Reisetipps Dänemark

Stichworte Dänemark

Hans Christian Andersen

Der Mann der Märchen und der Fabeln, dessen Vater in Odense Schuhmacher war und der später alles tat, um nie wieder in kleinen Verhältnissen leben zu müssen, steht in dem Ruf eines Nationalhelden. König Christian IV. wurde der Baumeister Kopenhagens, sein Astronom Tycho Brahe holte die Sterne vom Himmel, aber der bürgerliche Hans Christian Andersen war der wahre Zauberer. Er verwandelte Elend in Reichtum, Traurigkeit in Fröhlichkeit, Angst in Zuversicht.

Andersen (1805-75) war ein gern gesehener Gast bei den Adligen Dänemarks; monatelang lebte er auf ihren Schlössern und Herrenhäusern und schrieb in dieser herrschaftlichen Geborgenheit. Weltbekannte Märchen wie „Des Kaisers neue Kleider“, „Das hässliche Entlein“ oder „Die Schneekönigin“ entstanden. Eine eigene Familie, eine Frau, Kinder hat er nicht gehabt. Alles, was er hatte, waren seine Märchen, seine Fabeln, seine Geschichten. Hans Christian Andersen war sicher einsam - wäre er es nicht gewesen, er hätte nicht so eindringlich von Hoffnung und der Möglichkeit einer besseren Zukunft fabulieren können.

Karen Blixen

Die große alte Dame der dänischen Literatur des 20. Jhs. lebte bis zu ihrem Tod 1962 zurückgezogen auf ihrem Landsitz Rungstedlund nördlich von Kopenhagen. Im Park hinter dem Haus liegt sie unter einer Eiche begraben. Ihr erster Mann, ein Adliger, war Schwede. Mit ihm ging sie nach Afrika, bewirtschaftete eine Kaffeefarm, verliebte sich in einen anderen Mann, ließ sich scheiden, machte Bankrott, kehrte nach 17 Jahren Afrika nach Dänemark zurück und schrieb den Roman einer überwältigenden Liebe: „Afrika, dunkel lockende Welt“. Die Verfilmung wurde unter dem Titel „Jenseits von Afrika“ ein Welterfolg. In ihren späten Jahren in Dänemark wurde sie zu der publizistischen Instanz des Landes, eine Grande Dame de Lettres, fordernd, hart urteilend, hart arbeitend. Rungstedlund, das Haus ihrer Eltern, ist heute ein bezauberndes Museum, in dem man die Luft zu atmen meint, die schon die große Blixen inspirierte.

Bornholm

Nirgends in Dänemark scheint öfter die Sonne. Bornholm ist das Mekka der Familien mit Kindern: Der Verkehr ist noch ruhiger als sonst in Dänemark, viele Strände sind kinderfreundlich. Auf Bornholm gilt eine besondere Regel: Zu keinem Zeitpunkt sollen sich mehr Touristen auf der Insel aufhalten, als es Einwohner gibt - 45000. Ausführliche Informationen zu dieser Insel finden Sie im MARCO POLO Reiseführer „Bornholm“ oder im Internet unter www.bornholm.info.

Tycho Brahe

König Christian IV. war ein aufgeklärter und absoluter Monarch, an allem interessiert, was seinem Land von Nutzen sein konnte. Der Herrscher auf der Erde wollte auch den Himmel erobern. Seinem Hofastronomen Tycho Brahe (1546-1601) ließ er mitten in Kopenhagen ein Observatorium bauen. Nach einigen Jahren der Eintracht fiel der impulsive Brahe in Ungnade. Der Astronom errichtete sich daraufhin eine Sternwarte auf der Insel Hven, im Øresund. Brahe war nicht nur der Lehrmeister von Johannes Kepler, er beschrieb auch als Erster die Bewegungen der Planeten so präzise, dass kaum noch ein Zweifel daran bestehen konnte, wer um wen kreist - die große Streitfrage der Zeit. Mit seinen genau protokollierten Beobachtungen schuf er die Grundlage für Keplers drei Gesetze der Planetenbewegungen.

Demokratie

Dänemark ist eine Monarchie. Aber die demokratischen Traditionen reichen, aller Königstreue zum Trotz, bis weit in das 19. Jh. zurück. Es ist diese lange Tradition, die auch das Klima im Kleinen bestimmt. In Dänemark gibt es den Begriff der nærdemokratie, der Demokratie im engsten Umfeld. Da wird über eine neue Straße ebenso heiß debattiert wie über die Aufnahme von Flüchtlingen - und immer wirkt es auf Außenstehende so, als würde trotz aller Leidenschaft nie eine gewisse Grenze überschritten. Der andere wird nie zum Feind. Das mag hin und wieder etwas Quälendes haben, aber es garantiert ein ungeheuer wichtiges Gut: sozialen Frieden.

Färöer

Die aus 18 Inseln bestehende Gruppe der Färöer (dänisch Færøerne, färöisch Føroyar, Schafinseln) mit einer Fläche von knapp 1400 km² liegen etwa 600 km westlich der norwegischen Küste im Atlantik. Auf den seit 1948 autonomen Inseln leben 45 000 Menschen, Haupterwerbsquelle ist der Fischfang. Langjährige Bemühungen um die Unabhängigkeit erhielten 2001 einen Rückschlag: Eine geplante Volksbefragung wurde aufgegeben, als Dänemarks Ministerpräsident Rasmussen drohte, die finanzielle Unterstützung von jährlich 1,2 Mia. Kronen zu streichen; www.tourist.fo.

