Reisetipps Costa Blanca

Auftakt Costa Blanca Was für eine Region!

Traumhafte Strände und Stadtkultur, sonniges Klima, rauschende Feste, eine lebendige Gastroszene, Naturschutzgebiete, das Hinterland mit urigen Steindörfern - es gibt viele gute Gründe für eine Reise an Spaniens Mittelmeer. Die „Weiße Küste“ (Costa Blanca), die „Heiße Küste“ (Costa Cálida) und die „Küste der Orangenblüten“ (Costa del Azahar) tragen nicht nur klingende Namen, sondern halten selbst für Spanien-Kenner Überraschungen bereit: versteckte Buchten, Häfen, Märkte, kleine Kneipen und Restaurants für Genießer. Auf einem Extrablatt steht València, eine der pulsierendsten Städte Spaniens.

„Hier, nimm das“, strahlt Marisol und schiebt dem Fremden ein Tellerchen hin, „das musst du probieren!“ Per Zahnstocher wandert ein Häppchen in den Mund. „Jetzt ganz langsam kauen - na?“, fragt die Spanierin erwartungsvoll. Im Gaumen breitet sich Meeresaroma aus. „Pulpo seco hier aus Águilas“, schwärmt Marisol, „das ist etwas ganz Besonderes!“ Getrockneter Oktopus, frisch aus der Grillpfanne. Ein echtes Erlebnis, einfach köstlich, dazu der Blick hinüber zum Hafen. Wenn da keine Ferienlaune aufkommt …

Die Vorzüge der Küche sind eine Sache, das Wetter und die Strände eine andere. Spaniens östliche Mittelmeerküste sonnt sich im Glanz eines beneidenswerten Klimas und eignet sich jederzeit als Ziel für Individualisten wie für Pauschalreisende. Zur Auswahl stehen Hunderte Küstenkilometer, die im Norden mit der „Orangenblütenküste“ Costa del Azahar beginnen. Dieser Abschnitt gehört zur valencianischen Provinz Castelló de la Plana und findet mit den Stränden von Peñíscola und Benicàssim seine Höhepunkte. Südwärts schließen sich die Strände um València an, gefolgt von der „Weißen Küste“, der eigentlichen Costa Blanca. Hier werden Urlaubsträume wahr, gepaart mit sommerlichem Highlife im Stil von Benidorm, der Hafenstadt Alacant/Alicante oder ruhigeren Fleckchen für Familien mit Kindern. Südwärts geht die Costa Blanca in die Küste von Murcia über, die mit den Feriengebieten um La Manga del Mar Menor und der „Heißen Küste“, Costa Cálida, bis hinab nach Andalusien reicht; zu den Charakteristika dieses Küstenabschnitts zählen herrliche Felsenbuchten. Der Übergang nach Murcia markiert auch eine Sprachgrenze. Ist bis dahin parallel zum normalen Spanisch (castellano) das Valencianische (valencià) verbreitet, so gibt in Murcia nur noch castellano den Ton an. Verwirrend ist im valencianischen Sprachraum die uneinheitliche Handhabung. Die zeigt sich z.B. bei unterschiedlichen Schreibweisen von Orts- und Straßennamen, die Besuchern im Reisealltag begegnen.

An den Küsten sind mindestens 300 Sonnentage und über 3000 Sonnenstunden pro Jahr Standard, Regenfälle mancherorts ein nahezu unbekanntes Phänomen! Im tieferen Süden kann sich die Quecksilbersäule im Hochsommer um die 40-Grad-Marke bewegen, insbesondere um Murcia und Cartagena. Um Ostern sowie im Juli und August sind die meisten Spanier unterwegs - und dann herrscht allseits das meiste Leben samt aller Vor- und Nachteile. Wer im Winter aus mitteleuropäischen Breiten an Spaniens Mittelmeerküste abtaucht, wird die Ruhe genießen können und sich zu jenen Privilegierten zählen, die zu Jahresbeginn auf der Terrasse frühstücken. In der Gegend um Alacant liegt der jährliche Temperaturschnitt bei 18,5, im Januar immerhin bei 13 Grad.

