Reisetipps Franken

Stichworte Franken

Barock

Ganz Franken strotzt vor üppigem Barock. Das verdankt es vor allem den Schönborns. Angehörige dieses Adelsgeschlechts waren im 17. und 18. Jh. geradezu besessen vom Bauen. Sie verbauten, was fränkische Steinbrüche hergaben. Und da sie sich gegenseitig Posten und Pöstchen verschafften und gleichzeitig Erzbischöfe von Würzburg und Bamberg waren, sind in Franken heute zahlreiche Kathedralen und Paläste zu bewundern. Den Schönborns war das Beste gerade gut genug. Neben Wolfgang Dientzenhofer (1648-1706) und Balthasar Neumann (1687-1753) beschäftigten sie den Weltmeister des monumentalen Deckenfreskos, Giambattista Tiepolo (1696-1770). Ihre wichtigsten Bauten sind die Würzburger Residenz und die Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen.

Bayern und Franken

Sie mögen sich nicht sonderlich, die Bayern und die Franken, obwohl sie in einem Freistaat leben. Die Franken glauben, einen guten Grund für diese Abneigung zu haben: Als sie 1802 mit Napoleons Zustimmung einfach von den Bayern geschluckt wurden, raubten diese vieles an fränkischer Kunst, darunter das bedeutende Fränkische Herzogsschwert. Von einer Rückgabe will man in München bis heute nichts wissen. Höhepunkt damaliger bayerischer Barbarei: Man ließ das prächtige Bamberger Domkreuz abbauen und machte Gold und Edelsteine zu Geld. Solche Geschichten führen zwar regelmäßig zu Reibereien, doch die als Vernunftehe akzeptierte Verbindung stellen die Franken nicht infrage.

Bocksbeutel

Die spezifische Flaschenform des Frankenweins verdankt den ungewöhnlichen Namen ihrer Ähnlichkeit mit dem Hodensack eines Ziegenbocks. In die 0,75-Liter-Gefäße werden in aller Regel nur Frankenweine der gehobenen Kategorie gefüllt. Trotz der Qualität des Inhalts wirkt die über 250 Jahre alte Form auf viele angestaubt und altbacken. Um ein moderneres Image kämpfen vor allem die jungen Winzer, die zunehmend eine jüngere Klientel für den trockenen und spritzigen Wein begeistern.

Burgruinen

Ein dichtes Netz von Burgen und Burgruinen zeigt, wer die Besiedlung Frankens im Mittelalter vorantrieb: Über 150 Reichsritterfamilien, die meisten unmittelbar dem Kaiser unterstellt, hinterließen zahlreiche Wohn- und Verteidigungsanlagen. Aus Franken stammt auch das größte Vorbild für all die adeligen Raufbolde: Der Reichsritter Götz von Berlichingen (1480-1562) war nicht nur Namensgeber für Johann Wolfgang von Goethes Schauspiel, er entsprach tatsächlich dem Bild eines Haudegens in Rüstung. Der Ritter mit der Eisenhand raubte reisende Kaufleute aus, entführte kaiserliche Beamte, erpresste Lösegelder und belagerte mit aufständischen Bauern die Würzburger Festung. Es war ein letztes Aufbegehren der Reichsritter gegen ihre schwindende politische und militärische Bedeutung. Viele der heutigen Ruinen sind zerstörte Raubritternester oder wurden von ihren verarmten adeligen Bewohnern verlassen.

Albrecht Dürer

Ritter, Tod und Teufel - er malte sie alle, schnitt sie in Holz, stach sie in Kupfer. Albrecht Dürer (1471-1528), künstlerisches Genie der deutschen Renaissance, wurde schon zu Lebzeiten bewundert. Selbst große Künstlerkollegen waren sich nicht zu schade, ihn zu kopieren. Leben und Arbeiten des Meisters in der Freien Reichsstadt Nürnberg dokumentiert das Dürer-Haus unterhalb der Nürnberger Burg. Hier gehörte Dürer, allseits geachtet, zu einem Kreis bedeutender Humanisten. Begraben ist er auf dem Johannis-Friedhof in Nürnberg. Sein Blick auf die fränkische Landschaft und die Silhouette seiner Heimatstadt lebt in unzähligen Skizzen, Stichen und Gemälden fort.

Franken-Reich

Sollte es purer Zufall sein, dass Franken und Frankreich eine Namensähnlichkeit verbindet? Franken - unter diesem Namen, der übersetzt „die Mutigen“ oder „die Freien“ heißt, schlossen sich ab dem 3. Jh. n. Chr. mehrere Stämme im heutigen Nordfrankreich bis zum Niederrhein zusammen und dehnten ihr Gebiet im Zuge der Völkerwanderung in die Mainregion und nach Gallien hinein aus. Bis zum 5. Jh. entstand ein Riesenreich, das u.a. große Teile Frankreichs, Deutschlands sowie der Beneluxstaaten umfasste. Dieses Gebilde zerfiel zwar, seine politische Macht aber überlebte in Gestalt des Heiligen Römischen Reichs, das acht Jahrhunderte lang Mittel- und Westeuropa prägte. Mit dem Aufkommen neuzeitlicher Nationalstaaten ab etwa dem 15. Jh. begann ein Auflösungsprozess, der erst 1806 endete. Das Frankreich von heute führt, wie die Region Franken, den alten Stammesnamen. Der ursprüngliche fränkische Dialekt aber hat sich nur in Franken, dem Rheinland, der Pfalz und in Hessen erhalten.

