Reisetipps Erzgebirge

Stichworte Erzgebirge

Artmontan

Vielerorts werden Sie „Artmontan“ lesen, was nur den Einheimischen etwas sagt. Es handelt sich um ein Kunst- und Kulturprojekt, das außergewöhnliche künstlerische Begegnungen beschert. 1999 wurde es ins Leben gerufen. Die Events unterschiedlicher Genres, von Jazz und Rock über Oper bis zur Sinfonie, finden ausschließlich in Industrie- und einstigen Bergbauanlagen statt. Vorwiegend junge Künstler nutzen die besonderen Möglichkeiten der Räume, ihre Atmosphäre und Akustik für künstlerische Experimente. | www.artmontan.de

Bergparaden

Wenn die Mitglieder der Bergbrüderschaften zu Paraden aufmarschieren, säumen Tausende die Straßen. An der Tracht wird die Berufsstellung erkennbar: Die Steiger sind goldbetresst, ihre Bergmützen zieren Federbüsche, die Hauer tragen schwarze Kittel und weiße oder gelbe Kniebundhosen. Lautstark blasen und trommeln die Musiker der Bergkapellen. Die Schilder mit den Ortsnamen, getragen von Grubenjungen, sind nur für die Fremden gedacht, denn die Einheimischen können die Brüderschaften an der Tracht und oft auch durch die gespielte Musik mühelos ausmachen. Besonders stimmungsvoll sind die Aufmärsche im Kerzenschein zur Weihnachtszeit.

Buckelbergwerk

Ein hölzerner Kasten, der auf dem Rücken (Buckel) getragen wird und in dem sich eine unterirdische Miniaturbergwerksanlage im Schnitt befindet. Eine seitlich eingeführte Kurbel setzt über Rollen, Hebel und Drähte die Figuren in Bewegung. Mit den Buckelbergwerken zogen arbeitsunfähig gewordene Bergleute auf Weihnachts- und Jahrmärkte, um sich einige Pfennige zu verdienen. Heute gehören sie zu den Kostbarkeiten in den Erzgebirgsmuseen.

Dialekt

Im Erzgebirge wird Arzgebigsch gesprochen. Einen einheitlichen Dialekt gibt es jedoch nicht. Im erzgebirgischen Dialekt bestehen die unterschiedlichsten Mundarten, oft variieren die Sprechweisen von Ort zu Ort, jeder Heimatdichter hat seine eigene Schreibweise. Einiges ist aber einheitlich, so fehlt beispielsweise generell das Ü, das stets als I ausgesprochen wird, ei- und au-Laute werden oft zu aa (das Bein zu Baa und der Baum zum Baam). Typisch ist auch die Verniedlichung, so wird der Vogel zum Vechele und das Haus zum Heisl. Im Kasten „Von Bemm bis titschn“ finden Sie Beispiele, die für größere Regionen des Erzgebirges typisch sind. Das Vogtländische ist ein fränkischer Dialekt, auch mit unterschiedlichen Mundarten.

Heimatberge

Kunstvolle Miniaturlandschaften von mehreren Quadratmetern Größe. Da sie oft christliche Motive haben und in der Weihnachtszeit aufgestellt werden, spricht man auch von Weihnachtsbergen. Die Berge sind Meisterwerke der Bastelei und des Schnitzens, die oft in Gemeinschaftsarbeit entstanden sind. Sie verblüffen durch zahlreiche Figuren, die ein versteckter Mechanismus bewegt. Die ersten Heimatberge entstanden vermutlich im 16. Jh., mit ihnen stellte der schnitzende Bergmann seine Arbeitswelt dar. Bedingt durch die veränderten Lebens- und Wohnverhältnisse werden Heimat- und Weihnachtsberge aus Platzgründen kaum noch in Wohnungen aufgestellt, aber in der Weihnachtszeit sind sie Besuchermagnete in vielen Museen. Die schönste Sammlung besitzt das Museum für bergmännische Volkskunst in Schneeberg.

Postmeilensäulen

1713 hatte August der Starke den Auftrag erteilt, das Kurfürstentum kartografisch zu vermessen. Als Wegsteine wurden per kurfürstliches Dekret Postmeilensäulen aufgestellt, die heute beispielsweise noch Bad Elster, Oberwiesenthal, Markneukirchen und Zwönitz zieren. Mit der Vermessung wurde der vogtländische Pfarrer Adam Friedrich Zürner (1679-1742) beauftragt, der den klangvollen Titel „Land- und Grenz-Commissarius“ verliehen bekam. Die an den Säulen vermerkte „Stunde“ ist keine Zeitstunde von 60 Minuten, sondern eine Entfernungsangabe: Eine Post- oder Polizeimeile hatte in Kursachsen die heutige Länge von 9,062 km, und eine solche Meile wurde mit „2 Stunden“ an den Säulen bezeichnet. Die Postmeilensäulen verloren ihre Bedeutung, als man in Sachsen 1840 die Meile (eine Länge von 7500 m) einführte. Sie wiederum wurde 1873 vom Kilometer abgelöst.

