Reisetipps Griechische Inseln

Auftakt Griechische Inseln Was für Inseln!

Die Ägäischen Inseln liegen wie kleine Trittsteine zwischen Europa und Asien - nicht allein im weiten Meer, sondern immer in Sichtweite anderer Nachbarinseln oder der Festlandküsten. Ideal fürs Inselhopping per Fähre, Jacht oder Flugzeug! Jedes Eiland mischt dabei auf ganz eigene Art Geschichte und Gegenwart. Idyllische Bergdörfer und geschäftige Städtchen, lange Sandstrände und verschwiegene Buchten entdecken Sie auf fast allen dieser Inseln - und dazu viel Kultur, vom antiken Tempel bis zur mittelalterlichen Burg, von byzantinischen Klöstern bis zu Rockkonzerten und Ateliers von Gegenwartskünstlern.

Zu Griechenland gehören mehr als 80 ständig bewohnte Inseln. Jede hat ihren eigenen Charakter. Welche am schönsten ist? Darauf gibt es keine Antwort. Jede Insel hat ihre Liebhaber, denn jede kann andere Wünsche erfüllen.

Von den Inseln, die in diesem Band vorgestellt werden (d.h. alle bis auf Kreta, Euböa, die Inseln im Saronischen Golf und die Ionischen Inseln), ist Lesbos mit 1630 km² die größte. Zu den kleinsten bewohnten Eilanden der Ägäis gehören Skiáthos mit 60, Pátmos mit 34 und Folégandros mit 32 km² Fläche. Es gibt auch Winzlinge, die ihren gut 100 Bewohnern nur 4 km² bieten. Einige Inseln in der Ägäis gelten als Urlaubsparadies oder geschichtsträchtiger Ort. Mykonos wird in Schlagern besungen, Sámos-Wein wird seit Jahrhunderten in Europa getrunken. Doch wer hat schon von Ándros oder Límnos, von Síkinos oder Sífnos gehört? Manche der Ägäischen Inseln haben richtige Städte voll hektischem Treiben wie Rhodos, Chíos oder Lesbos. Auf diesen größeren Inseln gibt es neben den geschäftigen Zentren auch kleine Dörfer mit jahrhundertealter Geschichte wie Anávatos auf Chíos.

Viele Urlauber zieht es vor allem wegen der grandiosen Sandstrände von Skiáthos und Náxos, Páros, Kos und Mykonos in die Ägäis. Es gibt aber auch Eilande mit schroffen Steilküsten wie Síkinos und Samothráki, die mehr Seh- als Badevergnügen bieten. Die aufregendsten Landschaften bieten Santorin, Sámos und Thássos; Inselidylle finden Sie auf Mykonos, Pátmos und Sérifos.

Überall auf den Inseln erinnern nicht mehr genutzte Terrassen an den Berghängen daran, wie mühevoll es einst war, der überwiegend gebirgigen Landschaft eine Lebensgrundlage zu entlocken. Manche Inseln sind üppig grün: Sámos und Thássos besitzen dichte Wälder, auf Skiáthos und Skópelos reichen die Pinienhaine bis ans Ufer, auf Lesbos bedecken 13 Mio. Olivenbäume die Ebenen. Während auf Samothráki das ganze Jahr über Wasserfälle in einen Platanenwald stürzen, sind andere Inseln so wasserarm, dass Trinkwasser vom Festland herangebracht oder mit hohen Energiekosten aus dem Meer gewonnen werden muss.

Unterschiedlich ist auch die Architektur auf den Inselgruppen. Die Kykladendörfer sind geprägt von weißen, würfelförmigen Flachdachhäusern, wobei das Dach die Funktion hat, das Regenwasser zu sammeln und in Zisternen zu leiten. Auch die regenarmen Inseln Pátmos und Skíros werden von dieser Kykladenarchitektur bestimmt. Auf den übrigen Inseln der nördlichen und östlichen Ägäis - und auf der Kyklade Ándros - sind die Häuser aus Natursteinen oder als Fachwerk gebaut und tragen Giebeldächer aus Schieferschindeln oder roten Ziegeln.

