Reisetipps Costa Brava

Auftakt Costa Brava Was für eine Region!

Beschauliche Landschaften zwischen Bergen und kleinen Buchten, eine wild zerklüftete Küste und lebhafte Fischerorte - die Costa Brava strotzt vor Attraktionen. Hier kommen junge Leute auf der Suche nach der ultimativen Diskonacht ebenso auf ihre Kosten wie Familien mit Kleinkindern, die im flachen Meerwasser planschen. Wassersportler können Tauchgänge und Segeltörns genießen, Golfer, Radfahrer und Wanderer Ausflüge ins sanft hügelige Hinterland, Gourmets die Gaumenfreuden des Meeres - und das alles in angenehm warmem Klima. Selbst im November sollten Sie Badesachen einpacken!

Von den wie ein Riegel zwischen Frankreich und Spanien aufragenden Pyrenäen bis hin zum Städtchen Blanes trägt diese über 200 km lange Küste das Attribut „wild“, die Costa Brava. Der Journalist Ferran Agulló soll den Begriff Mitte des 20. Jhs. auf einem Festbankett im Kreise von Kollegen geprägt haben. Was er damit genau gemeint hat, ist nicht überliefert. Jedenfalls kann der Taufpate nicht die wilden Nächte in den Touristenzentren gemeint haben, denn die gab es damals, in den frühen 1950er-Jahren, noch nicht. Tatsache ist, dass sich der Norden der Autonomen Region Katalonien durch eine recht wild zerklüftete Küste vom Mittelmeer abgrenzt.

Costa Brava: Das sind die kleinen Fischerorte im Norden, wie Cadaqués und Palamós, die charmanten Seebäder wie Sant Feliu oder Tossa und die Kulturzentren wie Girona und Figueres. Wer nicht nur Strandleben genießen möchte, findet zudem viele Möglichkeiten, die Ferien aktiv zu gestalten. In den Naturparks von Cap Creus und Empordà können Sie herrlich wandern, am Meer gibt es Tauchgründe, Segelreviere und Surfstrände. Neu zu entdecken sind die kleinen Städte im Hinterland. Dort trifft man noch auf wirklich spanisch-katalanisches Leben.

Land des Meers und der Berge - dazwischen liegen nicht mehr als 50 km. Neben einigen größeren Ebenen, etwa den Flussmarschen östlich von Figueres oder bei La Bisbal, wellt sich das Land überwiegend in sanften Hügeln. Früher dehnten sich große Pinien- und Eichenwälder aus, exzessiver Schiffbau im Mittelalter hat viel davon vernichtet. Doch von Pinien eingerahmte Meeresbuchten sind nach wie vor ein Markenzeichen dieses Teils der Mittelmeerküste.

Die Garnelen von Palamós und die Sardinen der Nordküste haben die Costa Brava in Spanien populär gemacht. Sie ist jedoch nicht nur berühmt für den Fischfang. Im Hinterland der Küste blüht eine vielfältige Landwirtschaft. Die Dörfer sind gepflegt, die Felder gut bestellt. Hier sieht man Olivenhaine, Wein- und Getreidefelder, Äcker mit Artischocken, Tomaten und Auberginen, außerdem Eichen- und Korkeichenwälder. Die Korkeichen bildeten für Jahrhunderte die Basis für einen bedeutenden Industriezweig; im Wettbewerb mit synthetischen Produkten hat Naturkork heute jedoch an Bedeutung verloren. Je weiter Sie landeinwärts fahren, desto rauer wird es. Bald rücken die Gipfel der Pyrenäen und ihrer Ausläufer nahe, statt Traktoren kreuzen Schafherden den Weg.

Das Land ist wasserreich. Einige Bäche und Flüsse kommen von den Bergen herab und münden ins Meer. Die beiden wichtigsten sind der Riu Ter und der Riu Fluvià. Auch sie haben große Bedeutung für die Region, weil in ihren Niederungen das Land fruchtbar ist und mit seinem Lehm- und Tongehalt die Basis für die Töpfereien im Baix Empordà liefert. Das Baix Empordà ist eine von vier comarcas an der Costa Brava, die den deutschen Landkreisen entsprechen. Die anderen sind das Alt Empordà im Norden, Girona im Innern und La Selva im Süden.

