Reisetipps Costa Blanca

Stichworte Costa Blanca

Bevölkerung

Der gesamte Küstenstreifen ist - von einigen Ausnahmen abgesehen - relativ dicht besiedelt. Als größte Stadt sticht València (800000 Ew.) hervor, dahinter folgen Alacant (320000 Ew.), Cartagena (210000 Ew.) und Castelló de la Plana (150000 Ew.). Im Küstenhinterland liegen Städte wie Murcia (350000 Ew.) und Elx (200000 Ew.). Heutzutage leben in diesem Teil Spaniens nicht nur Spanier. Der Wirtschaftsaufschwung kurz vor der Jahrtausendwende, verbunden mit der Nachfrage nach Arbeitskräften und den Auswirkungen niedriger Geburtenraten, führte zum Zustrom von Emigranten aus Lateinamerika, Nord- und Schwarzafrika. Die seit 2008 virulente spanische Wirtschaftskrise hat inzwischen nicht nur den Zuzug gedrosselt, sondern manche außereuropäischen Immigranten zum Abzug bewegt. Auf einem anderen Blatt stehen „Zuwanderer“ spezieller Art: Vor allem im Raum Dénia/Calp haben sich größere Gemeinschaften Deutscher zusammengefunden, die entweder im Arbeitsleben stehen (z.B. als Ärzte, Köche, Bäcker) oder einfach das Rentnerdasein unter südlicher Sonne genießen. Insgesamt wird die Zahl auswärtiger Pensionäre, die sich mehr oder minder regelmäßig an den Küsten aufhalten, auf einige Hunderttausend geschätzt.

Fauna

Die dichte Besiedlung hat größere Landtiere im Lauf der Zeit zurückgedrängt. In Naturparks haben sich kleinere Spezies wie Füchse, Wiesel und Igel erhalten. Eine breitere Vielfalt bietet die Vogelwelt, u.a. mit Möwen- und Reiherarten, Eisvogel, Austernfischer, Wanderfalke, Wiedehopf, Mauersegler, Säbelschnäbler und dem Großen Brachvogel. Mit Glück bekommt man Flamingos und Habichtsadler zu Gesicht. Das Reich der Amphibien und Reptilien ist mit Salamandern, Eidechsen und Schlangen wie der Treppen-, Ringel- und Eidechsennatter vertreten. Unter Wasser ist die Artenvielfalt ebenfalls beachtlich, u.a. mit Seeteufel, Meeraal, Goldbrasse und Stachelrochen.

Flora

So kahl manche Berge aus der Ferne wirken mögen - beim näheren Hinsehen finden sich zahlreiche Sträucher und Kräuter, darunter Rosmarin, Thymian und Schopflavendel. Zum mediterranen Pflanzenkleid zählen auch Wacholder, Mastixsträucher, Ginster, Johannisbrotbäume, Schlehdorn, Zistrosen, Zwergpalmen, Kermeseichen und Kieferngewächse (Mittelmeerpinien, Aleppokiefern); Olivenbäume und Korkeichen haben wirtschaftliche Bedeutung. Einzigartig sind die von der Unesco zum Welterbe erklärten Palmenhaine von Elx.

Was an manchen Küstenstrichen gern mit angeschwemmten Algen verwechselt wird, ist in Wahrheit das Seegras Posidonia oceanica. Seegraswiesen zeugen von guter Wasserqualität, produzieren große Mengen an Sauerstoff, bieten Fischen Schutz und kommen in Tiefen bis zu 40 m vor. Aufklärungskampagnen führen den ökologischen Wert dieser Seegraswiesen vor Augen, die immer wieder durch Schiffsanker und Fischernetze beschädigt werden.

Helden und Heilige

Die Spanier lieben ihre Helden und Heiligen. In keinem Terminkalender dürfen die alljährlichen Patronatsfeierlichkeiten fehlen, bei denen man der heiligen Maria oder anderer Heiliger gedenkt. An heroische Kämpfe im Mittelalter erinnern die Feste der Moros y Cristianos („Mauren und Christen“), die mit Umzügen, Musik und Pulverdampf die Siege über die Muselmanen ins Gedächtnis rufen. In die Schlachten war der Nationalheld und Heerführer El Cid (um 1043 bis 1099) verstrickt, dem 1094 die erstmalige Eroberung von València gelang. Jahrhunderte vor El Cid starb der heilige Vinzenz (spanisch: San Vicente Mártir) im Jahre 304 in València; den Überlieferungen zufolge war er ein Opfer der Christenverfolgungen unter dem römischen Kaiser Diokletian. Aus València gebürtig war ein weiterer heiliger Vinzenz, San Vicente Ferrer (um 1350-1419), der dem Dominikanerorden angehörte und als Bußprediger hervortrat.

Kunst und Literatur

Als Meister der valencianischen Barockmalerei gelten Francisco Ribalta (1565-1628) und sein Sohn Juan Ribalta (1596-1628), die mit ihren Werken im Museu de Belles Arts in València vertreten sind. València hat mit Joaquín Sorolla (1863-1923) auch einen bedeutenden impressionistischen Maler hervorgebracht. In seinen Werken spiegeln sich u.a. Strand- und Fischerszenen der Levanteküste wider. Ein Zeitgenosse Sorollas war der Dichter Vicente Blasco Ibáñez (1867-1928), dessen Haus in València als Gedenkstätte zu besichtigen ist. Ins Deutsche übersetzt wurden Romane wie „Blutige Arena“ und „Sumpffieber“.

