gibt bedeutsamere und einflussreichere Städte in Deutschland. Schöner ist keine. Ganz gleich, auf welche Weise man Heidelberg kennenlernt und welche Wege man wählt, ob allein oder mit professioneller Führung, auf historischen Pfaden oder zur Rushhour in der quirligen City, zu früher Morgenstunde auf dem Schloss oder während der Frühlingsblüte auf den Spuren der Philosophen – am Ende wird man es lieben.