València, eine der schönsten Metropolen Spaniens, bietet sich zu jeder Jahreszeit für einen Citytrip an. Die Eindrücke von Stränden und Naturschönheiten werden durch Santiago Calatravas moderne Architektur in der „Stadt der Künste und der Wissenschaften“ und eine gewaltige Zusatzportion Kultur ergänzt. Alleine der Musikpalast lockt mit seinem Konzertprogramm jährlich über eine halbe Million Besucher an. Landesweites Renommee genießen außerdem das Valencianische Zentrum für Moderne Kunst und das Museum der Schönen Künste. Die Seidenbörse zählt zum Weltkulturerbe, gleich gegenüber bezaubern die riesigen Markthallen mit ihrem ganz eigenen Flair. In der Stadt tanken Sie südländische Stimmung allerorten: in den Kneipen, in den Parks, an den Stränden, am Hafen. Plätze und Promenaden sind den Spaniern verlängerte Wohnzimmer. Man geht gut gelaunt und gelassen durchs Leben und lässt es sich nicht durch die neuesten Preisanstiege und Pressemeldungen von korrupten Politikern vergällen.

Zwischen der Costa del Azahar und der Küste von Murcia gehen Kultur und Natur Hand in Hand, präsentieren sich blühende Landschaften voll mediterraner Exotik: Unter südlicher Sonne gedeihen Orangen und Zitronen, Oliven, Dattelpalmen, Mimosen, Mandel- und Feigenbäume. Rasch wird man sehen, dass Spaniens Ostküste nicht aus feinsandigen langen Stränden allein besteht. Immer wieder schieben sich versteckte kleine Buchten und wildromantische Klippen ins Bild. Zwischen Dénia und Calp ragen die Kaps Sant Antoni und Nao in die See hinein, Küstengebirge wie El Montgó und die Serra d'Irta stehen unter Naturschutz, im Hinterland bäumen sich imposante Bergwelten auf. Dort liegt der Duft von Kiefern und Kräutern in der Luft, die Gegend um Callosa d'en Sarrià ist mit Mispelbäumen übersät. In manchen Orten leuchten Hibiskus und Bougainvilleen vor weißen Fassaden, auf dem Land wuchern Mittagsblumen, Agaven und Feigenkakteen.

Die Menschen in dieser Region haben im Laufe der Zeit zahlreiche Fremde kommen und gehen sehen: in vorgeschichtlicher Ära phönizische Händler und Seefahrer, später die Römer, im Mittelalter die Mauren, dann Piraten aus Nordafrika, die napoleonischen Truppen. Inmitten der Franco-Diktatur, ab Ende der 1950er- Jahre, begann Spanien sich als Touristenziel zu öffnen und an den Küsten selbst einzubetonieren. In Städten wie Benidorm sind die Bausünden noch sichtbar. Heute blüht das Business - und jeder weiß es als Einkommensquelle zu schätzen. Viele Einheimische finden Arbeit in der Gastronomie und in Freizeitparks oder machen sich mit Sportangebotenselbstständig. Andere gehen Knochenjobs in Handelshäfen, Raffinerien und Ziegelbrennereien nach. Auch die Arbeit im Orangenhain ist kein Zuckerschlecken. „Manche glauben, ich würde den ganzen Tag nur die Sonne und die frische Luft genießen“, sagt Paco, der im Hinterland von Dénia eine Plantage bewirtschaftet. „Allein hier stehen 3000 Bäume, das ist kein Hobby, das ist Arbeit von früh bis spät.“ Auch Marisol, die in Águilas ein Reisebüro betreibt, muss arbeiten, wo andere Urlaub machen, weiß aber den Hebel umzulegen: Traditionen wie die tägliche Siesta und die Einkehr in die örtlichen Kneipen sind ihr heilig. Sie und ihr Mann Antonio würden nie davon abrücken. Denn was gibt es Schöneres als die klare Luft, das Meer und dazu ein paar Stückchen pulpo seco …?