Reisetipps Emilia Romagna

Auftakt Emilia Romagna Was für eine Region!

Die Emilia-Romagna zählt zu den am meisten unterschätzten Ferienregionen Italiens. Dabei gibt es hier die besten Schinken, den aromatischsten Käse, den edelsten Essig. Mit der ältesten Universität Europas ist Bologna heute noch unter jungen Leuten die angesagte Stadt Italiens. Hier werden Traumautos gebaut wie Ferrari und Lamborghini. Städte wie Parma und Modena, Ferrara mit seinen Renaissancepalazzi und Ravenna mit seiner Mosaikpracht zählen zu den Highlights ganz Italiens. Hinzu kommt eine lebendige Kultur auf hochkarätigen Festivals. Und zum Sundowner geht es an den Strand von Rimini & Co.

Hier stoßen krasse und sehr spannende Gegensätze aufeinander: Auf der einen Seite hat sich die Adriaküste der Emilia-Romagna zur größten Sommer-Strand-Spaß-Industrie Europas entwickelt. Auf der anderen Seite finden Sie hier gleich drei sagenhafte Höhepunkte menschlichen Kunstschaffens, die von der Unesco zum Weltkulturerbe gezählt werden: der mittelalterliche Dom von Modena, die Renaissancestadt Ferrara und die Mosaikpracht in den Kirchen Ravennas.

Und dann all die Schinken und Käse, die vom emilianischen Schlaraffenhimmel baumeln! Oder wie wärs mit einer saftigen Scheibe Wassermelone an einem heißen Sommertag? Etwa in einer Melonenbude im Stadtpark oder an der Landstraße bei einem Melonenfeld. Eine köstliche Erfrischung nach einem Opernabend im festlichen Teatro Regio von Parma, nach einem Orgelkonzert unter den 1500 Jahre alten Mosaiken in der Kirche San Vitale von Ravenna oder nach einer Jazzsession am Strand von Cervia. Das ist es, was die Emilia-Romagna ausmacht, dieses Beieinander von deftigen Genüssen und künstlerisch anspruchsvollen Darbietungen.

Aber auch das gehört dazu: In Maranello werden in den Ferrari-Werkstätten mit die schnellsten Autos der Welt gebaut, und zugleich radelt man gemächlich durch die alten, verkehrsberuhigten Stadtkerne, flaniert unter den Arkaden, sitzt plaudernd beim Aperitif auf der Piazza.

Fast 4 Mio. Menschen leben auf rund 22000 km² in der Emilia-Romagna, das sind etwa 13 Prozent der Fläche Italiens. Was die Leute hier auszeichnet, ist ihre Freude an Geselligkeit. Wie sonst lassen sich die unzähligen Feste in Dörfern und Städtchen erklären, die zwischen Juni und September die Abende beleben, allen voran die beliebten gastronomischen sagre, die einer lokalen Spezialität gewidmet sind. Dank der Lust am Beisammensein hat sich auch die Tourismusindustrie an der romagnolischen Adria entwickeln können.

Angefangen hat es 1843 mit der Eröffnung der ersten Badeanstalt in Rimini. Die Fünfzigerjahre des 20. Jhs. brachten dann den entscheidenden Anstoß. Vor allem die deutsche Nachkriegsgeneration wollte raus und wünschte sich wieder Kontakte mit den Nachbarvölkern. Der Zustrom hat bis heute nicht nachgelassen. Von den jährlich vielen Millionen Besuchern kommen nun aber immer mehr auch aus den Ländern Osteuropas und aus Russland.

Die Adria ist kein Strand der anonymen Hotelketten, hier dominieren familiär geführte Ferienpensionen oder -wohnungen. Mit den legendären Diskotheken, den spektakulären Freizeitparks und Spaßbädern, unzähligen Sportangeboten, Strandpartys und Musikfestivals gelingt es immer wieder, neue Generationen in Bann zu schlagen, neue Trends aufzuspüren.

