Reisetipps Gran Canaria

Stichworte Gran Canaria

Altkanarier

Viel weiß man nicht von den Ureinwohnern der Kanaren. Sie besiedelten den Archipel wohl erst im 3. Jh. v. Chr. und entstammten hellhäutigen Berberstämmen aus Nordafrika oder, wie neuere Genforschung auch für möglich hält, dem Mittelmeerraum um Sizilien. Rasch verloren die Inseln den Kontakt untereinander. Bootsbau war unbekannt, gefischt wurde nur von Land aus. Die Altkanarier waren vor allem Bauern, die Ziegen und Schafe hielten und Gerste anbauten, aus der sie Gofiomehl, ihr Grundnahrungsmittel, gewannen. Auf Gran Canaria etablierten sich zwei Königreiche, eines im Nordwesten mit Gáldar als Sitz, eines im Nordosten um die Siedlung Telde. Beherrscht wurden sie von guanartemen (Königen). Das Volk lebte vor allem in Höhlen. Dort bestatteten sie auch die oft mit viel Geschick mumifizierten Toten. Als die Spanier 1478 an Land gingen, regierten auf Gran Canaria Tenesor Semidan in Gáldar und Doramas in Telde. Nach fünfjährigen Kämpfen besiegten die Eroberer die Einheimischen. Doramas fiel 1481 in der Schlacht. Tenesor Semidan geriet in Gefangenschaft und ließ sich taufen. Die stark dezimierten Altkanarier gingen in der Bevölkerung der Spanier auf.

Bananen

Gran Canaria bietet Bananenpflanzen ein ideales Klima. Deshalb gibt es schon seit gut 100 Jahren riesige Plantagen auf der Insel. Im Norden bei Arucas und im Süden bei Arguineguín bedecken Hunderttausende der dicht an dicht stehenden Stauden weite Landstriche. Nach der Ernte schlagen Arbeiter die Stämme ab, während bereits junge Pflanzen aus dem Boden sprießen. Kanarische Bananen sind kleiner als ihre mittelamerikanischen Schwestern und wesentlich schmackhafter. Am besten kauft man sie auf dem Wochenmarkt in Las Palmas.

Carnaval

Brasilianische Rhythmen auf Gran Canaria, Rio in Las Palmas - das sind keine leeren Worte. El carnaval hat nur wenig mit unserem Karneval gemein. Er ist eine Fiesta der Fantasie und Sinne, in der die Canarios die engen Normen ihrer konservativ-traditionellen Gesellschaft einmal im Jahr über Bord werfen. Monatelang laufen die Vorbereitungen für die Festwochen, die stets im Februar und März liegen. Es werden carrozas (Festwagen) gebaut und dekoriert, Kostüme geschneidert, Masken und Verkleidungen gebastelt. Alles ist erlaubt, jeder kann seinen Wünschen freien Lauf lassen. Jeder Ort hat seine murgas, verkleidete Spaßmachergruppen, die während der desfiles, der Umzüge, tanzend und lärmend durch die Straßen ziehen und einander an Verrücktheit und Lautstärke zu überbieten suchen. Los geht's meist erst abends, und gefeiert wird die ganze Nacht - wochenlang. Kinder und Alte sind mit von der Partie, wenn sich die Dorfplaza in einen Hexenkessel verwandelt. Agüimes ist das Zentrum des ländlichen Karnevals. In Las Palmas sind die Umzüge aufwendiger. Die Wahl der reina del carnaval (Karnevalskönigin) wird live im Fernsehen gezeigt, die Kostüme der Aspirantinnen kosten oft so viel wie ein Mittelklassewagen. Jeder Karnevalstag endet mit dem mogollón, dem Abtanzen nach Latinorhythmen, das oft bis in den frühen Morgen dauert. Die Kinder haben ihren eigenen Umzug und ihre eigene Königin. Grandioser Abschluss des Carnaval ist der entierro de la sardina - das Begräbnis der Sardine. Warum ein Fisch zu Grabe getragen wird, weiß niemand. Noch einmal gibt es einen farbenprächtigen Umzug, bei dem eine gewaltige Pappsardine durch die Straßen gezogen wird. Zum Schluss explodiert sie in einem Feuerwerk aus Lichtbögen, Raketen und Knallkörpern. An allen Aktivitäten können auch Urlauber teilhaben; Informationen und Daten geben die Touristenbüros.

