Reisetipps Düsseldorf

Auftakt Düsseldorf Was für eine Stadt!

Die Düsseldorfer lieben ihre Stadt. In zahlreichen Umfragen bewerteten sie die Lebensqualität als überdurchschnittlich hoch und katapultierten die Rheinmetropole damit im europäischen und internationalen Vergleich in die Spitzenklasse. Kein Wunder: Düsseldorf ist dynamisch, aber nicht hektisch, großstädtisch, aber überschaubar. Die Düsseldorfer haben eine große Vorliebe für die Tradition, die sie gern mit der Moderne kombinieren. Sie sind unkompliziert und ihren Gästen aus der ganzen Welt zugetan. Leben und leben lassen - so lautet ihr Motto, das allen Geschmacksrichtungen, Stilen und Meinungen viel Raum lässt.

„C'est petit Paris!“ - soll ein berühmter Bewunderer Düsseldorfs beim Anblick der Stadt ausgerufen haben. Napoleon, von dem hier die Rede ist, musste es schließlich wissen. Im historisch strengen Sinn ist dieser Satz zwar nicht verbürgt, aber da auch noch niemand schlüssig nachgewiesen hat, dass er erfunden wurde, wird er noch heute gern und häufig als bündige Charakterisierung ins Feld geführt. Und warum auch nicht? Eine gewisse Leichtlebigkeit und der ausgeprägte Sinn für Genuss kommen dem Pariser Savoir-vivre doch nahe. Und dass der schmeichelhafte Vergleich ziemlich hoch gegriffen ist - das gefällt den Düsseldorfern besonders.

Diese Neigung zu großsprecherischem Selbstbewusstsein und die hohe Wertschätzung der angenehmen Seiten des Lebens mögen auf den ersten Blick manchen abstoßen. Doch lassen Sie sich nicht täuschen: Hinter der häufig übertriebenen Schau stecken zumeist ein freundliches Wesen, ein ausgeprägter Sinn für Humor und eine geradezu ansteckende rheinische Fröhlichkeit. Was oft wie Genusssucht aussieht, ist in Wahrheit warmherzige Lebensfreude, die sich im Feiern, im großzügigen Geldausgeben und in großen Auftritten äußert - im „Spaß an der Freud'“ eben, wie der Wahlspruch der Düsseldorfer lautet.

Nicht zuletzt die Modemacher profitieren davon. International geschätzte Couturiers - u. a. Tristano Onofri, Toni Gard, Uta Raasch, Ursula Conzen, Beatrice Hympendahl - entwerfen hier die Mode, die die Damen und Herren der gehobenen Kreise zu schätzen wissen und zu bezahlen bereit sind. Düsseldorfs Rang als Modestadt bezeugen auch die mehrmals jährlich stattfindenden diversen Modemessen.

Eine Gaudi, die zu Düsseldorfs Ruhm beiträgt, ist der Karneval: Ende Februar, Anfang März steht die Stadt für ein langes Wochenende Kopf. Von Altweiberfastnacht (Karnevalsdonnerstag) bis zum nächsten Dienstag werden Unmengen von Altbier getrunken, und die Jecken feiern und tanzen auf den Straßen und in den Kneipen - in originellen, prächtigen oder albernen Kostümen, behängt mit Luftschlangen und betupft mit Konfetti. Höhepunkt ist der Rosenmontag mit dem großen Karnevalszug durch die Innenstadt.

Aber irgendetwas ist eigentlich das ganze Jahr über los. Die Rheinländer zieht es ja generell ins Freie - nichts schlimmer, als in den eigenen vier Wänden zu hocken -, und auch in dieser Hinsicht sind die Düsseldorfer waschechte Rheinländer. Da gibt es an jedem Wochenende das Schaulaufen der Inlineskater unten am Rhein - wo sich im Übrigen alle zeigen, die gesehen werden möchten, und das sind nicht wenige. Bücherbummel (Büchermarkt), Jazz-Rally und Altstadtherbst bringen ebenfalls Zigtausende auf die Beine. Und buchstäblich zur Millionenstadt wird Düsseldorf im Juli, wenn die Bierzelte und Hightechkarussells der größten Kirmes am Rhein die Oberkasseler Uferwiesen in einen einzigen Vergnügungspark verwandeln.

Was die Düsseldorfer ja eigentlich gar nicht brauchen. Schließlich können sie sich jede Nacht an der „längsten Theke der Welt“ vergnügen: in der Düsseldorfer Altstadt. Rund 260 Kneipen und Bars stehen hier auf relativ kleinem Raum und bieten für jeden Geschmack das Passende. Traditionelle Brauhäuser neben Studentenkneipen und Musikbars, Hähnchengrills, Pizzerien und Diskotheken, irischen Pubs und Intellektuellentreffs. Doch die Altstadt besteht nicht nur aus Stätten feuchtfröhlicher Unterhaltung; günstig verteilt befinden sich hier auch die Kunstakademie, die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen mit einem bedeutenden Bestand moderner Kunst, das Hetjens-Museum, das Heinrich-Heine-Institut und das Filmmuseum.