Wer sich aber auf eine Reise fernab der Strände einlässt, der wird überrascht entdecken, wie vielfältig dieser auf den ersten Blick eintönige Landstrich ist. Der Po und seine weite Ebene durchziehen die Region von West nach Ost ans Meer. Im Mittelalter begannen die großen Abteien mit der Trockenlegung des Sumpflands, später waren es die Renaissancefürsten, die Schleusen und Pumpwerke bauen ließen. In der zweiten Hälfte des 19. Jhs. zogen Scharen von Tagelöhnern mit Schaufeln und Karren durch die Ebene und schütteten Deiche auf. Noch bis in die Siebzigerjahre betrieb man Landgewinnung zur landwirtschaftlichen Nutzung in der weiten Mündungslandschaft des Pos. Heute versucht man die letzten Feuchtgebiete im Delta zu schützen und einem sanften Naturtourismus zugänglich zu machen, auf Hausbooten, mit dem Fahrrad oder auf dem Rücken von Camarguepferden.

Aber die Emilia-Romagna besteht nur zur Hälfte aus Flachland, 52 Prozent gehören zum Apennin, dem Gebirgszug, der ganz Italien durchzieht. Mit seinen dicht bewaldeten Hügeln und Flusstälern, seinen Erosionsfalten und kahlen Gipfeln, von denen der Monte Cimone immerhin 2165 m hoch ist, eignet sich der Apennin zum Wandern und Skifahren; markierte Wanderwege, Mountainbikerouten und Skipisten gibt es reichlich. Auf Ausflügen in diese Mittelgebirgslandschaft entdeckt man stattliche Burgen, uralte Kirchlein und mittelalterliche Dörfer, versteckt in Kastanienwäldern oder hoch oben auf Bergkämmen.

Eigentlich sind es ja zwei Gebiete, die Emilia und die Romagna, die erst 1861 im Zuge der Nationalstaatsbildung Italiens zu einer Region zusammengefasst wurden. Über Jahrhunderte war man getrennte Wege gegangen: Die Romagna längs der Küste und ihr Hinterland hatten unter byzantinischem Einfluss gestanden, was sich heute noch bemerkbar macht, etwa darin, dass man hier gerne Schaffleisch und Schafskäse isst und in der Küche das Olivenöl dominiert, während man in der Emilia seit jeher Schwein bevorzugt und mit Butter und Sahne kocht. In der in kleine Herzogtümer aufgeteilten Romagna blieb man eher unter sich, während die offene Emilia als zentrales Durchgangsland immer wieder das Interesse der Großen wie des Kirchenstaats, der Habsburger und der Bourbonen auf sich zog. Das verbindende Element ist die alte Römerstraße, der die Region ihren Namen und ihre Städte verdankt: die Via Emilia, 187 v. Chr. von Konsul Marcus Aemilius Lepidus angelegt, um die Adria mit dem Nordwesten zu verbinden. An ihr entstanden in Abständen von rund 20 km berühmte Städte: Piacenza, Fidenza, Parma, Reggio Emilia, Modena, Bologna, Imola, Forlì, Cesena, Rimini.

Ravenna hatte seine Glanzzeit im 5. und 6. Jh., als die Stadt nach dem Zusammenbruch des Römischen Imperiums mit dem Gotenkönig Theoderich und dem byzantinischen Kaiser Justinian zum alternativen Machtzentrum zu Rom wurde. Aus dieser Zeit stammen die wunderbaren mosaikgeschmückten Kirchen. Bologna bekam seine historische Chance mit der Entwicklung einer bedeutenden Universität im 11. Jh., als Jurastudenten und Rechtsgelehrte aus allen Ländern in die Stadt kamen; auf diese Zeit geht die labyrinthische Altstadt Bolognas mit ihren endlosen Arkaden zurück. Im 15. und 16. Jh. drückten Fürstenfamilien mit ihren anspruchsvollen Renaissancehöfen Städten wie Ferrara ihren Stempel auf, aber auch kleineren Zentren wie Correggio, Carpi, Gualtieri.

Das alles lädt zu einer Fahrt ins Land und über die Dörfer ein sowie in die wohlhabenden Städte mit ihren schönen Altstadtkernen voller edler Geschäfte, duftender Cafés und eleganter Plätze.