Fischfang

In Zeiten der EU-Fangquoten und zurückgehender Bestände weltweit ist Fisch längst nicht mehr die Grundlage des nationalen Wohlstands. Aber der Fischfang ist ein nationales Symbol. Dänemark war einmal eine Nation aus Bauern und Fischern. Und noch immer sind viele Traditionen, die aus dem Fischfang herrühren, lebendig oder werden zumindest gepflegt. Der EU-Quote folgen, Trawler stilllegen, aufgeben? Ein ausgestreckter Mittelfinger auf dem Segel symbolisiert die ganz persönliche Einstellung der immer weniger werdenden hauptberuflichen dänischen Fischer zur Europäischen Union...

Grönland

Dänemark hat sich lange schwer damit getan, seine einstige Kolonie, die die Inuit Kalaalit Nunaat, Land der Menschen, nennen, in die Selbstständigkeit zu entlassen. Noch in den 1950er-Jahren wurden ganze Familien zwangsweise umgesiedelt, um den Weg zu Ölfeldern frei zu machen. 1979 aber erhielt die mit knapp 2,2 Mio. km² größte Insel der Welt ein eigenes Parlament (Landsting) und eine eigene Regierung (Landsstyre). Und viele der rund 55000 Grönländer, meist Inuit, wären gern völlig unabhängig von der dänischen Krone - Verhandlungen laufen seit Jahren, die wirtschaftliche Lage aber macht das Anliegen problematisch. Reiseinformationen zu Grönland finden Sie im Internet unter www.greenland.com.

Humor

Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Dänische Klassiker: Die Witze der Jütländer über „die da drüben“ in Kopenhagen. Und natürlich die Witze der Kopenhagener über die Provinzler. Dänischer Humor ist oft schwarz, fast englisch; aber so gut wie immer auch selbstironisch und gern auch derb - Stand-up-Comedy erfreut sich großer Beliebtheit. Geblödelt wird natürlich auch. Bestes Beispiel und vielleicht Dänemarks berühmtestes Humor-Exportprodukt: die Olsenbande um ihren Chef Egon alias Ove Sprogøe. Zwischen 1968 und 1981 (für den „Letzten Stich“ wurden die Rentnerdiebe 1998 noch einmal reaktiviert) drehte Regisseur Erik Balling dreizehn Episoden mit dem Gaunertrio, das immer wieder am großen Coup arbeitet - und auf die Nase fällt. Die Olsens waren in West- und Ostdeutschland beliebt. Besonders aber in der DDR - wo sonst hätte Egons „Ich habe einen Plan“ auch so treffend zum geflügelten Wort werden können?

Monarchie

Königin Margrethe II., die seit 1972 amtiert, und ihr Prinzgemahl Henrik, ein Franzose von Adel, sind sehr beliebt. Nur Kronprinz Frederik und seine australische Frau Mary lassen noch mehr Herzen höher schlagen. Wo sonst kann es sich eine Königin leisten, öffentlich zu rauchen und Witze zu reißen und überhaupt so menschlich zu sein wie die gewöhnlichen Sterblichen? Die dänische Monarchie, so viel ist sicher, sitzt fester im Sattel als je zuvor. Sie gibt sich volkstümlich - und sie ist es auch. Da hat das Volk auch nichts dagegen, wenn dieser Luxus ein paar Hundert Millionen Kronen pro Jahr kostet. Wer liebt, der zahlt.

Nationalstolz

Dänen sind stolz; auf ihr Land und auf sich selbst. Verdens bedste, das Weltbeste, lautet einer der Begriffe, mit denen gern ausgefallenes Design, aber auch die neueste Biersorte gefeiert werden. Das hat vielleicht auch ein ganz klein wenig mit mangelndem Selbstbewusstsein zu tun.

Die kleine Nation von heute war vor 400 Jahren eine große Nation, ja eine Weltmacht. Und manchmal scheint es, als hätte sich das Land noch immer nicht mit seinem Schicksal abgefunden. Aber weil die Dänen klug sind, wissen sie, dass es tatsächlich viele Dinge gibt, auf die sie stolz sein können. Und deshalb äußert sich ihr Stolz so ganz und gar ohne Aggressionen. Und darauf können die Dänen wirklich stolz sein - das macht ihnen in dieser Welt so schnell keiner nach. Am Ende stimmt es also doch: verdens bedste.

Wikinger

Es war um das Jahr 1000, als die Wikinger ihre Blütezeit erlebten. Ein wildes, starkes Seefahrervolk, hemmungslos, räuberisch, rücksichtslos. So will es jedenfalls die Legende. In Wahrheit waren die Wikinger sicher auch das, aber sie waren noch viel mehr: Handelsleute, Weltreisende, Kulturschaffende, Entdecker. Von Skandinavien aus erkundeten sie mit ihren schlanken, schnellen, hochseetüchtigen Schiffen die Meere, erschlossen Handelswege in Europa, besiedelten die Inselgruppe der Färöer und Island. Eine Expedition unter Erich dem Roten landete 982 auf Grönland, Leif Eriksson erreichte um das Jahr 1000 die nordamerikanische Küste im heutigen Neufundland. Die Faszination vieler Dänen für ihre Vorfahren ist also durchaus verständlich. Beinahe überall im Land hat man ihre Festungen ausgegraben oder ihre Schiffe rekonstruiert und lebt in Wikingersiedlungen nach, wie es wohl vor 1000 Jahren gewesen sein mag. Der Mythos der Wikinger ist aber nicht nur eine dänische Angelegenheit. Die Wikinger verbinden den gesamten Norden. So gesehen sind die Wikinger so aktuell wie vor 1000 Jahren. Informationen über alles, was mit Wikingern zu tun hat, finden Sie im Internet unter www.ribesvikinger.dk.