Die Grundzüge der Geschichte sind für alle Inseln gleich. Sie werden seit 3000 Jahren von Griechen bewohnt und standen doch jahrhundertelang unter Fremdherrschaft. Trotzdem hat jede Insel im Laufe der Jahrtausende ein etwas anderes Schicksal durchlebt. Im zweiten Jahrtausend kamen zunächst Venezianer und Genuesen als Eroberer auf viele Inseln, während andere Eilande weiter dem Byzantinischen Reich angehörten. Die Fremdherrschaft hinterließ Burgen, Wachttürme und befestigte Dörfer.

Die Kykladen und die Nördlichen Sporaden sind seit 1829 Teil des freien Hellas, die Inseln der Nord- und Ostägäis seit 1912, Pátmos wie der übrige Dodekanes erst seit 1947. Diese Unterschiede hinterließen Spuren, wenn auch die starken griechischen Gemeinsamkeiten und die Einflüsse des Tourismus viele davon verwischt haben.

In der griechischen Antike war jede Insel ein Staat für sich. Erst unter Alexander dem Großen wurden die Inseln einem einzigen Reich einverleibt, dessen Tradition die Römer fortsetzten. Auf vielen Eilanden (vor allem auf Delos und Santorin) haben Archäologen eindrucksvolle Zeugnisse aus jenen Kulturen freigelegt.

Zwischen November und Mai sind Wiesen und Weiden grün, Korn und Wildblumen wachsen. Ab Juni ist die Landschaft auf den meisten Inseln braun und verbrannt. Noch stärker beeinflusst der Fremdenverkehr die Eindrücke: Wer eine Insel im Winter öde und trist fand, im Frühjahr freundlich und ruhig, kann sie im Hochsommer als laut und überlaufen empfinden.

Viele der kleineren Inseln wären ohne den Tourismus überaltert oder völlig entvölkert. Die Jungen möchte nicht mehr unter einfachsten Bedingungen leben, für wenig Verdienst mühsam den Boden bestellen und das Vieh hüten. Bis in die 1980er-Jahre hinein war die Abwanderung das größte Problem. Der Tourismus hat bessere Arbeitsmöglichkeiten geschaffen. Junge Familien kommen zurück, die Jugend bleibt. Aber auch neue Probleme entstehen. Die Infrastruktur eignet sich nicht für die Massen im Sommer. Das Wasser ist knapp, reicht oft gerade für die Trinkwasserversorgung der Einheimischen. Abwasser- und Müllentsorgung liegen im Argen.

Die Schönheit des Inselsommers macht das alles jedoch vergessen. Die Tage gehören dem Strand, kleinen Wanderungen oder Besichtigungen. Am späten Nachmittag fogt ein Bummel durch die Marktgassen; danach setzt man sich an den Hafen - beliebter Treff zum Beobachten der allabendlichen volta (uralter Brauch des Flanierens). Oder man trifft sich auf der platía, dem Dorfplatz oder Hauptplatz einer Stadt, der traditionelles Zentrum des sozialen Lebens ist. Überhaupt verbirgt sich hinter den Fassaden neuer Häuser und den Gesichtern modern gekleideter Menschen viel Traditionsbewusstsein.

In Städten und Dörfern entdeckt man noch Handwerksbetriebe, die wie in alten Zeiten arbeiten. Da stößt man zufällig auf den Sattelmacher in Plomári auf Lesbos, auf den Dorfschmied von Pirgí auf Tínos, auf die Kaíki-Werft am Strand von Skála Prínu auf Thássos. Und vor der mittelalterlichen Stadtmauer von Mestá auf Chíos destillieren Bauern nach uralten Methoden im Oktober Ouzo.

Dieses Griechenland zu entdecken ist ganz leicht. Sie müssen nur in abgelegene Küstendörfer oder ins Hinterland fahren. Zu Fuß kommen Sie Griechenland besonders nah. Im Mittelalter gepflasterte Überlandwege und Tausende von uralten Maultierpfaden durchziehen Hänge und Ebenen, führen zu abgelegenen Kapellen, Klöstern, Häusern und Burgen. So erschließen sich die Inseln dem Besucher auch am besten als einzigartige historische Kulturlandschaft.