Moderne Architektur

València schmückt sich mit einem der spanienweit größten Aushängeschilder moderner Architektur: dem aufsehenerregenden futuristischen Ensemble der „Stadt der Künste und der Wissenschaften“ (Ciutat de les Arts i les Ciències), das sich auf einem 35 ha großen Gelände ausbreitet. Während das zum Komplex gehörende Gebäude Oceanogràfic von Félix Candela entworfen wurde, tragen das strahlend weiße Hemisfèric, das Museu de les Ciències Príncipe Felipe und der Palau des Arts Reina Sofía die unverkennbare Handschrift von Santiago Calatrava. Der 1951 geborene Architekt stammt aus València. Valèncias Musikpalast, Palau de la Música, fußt auf Plänen von José María García de Paredes, Träger des Nationalen Architekturpreises. Ein anderer spanischer Vorzeigearchitekt, Ricardo Bofill, gestaltete den Aigüera-Park in Benidorm und einen verschachtelten Gebäudekomplex in Calpes Viertel La Manzanera.

Politische Gliederung

Das 45 Mio. Einwohner starke Spanien gliedert sich in 17 Comunidades Autónomas, Autonome Gemeinschaften, die vergleichbar mit den deutschen Bundesländern sind. Maßgeblich für diesen Band sind die Autonomen Gemeinschaften von València (23300 km²; die Provinzen València, Castelló de la Plana und Alacant) und Murcia (11300 km²). Murcia zählt zu den wenigen Autonomen Gemeinschaften, die nicht mehr in einzelne Provinzen unterteilt sind.

Reconquista

Im Jahr 711 machten sich maurische Heere Streitigkeiten im Westgotenreich zu Nutze und fielen von Nordafrika her über die Straße von Gibraltar auf die Iberische Halbinsel ein. Hier setzten sie sich vor allem im Süd- und Ostteil dauerhaft fest, während ihnen vom Norden her bald der Wind der Reconquista, der „christlichen Rückeroberung“, entgegenwehte. Diese fand mit dem Fall des letzten maurischen Reiches von Granada 1492 ihren Abschluss. Zu den Hinterlassenschaften der Mauren zählen Zeugnisse ihrer Architektur (Burgen, Paläste), zahlreiche Ortsnamen und ausgeklügelte Bewässerungsmethoden der Landwirtschaft.

Sportrausch

In der Region kommt niemand gegen König Fußball an, wobei der Traditionsclub CF València schon Uefa-Cup-Sieger, spanischer Pokalsieger (zuletzt 2008 mit dem deutschen Nationaltorwart Timo Hildebrand) und spanischer Meister war. Eine jüngere Erfolgsgeschichte hat der CF Villarreal geschrieben, der 2006 bis ins Halbfinale der Champions League vorstieß und 2008 spanischer Vizemeister wurde. Den Ballzauberern hat der 2007 erstmals in València ausgetragene America's Cup, der weltweit bedeutendste Wettbewerb im Hochseesegeln, ein wenig Aufmerksamkeit entzogen. Damit nicht genug: Seit 2008 dröhnen die Motoren der Königsklasse in València: Die Stadt wurde fester Bestandteil im Rennprogramm der Formel 1.

Sprache

Im Mehr-Sprachen-Land Spanien ist es eine Crux mit den Sprachen, ihrer Verbreitung und Akzeptanz und ihrem Gebrauch als Ausdruck regionaler Identität. Über allem steht das „Hochspanisch“, castellano. Darüber hinaus sind das Galicische (galego), das Baskische (euskera) und das Katalanische (català) landesweit offiziell anerkannt. Nicht so verhält es sich mit Valencianisch (valencià), das dem Katalanischen sehr ähnlich ist - doch gerade das verursacht bis heute erbitterte politische Auseinandersetzungen. Aus valencianischer Sicht ist das valencià eine eigene Sprache, während die Katalanen im valencià nur eine Sonderform des català sehen. Fest steht, dass das valencià auf regionaler Ebene anerkannt und von der Costa del Azahar bis hinab an die südlichen Ausläufer der Costa Blanca verbreitet ist.

Stierkampf

Allen Einwänden zum Trotz haben die Stierkämpfe (corridas de toros) ihren fest verankerten Stellenwert und werden so leicht nicht aus Spaniens Traditionspanorama verschwinden. Toreros werden wie Helden gefeiert, ihr Privatleben von der Yellowpress entblättert. Der Nachwuchs wird in Stierkämpferschulen ausgebildet, doch nicht jeder schafft den Sprung an die Spitze. Statt in renommierten plazas de toros wie València Erfolge zu feiern, tingeln viele durch drittklassige Provinzarenen.

Wirtschaft

Unter die landwirtschaftlich geprägten Zonen mit Orangenplantagen, Artischockenfeldern, Weingärten, Mandel- und Olivenhainen mischen sich immer wieder Industrie- und Gewerbegebiete - meist aus der Nahrungsmittelverarbeitung, aber auch Ziegelbrennereien und Großbetriebe mit Fliesen-, Kachel-, Steingut- und Betonproduktion. Auch die Porzellanherstellung schafft Arbeitsplätze, Elx gilt als ein Zentrum der Schuhindustrie, um Novelda findet man Marmorbetriebe. Die Häfen von València, Castelló de la Plana und Cartagena gehören zu den geschäftigsten Warenumschlagplätzen der Mittelmeerküste: Verladekräne und Containerterminals sind nicht zu übersehen. In der Region, in der der Tourismus seit Jahrzehnten eine große Rolle spielt, nimmt das Dienstleistungsgewerbe gewichtigen Raum ein. Die Arbeitslosenquote liegt bei 10-12, die Inflationsrate bei jährlich 4-5 Prozent.