Dromedare

Es sieht märchenhaft aus, wenn die Dromedare bei Maspalomas in einer langen Karawane durch die weite Dünenlandschaft ziehen. Die Tiere gehören zu den großen Touristenattraktionen. Wohl schon mit den ersten Europäern kamen die einhöckrigen Asketen nach Gran Canaria. Als ideale Arbeitstiere - sie kommen wochenlang ohne Wasser aus und schleppen klaglos schwere Lasten - wurden sie vielfältig eingesetzt. Obwohl ihre Karriere mit der Einführung von Maschinen beendet schien, erlebten die Dromedare durch den Tourismus eine Renaissance. Täglich setzen sich Hunderte in die grünen Sättel. Es gibt drei Dromedarstationen auf der Insel. Unterhalb Fatagas werden Dromedare auch gezüchtet und können mit ihren Jungtieren aus der Nähe besichtigt werden.

Dünen

Die weißgolden flirrenden Dunas de Maspalomas bieten ein ganz besonderes Naturerlebnis. Bis zu 12 m hoch türmen sich die Sandwälle auf. 1,5 km weit stoßen sie an ihrer breitesten Stelle ins Landesinnere vor. Diese 418 ha Sand, durchsetzt mit einer eigenen Flora, sind seit 1987 als „Naturlandschaft von nationalem Interesse“ unter Schutz gestellt. Sie bestehen nicht, wie viele vermuten, aus Flugsand der nur 200 km entfernt liegenden Sahara, sondern fast ausschließlich aus von der Brandung zerriebenem, angespültem Korallen- und Muschelkalk. Und sie wandern. Im Schneckentempo kriechen die Dünen 2 bis 5 m pro Jahr in Richtung Westen, immer wieder neu geformt und gezeichnet vom steten Passat. Erst mit größerer Entfernung zum Meer stoppen stärkerer Pflanzenwuchs und abflauender Wind diese Bewegung.

Höhlen

Noch heute kann es passieren, dass ein Hausbesitzer in Artenara einfach zum Presslufthammer greift, wenn er den Wohnraum vergrößern will. Wie vor 1000 Jahren leben viele Bewohner des Ortes hoch in den Bergen immer noch in Höhlen. Und bei Bedarf meißeln sie sich ein neues Zimmer aus dem weichen Tuffstein. Nicht mehr wie zu Urgroßvaters Zeiten, als man mit Hacken und Messern dem Fels zu Leibe rückte. Doch im Prinzip hat sich wenig verändert. Strom und Wasser gibt's natürlich. Aber auch jetzt noch darf man nicht zu tief in den Fels graben, weil sonst Feuchtigkeit austritt. Den großen Vorteil einer Höhle, dass sie im Winter warm und im Sommer kühl ist, wissen ihre Bewohner immer noch zu schätzen. Schon die Altkanarier gruben sich mit Steinen Wohnhöhlen, bestatteten ihre Toten darin, nutzten sie als Speicher oder Kultplätze, wie es der Cenobio de Valerón eindrucksvoll zeigt. Viele Grab- und Wohnhöhlen gibt's außerdem im Barranco de Guayadeque bei Agüimes.

Lucha Canaria

Die Lucha Canaria, den kanarischen Ringkampf, gab es schon zur Zeit der Altkanarier. Sie wird nur auf den sieben Inseln des Archipels betrieben. In einem Kreis von ungefähr 15 m Durchmesser, der mit Sägespänen oder Sand ausgelegt ist, treten zwölf Kämpfer zweier Teams paarweise gegeneinander an. In Ausgangsposition - vornübergebeugt einander zugewandt und das aufgekrempelte Hosenbein des Gegners mit der linken Hand umklammernd - beginnt der maximal drei Minuten dauernde Kampf. Mit verschiedenen Ringergriffen versuchen die luchadores, den Gegner auszuhebeln und zu Boden zu werfen. Gelingt dies, ist der Kampf vorbei. Es sind nicht nur Gewicht, sondern auch Technik und Schnelligkeit ausschlaggebend. Die Lucha Canaria hat zwar ihren Spitzenplatz im Sport an den Fußball verloren, dennoch ist das Interesse der Canarios noch immer groß. Wichtige Turniere werden ausführlich im Fernsehen übertragen. Große Kämpfer sind sehr angesehen und verdienen mit ihrem Können viel Geld. Kämpfe finden, übers Jahr verteilt, in vielen Orten statt.