Fränkisches Fachwerk

Fachwerkhäuser bestimmen bis heute das ländliche Ortsbild Frankens. Neben Bauernhäusern sind auch Wasserschlösser und ganze Innenstädte wie in Miltenberg in dieser alten, kunstvollen Gerüstbauweise erhalten. Fachwerk gibt es zwar überall in Deutschland, aber Franken überrascht mit besonderen Mustern und mit der Menge an Fachwerkbauten. Charakteristischer Schmuck der Felder ist etwa das geschweifte Andreaskreuz oder der Wilde Mann, der aussieht, wie eine Arme und Beine spreizende Balkengestalt. Wegen solch typischer Merkmale heißt dieser Fachwerkstil Fränkisches Fachwerk.

Humor

Fränkische Komiker haben Hochkonjunktur. Seit einem Jahrzehnt finden sie in ganz Deutschland ihr Publikum. Zu Fernsehehren brachte es der Aschaffenburger Urban Priol, der in seinem Kabarett Hofgarten in einer Liga mit der Münchner Lach- und Schießgesellschaft spielt. Im Fernsehen und im Radio ist der Würzburger Frank-Markus Barwasser alias Erwin Belzig einem Millionenpublikum bekannt. Und das Fürther Duo Volker Heissmann und Martin Rassau alias Waltraud und Mariechen erreicht bei bis zu 300 Auftritten in und um Bayern rund 300000 Zuschauer. Warum fränkisch-trockener Humor gerade jetzt bundesweit Triumphe feiert, weiß keiner so recht - denn es gab ihn schon lange vorher.

Klima

Man sollte nicht meinen, dass es innerhalb einer mitteleuropäischen Region so krasse klimatische Unterschiede gibt. Aber die Gegend um den Main weist im Sommer beinahe toskanische Temperaturen auf, während es im Frankenwald oder im Fichtelgebirge durchgehend angenehm kühl ist. Eine Kälteinsel ist die Hochrhön mit bis zu 110 Tagen Schnee und einer Jahresdurchschnittstemperatur von knapp 6 Grad. Wer von dem zuweilen unangenehmen Würzburger Kesselklima ins Biosphärenreservat Bayerische Rhön fliehen will, braucht mit dem Auto knapp anderthalb Stunden.

Religion

Was christliche Bekenntnisse angeht, ist Franken sehr buntscheckig. In den tiefkatholischen Bistümern Bamberg und Würzburg gibt es evangelische Dörfer und Städte. Im protestantischen Süden ist es oft umgekehrt. Grund der Zersplitterung ist die Erbteilung. Mit dem Tod eines Adligen wurde der Besitz zu gleichen Teilen an die Söhne weitergegeben. Das führte zu weit auseinanderliegenden Kleinstbesitzen, manchmal mitten in fremden Herrschaftsgebieten. Andernorts wurden Land und Titel nur dem Erstgeborenen vermacht, dort entstanden Machtzentren. In Franken blieb es daher bei all den Fürsten, Grafen, Bischöfen, Reichsrittern und Reichsstädten, die nach dem Dreißigjährigen Krieg die Religion der jeweiligen Untertanen selbst bestimmen durften.

Tilman Riemenschneider

Ob Würzburg, Nürnberg, Bamberg, Rothenburg, Münnerstadt oder Creglingen - in großen ebenso wie in kleinen fränkischen Städten finden sich meisterliche Skulpturen und Altäre von Tilman Riemenschneider (1460 bis 1531), der den größten Teil seines Lebens in Würzburg zubrachte und hier begraben ist. Früh erkannte der Fürstbischof das Genie Riemenschneiders und beauftragte ihn mit der Ausstattung zahlreicher Kirchen der Region. Die Werke des Meisters, in denen sich Elemente von Gotik und Renaissance vermischen, sind heute unbezahlbar, die großen Museen der Welt reißen sich um Sonderausstellungen. In Franken besitzt die meisten Riemenschneiderwerke das Mainfränkische Museum in Würzburg.

Wappen

Drei weiße Spitzen auf rotem Grund - das ist das alte fränkische National-Emblem. Der sogenannte Fränkische Rechen ist Teil des Bayerischen Staatswappens und auch das Wappen zahlreicher Städte und Kommunen. Der Rechen hat symbolische Bedeutung: Die drei weißen Spitzen stehen für die Dreifaltigkeit Gottes, die vier roten für die vier Himmelsrichtungen. Ursprünglich führten dieses Emblem die Würzburger Fürstbischöfe in ihrer Funktion als Herzöge Frankens, Bayern teilte es den eingegliederten fränkischen Gebieten zu. Wie weit das alte Franken einmal über den heutigen Freistaat hinausging, zeigt der Fränkische Rechen auch. Er erscheint sowohl in den Ortswappen mehrerer baden-württembergischer Kommunen als auch in denen mehrerer südthüringischer Landkreise.