Reisetipps Costa del Sol

Stichworte Costa del Sol

Feria

In Andalusiens Städten und Dörfern werden übers Jahr verteilt mehrere Tausend Feste gefeiert: ferias, Pilgerfahrten, Karneval, islamische Feste und christliche Prozessionen. Als feria (korrekt übersetzt: Markt, Messe, die Bedeutung ist jedoch viel umfassender) wird oft die Festwoche zu Ehren des jeweiligen Schutzpatrons einer größeren Ortschaft bezeichnet. In jedem Fest kommen Frömmigkeit und Lebensfreude, Stolz und Frohsinn zum Ausdruck.

Flamenco

Die Ursprünge des Flamenco liegen in byzantinischer, griechischer und arabischer Zeit. Seine Formen sind vielfältig: Neben sevillanas und fandangos werden in der Küstenregion vor allem granadinas und malagueñas vorgetragen - übrigens alle im strengen Sinne gar keine „echten“ Flamencos. Der Reiz des Flamenco ist das Improvisierte, nicht die einstudierte Choreografie. Der Tanz drückt alle Gefühle aus zwischen den Polen Lebensfreude und Verzweiflung. Für die Touristen sind der Wirbel bunter Röcke, das Klappern der Kastagnetten (die zum eigentlichen Flamenco gar nicht dazugehören), das Händeklatschen und das Knallen der Männerstiefel das Attraktive. Die Einheimischen achten mehr auf den Gesang und bei den Tänzerinnen auf die anmutige Bewegung der Arme. | www.flamenco-world.com

Immigration

Andalusien hat in jüngerer Vergangenheit riesige Einwanderungswellen verzeichnet. Manche versuchen illegal ihr Einreiseglück aus Nordafrika als Boatpeople über die Straße von Gibraltar. Andere reisen legal ein, studieren Fächer wie Betriebswirtschaft und Informatik. Nach Abschluss des Studiums wollen viele in Andalusien bleiben, suchen nach einem Partner oder einer Partnerin mit spanischem Pass oder legen in temporären Jobs in Start-up-Firmen ein solches Tempo vor, dass ihre Arbeitgeber sie behalten wollen. Die Herkunftsländer der Immigranten sind breit gestreut. Viele Schwarzafrikaner und Osteuropäer sind darunter. Die mit Spaniens kontinuierlichem Wirtschaftsaufschwung verbundene Nachfrage nach Arbeitskräften ist ungebrochen. Man braucht sie als Erntehelfer, als Haushaltshilfen, in Restaurants, in der Hotellerie, im Baugewerbe. Für die oft harte Arbeit gibt es meistens jedoch wenig Geld. Vereinzelte fremdenfeindliche Übergriffe haben gezeigt, dass die Aufgeschlossenheit für die Zuwanderer keine bedingungslose ist. Verallgemeinern lässt sich dies zum Glück nicht, denn eigentlich befindet man sich seit den Tagen der Kalifen in einer traditionell liberalen und toleranten Region. So haben Südspanier beispielsweise ein Faible für Kultur, Küche und Lebensweise, wie sie einst von den Mauren eingeführt wurden.

Moderne und Tradition

„O Spanier, wer vermag es, euch wachzurütteln aus eurer dumpfen Schlafsucht?“ empörte sich der Spanienreisende Casanova. Der Satz erweist sich keineswegs als prophetisch. Nach der geschützten Zeit des Protektionismus unter der Diktatur Francos setzten sich die Spanier dem kräftigen, oft rauen Wind des freien Marktes aus - und bleiben standhaft. Spaniens wirtschaftlicher Aufstieg vor allem in den letzten Jahren ist beachtlich und hat eine ganz neue Generation von Unternehmern und Geschäftsleuten hervorgebracht. Handel und harte Arbeit, die früher der Ehre eines caballeros, der den Müßiggang pflegt, widersprachen, werden heute als Voraussetzungen für Erfolg angesehen. Das hat gerade in Andalusien eine Menge Bräuche und Lebensformen durcheinandergewirbelt. Die Andalusier sind weltoffener, flexibler und polyglotter geworden. Eines allerdings haben sich die Andalusier bewahrt: Wo es ums Geschäft geht, fällt man nicht mit der Tür ins Haus. Direktheit ist in Andalusien selten Zeitersparnis. Auch die härtesten Verhandlungen lassen sich in angenehme Nebensächlichkeiten, etwa in mehrgängige Essen und in gepflegte Umgangsformen, einpacken. Genio y figura hasta la sepultura - „Haltung und Charakter wahre, von der Wiege bis zur Bahre!“ Eine anspruchsvolle Forderung, die auch in der neuen Zeit noch gilt. Was die Moderne allerdings nicht mit sich gebracht hat, ist der Verlass auf Pünktlichkeit, perfekte Organisation und Zahlungsmoral. In dieser Hinsicht geht man es eher traditioneller, sprich: lockerer an.