Schnee

Eigentlich ein absurdes Thema für eine Insel vor Afrikas Küste, sollte man meinen. Doch schneit es in Gran Canarias Cumbre, der schroffen Bergwelt rund um den 1949 m hohen Pico de las Nieves, im Schnitt alle zwei, drei Jahre. Das ist jedes Mal eine Sensation. Die Tageszeitungen schreiben darüber auf den Titelseiten, das Lokalfernsehen schickt Teams in die Berge, Fotografen schießen Bilder. Am Wochenende machen sich die Canarios zu Tausenden auf den Weg, um die weiße Pracht live zu sehen. In der Cumbre stauen sich die Wagen, und oben sieht man dick vermummte Familien begeistert durchs Gelände stapfen. Man schlägt Schneeballschlachten, baut Schneemänner, an Ständen mit heißer Schokolade stehen die Leute Schlange.

Virgen del Pino

Anfang September findet in Teror an zwei Tagen die Romería Virgen del Pino statt, die „Wallfahrt der Jungfrau von der Pinie“, die größte der Insel. Hintergrund ist eine Legende, nach der altkanarische Hirten in der Nacht zum 8. September 1481 in der Gegend eine Marienerscheinung hatten und kurz darauf eine Figur der Muttergottes in besagter Pinie entdeckten. Eine Kapelle wurde errichtet, Pilger kamen, der Wallfahrtsort Teror entstand. Neben der feierlichen Prozession, in der die hochverehrte und reich geschmückte Marienstatue jedes Jahr aus der Kathedrale und durch die Straßen Terors getragen wird, ist vor allem die Fiesta am Tag davor ein tolles Ereignis. Aus allen Dörfern Gran Canarias, aber auch von anderen Inseln, kommen Abordnungen in typischen Trachten mit herrlich dekorierten Festwagen, um der Heiligen Jungfrau zu huldigen. Diese carrozas tragen schwer an den Opfergaben, die typisch für den jeweiligen Ort sind und später an Bedürftige verteilt werden. Danach klingt der Tag in einem bunten Volksfest aus, das die ganze Nacht dauert. Es gibt Karussells und Stände mit Leckereien.

Wasser

Eine Insel, über der ewig die Sonne scheint, hat auch eine Kehrseite: den Mangel an Wasser. Früher gab es Flüsse auf Gran Canaria, dichte Lorbeerwälder zogen Feuchtigkeit aus den Passatwolken, Brunnen versorgten die Bauern. Nun sind die Bäume abgeholzt, die Brunnen versiegt, nur ein Flüsschen fließt noch auf der Insel. In riesigen Stauseen, die meist bedrohlich leer sind, wird Regenwasser gesammelt. Meerwasserentsalzungsanlagen versorgen die Feriengebiete, Brauchwasser wird recycelt. All das kostet viel Geld und Energie. Daher die Bitte: Vergeuden Sie kein Wasser!

Wein

Weinanbau hat eine lange Tradition auf den Kanaren. Wohl bereits im 15. Jh. gelangten die ersten Rebstöcke von Kreta aus nach Gran Canaria. Und bald schon rissen sich die europäischen Königshäuser um die Tropfen aus der schweren Malvasíatraube, denen sogar Shakespeare Tribut zollte, als er seinen Falstaff jubeln ließ: „Welch wunderbarer Nektar, der das Blut durchdringt und parfümiert!“ Viel ist von dieser Pracht nicht geblieben. 500 ha Weinberge gibt es noch an den Hängen des Monte Lentiscal. Doch es lohnt sich, in einer der kleinen Bodegas vorbeizuschauen und dabei eine der raren Flaschen Del Monte zu erstehen, erdigen, fruchtig-trockenen blanco (Weißwein), tinto (Rotwein) oder den bernsteinfarbenen moscatel. Traubenernte ist im September.