Reisetipps Emilia Romagna

Ausflüge & Touren Emilia Romagna

Durch die Bassa von Reggio nach Parma

Es geht in der Ebene durch Ortschaften, die im Mittelalter, vor allem aber in der Renaissance von ihren Territorialherren zu Hauptstädten winziger Kleinstaaten auserkoren wurden. Jedes dieser Städtchen bekam sein besonderes Gesicht, seine herrschaftliche Größe durch Burgen und imposante Platzanlagen. Diese Tour von ca. 170 km können Sie an einem Tag schaffen. Allerdings laden die Residenzstädtchen der Ebene dazu ein, das Auto immer wieder stehen zu lassen, um zu schlendern und in einem der guten Restaurants einzukehren. Mit mehr Muße können Sie das tun, wenn Sie eine Übernachtung einplanen.

Von Reggio Emilia aus ist das erste Ziel Correggio (20000 Ew.), schon im Mittelalter Sitz der gleichnamigen Familie, unter der sich ein kulturell höchst reger Renaissancehof entwickelte: Dichter wie Torquato Tasso, Pietro Aretino und Ludovico Ariosto waren hier oft zu Gast, der große Maler Antonio Allegri stammt von hier und wird nach seinem Heimatort genannt: Correggio. Wie eine Theaterkulisse wirken die Fassaden und Arkaden des Corso Mazzini. Residenz der Correggio war der raffinierte Renaissancepalast Palazzo dei Principi (Corso Cavour), heute das Stadtmuseum. 11 km weiter kommen Sie in das stattliche Carpi mit seiner großartigen Piazza.

Zu den einstigen Kleinstaaten in der Bassa gehörte auch Mirandola (21000 Ew.) mit nettem Zentrum 25 km nordöstlich von Carpi. Aus dem hiesigen Fürstengeschlecht stammte der große Humanist Pico della Mirandola (1463-1494).

Das nächste Ziel ist das Burgstädtchen Novellara (11000 Ew.), 400 Jahre lang Sitz einer Nebenlinie der Gonzaga aus Mantua. Der Ort hat eine beschauliche Piazza - Kirche, Arkaden, Cafés, Grünanlage, Kieselsteinpflaster - und eine stattliche Burg. Eine hochkarätige Gourmetempfehlung im 11 km nahen Reggiolo mit einer mächtigen Burgruine aus Barbarossas Zeiten: Rigoletto (So/Mo geschl. | Piazza Martiri 29 | Tel. 0522973520 | €€€).

Von Novellara oder Reggiolo geht es weiter nach Guastalla (13000 Ew.), das schon in Ponähe liegt, ebenfalls Hof einer Gonzaga-Linie. Unter den Arkaden des Corso Garibaldi (Nr. 34) bekommen Sie (allerdings nicht in den heißen Sommermonaten) in der Osteria della Fratellanza (Mo geschl. | Tel. 0522835147 | €) die für die Region typischen gefüllten Teighütchen cappelletti in Brühe mit einem Schuss schaumigem Lambrusco. Eine kleine Straße führt durch Pappelplantagen an den Lido am Fluss, ein beliebtes Ausflugsziel zum Spazierengehen, Frittierte-Fischchen-Essen, Kanufahren; hier treffen sich auch die Wallerfischer zur Jagd auf den Riesenwels, der die Gewässer des Pos bevölkert.

Gleich nach Guastalla folgt direkt unterhalb des Podeichs Gualtieri (6000 Ew.) mit seiner harmonisch proportionierten Platzanlage, ein Quadrat aus zartgelben Arkadenzeilen und dem Palazzo Bentivoglio, benannt nach der Adelsfamilie, die die kleine Ortschaft von 1567 bis 1634 bestimmte.

Am Rand des nahen Dorfs Boretto (8 km) wird Max-Mara-Konfektion (ohne Etikett) der vergangenen Saison verkauft (Diffusione Tessile, ausgeschildert). Direkt am Po, am Lido di Boretto, starten sonntags Ausflugsschiffe.

Das Deichstädtchen Brescello (4500 Ew.) wurde berühmt durch die Verfilmung der Fünfzigerjahregeschichten von Giovanni Guareschi über Don Camillo und Peppone. Dazu zeigt ein viel besuchtes Museum (Mo bis Fr 10-12 und 14.30-18, Sa/So 9.30-12 und 14-19 Uhr | Piazza De Amicis) Requisiten und Filmausschnitte. Das nächste Ziel von Brescello aus ist Colorno, das „Versailles der Farnese“. Von dort geht es dann nach Parma, dem Ziel dieser Tour.

In den Park Monte Sole im Süden Bolognas

Zwei Ziele lassen sich mit diesem Tagesausflug verbinden: Zunächst spüren Sie den Etruskern nach in der alten Stadt Misa bei Marzabotto. Danach unternehmen Sie eine rund dreistündige Wanderung (250 m Höhenunterschied) über die Apenninhöhen des Parco Storico Regionale di Monte Sole: eine Mischung aus Naturschutzgebiet und Gedenkort an ein Massaker, das deutsche Truppen hier im Zweiten Weltkrieg verübten.

Die Anfahrt erfolgt von Bologna aus über die A 1 Richtung Florenz mit Ausfahrt in Sasso Marconi; oder Sie nehmen die SS 64 („Porrettana“). Von Sasso Marconi geht es weiter auf der SS 64. Nach etwa 9 km stoßen Sie hinter Marzabotto gleich am Straßenrand auf das Ausgrabungsgebiet von Misa. So weit gen Norden vorgedrungen waren die Etrusker aus ihrem Kernland, der Toskana und Latium, und hatten im 5. Jh. v. Chr. hier im Renotal die Stadt Misa gegründet. Im Ausgrabungsgelände (tgl. 8 Uhr bis Sonnenuntergang) erkennt man noch die Spuren des Straßennetzes und die Grundmauern der Häuser und Tempelanlagen. Das kleine Museo Pompeo Aria (Di-So 9-13 und 15-18.30, Nov. bis März 14-17.30 Uhr) zeigt kunstvolle Grabbeigaben aus der Nekropole sowie Funde aus der keltischen und römischen Folgezeit.

Nur 2 km weiter geht es bei Pian di Venola links ab über den Fluss Reno in die Hügel nach Poggiolo, wo Sie parken können. Auf den Wiesen mit weiter Aussicht liegt das Besucherzentrum des Parco Storico di Monte Sole (Tel. 0516787100): Hier kann man essen, sich mit Wanderkarten versorgen und bei Bedarf auch übernachten. Zur Rechten befindet sich die Friedensschule Scuola di Pace, ein Ort der Sommercamps für Jugendliche aus Krisengebieten. Diese Gemeinschaftsinitiative der EU-Partnerregionen Emilia-Romagna und Hessen möchte ein Zeichen der Völkerverständigung setzen in dieser Naturidylle, in der Ende September 1944 Einheiten der SS und der Wehrmacht fast 800 Frauen, Kinder und alte Leute in zwei Kirchen und auf einem kleinen Friedhof als Vergeltung für Partisanenangriffe massakrierten (www.partigiani.de).

Auf der Wanderung von Poggiolo aus über ein Forststräßchen zum Friedhof Casaglia kommt man vorbei an den Ruinen der im Krieg zerstörten Häuser und Kirchen, heute Gedenkstätten. Beim Friedhof geht es hinauf auf die Kuppe des Monte Sole mit wunderbarem Weitblick auf die Wiesen, die Macchiawäldchen und die Abhänge aus grauen und gelben Mergelschichten.