Paradores

Die paradores an der Sonnenküste und in ihrem Hinterland sind gediegene Hotels in mustergültig restaurierten Schlössern, Burgen, Adelssitzen, Landgütern oder Klöstern. Die Nobelherbergen entstanden, als der spanische Staat systematisch leer stehende historische Gebäude aufkaufte, für deren Unterhalt kein Geld zur Verfügung stand. Die paradores besitzen meist großzügige, behagliche Räume, einen reizvollen andalusischen Patio, den Hof mit Blumen, Schmiedeeisen und plätscherndem Brunnen, und häufig speist man unter dem Gewölbe eines Refektoriums an damastgedeckten Tischen mit schwerem Silberbesteck. Im Vergleich zu modernen Hotelbauten profitieren die paradores von einer unnachahmlichen Atmosphäre. In die Häuser sind zudem Restaurants eingefasst, die Stil und Regionalküche in exzellenter Weise pflegen. | www.parador.es

Religion

Spanien gilt traditionell als erzkatholisches Land, und unter allen Spaniern ist niemand frommer als die Andalusier. Doch ist diese Frömmigkeit nicht angstbeladen und mit Ernst überfrachtet. Ein religiöses Fest ohne Fröhlichkeit, Tanz und Wein ist im Süden Spaniens kaum vorstellbar. Selbst Pilgerzüge und Prozessionen, sogar in der Semana Santa, der heiligen Woche vor Ostern, sind nicht trauerverhangene Angelegenheiten, sondern sinnliche Ereignisse, an der selbstverständlich auch junge Leute teilhaben. Ungezwungenheit ist das Kennzeichen andalusischer Religiosität. Gott und die Heiligen sind zwar Ehrfurcht gebietende Größen, werden aber auch als so etwas wie Kumpel betrachtet. In seinem Buch „Der Spanier und die sieben Todsünden“ unterstellt Fernando Díaz Plaja seinen Landsleuten eine private Telefonverbindung zu Gott. Mit dem höchsten Wesen werden unbekümmert Kompensationsgeschäfte getätigt: Siegt die Fußballmannschaft, wird für Arme gespendet; gelingt der Geschäftsabschluss, findet der Ehebruch nicht statt; kommt die Tochter durchs Examen, wird der Hund nie wieder getreten. In Andalusien empfindet solche Deals niemand als anstößig. Der Umgang mit der höchsten Majestät ist ganz unverkrampft. Dennoch nehmen die Menschen ihre Religion sehr ernst, sie gehört zum Alltagsleben und ist unverzichtbar.

Moralische Werte und Forderungen sind allerdings in den letzten zwei, drei Jahrzehnten ins Wanken geraten bzw. gänzlich überkommen. Auch leere Kirchenbänke lassen sich mittlerweile beobachten - doch nicht nur das. Es gibt immer wieder Andalusier, die zum Islam übertreten. Dabei sind es vor allem jüngere Leute, die in dem Land, aus dem einst die Kalifen vertrieben wurden, als Konvertiten den Koran und seine strengen Regeln ernst nehmen. Die Region, die noch heute so stark vom maurischen Erbe profitiert, findet damit zu ihrer zweiten Seele zurück.