Also alles nah beieinander: Das zeigt deutlich, dass nicht nur das „Paris“ aus dem Satz von Napoleon stimmt, sondern auch das „klein“. Eine ständig schmerzende Wunde vor allem im Verhältnis zur Nachbarstadt Köln, der ewigen Konkurrentin. Auch dass Düsseldorf im Jahr 1288 eine Stadt wurde, hängt mit Köln zusammen: Weil die Düsseldorfer wacker in der Schlacht bei Köln-Worringen mitkämpften, erhob der Graf von Berg zum Dank, besser gesagt zum Ausbau seiner machtpolitischen Interessen, den günstig zwischen dem Rhein und der Ost-West-Handelsstraße, dem Hellweg, gelegenen Ort zur Stadt. Das änderte aber nichts daran, dass Düsseldorf weiterhin ein winziges, verschlafenes Dorf blieb. Bis der sogenannte zweite Stadtgründer, Herzog Wilhelm von Berg, Ende des 14. Jhs. für das Nest einen großen Reliquienschatz anschaffte und Düsseldorf so einen guten Platz im Kreis der sieben wichtigsten Wallfahrtsorte des Rheinlands sicherte. Neben der Ehre bedeutete das auch eine erkleckliche Einkommensquelle für Gastwirte, Herbergsleute und manch anderes Gewerbe. Von dieser Vergangenheit als Pilgerort wissen heute selbst viele Düsseldorfer nichts mehr, obwohl sie eines der beliebtesten Feste, die große Kirmes im Juli auf den Oberkasseler Rheinwiesen, dem Tag des Stadtheiligen Apollinaris verdanken.

Nicht zu unterschätzen im Selbstbewusstsein der Bürger ist auch Düsseldorfs Rolle als Hauptstadt des Landes Nordrhein-Westfalen, wenngleich im Alltag wenig Aufhebens davon gemacht wird. Das schöne neue Landtagsgebäude am Rhein ist das markanteste materielle Zeichen dieser Ehre. Eine kontinuierliche Entwicklung als fürstliche Hauptstadt war Düsseldorf nicht beschieden. Es blieb klein und eher unbedeutend. Als die Preußen an den Rhein kommen, leben in Düsseldorf (heute (575000 Ew.) gerade 20000 Menschen, Handel und Gewerbe sind alles andere als blühend. Von der straffen preußischen und protestantischen Beamten- und Militärgesellschaft sind die eher leichtlebigen katholischen Düsseldorfer erst einmal wenig begeistert. Umso rasanter mutet bei dieser Zurückhaltung dann die Entwicklung zur Kunst- und Kulturstadt an.

Die Kunst ist im Stadtbild überall präsent, obwohl Düsseldorf mit etwa 5 Prozent seines Etats im Vergleich zu anderen Städten eher wenig für Kultur ausgibt. Vielleicht liegt auch darin der Grund, dass Joseph Beuys bis heute kein Denkmal gesetzt wurde - nur sein berühmter Filzhut ist im Stadterhebungsmonument verewigt. Beuys, 1961-1972 Professor an der Kunstakademie, provozierte nicht nur mit seinen Werken, sondern vor allem mit seinen Ideen Menschen mit konservativem Kunstverständnis aufs Äußerste. Trotz heftiger öffentlicher Proteste wurde er schließlich entlassen, spielte aber im Kunstleben der Stadt bis zu seinem Tod 1986 eine große Rolle.

Ökonomisch viel wichtiger und oft auch wahrnehmbarer als die Künste sind die Messen, die zu Düsseldorf gehören wie zu anderen Städten ein Dom. Waren solche Ausstellungen im 19. Jh. ein großes Ereignis, so sind sie heute längst der Normalfall, obwohl ca. 40 Messen mit bis zu 1,5 Mio. Besuchern pro Jahr für die Einheimischen nicht immer ganz einfach zu verkraften sind. Seine Hauptrolle spielt Düsseldorf heute als bedeutendes internationales Handelszentrum und wichtigster Außenhandelsplatz der Bundesrepublik. Auch deshalb ist in Düsseldorf die mit rund 450 Firmen größte japanische Kolonie in Europa heimisch geworden.

Da ein gutes Image für die vielen Unternehmen und Institutionen lebenswichtig ist, herrschen hier beste Bedingungen für die Werbeindustrie. Vom Umsatz her ist Düsseldorf Deutschlands erfolgreichster Werbestandort. Am Rand des Industriehafens ist ein Viertel entstanden, in dem namhafte Architekten einander mit ihren avantgardistischen Bauwerken überbieten - das Medienviertel. Fernsehsender, Filmfirmen und Galerien prägen diese schöne, neue Welt, die durch einige der besten Restaurants Düsseldorfs für viele Bürger zur Attraktion geworden ist.

Seit ihrer Zusammenlegung im Jahr 2003 bilden die Neuss-Düsseldorfer Häfen den drittgrößten Binnenhafen Deutschlands, nach Duisburg und Köln. Der Hafen ist damit ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Der Rhein spielt auch für das Selbstbewusstsein und das Heimatgefühl der Düsseldorfer eine überragende Rolle, und die Anfang der 1990er-Jahre geschaffene Rheinuferpromenade ist ihr Lieblingstummelplatz geworden.

Viele andere Vorzüge ihrer Stadt nehmen die Düsseldorfer eher gleichgültig hin. Doch darin liegt auch ihr großer Charme. Mangels langer Geschichte der Sorge um die Pflege einer uralten Vergangenheit enthoben, geben sie sich mit großem Schwung dem Hier und Jetzt hin, ohne deshalb auf bewährte Annehmlichkeiten zu verzichten. Sie sind offen für Neues und für Fremde - die hier nicht lange Fremde bleiben.