An der Costa Brava herrscht ein ausgeglichenes Klima. Die Sommer sind warm, die Winter mild, und es regnet wenig. Einen Schatten auf diese klimatische Idylle wirft die tramontana. Dieser stürmische Wind fegt von den Pyrenäen herab, rüttelt an den Fischerbooten und zerrt an den Nerven der Menschen. Zum Glück zieht er nach wenigen Tagen wieder vorbei.

Das Meer nagt an diesem Land, hat sich hineingefressen und Stücke herausgerissen. Geblieben sind unzählige Felsbuchten, zum Teil derart geschützt, dass natürliche Häfen entstanden sind. Diese Küstenformation fanden die ersten Siedler ideal. Man hatte Zugang zum Meer und zu seinen Fischgründen, konnte Werften und Schiffe bauen. Die Handelswege hinaus aufs Meer standen offen, vor Piratenangriffen konnte man sich ins hügelige Hinterland zurückziehen.

Die Ersten waren die Iberer. Ihre Siedlungen sind die Wiege Spaniens, das war vor etwa 7000 Jahren. Es folgten Griechen, Römer und Westgoten. Später kamen weitere Einflüsse hinzu, aus dem maurischen Süden Spaniens und aus Nordeuropa. So entstand eine Melange, die bis heute die katalanische Kultur prägt. Viele Spuren dieser Vergangenheit können Sie immer noch entdecken: etwa die antike iberische Siedlung Ullastret, die römische Stadt Empúries oder die Burgen aus dem Mittelalter, die Wehrkirchen und Klöster.

Es war ebenfalls die Costa Brava, die zum ersten Ziel des Massentourismus in Spanien wurde. Anfang der 1950er-Jahre kamen die ersten Touristen aus den nord- und mitteleuropäischen Ländern. Sonne, Strand und niedrige Preise zogen zunächst nur einige Tausende an. Doch jedes Jahr kamen mehr. An der Küste setzte ein Bauboom ein, es entstanden die bekannten Hotelhochbauten und Touristenzentren wie Platja d'Aro oder Lloret de Mar. Diese Orte prägen das Image der Costa Brava. Was die einen als Ziel aller Urlaubsträume sehen - billiges, lautes und schnelles Vergnügen rund um die Uhr -, erzeugt bei anderen große Abneigung.

Die Katalanen haben in Spanien das Image, fleißig, ordentlich, geschäftstüchtig, aber auch übertrieben sparsam zu sein. Sie gelten als verschlossen. Ihr Temperament hat nichts mit der leichten Unbeschwertheit ihrer Landsleute im Süden Spaniens gemein. Und tatsächlich: Die Orte an der Costa Brava sind gepflegt, die Läden gut sortiert, das Personal ist freundlich und bemüht. Doch jenseits der geschäftlichen Kontakte mit den Touristen lebt man gern für sich.

In der Zeit nach Franco hat Katalonien wieder mehr Eigenständigkeit erhalten. Die unter Franco verbotenen Bräuche können wieder ausgelebt werden, die Katalanen dürfen wieder ihre eigene Sprache sprechen.

Wirtschaftlich gesehen ist die Region stark, sie erbringt den größten Anteil am gesamtspanischen Bruttosozialprodukt. Natürlich prägt auch die Landschaft zwischen Meer und Gebirge die Menschen. Ob Fischer, Bauer, Geschäftsmann oder Schafhirten: Was sie eint, ist die Liebe zu ihrer Heimat und ihrer Kultur. Wenn Katalanen zusammen sind und sich in ihrer eigenen Sprache, dem català, unterhalten, spürt man die Verbundenheit mit ihrem Land - einem Land voller Schönheiten und mit vielen Möglichkeiten für einen erholsamen Urlaub an der „wilden Küste“.