Siesta

Die Bedeutung dieser Ruhezeit an jedem Nachmittag - meist zwischen 15 und 17 Uhr - wird von Touristen oft unterschätzt. Die Siesta zeigt am deutlichsten den Lebensrhythmus des Südens, den Mitteleuropäer nur schwer verstehen. Zwar bietet die Siesta hauptsächlich die Möglichkeit, der größten Hitze des Tages in kühlere Räume zu entkommen. Doch dort wird nicht durchweg geruht: Spaniens Demografen haben herausgefunden, dass die Siesta die Zeit ist, in der die meisten Spanier und Spanierinnen gezeugt werden. Schließlich ist die Ruhepause auch die beste Vorbereitung für das gesellige Abend- und Nachtleben, das den Andalusiern so gut gefällt, dass sie es gern bis in den frühen Morgen hinein zelebrieren. Dazu braucht es Kondition, in der Siesta werden dafür die Grundlagen gelegt.

Stierkampf

Die wahre Schönheit der tauromaquia erschließe sich nur ihnen, glauben die Andalusier selbstbewusst. Sie spielen damit auf die metaphysische Dimension des Stierkampfs an, bei dem der Tod immer gegenwärtig ist. Die Auseinandersetzung zwischen einem Menschen und einem Tier im Rahmen eines strengen Reglements entspricht dem Bedürfnis des Volkes, Leben und Tod als Schicksal und sich ergänzende Einheit darzustellen. Die Stierkämpfe finden in der Zeit zwischen Ostern und Oktober statt, vor allem im Rahmen von großen Volksfesten. Stierkampf ist und bleibt ein Riesengeschäft mit mächtiger Lobby, das nach wie vor boomt. Die aficionados, die Anhänger, stammen traditionell aus Andalusien, ebenso viele berühmte Toreros, hier matadores genannt. Tierschützer plädieren für die Abschaffung des Stierkampfs; Befürworter führen gravierende ökologische Folgen ins Feld, die ein Verbot nach sich ziehen könnte: Die toros bravos sind eine eigene Rinderrasse, die ohne Stierkampf möglicherweise aussterben würde. Sie weiden bis zu ihrem Tod in der Arena mehrere Jahre in Lebensräumen, die ohne sie nicht mehr seltenen Tieren und Pflanzen Schutz böten, denn die Weideflächen würden schnell zu intensiven Landwirtschaftskulturen umgewandelt. Auch als Wirtschaftsfaktor sind Zucht und corrida nicht zu unterschätzen - Tausende Andalusier leben davon. So zumindest lauten die Argumente der Befürworter. Aus Sicht der Stierkampfgegner bleibt es ein unfaires, abstoßendes Spektakel.

Urbanización

Für viele ein Wort, das sie mit Gettoisierung und Abschottung verbinden. Aber wer ein Apartment in einer dieser am Reißbrett entstandenen Wohnsiedlungen mietet oder erwirbt, hat auch Vorteile: Die Infrastruktur ist auf die Bedürfnisse der Bewohner zugeschnitten, sie haben alles beieinander und zumeist nur kurze Wege. Man lernt Nachbarn kennen und erfährt unter Holländern, Engländern, Schweizern und Skandinaviern Internationalität. Meist stehen auch Wellnesseinrichtungen bereit, Sportanlagen (Tennis, Pool) sind sowieso Standard. Niemand muss sich ausschließlich in dieser kleinen Welt aufhalten, man hat aber eine gute Ausgangsbasis, um Andalusien kennenzulernen, und Menschen, die auf Sicherheit und Sprachkenntnisse beim Servicepersonal Wert legen, sind hier gut versorgt. Immer mehr Langzeiturlauber überwintern in einer urbanización an der Costa del Sol. Die Architektur der Siedlungen verbessert sich ständig, manche sind als andalusische Dörfer angelegt, andere eher futuristisch konzipiert.

Wasser

Die große Trockenheit kann in Andalusien immer wieder zu Rationierungen des Trinkwassers führen. Für denkbare Wassersperren sollte man angesichts der Wasserknappheit nicht nur Verständnis haben, sondern auch durch den eigenen sparsamen Wasserverbrauch zur Entlastung beitragen. Wasser aus der Leitung ist zwar grundsätzlich genießbar, doch meist stark gechlort, weshalb sich viele lieber mit Mineralwasser eindecken.