Reifendrehen

In Seiffen entstehen aus Holzreifen Tausende von Spieltieren. Aus einer Holzscheibe wird ein Reifen mit Vertiefungen und Erhöhungen gedreht, der nicht erkennen lässt, was die Fantasie des Reifendrehers erdacht hat. Erst wenn der Reifen mit Hammer und Messer gespalten wird, ist das Profil der Tiere im Querformat sichtbar. Schwanz, Ohren und andere Teile werden gesondert gedreht und an die Tierkörper geleimt. Das Reifendrehen soll nur in Seiffen zu Hause sein. Sorgsam wurde einst darauf geachtet, dass diese Kunstform des Drechselns ein Geheimnis blieb. Zu ihrer Blütezeit Ende des 19., Anfang des 20. Jhs. reisten jährlich Zehntausende von hölzernen Spieltieren von Seiffen aus in die Welt. Im Seiffener Freilichtmuseum gibt es regelmäßig Vorführungen im Reifendrehen.

Adam Ries

In der Redewendung „das macht nach Adam Riese ...“ ist uns der berühmteste deutsche Rechenmeister (1492-1559) noch heute geläufig. Fälschlicherweise wird dem Nachnamen oft ein „e“ (Riese) angehängt. Über dreißig Jahre seines Lebens verbrachte er in Annaberg, wo das Adam-Ries-Museum ausführlich über ihn informiert. Die Rechenbücher von Ries waren in Deutsch und nicht in dem damals weithin verbreiteten, aber für viele unverständlichen Latein verfasst.

Sachsenring

Am Himmelfahrtstag 1927 fand auf dieser traditionsreichen Piste bei Hohenstein-Ernstthal das erste Rennen statt, im Folgejahr kamen bereits 80000 Zuschauer zu den Motorradrennen. 1936 wurde hier erstmals um den Großen Preis von Europa gefahren, und 1960 fand auf dem Sachsenring die Radweltmeisterschaft statt, bei der es mit Bernhard Eckstein und „Täve“ Schur einen DDR-Doppelsieg gab. Heute ist der Motorrad-Grandprix mit mehr als 150000 Zuschauern jährlicher Höhepunkt.

Gottfried Silbermann

45 Orgeln hat Sachsens berühmtester Orgelbaumeister (1683-1753) geschaffen, 31 sind erhalten. Silbermanns älteste und mit drei Manualen, 44 Registern und 2676 Pfeifen größte Orgel (1711-14) erklingt bis auf den heutigen Tag im Freiberger Dom. Das Orgelbauerhandwerk erlernte Silbermann bei seinem Bruder Andreas in Straßburg. Sein Geburtshaus im Frauensteiner Ortsteil Kleinbobritzsch ist an einer Gedenktafel zu erkennen, das Museum in Frauenstein trägt seinen Namen.

Trabant

Genau 33 Jahre, 5 Monate und 23 Tage lang lief das Kleinauto Trabant vom Band. Der knatternde und stinkende DDR-Zweitakter mit einer Plastekarosse wurde geliebt, beschimpft, belächelt und mit vielen Kosenamen wie „Asphaltblase“, „Fahrpappe“ und „Gehhilfe“ bedacht. Der letzte Trabant, mit der Stückzahl 3096099, verließ am 20. April 1991 das Zwickauer Sachsenringwerk. Er wurde nur um die Ecke gefahren - ins Museum.

Jens Weißflog

Der erfolgreichste Skispringer aller Zeiten ist der bekannteste Erzgebirgler. Nur ein Springer konnte bislang die Internationale Vierschanzentournee vier Mal gewinnen: Jens Weißflog aus Oberwiesenthal. Geboren wurde der mehrfache Weltmeister und Olympiasieger 1964 im erzgebirgischen Pöhla, nicht weit von seinem heutigen Wohnort entfernt, der ihn zum Ehrenbürger ernannte. Auf dem Höhepunkt seines Erfolges trat er 1996 ab. | www.jens-weissflog.de

Wismut

Nach 1945 wurde im Erzgebirge nach Uran gegraben, die Sowjetunion brauchte es für ihre Atombomben. Häuser, Felder und Sanatorien wurden niedergewalzt, dafür entstanden Fördertürme, Baracken, Halden. Wismut hieß das Unternehmen, das zeitweise mehr als 100000 Menschen beschäftigte. 1954 durfte auch die DDR in die Wismut einsteigen, das Unternehmen wurde zu einer „sowjetisch-deutschen Aktiengesellschaft“, an der Spitze stand ein Generaldirektor aus Moskau. Die Wismut war ein Staat im Staat, sie hatte ihre eigenen Kaufhäuser und Geschäfte, ihr eigenes Gesundheitswesen. Der 1990 eingestellte Uranbergbau hat zu erheblichen Umweltschäden geführt, die zu beseitigen heute Aufgabe des jetzt dem Bund gehörenden Unternehmens Wismut ist. Die jahrzehntelang vom Uranerzbergbau beanspruchten Flächen wurden bereits zum größten Teil wieder nutzbar gemacht. | www.wismut.de